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Ich spreche wiederholt von dem Jaquette, denn es ist ein unwandel⸗ bares Kleidungsstück. Man trägt es, man legt es bei Seite und nimmt es wieder mit demselben Vergnügen auf. Nur werden von Zeit zu Zeit einige kleine Varianten hineingebracht. Gegenwärtig hat das geöffnete Jaquette die meisten Erfolge. Im Rücken anschließend, zeigt es die auseinander stehenden Vordertheile, welche nie geschlossen werden können und das Leibchen sehen lassen, gerade, aber doch nicht weit; es ist mit einem umgeschlagenen Kragen versehen, der in Revers ausläuft. Der⸗ artige Jaquetts werden aus leichten Tuchen gefertigt und mit Changeant⸗ seide gefüttert. Die Lieblingstöne darin sind mastixfarben, grau, goblin⸗ blau, goldbraun, tabakbraun und schwarz.
Die schwarzen Hüte sind an der Tagesordnung, so sehr man die Farbe— die rothen und die gelben wie die mit dem Kleid korrespon— direnden Strohhüte— in den Vordergrund bringen will. Man hofft indeß, daß sie in der Sommerfrische zu ihrer vollen Geltung gelangen werden. Hier sieht man also vorzugsweise schwarze Bast- und schwarze englische Strohhüte, geziert mit Wogen schwarzen Spitzentülls, mit schwarzen Bandschleifen, schwarzen Straußfedermassen, schwarzen Jet⸗ zierrathen. Andererseits, um den düsteren Eindruck zu mildern, fügt man weiße oder farbige Blumensträuße hinzu oder bringt auf eklatante Weise das Schwarz in Verbindung mit Moosgrün, Roth oder Weiß, denn das sind Kompositionen, die sich erhalten und durch ihre geschickte und graziöse Anordnung immer neue Triumphe feiern. Auch die Zu⸗ sammenstellung von Schwarz und Gelb, von Schwarz und Frühlings grün(jeune pousse: jenes sanfte und zarte Grün, das zuerst an Bäumen und Sträuchern hervorbricht) wird viel getragen.
Wie modern ist überhaupt wieder das Grün geworden! Da giebt es außer dem genannten„pousse“ das Stielgrün(tige), das Froschgrün, Reseda, Lindengrün, Grillengrün, Moosgfün, Pistaziengrün, Chartreuse, Malachitgrün.
Die kleine Capote ist und bleibt der bevorzugte Liebling der Damen, der jungen und der alten, wie derjenigen, welche weder jung noch alt sind.
führte. Dieses rettende Wasser befand sich aber in einem von unseren Gegnern besetzten Gehöft, und mußte also erst erobert werden. Ich als Führer der zu diesem Behufe abgeschickten Abtheilung umreite nun bei nächtlicher Weile jenes Gehöft, welches am Rande eines Abgrundes steht. Als ich mich eben an einer Stelle befinde, wo ein Ausweichen unmöglich ist, begegnet mir ebenfalls zu Pferde Oberst Perez von unserer Partei. Wir kommen überein, zu losen, welcher von uns sich in den Abgrund stürzen solle. Es fragte sich jetzt, wie wir losen sollten. Alle im gewöhnlichen Leben üblichen Methoden waren in Berücksichtigung der Umstände und besonders wegen der Finsterniß unausführbar. Der Oberst ersann ein Mittel, an das ich nicht gedacht.„Ich will Euch etwas sagen, Senor Kapitän,“ sprach er,„mir fällt ein Mittel ein. Die Angst entreißt unseren Pferden dann und wann ein geräuschvolles Schnauben. Derjenige von uns, dessen Pferd zuerst wieder schnaubt—“ „Hat gewonnen?“ rief ich.—„Hat verloren. Ich weiß, daß Ihr ein campesino seid, und daß Euresgleichen mit ihren Pferden machen können, was sie wollen. Ich meines Theils, der vergangenes Jahr noch den Studien auf der Universität obgelegen, fordere Eure equestrische Geschick— lichkeit heraus. Ihr mögt Euer Pferd zum Schnauben bringen können, es daran zu verhindern, ist etwas Anderes.“
Wir erwarteten in angstvollem Schweigen, das der Athemzug eines unserer Pferde sich vernehmen ließ. Dieses Schweigen dauerte eine Minute,— eine Ewigkeit!
Mein Pferd schnaubte zuerst. Der Oberst verrieth durch kein äußeres Zeichen, daß er sich freute, ohne Zweifel aber dankte er Gott aus tiefster Seele.„Ihr bewilligt mir doch eine Minute, um mich dem Himmel zu empfehlen?“ fragte ich den Oberst mit erloschener Stimme.—„Sind fünf Minuten genug?“„Ja,“ antwortete ich.
Der Oberst nahm seine Uhr hervor und zündete eine neue Cigarrette an. Ich sandte ein inbrünstiges Gebet zu dem sternbesäeten Himmel empor, den ich zum letzten Male zu betrachten glaubte.„Die Zeit ist um,“ sagte der Oberst. Ich erwiderte nichts und nahm mit zitternder
1 Ganz nach Belieben unterdrückt man bei derselben die Bindebänder oder hält daran fest; in letzterem Falle bringt man sie fast durchgängig am Fond an.
Runde Strohhüte, welche man vielfach mit schwarzem Fond und heller, vorzugsweise weißer oder gelber Krämpe bereitet, erhalten als Garnitur zuweilen nichts weiter als eine handvoll Blumen: Schneebälle, Flieder, weißen und lila, weißen und rosigen untereinander gemischt,
Hand die Zügel meines Pferdes zusammen.—„Noch eine Minute,“ sagte ich zu dem Oberst,„denn ich bedarf meiner ganzen Geistesgegenwart, N um das fürchterliche Manöver auszuführen, das ich beabsichtige.“— „Zugestanden!“ versetzte Perez.
Ich habe meine Kindheit und meine erste Jugend fast beständig auf dem Pferde zugebracht, und ich kann wohl sagen, ohne mir zu schmeicheln, daß, wenn überhaupt Jemand dieses equestrische Kunststück auszuführen ver— mochte, ich es wohl am besten konnte. Ich raffte mich auf, und es gelang mir, Angesichts des Todes meine ganze Kaltblütigkeit wieder zu gewinnen.
Als mein Pferd zum zweiten Male wieder seit meinem Zusammen⸗ treffen mit dem Oberst das Gebiß im Maule fühlte, bemerkte ich, daß es unter mir zusammenfuhr. Ich stellte mich fast in die Steigbügel, um dem geängstigten Thiere zu zeigen, daß ich, sein Reiter, nicht zitterte.
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Rosen in verschiedenen Farben. Oder man schlingt eine weiße Echarpe aus Krepp, Tüll oder Gaze um den Hut, aus welcher Strahlenbüschel weißer Maiblumen hervorschießen. 8 Toques werden viel getragen, zumal die englischen, welche ganz leicht oval gestaltet sind und sich hinten auf einem kleinen, runden, tief esteckten Chignon, die echt englische Haarfrisur, stützen. Ich habe eine beige Toque aus tabakbraunem Stroh bemerkt. Vorn breitete sich
ein Chiffonné von braunem Sammet aus, und seitwärts prangte ein Bouquet Veilchen.
Joese Blätter.
Die Catskill⸗Wasserfälle.(Siehe Illustration). Im weiten Länder⸗ gebiet der Vereinigten Staaten hat kaum ein anderer Strom so schöne Ufer aufzuweisen, als der Hudson, welcher sich bei Newyork in's atlantische Meer ergießt. Die Hudsonufer entbehren auch einer gewissen Romantik nicht. In die Catskillberge, deren Thäler von schöͤnen Laubwäldern durchzogen, deren Höhen mit Fichten bestanden sind, hat Cooper den Schauplatz für seine Indianergeschichten verlegt. Die Höhen des Catskill sind von Sagen umwoben. Washington Irving erzählt in seinem Sketsch⸗ Book die hübsche Sage von Rip van Winkle, jenem holländischen Au⸗ siedler, der in den Catskillbergen dem Geist des Hendrik Hudson und andern Spukgestalten begegnete und der mit einem Zaubertrank im Leibe Jahrzehnte lang schlief, so daß er als Greis sein Heimatsdorf wiedersah, das er als junger Mann verlassen hatte. Die waldreichen Catskillberge erinnern an die Höhenzüge Thüringens, aber sie haben etwas vor diesen voraus, nämlich die wundervolle Aussicht auf das weite Hudsonthal und die gewaltige Stadt Newyork. Ein Panorama, wie es der Blick des Besuchers vom Mountain-House aus überfliegt, gehört zu den größten Sehenswürdigkeiten der Welt. Eine der schönsten Zierden dieses Ufer⸗ gebirges bilden die Wasserfälle in der Kauterskill⸗Clove, einer hundert Meter tiefen Waldschlucht. Ueber den Fels herab stürzen die Wasser in einen weiten Kessel, schäumen und brodeln darin, ergießen sich über die Ränder und fallen in einer zweiten Kaskade zur Thalsohle herab. Die von den schäumenden Wassern durchbrauste Schlucht erhält ihren vollen romantischen Zauber erst in hellen Mondnächten. R. E.
Ein Reiterkunststück. Lauge Zeit hat mein Freund v. K., reich und unabhängig, seiner Lust gefröhnt, aller Herren Länder zu durchstreifen, und seiner Thaten- oder vielmehr Abenteuerlust Genüge geleistet. Vor
Ich unterstützte es mit dem Zaum und den Schenkeln, wie jeder guter Reiter auf einem gefährlichen Wege, und es gelang mir, es einige Schritte zurücktreten zu lassen. Schon war sein Kopf von dem des anderen ferdes etwas weiter entfernt und der Oberst ermuthigte mich durch urufen. Ich ließ das zitternde Pferd, das mir trotz seiner Angst ge— horchte, ein wenig ruhen, dann begann ich das nämliche Manöver wieder. Plötzlich fühlte ich, daß es mit den Hinterfüßen ausglitt, ein Schauder durchrieselte meinen ganzen Körper; ich schloß die Augen, als ob ich schon in den Abgrund hinunterrollte, und drückte mich mit einer unwillkürlichen Bewegung an die Mauer der Hacienda, deren Mauer— fläche mir nicht den kleinsten Vorsprung, keinen Grashalm darbot, an dem ich mich hätte festhalten können. Diese plötzliche Bewegung, ver— bunden mit einer verzweifelten Bewegung des Pferdes, rettete mir das Leben. Es war ihm gelungen, wieder festen Fuß zu fassen. So hatte ich eine Stelle erreicht, wo der Pfad breiter war. Wäre er nur einige Zolle noch breiter gewesen, so hätte ich umwenden können; aber es war zu gefährlich und ich unterließ es daher. Ich wollte noch ein Stück zurück. Zwei Mal bäumte sich das Pferd und zwei Mal fielen seine Vorderfüße wieder auf die nämliche Stelle zurück. Umsonst cajolirte ich es mit der Stimme, mit dem Zügel, mit den Sporen. Das Thier weigerte sich hartnäckig, noch einen Schritt weiter zurückzutreten.
Mein Muth war indessen noch nicht zu Ende, denn ich hatte keine Lust, zu sterben. Da fuhr mir plötzlich das letzte und einzige Rettungs— mittel, das mir noch blieb, durch den Kopf; ich beschloß, es anzuwenden. Ich trug im Stiefelschafte ein langes, spitzes Messer bei mir; dieses zog ich heraus. Ich begann nun zuvörderst mit der linken Hand den Hals des Pferdes zu streicheln, während ich es zugleich durch sanftes Zureden beruhigte. Das arme Thier antwortete auf meine Liebkosungen durch ein klagendes Gewieher. Um es nicht zu sehr zu überraschen, folgte meine Hand langsam der Krümmung seines muskulösen Halses, bis sie an die Stelle kam, wo der letzte Wirbel an den Hirnschädel sich anschließt. Das Pferd erbebte unter mir, aber ich beschwichtigte es durch freundliche Worte, und als ich unter meinen Fingern gleichsam das Leben im Ge⸗ hirn fühlte, beugte ich mich nach der Mauer zu, zog allmählig die Füße
1 ö Kurzem kehrte er nach einer Abwesenheit von fast 15 Jahren zurück, 11
und wir waren mehrere Wochen hindurch in Berlin jeden Abend zu- aus den Bügeln und stieß die scharfe Klinge meines Messers in den
ö 7 ö 1 9 sammen, er als Erzähler, ich als Zuhörer, und zwar als ein sehr auf.]Hauptsitz der Lebensthätigkeit. Das Thier brach, wie vom Blitz getroffen,
1 merksamer, weil er Land und Leute schilderte von Gegenden, die ich auch[unter mir zusammen, und ich ritt oder kauerte vielmehr auf einem Ka⸗ 0 1 einst bereist habe, so von Mexiko! daver. Ich war gerettet. Ich stieß einen Triumphruf aus, auf welchen 1 1 Das gewährte ja, besonders früher, genug Abenteuer mit den ewigen ein anderer des Obersten antwortete und den das Echo des Abgrundes 1 1 ö Pronunciamentos seiner vielen Generale, und v. K. hatte viele dieser wiederholte, als hätte er erkannt, daß seine Beute ihm entschlüpft war. * Aufstände mitgemacht. Eine Episode in seinen Erzählungen fesselte mich Ich stieg aus dem Sattel, lehnte mich mit dem Rücken fest an die 0 besonders.„Eine größere Abtheilung Aufständischer, und ich mit ihr,“] Mauer und gab mit beiden Füßen dem Leichnam meines armes Gaules — erzählte er,„zog eines Tages, es war der 18. Juli 187. durch eine der einen kräftigen Stoß, so daß er in den Abgrund hinunterstürzte. Dann 4 vielen wasserlosen Wuͤsten Mexiko's. Die Qualen des Durstes wurden stand ich auf, eilte in vollem Laufe den Pfad zurück bis in's Freie und, R so unerträglich, daß unsere Soldaten im Begriffe waren, in Meuterei kaum hier angekommen, fiel ich unter der unwiderstehlichen Rückwirkung 1 auszubrechen, als ein glücklicher Zufall zu der Entdeckung einer Cisterne[ der so lange unterdrückten Angst ohnmächtig zu Boden.“ Dr. A. B.
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