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jahr in stiller Zurückgezogenheit erst abwarten. Jetzt aber will ich mein Leben genießen und mich für die jahrelangen Ent⸗
behrungen schadlos halten, was meine Mittel mir erlauben.“ „Was wir dazu thun können, soll gewiß geschehen. Wir haben keinen weitern Wunsch, als Dir den Aufenthalt in der
Stadt und in unserm Hause so angenehm als möglich zu machen.“
„Daran zweifle ich nicht. Es soll auch nicht Euer Schaden
sein, und wenn ich einmal sterbe—“ f
„Wie kannst Du uns nur so betrüben und von Deinem Tode sprechen! Wenn Du auch keinen Groschen hättest, würden wir Dich auf Händen tragen. Dein Geld reizt uns nicht.“
„Besser ist besser und dreimalhunderttausend Thaler sind eine schöne Sache und nicht zu verachten.
„Da hast Du recht,“ platzte Ludwig heraus, dem die Mutter
dafür einen strafenden Blick zuwarf.„Reichthum schändet nicht
und Armuth macht nicht glücklich.“ Unter solchen bald ernsten, bald heitern Gesprächen verfloß
die Zeit, bis die Tante, ermüdet von der Reise, aufstand und
sich in Begleitung ihrer weiblichen Angehörigen nach dem für sie behaglich eingerichteten Schlafzimmer zurückzog, in dem sie mit sichtlichem Wohlgefallen neben ihrem breiten, bequemen Himmelbett noch ein zweites, bescheideneres Lager bemerkte.
„Du denkst auch an Alles,“ sagte sie freundlich der Stadt— räthin,„und erinnerst Dich noch aus unseren Kinderjahren, daß ich nicht allein zu schlafen liebe.“ a „Meine Sophie wird sich das Vergnügen machen und Dir des Nachts Gesellschaft leisten.“
„Das kann ich nicht annehmen. Meinetwegen sollt Ihr Euch keine Gene auferlegen. Ich bin gewohnt, daß meine Dietrich bei mir schläft und mich bedient, wenn es nöthig ist. Die kennt schon meine Gewohnheiten und kleinen Eigenheiten am besten.“
„Ganz, wie es Dir beliebt,“ versetzte die Stadträthin ein wenig verstimmt.„Ich glaubte nur, daß es Dir angenehm sein würde, eine Deiner Nichten um Dich zu haben und mit ihr zu plaudern.“
„Dazu haben wir auch am Tage genügende Zeit und Gelegen— heit. Die Nacht ist zum Schlafen und nicht zum Plaudern da.“
Nachdem sich die Verwandten mit zärtlichen Wünschen für die nächtliche Ruhe verabschiedet hatten, trat die alte Dienerin leise, kaum hörbar wie eine auf Sammetpfoten schleichende Katze in das Schlafzimmer und half ihrer Gebieterin beim Auskleiden und Anlegen der Nachttoilette, gegen ihre sonstige Gewohnheit schweigend und stumm wie ein Fisch.
„Nun,“ fragte die Amtsräthin,„warum bist Du denn heute so still und thust den Mund nicht auf? Wie gefällt es Dir in der Stadt bei meiner Schwester?“
„So weit ganz gut, meine gnädige Frau Amtsräthin,“ er— widerte die Alte zögernd.„Die Frau Stadträthin sind recht freundlich zu mir, die Fräuleins ganz nett und der Herr Effen—
dar sehr gespaßig und unterhaltsam. Aber man soll den Tag
nicht vor dem Abend loben und das dicke Ende pflegt gewöhn— lich nachzukommen.“ f
„Deshalb bin ich unbesorgt. Die Meinigen lieben mich und sie werden gewiß Alles thun, was sie mir an den Augen ab— sehen können.“
„Das glaub' ich gern. Man findet auch nicht alle Tage eine Tante mit dreimalhunderttausend blanken Thalern.“
„Ja wohl!“ versetzte die Amtsräthin selbstgefällig.„Dafür kann man schon etwas verlangen, und wenn sie nicht wollen, wie ich will, so kann ich noch immer thun und lassen, was und wie es mir gefällt.“
„Das stimmt!“ schürte die Alte.„Wenn ich die gnädige Frau wäre und das grausam große Vermögen hätte, würde ich den Daumen hübsch auf den Geldbeutel halten und mich von all' den schönen Reden nicht beduseln lassen.“
„Da kennst Du mich schlecht; so dumm sind wir nicht. So sehr ich auch meine Schwester und die Kinder liebe, so bekommen sie von mir einmal nicht einen Groschen, wenn sie sich nicht so benehmen, wie ich es wünsche und von ihnen fordern darf.“
Mit diesem löblichen Vorsatz und dem schmeichelhaften Be⸗ wußtsein, der Schutzengel ihrer Familie zu sein, schloß die Frau Amtsräthin ihre müden Augen und schlief den Schlaf der Ge⸗
rechten, nachdem die Dienerin die Vorhänge des prächtigen Himmelbettes zugezogen und sich ebenfalls, zufrieden mit der Wirkung ihrer Reden, auf ihr Lager hingestreckt hatte.
Nicht so leicht konnten die beiden Schwestern, welche sich wegen des Besuches mit dem kleinen, nach dem Hofe gelegenen Mansardenzimmer behelfen mußten, zur Ruhe kommen. Beson—⸗ ders war die jüngere Else, eine lebhafte, sanguinische Natur, durch die Ankunft der Tante und die damit verknüpften Hoff— nungen und Aussichten im hohen Grade aufgeregt.
„Nein!“ sagte das schöne, lebenslustige Mädchen, während es vor dem Spiegel ihre langen, prächtigen Zöpfe flocht und ein allerliebstes, kokettes Nachthäubchen aufsetzte,„Du kannst Dir garnicht vorstellen, wie sehr ich mich freue, daß die Tante gekommen ist und für immer bei uns bleiben wird. Jetzt hat alle Noth mit einem Mal ein Ende und wir brauchen uns wegen der Zukunft keine Sorgen mehr zu machen.“
„Wir haben doch,“ versetzte die ernstere Sophie,„auch bis— her keine Noth gelitten und von großen Sorgen nicht viel ge— wußt, wenn wir uns auch etwas einschränken und nach der Decke strecken mußten.“
„Freilich, gehungert haben wir gerade nicht und in Sack— leinewand sind wir auch nicht gegangen, aber wir waren doch gezwungen, uns manches Vergnügen zu versagen. Wenn wir ein neues Kleid verlangten oder einmal ins Theater gehen wollten, stöhnte und klagte Mama über die großen Ausgaben und unsern übertriebenen Luxus. Das wird nun Alles anders werden.“
„Ob aber besser, ist noch die Frage.“
„Mein Gott!“ rief Else ungeduldig.„Wie kannst Du noch zweifeln! Das Vermögen der Tante giebt uns eine ganz andere Stellung und verwandelt mit einem Schlage unsere Verhält— nisse. Wir werden wieder wie zu Lebzeiten des Vaters ein Haus machen, Gesellschaft bei uns sehen und ein vergnügtes Leben führen“
„Darin besteht doch nicht das wahre Glück. Ein kleiner Kreis sympathischer Menschen und aufrichtiger Freunde ist mehr werth, als all' die großen Gesellschasten, die dem Geist so wenig bieten und das Herz so leer lassen.“ f
„Das ist Geschmackssache. Ich habe keine Lust, mich von der Welt zurückzuziehen, und noch weniger, eine alte Jungfer zu werden. Die Aussicht, einmal als Gesellschafterin, Erzieherin oder Klavierlehrerin sich herumstoßen zu lassen, ist gerade nicht sehr verlockend. Doch das haben wir Gottlob nicht mehr nöthig. Wenn man erst hören wird, daß wir eine reiche Tante haben, wird es uns auch nicht an Männern fehlen.“
„Du solltest Dich schämen, so zu sprechen.“
„Das sehe ich nicht ein. Das Geld spielt einmal die Haupt— rolle im Leben und ohne Vermögen ist ein Mädchen in der Gesellschaft verloren und bleibt unbeachtet, mag sie noch so schön, liebenswürdig und geistreich sein.“
„Darum verachte ich auch jeden Mann, der ein Mädchen nur ihres Geldes wegen nimmt.“
„Daran sind nur die Verhältnisse schuld. Ein Assessor ohne Gehalt und ein Arzt, der noch keine Praxis hat, können nicht ohne Vermögen heirathen. Das weißt Du am besten; Du wärst schon längst Frau Doktor Wiese, wenn Du nur das nöthige Kleingeld hättest.“
Ein leiser Seufzer, den Sophie nicht zu unterdrücken ver⸗ mochte, verrieth, daß die lebenslustige Schwester den wunden Punkt ihres Herzens berührt hatte. In der That liebte sie schon seit längerer Zeit einen ebenso tüchtigen als ehrenwerthen jüngeren Arzt, dem leider noch die genügende Praxis fehlte, um einen eigenen Hausstand zu gründen.
Da auch das kleine Vermögen und die mäßige Pension der Stadträthin nicht hinreichte, ihren Töchtern eine nennenswerthe Mitgift und die nothwendige Ausstattung zu geben, so blieb den Liebenden nichts übrig, als geduldig auf bessere Zeiten zu warten, nachdem sie sich ewige Treue gelobt und sich im Stillen mit einander förmlich versprochen hatten.
„Na, laß es gut sein,“ tröstete sie die leichtherzige, gut⸗ müthige Else,„und gräme Dich nicht. Vielleicht fühlt die Tante ein menschliches Rühren, wenn ihr Dein Doktor gefällt, und giebt Euch einen anständigen Zuschuß, damit Du Deinen geliebten Wiese heirathen kannst.“ 5


