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Noch nicht verloren.
Novelle von Hermann Birkenfeld. (Fortsetzung.)
Langsam schritten die Beiden durch die Straßen; Krohne hatte allerlei zu fragen, in ihm schien doch wieder das Interesse an der Nahe am Marktplatz grüßte der Sein Begleiter sah auf: Die
alten Stadt wach zu werden. Lieutenant nach einem Fenster hin. Apotheke. Zwei Mädchen—
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stand der Wette soll nämlich vorderhand noch Geheimniß bleiben,“ setzte er dann, zu diesem gewandt, hinzu.„Wirst's auch schon er⸗ fahren.“ Dann sah er nach der Uhr.„Donnerwetter, ein Viertel nach zehn. Wir müßten schon längst in der Kaserne sein. Verzeih', alter Junge, wenn wir Dich allein lassen; das Vaterland ruft—“ „Zum Appell mit Klein⸗Montierungsstücken.“ „Laßt Euch durch nichts aufhalten,“ sagte Alfred.
„So geh doch nicht so
köpfe lugten neugierig hinter den Gardinen her⸗ vor, einer von ihnen ver— schwand bei seinem Gruße, während der andere, ein rosiges, von tiefdunklem glänzenden Haar umwehtes frisches Gesichtchen, eifrig zurückgrüßte und noch eine ganze Weile den Herren nachschaute. Alfred glaubte das Gesicht zu erkennen; es mußte Jettchen Saal— feld sein. Aber er hielt es kaum der Mühe für werth, seinen Freund zu fragen, auch wurden sie eben von Herrn von Thadden begrüßt, dem Waldemar laut entgegen— lachte:
„Gewonnen!“
„Nanu!“
„Thu' mir nur einen Gefallen, bester Thadden, und schneid' nicht so'n verzweifelt erstauntes Ge— sicht. Will Dir nachher die Beweise vorlegen; hier geht's durchaus nicht an.“
„Im Ernst, Heußner? Alle Beide?“
„Alle Beide.“
„Und schwarz auf weiß?“
Heußner lachte wieder. Dabei sah er sich flüchtig um. Die Apotheke hatten sie längst hinter sich.
„Inquirirst ja infam scharf! Schwarz auf weiß nun zwar nicht; der eine Beweis steht schwarz auf grün— hier!“ Er schlug leicht an seine Brust.
„Farbe der Hoffnung!“ rief Thadden.
„Hoffen mögen sie ja auch Beide, soviel sie Lust haben.“
Thadden schnackte mit den Fingern.„Nun brat'! Na, ich gratuliere!“
„Und ich kondoliere zum Korbe Sekt! Wird'ne fidele Sitzung heute Abend! Aber Du kannst es leiden. Nur keinen Matheus Müller! Entweder Heidsieck Monopole oder Moét und Chandon, 3 ich bitten darf!— Bist übrigens freundlichst eingeladen, Alfred!“
„Ich weiß noch gar nicht, um was es sich handelt.“
„Thut garnichts, Herr Doktor,“ sagte Thadden.„Nur kommen und trinken. Das die Hauptsache.— Doch ein tolles Dessin von einem Witze, das mit den Mädels.“
„Pst!“ machte Heußner mit Bezug auf Alfred.
Die Liebespost des Herrn Lieutenant.
mir aber Einer einen knusprigen Storch!
„Der Gegen—
hoffärtig an Deinem al— ten Freunde vorüber, alter Schrumpel; kennst mich wohl nicht mehr, wie?“
Alfred war, nachdem die Offiziere ihn verlassen hatten, gedankenvoll— nein, die Wahrheit zu ge⸗ stehen, völlig gedankenlos denselben Weg zurückge⸗ schlendert, den er gekom⸗ men. Beim Klange der harten Stimme schrak er momentan zusammen.
Der junge Mann vor ihm warf gleichmüthig das Bündel ab, das ihm über die Schulter hing, und streckte dem Angerufe⸗ nen die Hand entgegen.
„Anton Knopploch!“
„Ja, Anton Knopploch. Freilich kein feiner Herr mit glitzernden Achsel— stücken und gewichstem Schnurrbart, blos Anton Knopploch, immer so un— gefähr!der Alte, nur daß er sich nicht wie Du noch mit Büchern befaßt außer denen, die so ab und zu in seinen Sack wandern.“
„Du hast das Geschäft Deines Vaters über⸗ nommen?“
„Warum sagst Du nicht: Du bist wohl auch Lumpensammler gewor⸗ den? Hättest es getrost aussprechen sollen, mache mir nichts draus. Kno— chen, Haare, Eisen, altes Papier und Lumpen, das ist so meine Sphäre, wie Du es nennen würdest. Lumpen, todte zum Ein⸗ stampfen, und lebendige zum—— Wenn ich Dir übrigens' malfdienen kann— bin ziemlich be— kannt hier in derf Ge⸗ gend, kannst Dir das ja denken. Mache auch gern allerlei kleine Geschäftchen; wo's was zu verdienen giebt, bin ich immer bereit.
Nach dem Gemälde von C. Sellmer.
Frag' nur Deinen Leutnannt— kenne ihn in- und auswendig.“ Er stockte.
Alfred sah ihn fragend an.
„Ich meine—— kurz, wenn Du Kommissionen hast, kannst
Du wohl an Deinen alten Schulkameraden denken. Hielten ja auf dem Gymnasium schon immer zusammen, weißt Du, wenn die Andern uns foppten, mich wegen des Lumpenhandels, Dich mit Deiner verunglückten Schulter.“ Anton Knopploch legte vertraulich die Hand auf Alfreds Arm.„Brauchst Dich meiner nicht zu schämen,
habe ein gutes Geschäft, wenn ich auch selbst noch mit dem Sacke
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