Ausgabe 
28.8.1887
 
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S 279 D

falteten Volant und aus einer Polonaise mit Moiregürtel, welcher zwei

die Taille umschlingt, das erste Mal rund, 1 in der Sllenbietun das zweite Mal unterhalb derselben und dann eine Schnebbe bildend, welche mit einer goldenen Schnalle à la mervweilleuse befestigt wird. Gern wählt man hierzu den Gürtel aus Moireband in wassergrüner Farbe.

Auf den weißen Mullkleidern sind auch die Volants wieder erschienen entweder mit Saum oder begrenzt von einem Plisse. Diese Volants steigen bis zu zwei Drittheilen des Rockes auf, welcher von hier ab bis zur Taflle mit gefalteten Mull⸗Draperien bedeckt wird. Das Leibchen, über welches man den Rock zieht, ist oben etwas geöffnet und von einem großen Matrosen⸗ kragen mit Plisserand eingerahmt, der in plissirte Revers ausläuft. Diese verlieren sich in den Gürtel des Leibchens. Daß ich den Aermel nicht außer Acht lasse, da dessen Form an verschiedenen leichten Toiletten häufig An⸗ wendung findet! Derselbe ist voll an die Achsel gekräuselt und hoch gebauscht und unter dem Ellbogen mit einer engen, breiten Plissemanschette(je nach der Garnirung auch in Sammet oder Seide auszuführen) zusammengefaßt. Ein farbiges Sammet⸗ oder Seidenband wird oben spangenförmig um den Arm gebunden, so daß sich der Aermel in zwei Puffen theilt.

Man mischt das Weiß mit Rahmgelb(Creme). So schmückt man z. B. eine kremefarbene Robe mit weißen Spitzen oder Stickereien, eine weiße Robe mit rahmgelben Spitzen oder Stickereien. Der Effekt ist sehr apart und glücklich. Auch bereitet man in diesem Genre Röcke, abwechselnd gestreift mit dicken Quetschfalten und Einsätzen.

Ein neuer rahmgelber Stoff, in welchem das Gestreifte ebenfalls herrscht, erfreut sich der Gunst; es ist eine Art Gaze Chambery mit Einsätzen, welche dem Stoff eingewebt. Diese Einsätze sind entweder rahmgelb wie die Gaze, zuweilen schwarz, und das letztere, das sich selbstverständlich scharf gegen den kremefarbenen Grund markirt, bringt eine eigenartige Wirkung hervor. Man liebt vornehmlich die mit Einsätzen gestreiften Leibchen, welche die Taille schlank machen und sich von großer Kleidsamkeit erweisen.

Von weißen Seidenstoffen werden Foulard, Satin merveilleux, Taffet und Faille getragen.

Ich darf jedoch die Kleider aus weißen, festen Baumwollengeweben nicht vergessen. Denn was ich auch letzthin als Verkünderin dervernünftigen Mode zu Ungunsten der Anzüge aus Baumwolle gesagt: mit den heißen Sommertagen hat die Herrscherin ihren Sinn geändert und einen Strahl ihrer Protektion auf jene bescheidenen Trachten fallen lassen. Aber es bleibt eben nur ein Strahl, der eine allgemeine Annahme nicht so schnell auf⸗ kommen, Einsicht und Vernunft nicht so schnell unterdrücken läßt. Wie dem nun sein mag: einige elegante Damen, welche die Einfachheit lieben und in ihren Toiletten⸗Ausgaben sich die Mäßigkeit zur Richtschnur nehmen, haben für das Land Kostüme aus schlichtem, weißem Calico und aus weißer Baumwollenserge acceptirt, ausgeputzt mit selbst gearbeiteten Stickereien im Zeichenstich in rothem, blauem oder kieme Garn, oder garnirt mit Streifen aus rothem Andrinople, die sich rings um den Rock oder als Quille über denselben ziehen und als Umrahmung des Schulterstücks der Blouse dienen.

Was den Blick in der ruhigen Atmosphäre der Stadt verletzen würde, erscheint heiter und glänzend unter den sommerlichen Sonnenstrahlen zwischen dem Grün der Wiesen und Bäume, an dem von Meereswogen umspülten Strande. Nichts Richtigeres, als jedes Ding in den ihn passenden Rahmen setzen! Muß man da nicht, wo sie hingehören, die rothen Kleider reizend finden? Sie sind sehr beliebt und werden viel und mit Glück getragen. Eine anmuthige Neuerung darin ist, Toiletten aus rothem Andrinople mit rohgelber Etamine zu wichen, auf welcher letzteren eine russische Stickerei in Blau und Roth angebracht ist. Der Rock wird dann aus Einsatztheilen von ungefähr 25 bis 30 em Breite gebildet, deren einer aus gefaltetem Andrinople immer mit einem faltenlosen Theil aus rohgelber, bestickter Etamine ab⸗ wechselt. Die Tunika ist aus rothem Andrinople, desgleichen das im Rücken fest anschließende Jaquetteleibchen, das am unteren Rande einen gestickten Etaminestreif vorkommen läßt und vorn sich über einem solchen Etamine⸗ Plastron öffnet. g 8

Auch die rohgelben Kleider aus Batist undTussor haben hübsche Er⸗ folge zu verzeichnen. Sie sind jugendlich und hübsch und stehen den jungen Mädchen vortrefflich. Man wendet häufig die FormRécamier zu solchen Kleidern an, mit geradem, flatterndem Rock, um den sich rings eine auf⸗ steigende, gleichnüancirte Stickerei zieht. Das Leibchen, mit runder Taille, ist fichüförmig über einem Plastron aus braunem Sammet drapirt. Um die Taille schlingt sich ein braunes Failleband, das hinten in eine große Schleife mit Enden geknüpft ist. f 5 75

Nicht minder in Gunst sind die Toiletten Direktoire mit ihren großen, kaleschenartigen Hüten, um welche Feder⸗Panaches wogen, mit ihren ver⸗ kürzten Taillen, um welche sich Gürtelbänder legen. Letztere gehen von den Seiten aus, kreuzen sich vorn schnebbenförmig übereinander und verlieren sich in die Draperien der Tunika. Denn, wohlverstanden, es ist niemals die genaue Kopie jener altmodischen Anzüge, sondern der Geschmack der Neuzeit mischt sich mit seiner Koketterie, seiner Grazie immer hinein.

Wie ich es schon am Eingange berührt: das Blau reiht sich den Mode⸗ farben der Saison an. Es präsentirt sich in allen Tönen, allen Stoffen. Am meisten begünstigt darin sind die Kostüme aus Seidenfoulard und aus Elsasser Satinette, welche letztere dem eleganteren Foulard so täuschend ähnlich sieht. Der Fond erscheint in tiefem Blau, das e und Violett spielt, bedruckt mit einem lleinen Streumuster, meist weiß, zu⸗ weilen roth. 18;;

Bei feigen Toiletten dominirt die Polonaise, ausgestattet mit kleinen Draperien, welche auf der Schulter gekräuselt sind und sich über einem Plastron öffnen. Die Taille ist lang, und die Draperien sind fest darauf gespannt, domit sie nicht ausbauschen und die Figur beeinträchtigen

Die Elsasser Satinettes und Toiles, die karrirten Madras, die J ge⸗ stickten Indiennes(Zephyrs) und die einfarbigen Batiste werden also in den heißen Tagen getragen, letztere geschmückt mit den wundervollen Imita

tionen von breiten Valencienner Spitzen oder mit Plisses aus weißem Tüll point d'esprit.

Von neuem hat man die Vorliebe den schwarzen, durchsichtigen Toiletten aus Spitzen, Gaze, Tüll point d'esprit über farbigen Taffet⸗Unterkleidern zugewendet. Selbstverständlich ist das Taillenfutter dann aus gleichnüancirter Seide, altrosa, altgold, strohgelb, kupferroth, feuerfarben, ziegelroth, aprikosen⸗ rosa. Der Hut aus schwarzem Stroh oder Spitzen ist in Harmonie mit einer derartigen Toilette und wiederholt die Farbe des durchschimmernden Unterkleides im Futter und in Schleifen oder Blumen.

Eine Mittheilung, welche ich mit Vorbehalt gebe, betrifft die Pikot⸗ bänder, von welchen man prophezeit, daß sie ihren Kurs vollendet haben und durch Faillebänder mit geraden, schmalen Atlasrändern ersetzt werden. Aber ich glaube noch nicht an diese Prophezeiung; gewiß das Prädikat derNouveauté kann man letzteren nicht versagen, aber sollten die so graziös in der Garnirung wirkenden Pikotbänder, zumal diejenigen mit den großen Schnurpikots, wirklich nun ganz bei Seite gedrängt werden? Nein, um einer Neuheit willen, die weniger hübsch als die schon bekannte Mode, giebt man letztere nicht so plötzlich auf.

Auch das Moireband soll in Aufnahme gelangen, aber nicht einfarbig, sondern in glacirten und changirten Tönungen. Und in der That, sie sind reizend, die neuen Moirebänder, welche dieEleganz für sich in Anspruch nehmen, in ihren undefinirbaren Nüancen, ihrem stets wechselnden Kolorit, hier durch ihre schillernden Effekte, wie altrosa und wassergrün, altblau und elfenbeingelb, fleischrosa und moosgrün, die Irisperlmutter nachahmend, dort feuerfarben und sevresblau, feuerfarben und malvenlila, chaudron und russisch⸗ blau in Flammen strahlend.

In Sonnenschirmen hat die Mode noch entzückende Phantasieen gebracht: aus rohgelber, bunt gestickter, wie bunt durchwirkter Etamine, rings besetzt mit rohgelber Seidenspitze, luftig und duftig aus elfenbeingelber Spachtel⸗ stickerei über einer Unterlage aus gleichnüancirtem Mull oder Nansouc, welcher zugleich das Futter bildet. Und die neuesten Enkas mit kleingewürfeltem Surahbezug zeigen denselben mit einer Bordüre größerer Würfel abgepaßt.

Zu allen Arten von hellen Toiletten werden gegenwärtig perlgraue Handschuhe aus Glacé⸗ oder Ziegenleder mit drei schwarzen Nähten auf der Hand getragen.

Lose Blätter.

Der Mäusethurm im Goplosee. Halb in russisch, halb in preußisch Polen liegt in der Landschaft Cujavien der in ansehnlicher Länge sich von Süden nach Norden ausdehnende Goplosee. Auf preußischer Seite bei Kruschwitz liegt eine kleine Insel mit einem hohen Thurm, dem Mäuse⸗ thurm, an welchen sich eine ähnliche Sage, wie an den gleichnamigen Thurm bei Bingen am Rhein, knüpft. Einst war eine große Theuerung im Lande. Da kamen die Menschen, vom Hunger abgemagert und ermattet, und baten ihren Herrn und Gebieter um Brotkorn aus seinen Speichern. Das sollt ihr bekommen, herrschte er sie in barschem Tone an. Weil er aber ein harter, grausamer Mann war, so ließ er statt dessen die armen unglücklichen Leute einsperren und mehrere der Wortführer verbrennen. Als die andern da noch mehr jammerten, sagte er zu feinen Nachbarn und Standesgenossen:Hört ihr, wie meine Brotmäuse pfeifen? Gott strafte aber den Frevel, denn bald kam eine große Mäuseplage; die Mäuse drangen in seine Güter und in die Gemächer seines Schlosses unaufhaltsam ein, so daß er sich vor ihnen nicht retten konnte. Er flüchtete auf diese Insel. Die Mäuse kamen aber auch dorthin. Er baute einen Thurm, um hier vor ihnen gesichert zu sein. Ehe derselbe aber vollendet war, kamen die Mäuse auch hierher, worauf sich der Grundherr eine große Glasflasche, einer Taucherglocke ähnlich, machen und sich in dieser in das Wasser versenken ließ. Die Mäuse verfolgten ihn aber auch bis auf den Grund des Sees. Da stieg er wieder empor, und da sein Thurm nun fertig war, schloß er sich in diesen fest ein. Die Verfolger drangen aber auch hier durch Thür und Fenster ein, brachten ihn jämmerlich um und fraßen ihn auf. Die Stelle, wo sie ihn verzehrt haben, ist noch zu sehen, und obgleich rund herum ein üppiger Pflanzenwuchs grünt, so wächst auf dieser Stelle doch nichts. Der Thurm steht überall fünfzehn Meter vom Wasser entfernt und hat erst in dem vierten Stock einen Eingang, weshalb er nur mit Strick⸗ leitern bestiegen werden konnte. Jetzt gelangt man durch eine Zugbrücke, die über das Wasser führt, zu ihm.

In Japan werden monatlich zwei Tage gefeiert, die große Aehnlichkeit mit unserm Senntag haben; der größte Festtag daselbst ist jedoch der Neujahrstag, an welchem, anderer Gebräuche und Ceremonieen, nicht zu er⸗ wähnen, bochbejahrte Leute Drachen, deren Schnüre dicht mit kleinen Glas⸗ scherben bedeckt sind, steigen lassen wobei man ein großes Interesse daran knüpft, den Faden seines Nebenbuhlers zu durchschneiden. M.

Drei für Einen. Ein Soldat der Unionsarmee des Generals Washington hatte sich so vergangen, daß das Kriegsgericht auf Tod erkannte. Der Un⸗ glückliche hatte seit Jahren seine betagten Eltern von seinem kärglichen Einkommen ernährt. Von der kindlichen Liebe unterrichtet, verwandelte Washington das Todesurtheil in Ausstoßen aus der Armee.Geben wir ihm den Tod, sprach er,so laufen wir Gefahr, drei Menschen statt eines zu tödten. W. G.

Ein Gascogner rühmte sich, er stamme von einer so alten Familie, daß er noch Zinsen für ein Kapital bezahlen müsse, das seine Vorfahren auf⸗ genommen hätten, um die Reise nach Bethlehem zu bestreiten, woselbst sie den Eltern Jesu Christi zu dessen Geburt gratulirt hätten. W. G.

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