Ausgabe 
30.10.1887
 
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gehe. Mit Deinem Leutnant ist's freilich was Anderes, der muß schon allerlei Standesrücksichten nehmen, wie sie das nennen. Da geht's nur mitHerr Leutnant befehlen oderHerr Leutnant wünschen na, und das ist dann meistentheils ein und dasselbe. Kennst es ja auch schon.

Ich verstehe nicht

Knopploch kniff die Augen halb zu. Sack wieder über den Rücken.

Hahaha! Versteht nicht? Von wegen der fünfzehnhundert

Dann schlug er sich den

für den alten Saalfeld. Wirst's schon verstehen. Adjes! Halt! Wenn Du mich brauchst Du kennst ja das Haus

Stubengasse, wie früher, rief der Lumpenhändler zurück. Er ließ sich nicht halten.

Der Andere sah ihm einen Moment sinnend nach, dann schritt er langsam weiter. Er hatte zur Hälfte verstanden, zur Hälfte auch nicht. Im Grunde war er froh, den Gesellen los zu sein, sympathisch war er ihm nie gewesen. Wohl hatte er ihn bemitleidet.

Er wußte nicht recht, wohin nun. Was sollte er zu Hause, wo er nicht einmal seine gewohnten Bücher vorfand? Seine sämmt⸗ lichen Sachen hatte er ja absichtlich nicht mitgebracht. Da erinnerte er sich, Frau Heußner stellte ihm ja gestern bereitwilligst ihre kleine Bibliothek zur Verfügung er konnte nach Schönholz gehen und sich einen Band holen. Er fühlte sich ordentlich erleichtert durch den Einfall. Bald schritt er lebhaft auf der Landstraße dahin.

Denselben Weg fand er noch öfter; in Kurzem kannte er ihn, obgleich sich inzwischen Manches an seinem Rande geändert hatte, ebenso genau wie vor acht Jahren; und er wanderte öfter das halbe Stündchen zu Fuß nach Schönholz, als er sich von Waldemar hin⸗ fahren ließ. Der Leutnant fuhr ja bei Weiten nicht täglich hinaus.

Am ersten Oktober indessen war er schon Vormittags auf Schönholz; er hatte sich beurlauben lassen, seiner Schwester Geburtstag sollte gefeiert werden. Krohne schickte am Morgen nur einen Strauß; er wollte ihn mit einigen Zeilen begleiten, aber er, dem sonst der Ausdruck von selbst in die Feder floß, suchte vergebens nach den rechten Worten. So fügte er den letzten spärlichen Rosen des Röhrstädter Gärtners nur seine schlichte Karte bei. Nachmittags würde er sich erlauben selbst zu kommen.

Aber ein zagendes Bangen ergriff ihn, als er auf den Stein- fliesen der Schönholzer Freitreppe stand, es machte seine Hand er⸗ beben, daß er mit unsicherer Hand am Drücker tastete, es ließ ihn beklommen selbst vor Pluto zurückschrecken, dem alten Bekannten, der ihm auf dem Flur schweifwedelnd bis zur Zimmerthür folgte. Er klopfte ein paarmal. Kein Herein! Zuletzt öffnete er und schritt auf dem weichen Teppich fast bis zur Mitte des Gemachs.

Und wenn er zehnmal hier gewesen ist und skandalirt hat, er kennt seinen Profit, er kommt auch zum elften Male.

Es war Waldemars Stimme, die aus dem Nebenzimmer herüber tönte. Dazwischen meinte Alfred verhaltenes Schluchzen zu hören.

Ein Glück, daß Franz wenigstens nicht Zeuge des angenehmen Auftritts war! sagte jetzt die Landräthin.Du solltest geradezu Dich schämen, Waldemar, durch Deinen unglaublichen Leichtsinn unsere Familie bloszustellen.

Ein kurzes Lachen.

Unglaubliche Leichtsinn! Für das Geld laßt mich sorgen, und im Uebrigen was ist's denn so Großes! Ein Witz mit ein paar Landstadtsgänschen

Viel Witz scheint mir in Deinem Streiche nicht zu liegen. Und Gerta

Die? Bah, ein paar Herzchen gebrochen zu haben, wie ein krüppelhafter Wasserpoete à la Krohne es vielleicht bezeichnen würde, hat in den Augen eines jungen Mädchens noch niemals als

Staatsverbrechen gegolten.

Waldemar! rief die Schwester. Der Doktor fühlte, wie seine Pulse lebhafter arbeiteten. Er

hatte an die Thür zum Nebenzimmer gehen wollen; die eisten

Worte jenes Gesprächs hatten ihn davon abgehalten; er fürchtete, Zeuge einer Familienszene zu werden. Danach wäre seine Pflicht gewesen, sich zurückzuziehen. Doch auf den Gedanken verfiel er erst jetzt nachdem er gelauscht hatte. Da hoͤrte er draußen einen leichten Tritt. Gleich darauf öffnete sich die Thür.

Sie!

Verwirrt stand Gerta vor ihm. Ihre Augen schienen geröͤthet, wie von vergossenen Thränen.

um Vergebung, wenn ich Sie erschreckte. Draußen fand ich Niemanden, mich auzumelden; auf mein Klopfen

Ich weiß nicht, wo die Dienstboten steckeu. Die Andern Franz von Bergfeld hatte eine kleine Reise nach D. zu machen und wird erst heute Abend zurückerwartet und die Andern

Er wußte ja, wo sie waren, aber er wollte sein Horchen wenigstens nicht eingestehen.

Ich kam, Ihrer Kousine Glück zu wünschen, sagte er nach einer Pause, um nur das ängstliche Schweigen zu brechen, das sie Beide zu befallen drohte.

Glück? Sie wird es brauchen können, seufzte Gerta leise, mit abgewandtem Blick.Und gerade Sie Ich wollte Sie hielt inne. Durfte sie sprechen?Ja, ja, ich will! Ich wollte Sie warnen vor

Vor wem?

Wie erstaunt schlug sie das lebhafte Auge zu ihm auf.

Vor ihm! Er spielt mit Ihnen, er gebraucht Sie, so lange er kann, und hat er Sie in's Verderben gehetzt, läßt er Sie kalt am Wege liegen. Er mißbraucht Sie wie uns Alle, Tante Mathilde, Adele, mich er o Gott, was habe ich gesagt!

Sie sprang von ihrem Sitze auf.

Fräulein Gerta; ich kann Alles anhören, Sie reden zu einem Manne.

In dem dunkelblauen Auge des Mädchens blitzte es auf.

Es ist das erste Wort, welches mir von Ihnen gefällt, sagte sie dann im Tone vollkommenster Aufrichtigkeit.Das erste Wort. Aober ich darf jetzt nicht weiter reden, ich darf nicht

Was darfst Du nicht, beste aller Kousinen?

Waldemar, und mit ihm Adele, waren ins Zimmer getreten, Gerta hatte längst die Thür hinter sich zugeschlagen.

Schwer wahrte der Doktor einige Ruhe. Gertas Warnung un- mittelbar nach den Worten Waldemars, die sein Ohr halb wider Willen vernommen hatte. Zum ersten Male kämpfte sein gekränkter Stolz gegen die Anhänglichkeit an die Familie, bei welcher er so oft zu Gast war. Und zum ersten Male empfand er etwas wie Verachtung gegen den falschen Freund.

Er grüßte oberflächlich, dann beachtete er ihn nicht weiter. Sein Besuch galt ja auch heute Adele, die ihm lächelnd die Hand reichte und für die Aufmerksamkeit vom Morgen dankte. Waldemar musterte ihn mit mißtrauischem Auge, dann verließ er, die Brauen ein wenig zusammengezogen, rasch das Gemach.

Ich habe diesmal Unglück mit meinem Geburtstage; Mama ist unpäßlich.

Doktor Krohne bedauerte.

Franz von Bergfeld kommt erst ziemlich spät zurück.

Er zuckte unmerklich zusammen. wohl geschienen, als mache der Assessor Adele ein wenig den Hof, die vertrauten Beziehungen Beider hatte er aber bieher auf Rechnung des verwandtschaftlichen Verhältnisses gesetzt, in welchem sie zu ein⸗ ander standen; heute gerade jetzt berührte ihn die Nennung seines Namens wie ein Nadelstich.

So bin ich der Einzige

Der eigens herkommt, mir Glück zu wünschen? Freilich sind Sie das.

Und wenn Sie glauben könnten, daß alle Wünsche für Sie mir so recht aus dem Herzen kämen, würden sie Ihnen nicht den Ausfall einiger anderer ersetzen?

Sie lachte ein wenig besangen.

Wie Sie nur reden! a

Wie mir zu Muth ist. Oder besser: ich mochte es gern. Darf ich es thun, Fräulein Heußner? Darf ich Adele?

Sie regte sich nicht. Unbeweglich starrte sie auf das grau in grau verschwimmende Landschaftebild draußen. Es wurde durch die dunkle Masse der Klippe begrenzt, auf welcher er einst waren's nicht heute neun Jahre? in jugendliche Leichtmuth sein Leben

eingesetzt hatte, eine ihrer Launen zu befriedigen.

Er war ihrem Blick gefolgt.

Darf ich noch einmal mich zurückfühlen in jene Tage, wo ich in harmlosem Verkehr mit Ihnen wähnte, mein Glück könne gar kein Ende finden? Noch einmal empfinden wie damals, wo ich für einen Wink Ihres Fingers den Versuch gemacht hätte, dem Himmel

Hie und da hatte es ihm

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