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Seite ein Band mit Blumentuffs darstellen, und von dem TCaillenschluß Bänder niederflattern und Zweige herabhängen lassen.
Was soll ich Ihnen über die verschiedenen Arten der Blumen sagen?! Man wählt diejenigen, welche Einem am besten gefallen. Sehr modern und beliebt sind die kleinen Blüthen, die oben angeführten und unter diesen besonders die Eriken und die gelb schattirten Sammet-⸗Aurikeln, ferner der
Flieder, welchen man in allen Tönungen hat die Schneebälle, weiß, gelb
und in heliotroplila Nüancen, die Blüthen des Goldlacks in rahmgelbem
Sammet, die Akazienblüthen. Und unter den großen Blumen genießen die rothschattirten Mohnblumen, zuweilen von schwarzen Sammetbandschleifen umwunden, ihre Triumphe. ö
Von den Blumen zur Haartracht ist der Uebergang leicht. Es scheint sich also doch eine gewisse Veränderung in dem Arrangement der Frisur vorzubereiten. Viele Damen verschmähen die Haarfranse auf der Stirn, andere wollen nicht darauf Verzicht leisten. In den eleganten Konzerten und Theatern, wo man immer eine Anzahl Damen in Toilette und hübsch frisirt sieht, machen sich beide Arten bemerkbar, und man kann nicht sagen, daß die eine über die andere triumphirt.
Jede Mode, welche verschiedenartig von der jeweiligen ist, läßt stutzen und ruft ein gewisses Erstaunen hervor, bis die Augen sich allmählich daran
ewöhnt haben. Dann mißfällt das, was gefiel, und die neue aprice scheint das einzige Diktat des Geschmackes zu sein.— Ich plaidire dafür, daß man nicht eine uniforme Frisur annimmt, daß man sich nicht gezwungen glaubt, das Haar à la chinoise oder à la Diane zu tragen, wenn es Einem nicht steht, nicht mit dem Alter übereinstimmt. Aber meistentheils ist es der allgemeine Strom, der leitet und nicht die gesunde Vernunft.
Die modernen Haarfrisuren zu Festlichkeiten bleiben ziemlich hoch und werden, wie wir gesehen haben, durch eine kleine Zierde auf dem Wirbel
des Kopfes vervollständigt. Allein hinten sind sie voller, reichhaltiger ge⸗ worden, indem man hier das Haar in Schlingen, Krépes und Gewinde ordnet, untermischt mit einigen Locken, welche auf den Nacken fallen. Während des Tages bleibt die Frisur einfacher, zu einem gewundenen Knoten hoch⸗ esteckt oder auf dem Hinterkopf in einen schmalen Katogan arrangirt. an hat eine Menge hübscher Zierrathen für derartige Haartrachten, be⸗ sonders Nadeln aus Schildpatt und aus ciselirtem Silber in mannigfachen Formen, Halbkämme und Kämme aus Schildpatt und aus Jet.—
Ich komme auf die Ballkleider für junge Mädchen nochmals zurück, um über den Ausputz einige Worte zu sagen. Stickereien und Perlen meidet man, doch entschädigt man sich durch die zarten und entzückenden Spitzen⸗ Imitationen„point d'Alengon“ und die nicht minder schönen, gestickten dentelles de Saxe, welche, in rahmgelber Farbe, als gekräuselte Volants Verwendung finden, aber immer mäßig angebracht sind, um einen wirklichen Schmuck abzugeben, keineswegs verschwenderisch oder überladen.
Man gestaltet den Ausschnitt der Ball-Leibchen herzförmig, eckig, rund, ganz nach Belieben; er ist nicht mehr so tief wie er früher war, aber man scheint sich dafür durch vollständige Aermellosigkeit entschädigen zu wollen. Vielleicht die jungen Frauen? Indeß die einsichtsvollen Mütter halten dar⸗ auf, daß ihre Töchter ein wirkliches, kurzes Aermelchen und nicht den schmalen Andeutungsstreif eines solchen am Ballkleide erhalten, wie es das Takt⸗ und Schicklichkeitsgefühl erfordert.
Die Ballschuhe sind immer sehr weit ausgeschnitten, aus Atlas in über⸗ einstimmender Farbe mit dem Kleide, vorn zugespitzt oder eckig, bestickt mit Gold⸗, goldbraunen Metall⸗ oder, bei Schwarz, mit schwarzen Perlen und geziert mit einer sehr kleinen und flachen Schleife. Jedoch tragen die jungen Mädchen meist Schuhe aus feinem Leder, kreme, rosa oder mattblau, ebenfalls in gleicher Farbe wie das Kleid oder wie dessen Garnitur von Schleifen oder Blumen. Und in demselben Ton hält man auch die Strümpfe, wenn man nicht vorziebt, solche in Fleischrosa oder jenem gelblichen, mit „bporsal“ bezeichneten Rosa zu wählen, welche momentan der neuesten Mode angehören. Derartige rosa Strümpfe harmoniren fast mit allen Kleider⸗ farben. Es ist nicht unbedingt nothwendig, hierin die seidenen anzunehmen, obschon sie am schönsten aussehen. Denn man hat jene rosa wie anders⸗ farbige Strümpfe auch im feinsten fil 4˙Ecosse und fl de Perse, und in solchem Genre sind sie für junge Mädchen zu empfehlen.
Lose slätter.
Die Niagarafälle im Winter.(Siehe Illustration.) Auf der Grenze zwischen Canada und den Vereinigten Staaten bietet sich den Blicken des Reisenden eine der majestätischsten und gewaltigsten Erscheinungen, welche die Natur jemals hervorgebracht hat— die Niagara-Fälle. Der Niagara ist kein Strom in des Wortes eigentlicher Bedeutung, sondern ein Kanal, der die größten Binnenseen der Welt, den Erie- und Ontariosee mit einander verbindet. Die Länge dieses gewaltigen Wasserlaufs beträgt etwa 50 Kilo⸗ meter und seine Fluthen bewegen sich an wildromantischen felsigen Ufern mit großer Schnelligkeit hin. Oberhalb des Falles wird der Niagara durch die etwa 1000 Meter im Umfang einnehmende Ziegen ⸗Insel und einige kleinere Juseln in zwei Arme getheilt und man spricht daher von dem canadischen oder Hufeisenfall, welcher eine Breite von mehr als 600 Meter hat und dem amerikanischen, welcher nur 375 Meter breit ist. Von der amerikanischen Seite und zwar von dem Prospekt⸗Park aus führt eine steile unterirdische Drahtseilbahn bis zum Flußbett unterhalb des Falles. Hier kann man von einem Pavillon aus die niederstürzenden Wasser über sich sehen. Eine Brücke über dem Strom führt zur Ziegen⸗Insel hinüber und von dieser, oder von dem an der canadischen Seite befindlichen Aussichtsthurme aus, genießt man den Anblick eines Schauspiels, wie es gewaltiger und wunder⸗ barer die Natur nicht wieder bietet. Die in rasender Eile heranbrausenden Wassermassen stürzen plötzlich in den fast 200 Fuß tiefen Abgrund, zer⸗ schellen in der Tiese donnernd und tosend zu schneeigen Gischtmassen und wehenden Staubschleiern und rasen dann weiter zwischen den felsigen Ufer⸗
wänden hin, wie kämpfende und brüllende Raubthiere. In den hoch⸗ aufsprühenden Gischt und die Myriaden von Wasserstäubchen, welche über den Stromschnellen schweben, webt die Sonne ihre bunten Regenbogen mit intensiver, entzückender Farbenpracht.
Im Sommer trägt ein kleiner Dampfer, welcher unterhalb der Fälle liegt, kühne Reisende für ein geringes Fahrgeld mitten in die Stromschnellen und bis zu den gigantischen Wassersäulen hin. Das Meer im heftigsten Sturm erscheint zahm und ruhig im Vergleich zur wildbewegten Scenerie, welche hier die niederdonnernden, die Ufer peitschenden und in rasender Schnelligkeit kreisenden Niagarafluthen bieten. Der in Oeltuch gekleidete Passagier des winzigen Dampfers glaubt in einen grausigen Höllenkessel gerathen zu sein und die Wogen prasseln und branden mit so furchtbarer Gewalt um ihn her, daß er meint, das Fahrzeug unter seinen Füßen müsse in tausend Trümmer zerschlagen werden.
Ein besonders bizarres und pittoreskes Bild bietet der Niagara im Winter unterhalb der Fälle dar. Die gigantischen Wassersäulen stürzen dann mit ebenso großer Fülle und Gewalt wie im Sommer in die Tiefe nieder, aber der aufgewirbelte und langsam wieder niederfallende Wasserstaub verwandelt sich in Myriaden von funkelnden Eiskrystallen, und diese bilden an den Ufern Schneeberge, welche oftmals über hundert Fuß hoch werden. Und die zerrissenen Wassersäulen bei den Ufern und Inseln verwandelt die Kälte zuweilen in kolossale Säulen von der Gestalt und Gliederung der Orgel⸗ pfeifen, oder die vom Wind bewegten Wasserstaubmassen erstarren zu glitzern⸗ den Eisschleiern, die sich an die dunklen Felsen hängen und sich immer mehr verdichten. So werden die umliegenden Felsenriffe, Baume und Gebäude von fußdicken Eiskrusten überzogen, und die in Eis starrenden phantastisch ge⸗ stalteten Uferszenerien bieten Bilder von unvergleichlicher Großartigkeit und Schönheit dar. Unsere Illustration giebt dem Leser eine Vorstellung von den eisumpanzerten Ufern des Niagara unterhalb seiner Fälle. n. E.
Der letzte Graf von Oldenburg, der 1667 starb, hatte seltsame Neigungen, die den Spott herausforderten. So nannte ihn Christine von Schweden des römisch⸗deutschen Reiches Stallmeister. Er besaß nämlich nicht weniger als 1430 Pferde, die Füllen ungerechnet. Als auf seines Geheimerathes Wille— brecht vernünftigen Vorschlag eine Verminderung des Marstalles eintreten sollte, lief eine rührende Bittschrift ein, der Herr Graf möchte doch aus alter Liebe die Pferde in seinem Dienste behalten.„Weiß Gott,“ rief der Graf,„die Bitte ist vernünftig; ein Pferd, das mir gedient hat, soll nicht vor einem Pflug gehen oder Steine fahren.“ Die Reduktion unterblieb. Außer dieser Leidenschaft besaß der würdige Herr noch die Passion, an Sonn⸗ und Festtagen Predigten zu hören, nämlich neun, vier in der Hof⸗ kirche, die übrigen in der Stadt. Er begann damit um sechs Uhr Morgens und Punkt sechs Uhr Abends mußte die letzte schließen. Ein Superintendent hatte in seinem Eifer nicht bemerkt, daß die bestimmte Zeit schon vorüber war und fuhr fort zu reden. Da sprang der Graf auf und rief:„Kannst Du denn kein Ende finden? Ich habe genug, so war mir Gott helfe.“
W. G.
Die Sagen von dem Berggeiste des Riesengebirges scheinen sehr jungen Datums zu sein, und sicher nicht über Kaiser Rudolfs II. Zeit zu reichen. Dieser Monarch hatte eine wahre Sucht, überall Edelsteine zu wittern und darnach suchen zu lassen. Er gab dem Pfarrer Bowenko besondere Voll⸗ macht, am Riesengebirge Edelsteine zu suchen. Der Erfolg, den derselbe in der ersten Zeit hatte, bestimmte die italientschen Steinschneider, sich in allerlei Verkleidungen an die Stätte des Fundes zu begeben, auch Spuk zu treiben, um die Abergläubigen von ihrem Vorhaben abzuziehen. Von ihnen rührten auch einige 1 von Rübezahl her, die sie aus dem Italienischen auf das Riesengebirge übertragen hatten. W. G.
Theuer bezahltes Mitgefühl. Unter Robespierre's Herrschaft besaß ein im Port royal eingesperrter Gefangener einen Hund, der ihm in den Kerker gefolgt war. Das gute treue Thier aß trank und schlief bei seinem Herrn, und folgte ihm auch, als er zur Hinrichtung geführt und unter die Guillotine gebracht wurde. Einer der Zuschauer, der den Guillotinirten und dessen Hund gekannt, sagte wehmüthig als er das treue Thier gewahr wurde: „Armes Geschöpf, was soll nun aus Dir werden, da Dein Herr und Freund nicht mehr am Leben ist!“— Ein wüthender Jakobiner hatte diese leise ge— sprochenen Worte dennoch gehört, er näherte sich sogleich dem Sprecher und redete ihn mit den Worten an:„Bürger! Du scheinst großen Antheil an diesem Hund und seinem Herrn zu nehmen. Du bist verdächtig und es ist Pflicht, Dich unschädlich zu machen. Der darüber Bestürzte betheuerte heilig, daß er ein eifriger Republikaner sei, und glaubte seinen Gegner auch davon überzeugt zu haben.— Doch bald darauf wurde er eingezogen und das Mitleid, welches er gegen den Hund geäußert, kostete ihm das Leben.
M.
Die Kaiserin Elisabeth bot der berühmten Clairon das glänzendste Einkommen, welches wohl je eine Schauspielerin aufzuweisen gehabt hat. Sie wollte ihr 40,000 Livres jährlich zahlen, ein vollständig möblirtes Haus, einen Wagen, eine Tafel Mittags und Abends für sechs Personen zusichern. Die Clairon liebte jedoch den Grafen Balbelle zu Paris, und dies hinderte sie, die Anerbietungen anzunehmen, obgleich die Kaiserin ihr, im Fall er sie heirathete, den gleichen Dienstrang für den Geliebten zusicherte, den er in Frankreich bekleidete Der 5 10 Balbelle war willens darauf einzugehen. Die Clairon aber fürchtete, daß ihn ein solcher Schritt später reuen könne. Sie ließ sich also weder von Eitelkeit noch Habsucht blenden, blieb in Paris, zufrieden mit seiner Liebe und ihrem mäßigen Gehalt. M.
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