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einen haben, lass'
seine Sterne zu entreißen?“ Wie kamen ihm die Worte?„Seitdem,“ fuhr er fort, ein wenig leiser, aber mit noch mehr Wärme als zuvor,„seit jenen Tagen habe ich nur einen Gedanken gehabt— ein Ideal verklärten meine Lieder: und das warst Du.“ Seine Stimme war zum Geflüster herabgesunken.„Adele, dürfte ich glauben, daß auch Du—“
Mit keiner Wimper hatte sie gezuckt. Ein Marmorbild. Jetzt durchfuhr es sie plötzlich wie ein elektrischer Schlag.
„Lassen Sie mir Zeit—“
Sie meinte zu ersticken; in immer rascheren Athemzügen bewegte sich ihre Brust. a
„Warten Sie! Zehn— acht Tage— Nur heute nicht! Der Kopf ist mir so wirr!— Warten Sie—“ Die Hand, nach welcher er gefaßt hatte, zog sie hastig zurück.„Schonen Sie mich!— Nur heute nicht!“ flehte sie dann noch einmal, mit weicherer Stimme.
„Du giebst mir Hoffnung, Adele?“
Krohne lehnte noch unbeweglich an dem Pfeiler der Fensternische, als säße sie noch immer vor ihm, und doch war sie längst, längst aus dem Zimmer geflohen. Ein Träumender!„Du giebst mir Hoffnung“— Endlich raffte er sich auf und schaute um sich. Was sollte er denn noch weiter hier?— Warten— aber dann fort aus ihrer Nähe— fort
Der Himmel stäubte einen dichten, feinen Regen auf die Land⸗ straße. Er fühlte es gar nicht. Rein instinktiv schlug er den Rück⸗ weg nach Röhrstädt ein. Ein paar Leute, welche ihm begegneten, grüßten wie landzüblich; er schien sie nicht zu sehen. Auch den rundlichen Mann nicht, der mit ihm in gleicher Richtung trottete, den Blick beständig auf den Boden geheftet, die Linke auf dem Rücken, während die andere Hand heftig in der Luft gestikulirte.
„Büßen wird er mir's; zahlen soll er, und wenn er nicht kann— mein einziges Kind!— ein Spitzbube ist er, nicht mehr! Ein Spitzbube, den man sollte vor Gericht belangen mit Polizei und Gendarmen und unschädlich machen, vor dem jeder Vater sollte seine Tochter einschließen in ein Haus mit drei Mauern und doppelt ver⸗ gitterten Fenstern, ein— Hat man Sie wieder gerupft?“
Alfred Krohne fuhr zusammen. 5
„Hatten Sie mich angeredet?“
Der kleine Mann ließ ein paarmal das schwere Kinn auf dem durchnäßten Rockkragen hin und herwackeln. Dann schielte er aus seinen grauen Schlitzaugen nur kurz zur Seite.
„Ich meine, ob man Sie wieder gerupft hat?— Aber egal! Was thut's Ihnen! Ihnen fällt am Ende über Nacht wieder ne Erbschaft von so'n hunderttausend in's Portemonnaie, und Sie haben keine Tochter, über die Sie sich ärgern müssen. Gott behüte! Aber ich tränk's ihm ein, daß er d'ran glauben soll; ihm und der ganzen Sippe. Soll mir jetzt wieder ein Offizier kommen und rasseln mit den Sporen und schlagen an seinen Degen und sagen: Lieber Saal⸗ feld, ich stehe Ihnen mit meiner Waffe als Sicherheit! Werd' ich sagen: der Degen ist ganz schön, aber der ist nur für den Krieg, und wir leben im Frieden, und wenn's Krieg giebt und ich will ich mir einen neuen kommen aus Solingen für achtzehn Mark. Mehr gilt mir Ihr Degen auch keinen Deut!— Keinen Deut!“ murmelte der alte Mann noch einmal.„Aber meine Tochter gilt mir mehr. Mehr als alle Zahnstocher von sechs Infanterie— regimentern zusammen, werd' ich sagen. Und sie sollen's merken, daß Einer von ihrer Clique ihnen Allen die Suppe versalzen hat.“
„um des Himmelswillen, Herr Saalfeld! Sie schreien ja—“
„Warum soll ich nicht schreien? Wer will mir verbieten zu schreien? Schreien's denn nicht die Buben auf der Straße auch und die Spatzen von den Dächern, wie er mit meinem Mädel umgesprungen ist? Hat er nicht ne Wette gemacht mit ein paar Leichtfüßen von seinen Kameraden, daß er sich wollte verloben, nur zum Spaß, mit zweien auf einmal, und hat er die dummen Mädel— Rechtsanwalt Ringwitz seine Aelteste ist die Andere— hat er sie nicht dazu ge⸗ bracht, daß sie ihm haben Jede einen Brief schreiben müssen, wo's schwarz auf weiß d'rin stand, was er für'n Windbeutel ist? Und hat nachher die ganze Geschichte zum Besten gegeben, und im Kron⸗ prinzen haben sie's mit Champagner begossen?
„Und ich muß das Alles hinterher vom Apotheker Zander erfahren, der's vom Provisor hat, und dem hat's der Oberkellner im Kron⸗ prinzen erzählt. Und das Alles nur zum Zeitvertreib. Und wenn er gekommen wäre im Ernst und hätte gesagt: Saalfeld— nein, wenn er was haben will, sagt er Herr Saalfeld— also: Herr
Saalfeld, oder: lieber Herr Saalfeld, ich bitte um die Ehre, Ihr
Schwiegersohn werden zu dürfen, meinen Sie, ich hätte dem meine Tochter gegeben? Meinen Sie das, ja?— Lieber jedem hergelaufenen Straßenkehrer, wenn er Talent hat für ein ordentliches Geschäft, lieber Anton Knopploch, der mit dem Sack Lumpen herumläuft. Und der Rechtsanwalt hätte ihm erst recht was gepfiffen. Und nun kommt er so. Aber warte, Bürschchen. Fünftausend zum fünften, dreitausend zum fünften, sind achttausend. Warte nur. Die Pro- longation soll Dir diesmal vergeblich gelingen. Unter Protest sollen sie gehen, die Papiere, Ringwitz selbst soll sie protestiren, und sammt Wechsel und Ehrenschein sollst Du zappeln. Werd' ich ihn aus⸗ pfänden lassen, soll sein Hab' und Gut verkauft werden, soll die ganze Sippschaft bettelarm vom Hofe gehen, so arm wie mein Vater ist nach Röhrstädt gekommen!“
Dem Alten war bei der Rede warm geworden. Er nahm den triefenden Cylinder vom Kopfe und wackelte barhäuptig weiter, ob⸗ gleich ihm der Regen auf das spärliche graue Haar rieselte.
(Fortsetzung folgt.)
Lose slätter.
obgleich von verschiedenen Malern herrührend, lassen Die Brücke, welche den Liebesboten des Herrn Lieutenants zu der zarten Schönen führt, wird durch die Blumen gebildet. Jener Offiziersbürsche des Genremalers Sellmer, der so auf⸗ merksam die Briefadresse betrachtet, hat nicht nur die Liebespost des Herrn Lieutenants zu überbringen, sondern auch einen Blumenstrauß. Vor den Blumen aber finden wir das holde Mädchen, welches G. Schachinger ge— zeichnet hat. Das träumerisch blickende Kind sucht das Geheimniß zu er⸗ gründen, welches der üppige Blumenstrauß birgt. Die Blumen sind jeden⸗ falls das Geschenk des Geliebten und drücken ein Geständniß desselben aus. Das schöne Fräulein wird die Blumensprache kennen und der Blumen Ge⸗ heimniß dann leicht enträthseln. R. E.
Unsere Bilder, sich leicht miteinander verbinden.
Das Amputiren der Rinderhörner. Die Natur schafft nichts Ueber⸗ flüssiges, somit gab sie dem Rindvieh die Hörner zur Vertheidigung. Ist diese jedoch in neuerer Zeit nothwendig, da die Gefahr fast aufgehört hat? Bringt nicht vielmehr das Abschneiden der Hörner größere Vor-sals Nachtheile? Das Vieh braucht weniger Futter zur Ernährung, selbst weniger Fehlgeburten sollen vorkommen. Das veranlaßte einen Farmer in Illinois, Haff mit Namen, die ersten Versuche anzustellen, indem er den Thieren die Hörner dicht am Kopfe mittelst einer scharfen 1 abschnitt. Man schalt ihn deshalb einen Elenden, der gegen Gottes Absicht handele und den Thieren unnöthige Schmerzen bereite. Bald jedoch änderte sich die öffentliche Meinung; denn die Naturkundigen wiesen nach, daß das Horn nicht ein Knochen⸗ gebilde, sondern nur eine Hautabsonderung sei, ja der Schmerz höre fast auf, wenn man beim Kalbe mit einem Schnitt die Haut beseitige, wo die Hörner säßen und entstünden. Da nämlich das Horn nur eine Haut⸗ absonderung wie das Haar ist, so werde sich gleich dem Haar jenes nicht bilden, falls ihm der Boden fehle. Für die geeignetste Zeit der Operation bei den Kälbern wird das Alter von zwei Monaten angesehen. W. 6.
Melancholische Züge einiger Schauspieler. Pierre Frangois Pian⸗ cotelli, welchen das Theater unter dem Namen Dominique kannte, war in tiefe Schwermuth verfallen, Gram und Verdruß zehrten an ihm und nichts vermochte ihn aufzuheitern. Er fragte einen Arzt um Rath; derselbe erschöpfte seinen ganzen Arznei⸗ Schatz, aber vergebens.„Gehen Sie in's Theater und sehen Sie Dominigue,“ sagte er endlich zu seinem Kranken, den er nicht kannte. Letzterer versprach diesen Rath zu befolgen; er begleitete den Doktor in die italienische Komödie, verließ ihn jedoch unter einem Vor⸗ wande und spielte in der Maske des Harlekin zum Entzücken. Die Zu⸗ schauer wollten sich vor Lachen ausschütken, und der Arzt war untröstlich über die Abwesenheit seines Patienten. Nach beendeter Vorstellung kam Dominique zurück; der Arzt war sehr erzürnt und machte ihm nachdrückliche Vorwürfe seines Fortbleibens wegen:„Niemals,“ schloß er,„war Dominique ergötzlicher; er hatte Sie gerettet, er hätte Sie zum Lachen gezwungen.“— „Ach!“ erwiderte der Kranke in einem Tone, der einen Todten im Grabe hätte gefrieren machen können,„ich bin ja selbst Dominique!“ Der Arzt eilte erschrocken davon, und der unglückliche Komiker starb nach einiger Zeit an der Abzehrung.
David Garrick, jener berühmte Schauspieler, welcher durch sein Spiel das Publikum in jede beliebige Stimmung zu setzen, und eine Rührung und Aufregung zu bewirken vermochte, welche man das Garrick-Fieber nannte, fiel, als er die Rolle Richard's III. gab, einem unwiderstehlichen Anfall von Melancholie zur Beute. Er lag auf einem Ruhebette ausgestreckt, stöhnend, abgezehrt, außer Athem, mit Schweiß bedeckt und unvermögend, seine Arme emporzuheben. Der Neid untergrub Garrick's Gesundheit und tödtete ihn zuletzt. Seine eigenen Erfolge verschwanden in seinen Augen vor denen seiner Kameraden. Nichts konnte ihn über den Beifall trösten, welchen Barry in der Rolle des Othello erntete, sowie über den, welcher Thomas Sheridan als König Johann zu Theil wurde. M.
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