Ausgabe 
30.1.1887
 
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Wörtchen:Frühling. Rachilla waren die seltsamen Zeichen, die dies Wort bildeten, völlig fremd, allein der Bulgare erklärte ihr deren Bedeutung.

Freudig bewegt schlug sie die Hände zusammen und blickte be gehrlich auf das bekränzte Mädchen.

Wie hätte dies dem gutmüthigen Pokaru entgehen sollen!

Willst Du eins von den Bildern haben, Rachilla? fragte er sein Pflegekind.

Rachilla nickte und blickte Pokaru lächelnd an.

Dieser wies bedeutsam mit dem Finger auf den heiligen Potru. Das hier, mein Kind?

Nein, Vater! schüttelte Rachilla energisch den Kopf.Den Frühling will ich!

Vater Pokaru wollte etwas erwidern, aber Mutter Nutza fiel ihm in's Wort.Dem Kinde gefällt der Frühling! Mach ihm die Freude!

Wie hätte der treue Ehegenosse dem widersprechen können!

Man wurde bald handelseinig und Rachilla verbarg den Schatz in ihrer Truhe. Am nächsten Jahrmarkte wollte sie sich in Rimnik zu dem Bilde Glas und Rahmen kaufen und dann dasselbe neben die heilige Paraschiva an den breiten Fensterpfeiler hängen.

Nun saß Rachilla, wie oben erwähnt, am Abhange des Gehölzes 5

und flocht einen Kranz, genau so wie jenen des Mädchens auf ihrem Bilde. Unter ihren geschickten Fingern gedieh das Kunstwerk bald vortrefflich und es dauerte gar nicht lange, so konnte sie es jauchzend sich in's Haar flechten. Aber damit war Rachilla nicht zufrieden. Sie wollte wissen, ob der Kranz sie auch so schmücke, wie jenes Mädchen? Ob sie auch dem Frühling gliche?

Kurz entschlossen eilte sie den Abhang hinab bis an das Ufer eines Gebirgsbaches, der sein klares Wasser in die Ebene sendet. Weiter oben, das wußte sie, bildete der Bach eine kleine Bucht, auf deren glatter Fläche sich der Himmel hell und rein abspiegelte. Dahin eilte Rachilla. Fast zaghaft trat sie ans Ufer der Bucht und blickte hinab.

O, wenn Vater Pokaru und Mutter Nutza sie jetzt sehen könnten! Gewiß, sie würden ihr Kind, das nun so sehr dem Frühling glich, freudig bewegt ans Herz drücken!

Vater Pokaru und Mutter Nutza sahen sie zwar nicht, aber es sah sie dafür ein Anderer und dies sollte für Rachilla's fernern Lebens lauf von großer Bedeutung sein.

Während diese jauchzend und händeklatschend ihr Bild im Wasser spiegel betrachtete, erklommen zwei Männer die steile Höhe und blieben beim Anblick des Mädchens, das ihnen den Rücken kehrte, ver wundert stehen.

Der eine dieser Ankömmlinge war eine vornehme und in dieser Gegend ganz ungewöhnliche Erscheinung. Der blonde Vollbart und das braune wellige Haar, das ein breiter, schwarzer Filzhut bedeckte, so wie seine Kleidung deuteten darauf hin, daß er ein Fremdling in diesem Lande sei. Sein Begleiter dagegen schien in diesen Bergen heimisch zu sein; er trug die gewöhnliche rumänische Kleidung und diente jenem als Führer.

Das Erstaunen der beiden Männer sollte sich aber noch bedeutend steigern, als Rachilla sich nun umwandte und, nicht weniger über rascht, die beiden Ankömmlinge verwundert anblickte.

(Schluß folgt.)

Kleine Frauen Zeitung. a

Die Mode.

Der Strom der Mode reißt uns mit sich fort, und wir lassen uns lenken, beherrschen, ohne großen Widerstand entgegenzusetzen, indem wir ibre Pro⸗ duktionen reizend, verlockend finden, ihren Schatz von Stoffen, Spitzen, Perlen, Blumen, Federn, welche eben die Mittel zu der großen Serie ihrer Phantasien liefern, bewundern.

Und gerade gegenwärtig, wo die Ball- und Gesellschaftssaison in ihrer Blüthe ist, die Mode sich in buntem Wirbel mit den dazu geweihten Toiletten, ebenso wie mit den Schlittschuh⸗, Promenaden und Besuchs⸗ Anzügen beschäftigt, hat man von neuem Gelegenheit, den vielseitigen Ge schmack jener Herrscherin kennen zu lernen, ihr Entwickelungsstadium zu beobachten.

Was bringt sie uns Neues zur Balltoilette? Liegt es in den Geweben, in den Blumen, im Arrangement? Hauptsächlich in letzterem, denn die Grundmaterialien sind dieselben geblieben, wenngleich sie sich in neuem Ge⸗ wande, in neuen Dispo sitionen präsentiren. Wir haben verschiedene Gaze

arten, verschiedene Tülle, dichter und loser, in Baumwolle und in Seide, die ersteren glatt, oder fein wie ganz grob gekreppt, ferner mit Frisestreifen, mit Sammet- und mit Chenillemustern brochirt, mit Chenille- und Seiden⸗ flocken, mit Perlen durchwebt, die Tülle ebenfalls schlicht, wie mit Chenille brochirt, mit Gold- und Silberperlen überstreut, mit Gold⸗ und Seide in Blumen⸗ uud figürlichen Dessins bestickt, besonders aber viel und das ist sehr jugendlich mit winzigen Punkten übersäet als Genre tulle point d'esprit.

Auch der alte, vielbeliebte Tarlatan, der so reizende, jugendfrische Toiletten von duftiger Einfachheit liefert, ist wieder erschienen. Die Mädchen⸗ welt wählt ihn vorzugsweise in einer Farbe, vor Allem in erème, in Rosa(verschieden nüancirt: reines, zartes Rosa, Lachsrosa, boréal, Altrosa, Theerosa, Aurorenrosa), in Blaßblau, seltener in Roth, in ganz mattem Grün, Ophelienlila und Gelb, das mehr in Tüllen und Seidenstoffen zur Geltung kommt und von verheiratheten Damen begünstigt wird. Dann hat man noch den mit gekräuselten wie glatten Gold- oder Silberlahnfäden durch⸗ zogenen Tarlatan, der in seinem Märchenglanze so vortheilhaft bei Licht wirkt.

Wie schon seit vielen Wintersaisons haben die tanzlustigen Frauen meist

schwere Seidenstoffe zu ihren Ballkleidern angenommen, deren reicher, somptuöser Eindruck ol noch durch Hinzufügung von Plüsch und Sammet bekräftigt wird. Perlen⸗ Stickereien, vornehmlich solche in Wachsperlen, und lange Perlengehänge bilden im Verein mit Spitzen den Ausputz daran. Aber es giebt doch auch wieder viele Damen, welche auf das Luftige nicht ganz Verzicht leisten, und diese finden in den gestickten und perlenfunkelnden Tüllen und Gazearten die geeigneten Elemente, welche dann in Wolken und Draperien die schwerstoffigen Seidenkleider umhüllen.

Der schwarzseidene tulle point d'esprit ist für junge Frauen zu Ball⸗ kleidern sehr beliebt. Man giebt ihnen eine Unterlage von rother, gelber, malvenlila, blaßblauer oder rosa Faille und schmückt sie mit entsprechend

farbigen Bandschleifen und Blumen, vermeidet aber bei solchem Tüll den

Ausputz von Spitzen. 8

Selbst für die jungen Mädchen neigt sich die Mode mehr und mehr der Seide zu, welche nicht allein zum Fond, sondern auch oft zu dem diesen deckenden, ersten Rock und zum Leibchen dient, während die Tunika⸗Arrangements und die Draperien aus den ätherischen Geweben gefertigt werden. Zu den Röcken sind es Taffet, Surah, Merveilleux und Bengaline, zu den Leibchen ebenfalls Bengaline und immer noch vielfach Faille und Atlas, welche man verwendet. Dennoch sind die ganz luftigen Gewänder keineswegs bei der

jugendlichen Mädchenwelt verbannt, im Gegentheil, ich rathe den Müttern

an, dieselben für ihre Töchter zu beschützen, denn es läßt sich kein lieblicherer Anblick denken, als die jungen Tänzerinnen von leichten, luftigen Geweben umwogt, die den Gedanken anWerth oder Kostbarkeit nicht aufkommen lassen.

Derartige Toiletten werden häufig mit mehreren Unterröcken von Gaze oder Tarlatan ausgestattet, oder man giebt ihnen einen Fond von gleich. oder abstechend-farbigem Batist oder solcher Satinette. Taffet bildet jedoch im allgemeinen das Futter für das Leibchen aus durchsichtigem Stoff, wenn dasselbe nicht, wie schon angeführt, durch ein ganz seidenes ersetzt wird.

Die kleinen Plissevolants, welche in der Anzahl von zwölf bis sechszehn die untere größere Hälfte oder zwei Drittheile des ersten Rockes decken, er⸗ halten sich für derartige Ballkleider in großer Gunst. Hierzu trägt man gern eine kurz geschürzte und drapirte Tunika, auf der einen Seite mit einer Blumenguirlande aufgerafft, und ein rundes Leibchen à Ja vierge mit ziemlich breitem Faillebandgürtel. Das Leibchen ist vorn und im Rücken eckig aus⸗ geschnitten, in der Taille wie am oberen Rande eingekräuselt und an letzter Stelle von einem emporgerichteten Plissevolant, der durch ein winziges Kometenbändchen anschließt, umrahmt. Nur um die Achseln setzt sich das Plisse nicht fort, denn dieselben werden von einem hochschultrigen, kurzen Puffärmelchen begrenzt, um dessen unteren Saum sich der Plissevolant zieht. Ein Blumenzweig schlingt sich auf der einen Seite um Achsel und Puff. ärmelchen, und oft ziert auch noch ein Blumencollier den Hals der Trägerin. Das übereinstimmende Aigrettensträußchen oder Halbkränzchen im Haar ist unerläßlich. Anmuthig, und reizend nimmt sich eine solche Toilette in rahmgelbem Tarlatan über einem rosa Unterkleid aus, geschmückt mit rahm⸗ gelbem Jasmin, oder ganz in Creme mit hochrothem Geranium, oder in Blaßblau oder Rosa, hier mit Eriken und Moosrosen, dort mit Vergiß⸗ meinnicht, die mit ein paar weißen Kamillen untermischt.

Da ich hier bei den Blumen angelangt, so will ich nur gleich verkünden, daß ihre Herrschaft in geschlossenen Räumen eine unumschränkte ist, daß man sie in graziöser Anordnung auf den Ballkleidern, als kleine Zierden in den Haaren sieht. Für letztere windet man Tuffs mit herausstehender, hin⸗ und herschwankender Aigrette, z. B. den Tuff aus Veilchen, die Aigrette aus gelben Aurikeln, kleine Büschel mit niederfallender Ranke und legere Zweige, zierliche Watteaukränze und Halbkränze, letztere z. B. so gebunden, daß in der Mitte ein Büschel Blätter, zu beiden Seiten derselben ein ganz kurzer Blumen⸗ regen herabhängt. Und in diesem Genre ist auch die auf der Achsel anzubringende Garnitur, während andere wiederum auf der Achsel eine ganz schmale Guir⸗ lande darstellen, oder einen Strauß mit ein paar langen, festonartigen Stielen oder mit zwei verschlungenen Bändern, welche in der vorderen Mitte des Ausschnitts mit einer Blume oder einem kleinen Bouquet befestigt. Oder man läßt von der Achsel eine breit beginnende, allmählich schmal auslaufende

Guirlande um den vorderen Ausschnitt des Leibchens herum oder vorn in schräger Richtung niedergehen ꝛc. ꝛc. Mehr als je mischen sich Schleifen

aus Faille⸗ oder SammetPicotband unter die Blumen, nicht allein im Haar und auf der Schulter, sondern auch auf den Kleidern, oder die Blumen er⸗ halten eine wolkige Unterlage aus Illusionstüll, oder sie verbinden sich doch das nur für verheirathete Damen mit Straußfederpuffs oder lassen, als Haarzierde, ein Reiherbüschel hervorstrahlen.

Sehr kleidsam und graziös für junge Mädchen sind die Achselbänder

aus Blumen, welche auf Vordertheil und Rücken des Leibchens niedergeben, auf der einen Seite eine Guirlande mit Bandschleifen, auf der anderen