Ausgabe 
29.5.1887
 
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Zu Füßen des Bettes kiste der Sohn und drückte sein Gesicht

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gegen die Eisenstäbe Nagers.

Ein grelle füllte plötzlich das kleine Gemach und fies eeecs, das plötzlich wie zum neuen Leben erwechent e 1 aufschlug und gerade aufsah in die Augen der j)hielt.

Tie blieb lange reglos liegen und dann hob sie eine wachsbleiche Hand und legte sie auf die Wange. Ein verklärendes Lächeln umzog ihren Mund.Mutter, flüsterte sie und dann in gebrochener Stimme leiser noch und wie traumhaft:Du bist wieder da o wie schön! Im kleinen Zimmer war's still. Nur ein krampf⸗ haftes Schluchzen kam vom Fußende des Bettes. Die Frau ließ sich, ihr Weinen bekämpfend, auf die Knie nieder und sich über die kleine Leiche beugend, küßte sie die kalten Lippen lang und innig: Denke, es sei der Kuß Deiner Mutter, kleine liebe heimgegangene Waise!

oe s later.

Rudolf Falb.(Siehe Illustration.) Wer in der wissenschaftlichen Welt mit einer neuen Wahrheit hervortritt, hat alle Jene zu Gegnern, die dem Irrthum huldigten. Als der Naturforscher Falb mit seiner Theorie über den Einfluß des Mondes auf das Wetter und später mit der Erd⸗ bebentheorie vor die Oeffentlichkeit trat, nannten ihn fast alle Fachgenossen einen sonderbaren Schwärmer. Im Lauf der Jahre aber trat eine zuver⸗ lässige Verbündete auf Falb's Seite und das war die Natur. Die Natur bestätigte durch gewaltige Winterstürme und schreckliche Erderschütterungen seine Vorhersagungen. Ganz besonders aber haben die Naturereignisse der letzten Jahre die Annahmen Falb's ganz und voll erfüllt. Er hat be⸗ kanntlich die Entdeckung gemacht, daß gewisse Konstellationen der Gestirne, wie der nächste Stand von Mond und Sonne zur Erde, oder Sonnen⸗ finsternisse die Luftströmungen beschleunigen und daß diese gewaltigen Fluth⸗ erregungen über der Erde Einfluß haben auf die Wasserstoff-Gasmassen im Innern der Erde. Rudolf Falb sah diese Theorien durch zahlreiche Gewlitterstürme, Schneefälle im Süden, vulkanische Ausbrüche, schlagende Wetter in den Gruben und Erdbeben bestätigt und wer ihn je seine Theorien in öffentlichen Vorträgen vertheidigen hörte, wird sich vor der überzeugenden Kraft seiner Argumente beugen.

Rudolf Falb gehört zu den hochragenden Geistern, die dem gesunden Volkeboden entsprungen sind. Er wurde in der Steiermark im Jahre 1838 als der Sohn eines Müllers geboren, vom Vater für das Schneiderhand⸗ werk bestimmt, durch die Mönche von St. Lambrecht aber dem Studium der Theologie zugeführt. Falb empfing die Priesterweihen und wurde ein Dorfkaplan. Seine auf den Himmel gerichteten sehr an den Gestirnen, daß seine Phantasie sich wenig mehr mit der über⸗ fiunlichen Welt beschäftigen konnte. Das Studium der Astronomie veran⸗ laßte ihn, den geistlichen Stand aufzugeben und sich dem Lehrfach zu widmen. Er ging als Lehrer an die Handelsschule nach Graz, wurde dann Erzieher im Hause eines Grafen, der ihm die Mittel gewährte, im Jahre 1869 sein erstes Werk über die Erdbebentheorie herauszugeben. Mitte der siebziger Jahre hielt Falb Vorträge über seine Entdeckungen und erwarb sich durch diese die Mittel, größere Reisen durch Süd⸗ und Nordamerika zu unternehmen. Auch auf der westlichen Hemisphäre sah er seine Theorien durch die Naturereignisse in den Cordilleren bestätigt. 1880 kehrte er nach Europa zurück und veröffentlichte sein Werk über die Umwälzungen im Weltall. Falb war früher schon zum Protestantismus übergetreten. Gleich⸗ wohl versagte ihm, als er sich verheirathen wollte, die östreichische Behörde die Erlaubniß zur Eheschließung und zwar aus dem seltsamen Grunde, weil er als junger Mann die kakholischen Priesterweihen empfangen hatte und diese als unvergänglich angesehen werden. Dieser Umstand veranlaßte Falb, sich seinen Hausstand in Leipzig zu gründen. In diesem Jahrzehnt ist es dem rastlosen Manne gelungen, durch Schrift und Wort Tausende und Abertausende von dem Werth seiner wissenschaftlichen Entdeckungen zu überzeugen und eine große Umwälzung der Ideen hervorzubringen.

Corinna(siehe Illustration), jene schöne und begabte Griechin, welche in den musischen Weltkämpfen wiederholt den Sieg über Pindar davon getragen haben soll, ist von Eva Coomans frei dargestellt worden. Eva

oomans gehört zu den Malerinnen der französischen Schule, welche sich, dem Beispiel Alma Tademas folgend, in die antike Welt der Hellenen und Römer vertiefen. Corinna ist eine der interessantesten Frauengestalten der alten Welt. Sie lebte etwa 500 v. Chr. und stammte aus Tanagra, wo ihr Bildniß in den Gymnasien angebracht wurde. Von ihren lyrischen Gedichten sind nur noch Bruchstücke vorhanden. R. E.

Der Chronist Haftiz berichtet von einem Turnier zu Berlin, das 1545 zur Feier der Hochzeit des Kurprinzen, späteren Kurfürsten Johann Georg und der Tochter des Herzogs von Liegnitz stattgefunden:Am Montage haben darauf Markgraf Hans von Cüstrin(des Bräutigams ehrenfester Oheim) und Herzog Wilhelm von Braunschweig mit einander scharf ge⸗ rannt und ein solches hartes Treffen gethan, daß die Rosse hinten zum Sitz gekommen und dennoch beide Herren sitzen geblieben. Es hat aber Herzog Wilhelm des Herrn Markgrafen Hansens Schild entzwei gespalten bis auf den Hals, und wäre um ein Weniges gethan gewest, wenn es Gott nicht sonderlich verhütet, daß er ihm den Hals abgerannt. Deswegen alle Fürsten

Blicke aber hafteten so

und Herren, so damals auf der Bahn gewesen, sehr erschrocken und zuge⸗ laufen sind. Es haben auch viele Herren vom Adel gerannt und gestochen; aber am Mittwoch haben sechszig Paar zu Rosse in voller Rüstung auf der Bahn turnirt, und indem man diesem Ritterspiel zugesehen, ist einer aus dem Fenster herabgefallen. Der hat einen Andern, der darunterge standen, todt gefallen, und ihm hat es nichts geschadet. Daß in jener Zeit schon mit Gebrechen Geld verdient ist, weist die Fortsetzung der

Chronik:Auch ist damals ein elender Kerl ohne Arme und Hände gewest,

der hat mit den Füßen essen, eine Nadel einfädeln und andere Dinge thun können, die sast unglaublich zu sein schienen, hat mit dem Halse Holz ge⸗ hauen und einen Teller an der Wand auf etliche Schritte mit der Spitz⸗ karte treffen können. W. G.

Eine deutsche Antwort. Karl XII. von Schweden hatte dem Kur⸗ fürsten von Sachsen und König von Polen August dem Starken den Altran⸗ stedter Frieden diktirt und schien sich mit seiner Armee in Sachsen nieder⸗ lassen zu wollen. Das verdroß den ersten König von Preußen Friedrich und er schickte somit seinen Oberhofmarschall von Prinzen zu dem schwedischen Soldatenkönige, um diesen über seine Absichten auszuhorchen und ihn möglicher Weise zu bewegen, den Nachbarstaat zu verlassen. Prinzen begab sich in das schwedische Lager und richtete seinen Auftrag bestens aus. Karl XII. war ohnehin im Begriff abzuziehen, doch überraschte ihn der Wunsch des preußischen Königs. Er runzelte die Stirn und stampfte mit seinen großen Stiefeln den Boden. Der Oberhofmarschall aber war der Mann der bleichen Furcht nicht; er blieb ruhig und blickte den Gefürchteten in das Auge. Da fragte dieser hämisch, ob die preußischen Soldaten noch so gut wie die brandenburgischen seien.Sire, antwortete der Gesandte Friedrichs 1:es sind noch dieselben Soldaten, die sich bei Fehrbellin be⸗ fanden. Der schwedische König zuckte zusammen, dann trat er auf den Oberhofmarschall zu:Sie waren Soldat.Unter dem Großen Kurfürsten, wie ich es noch unter meinem jetzigen gnädigen Herrn sein würde, wenn es nöthig wäre.Und wann wäre es nöthig?Wann der erste Kanonenschuß fällt und mein König das Schwert zieht. Karl brach hier das Gespräch ab, und am folgenden Tage begann sein Heer den Rückzug aus Sachsen anzutreten. W. G.

Die Herzogswahl in Kärnten ging, wie überall im Deutschen Reiche, bis zum Aussterben der Frankenkaiser, vom gesammten Volke aus; doch war sie hier an besondere Förmlichkeiten geknüpft. Bei Kärnburg unweit Klagenfurt steht der sogenannte Fürstenstuhl. Auf ihn setzte sich der älteste Bauer, dann trat der neugewählte Herzog aus dem Volke hervor.Wer ist der Mann, der so stolz daher schreitet? fragte nun der Bauer.

Des Landes neuer Herzog, rief das Volk.

Ist er auch ein gerechter Richter, Mehrer des Landes, Schirm der Christenheit und Schutz der Wittwen, Waisen und Bedrängten? fragte der Alte weiter.

Ja, er ist und wird es sein, erwiderte die Menge.

Run erhob sich der Bauer und versetzte dem Herzoge einen Backen⸗ streich, während er ihn ermahnte, eingedenk zu sein, wessen sich das Volk für ihn verbürgt habe.Und nimm Platz, schloß er seine Rede:und walte Deiner Pflicht!

Der Herzog that danach und sprach Recht. W. G.

Menu à la Shakespeare. Bei einem Festessen, welches die Shakespeare⸗ Gesellschaft von Philadelphia bei einer ihrer Jahresversammlungen ver⸗ austaltete, war der Speisezettel mit Citaten aus Shakespeare gespickt, die alle demselben Stücke dem König Lear entnommen waren. Wir führen davon Einiges an: e

Austern in der Schale, Dir wäre besser in Deinem Grabe, als so mit unbedecktem Leib dieser Gefahr begegnen.(Lear.) Oeffne die Börse, nimm was sie enthält.(Kent.) Kannst Du mir sagen, wie die Auster ihre Schale macht?(Narr.) 1

Soupe à la Reine. Wie heiß sie ist! Sie dampft.(Edelmann.)

Päte à la Financière. Ich bin Größ' res, als mein äußerer

Schein.(Kent.) f 5 Fricassée von Kapaunen. Zerhackt zu Karbonade Ge 4 dent. Wein: Schloß Johannisberger 1859 er; Steinberger Kabinet 1857er. Den beiden Schwestern schwur ich meine Liebe. Welche soll ich nehmen? Beide?(Edmund.) 9 1 1 1 Junge Hühner. Mich dünkt, er scheint nicht größer, als sein Kopf. (Edgar.) Burgunder; Chambertin 1861 er. Sein Alter wirkt, sein Rang noch mehr, wie Zauber, Ihm alle uns're Herzen zu gewinnen.(Edmund.) Kartoffeln. Der Erde arme Kreatur(Edgar.) Schnepfen. Bringt her die braunen Kerle.(Lear) Du Bach- stelze!(Kent.) 5 0 1 Marzipan. Die kleine schimmernde Substanz.(Lear.) Salat. Ich will es glatt und ölig haben.(Cornvall.) Emelette soufflée. Gieb mir ein Ei, Gevatter!(Narr.) Gallerte. Seht nur das Ding da zittern.(Lear.) Punsch. Mag eines Freundes Hand ihm volle Stärke jetzt ver leih'n.(Gloster.) 5 Limburger Käse. Gewiß, unter Zwanzigen ist nicht Eine Nase, die den nicht köche; der stinkt(Narr.) Kaffee. Das Schlechteste nicht, wenn auch das Letzte.(Lear.) Zigarren. Ein kleiner Funke und der ganze übrige Körper ist kalt. Scht, hier kommt ein wandelndes Feuer.(Narr.) u.