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„Darauf hoffe ich weniger, als auf Heinrich's Tüchtigkeit. Ich zweifle nicht daran, daß er mit der Zeit zu einer guten Praxis kommen wird, wenn er sich erst bekannter gemacht hat. Wie er mir sagt, geht es ihm mit jedem Tage besser. Wir können ein oder zwei Jahre noch ruhig warten.“
In dieser Weise besprachen Beide das wichtige Ereigniß des Tages, bis ihnen die Augen zufielen und sie sanft einschliefen. Aber auch im Schlummer verfolgte sie der Gedanke an die reiche Tante, deren Ankunft die ganze Familie in eine ungewöhnliche Aufregung versetzte und eine förmliche Revolution hervorbrachte.
Während aber die ernste Sophie von einer stillen Häuslich⸗ keit und bescheidenem Glück an der Seite des geliebten Mannes träumte, sah sich die anspruchsvollere Else von rosigen Bildern umgaukelt, als gefeierte und begehrte Schönheit, in der glän⸗ zendsten Toilette und in der elegantesten Equipage von einem Fest zum andern eilend, bewundert und angebetet, im Besitz einer reizenden Villa, eines großen Vermögens und eines ebenso liebenswürdigen als angesehenen Gatten, der ihr keinen Wunsch versagte und um den sie von allen Frauen beneidet wurde. (Fortsetzung folgt.)
Kleine Frauen-Zeitung.
Mit der sommerlichen Promenaden Toilette beginne ich heute; denn seit ich Ihnen zuletzt darüber schrieb, find in deren Bereich viele Neu⸗ heiten erschienen, wohl werth, dieselben einer näheren Besichtigung zu unterziehen. 5
Zuerst die Stoffe! Alles, was ich Ihnen bereits vor und zu Anfang dieser Saison über dieselben mitgetheilt, ist nun an das Tageslicht getreten, und so sind durch das Tragen der Moden diese befestigt. Man trägt das Genre Changeant in Seide, noch mehr die Streifen auf Seiden⸗, Wollen⸗ und Baumwollengrund. Die kleinen, zierlichen Streumusterchen, welche so viele Jahre hindurch unser Wohlgefallen 3 sie sind sehr, sehr zurück gedrängt worden. Ja, man hält sie in den Magazinen noch in einzelnen Foulards und Satinettes vorräthig, um jedem Geschmack zu genügen, aber wenn man von einer„eigentlichen Mode“ in Stoffen sprechen will, so begreift man darunter die Streifen und die mittelgroßen und großen Streudessins. 2
Man kehrt zur Baumwolle zurück und zieht für die heißen Tage nicht, wie im vergangenen Sommer, die leichten Wollengewebe vor, aus Furcht, daß jene sich zu schnell drücken und dadurch ihr Ansehen ver⸗ lieren könnte. Haben nun freilich die Satinettes, die Cretonnes, die Zephyrs, die verschiedenartigen Toiles diese mißlichen Eigenschaften nicht abgelegt, so ist das Aufbügeln derartiger Kleider doch nicht mehr so * und zeitraubend, da die Arrangements einfacher geworden. Nicht etwa, daß man auf Draperien hierbei verzichtete! Nein, sie er⸗ scheinen der Mode bei diesen leichten und frischen Geweben so noth— wendig, daß sie, um hier das dürftige Aussehen zu vermeiden, dieselben nach wie vor protegirt, aber, wie gesagt, nicht in Massen, sondern ein⸗ fach, graziös. Und nebenbei präsentirt sich das in schlichten Falten herabfließende Kleid aus Wasch⸗ oder luftigen Wollenstoffen, in der Taille gekräuselt und unten mit drei bis vier ziemlich breiten Säumen oder Aufnähern versehen, das die Mode mehr den jungen Mädchen gestattet.
Also glaube man nicht, was auch einzelne Näherinnen oder Schnei⸗ derinnen, die nicht gut unterrichtet, sagen mögen, daß die Draperien unmodern geworden und das gerade, schlichte Kleid an deren Stelle getreten. Man darf überhaupt mit der Annahme einer neuen Mode, die der bisher getragenen völlig heterogen, nicht zu voreilig sein. Wie oft dringt das Neue nicht durch! Und ein Umschwung kann sich heutzutage nicht plötzlich vollziehen, sondern nur allmählich. Wir sehen dies an der Tournüre. Ich bin gewiß immer eine eifrige Gegnerin derselben ge— wesen, aber schließlich gewohnte das Auge sich daran, d. h. wo sie in den Grenzen blieb. Nun will man seit einem helben Jahre jenen Toilettenzubehör allen Ernstes beseitigen, ohne daß es gelingt. Mäßig, wie er sich jetzt durchgehends gestaltet, verletzt er nicht mehr die Blicke, und nach und nach erst kann er sich in Nichts auflöͤsen. Auf dem Wege dahin sind wir. Vorläufig indeß: zwei, hoͤchstens drei nicht zu weite Stahlreifen dem Fond des Rockes hinten eingezogen, ein kleines, sehr kleines Kissen unterhalb der Taillenbiegung! Und man fängt an, selbst auf letzteres Verzicht zu leisten. 8
Um auf die Stoffe zurückzukommen: wir haben also, wie wir er⸗ sehen, die ganze Serie unserer lieben, alten Baumwollengewebe wieder erhalten, in neuem Gewande, vorherrschend in rothem, marineblauem, leinenblauem, rohgelbem Grunde mit„Phantasiestreifen“, welche durch kleine Musterchen: Erbsen, Sterne, Rosetten, Blümchen, Ranken, Ara⸗ besken ꝛc. ꝛc. gebildet, ferner, und hier vielfach auf hellem Grunde wie beige, grau, weiß, blaßblau, rosig, rahm- und rohgelb, mit großen, oft bizarren Figurendessins indischen, persischen und chinesischen Geschmacks oder mit Blumen. die Zephyrs; einen klein karrirten Grund mit Phantasiestreifen oder mit Satinstreifen, wie der elegante Köper: große, schöͤne, lebhafte Carreaux, wie einzelne feine und leichte Toiles: durchbrochene Stretfen, durchbrochene Carreaux oder Pompadourstreifen. Derartige Toiles werden von schlichten oder einfarbigen Geweben gleicher Art begleitet.
Man wird für den Aufenthalt am Meere, auf dem Lande, in den Gebirgsbaͤdern reizende, keineswegs kostspielige Toiletten aus Ulfas⸗
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Andere Baumwollen-Fabrikate hingegen zeigen, wie
öffnete sich, von großem Revers umrahmt, über einer plissirten Weste aus
Batist bereiten: Durchbruchsgewebe, wie Stickereien wirkend, in! rohgelbem Grunde, übersäet mit kleinen rothen oder blauen Mo 1 Solchen Kleidern giebt man eine Unterlage aus einfarbigem Batist und als Ausputz Bandschleifen, welche überhaupt den unentbehrlichen Zierrath der Sommeranzüge bilden. 5 2 5 2 5 e Da war ein Kleid aus rother Cretonne, durchstreift mit kapriziösen, rahmgelben und schwarzen Arabesken, das sich eigenartig mit dem Schmuck schwarzer Failleband⸗Schleifen ausnahm. Dieselben rafften den Rock hier und dort in Draperien auf, und eine solche Büschelschleife schloß den schwarzen Bandgürtel, welcher das Leibchen umspannte. Letzteres
schwarzer Seiden⸗Bengaline. Sehr apart, sehr hübsch! Und wenn dieses Kleid in richtiger Umgebung getragen wird, mit harmonirenden Toiletten- Details, so darf es einer distingufrten Wirkung sicher sein..
Der Seidenfoulard, welchem die ihm so täuschend ähnlich sehende, viel wohlfeilere Satinette große Konkurrenz macht, hat dessenungeg tet von neuem das Privilegium erhalten, zu den eleganten Lieblingsstoffen der Sommersaison zu zählen. Es ist die Robe„en cas“, welche 1 0. allen Kombinationen 1 Sie ist einfach oder geputzt, je nach 1 Garnitur, dem Hut und den Handschuhen, welche sie begleiten. Und so eignet sie sich zu alltäglichen Promenaden und zu Ausflugen, zu freund. schaftlichen Besuchen mit dem einfachen Hut und den seidenen Face 8 ebenso gut, wie mit elegantem Zubehör zur table d hote, den Nachmittags. und Abend⸗Konzerten, wie überhaupt zu den Reunions in den Bädern.
Die Nüancen in den Seidenfoulards sind in dieser Saison mehr frisch und glänzend, als verblaßt, denn erscheint auch oftmals der Grund matt, so geben die Streifen oder die Muster, welche identisch mit den. jenigen der Baumwollenstoffe, das belebende und strahlende Element und umgekehrt, ist der Grund leuchtend, so mildern die Dessins wiederum das zu Grelle. 5 5 5
Die winzigen Damenbrett- und Würfelmuster zeigen sich ebenfalls in den Foulards, weiß und roth, moosgrün und rosa, beige und blau ꝛc. Diese wie die bedruckten Foulards leihen sich zu anmuthigen Toiletten welche man vielfach mit etwas verkürzter Taille und dem breiten, seit⸗ wärts geschlossenen Direktoiregürtel(wohl von der zusammengefalteten Direktoireschärpe mit Enden zu unterscheiden) ausstattet. Derselbe be— grenzt dann das Chemisett, das Plastron oder die Guimpe— was auf eins herauskommt— und dies ist immer eine hübsche Garnitur für das Leibchen. Man fertigt das Chemiset aus Surah, Crepon, Spitzen oder Stickereien, je nach dem Grade der Eleganz, welche man der Toilette geben will, und diejenige elegantesten Suls erhält häufig den. 10 von Seidenmuslin und Spitzen, mit welchem dann selbstverständlich das Chemiset übereinstimmt. Zuweilen arrangirt man das Leibchen des Foulardkleides in kleine, dichte Fältchen, mit ebenso plissirten A welche in hohe, enge Manschetten enden. 5
Fast alle Sommerleibchen sind vorn mit Falten ausgestattet, gelegten oder drapirten, welche die Guimpe oder die Weste ein mit gekräuselten, welche sich zu beiden Seiten des vorderen 9 n niederziehen. Die Achsel bleibt kurz und der hochschulterige, oft sehr kleidsame Aermel ist von neuem modern. Nur da, wo er sich nicht vor⸗ theilhaft erweist, thut man besser, auf ihn zu verzichten. 3
Mehr und mehr Beifall gewinnt der Gürtel, und fast jede Dame hält darauf, wenigstens ein sommerliches Kleid, wenn nicht ein paar, mit Gürtel zu haben. Eine der neuesten Moden darin besteht in 10 Cent. breiten Moireband mit Atlaskehrseite, das man zusammenfe um die Taille legt, hinten übereinander kreuzt und dann unterhalb der Hüften nach vorn nimmt, um es hier in eine Schleife mit Enden zu knüpfen. Andere Gürtel, doch das sind die am wenigsten hübschen, be · ginnen an den Seiten und zeichnen vorn, durch Fischbein gesteift, e kleine Schnebbe. Nach und nach wird das Auge sich daran gewöhnen, die runde, ein wenig kurze Taille hübsch zu finden, und die ö Wespentaille wird ihrerseits verschwinden. Vorlaufig trägt man beide, die lange zu Staats- und anderen eleganten Toiletten, die kürzere ebenfalls zu eleganten Kleidern, noch mehr zu alltäglichen. Der Gürtel mit Bandschleife seitwärts ist der gesuchteste, weniger 1. den Gürtel mit Schnalle, doch ist er keineswegs aus der Mode. Eine schöne Schnalle alten Stils, welche einen Atlasgürtel befestigt, ist wohl geschmackvoll, wenn sie sich dem übrigen Schmuck anpaßt. Es kommt immer darauf an, wie man die Sachen trägt. 0
Die Visiten, Mantelets, Fichus, kurz: Umhüllungen nehmen eine
immer kleinere Gestalt an, so daß sie kaum das Leibchen decken. — sie aus beliebigen Stoffen her, vorausgesetzt, daß dieselben wider · tandsfähig genug sind, um die Perlenzierrathen, die Passementerten zu tragen. Der Brokat, der Sammet, der Peking, die Moire dienen den Garnituren als Fond, denn diese sind es, welche die eigentliche Hülle bilden. Man hat Aermel, Rücken- und Vordertheile in Posamentier⸗ arbeit oder in Perlen. In anderer Weise bilden Spitzen den Aus putz, welche wieder oft durch Perlenornamente belebt werden.
Junge Mädchen tragen vielfach kleine Vetements mit Capüchon und mit umgeschlagenen Aermeln, eine Art von Pelerine, aus heller Changeantseide zu Kleidern aus Mousseline de laiue, Volle, Etamine und Sommer-Limousine. 3 5
Dieses Nichts einer sommerlichen Hülle erhält noch mehr Cachet, wenn es der Toilette angepaßt ist, wie z. B. bei folgender: über einen schlichten Rock aus altrosa Taffet fallt eine schön drapirte Tunika aus weißem Wollenstoff. Die Aermel sind aus rosa Taffet mit weißwollenen Epaulettes, und das weiße Leibchen kreuzt sich über eine plissirte Dra⸗ perie aus rosa Taffet. Um dasselbe legt sich die weiße Pelerine, die, wie der dazu gehörende Capüchon, rosa gefüttert ist. Der breitkrämpige und ag daee fese Hut aus weißem Stroh hat als Ausputz einen großen Strauß rosa Rosen. 1


