Ausgabe 
27.11.1887
 
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diente Ehre? Ei, wie Sie sich verändert haben! Ja, ja, auch wir werden alt, auch wir! rief ihr Fräulein Lätitia entgegen.

Es thut mir leid, Sie zu stören, Lätitia, und ich hoffe, daß das, was ich zu sagen habe, Ihnen erklärlich machen wird, warum. ich jede Rücksicht gegen mich selbst vergesse, erwiderte heftig die Gräfin. ö egen sich selbst? Liebste Paula, das bringen Sie in Ihrem Leben nicht fertig! lachte die Andere spöttelnd.

Sparen Sie heute Ihre Malicen, Lätitia, Sie haben wahr⸗ lich keine Ursache dazu! Die Gräfin hatte offenbar heftiges Herzklopfen.

Und was verschafft mir also?

Maria hat diesen Morgen meinem und wolle Totzenbach nicht betrügen, sie habe sich über sich getäuscht, sie liebe ihn nicht!

Wie eine Tigerin schnellte Fräulein Lätitia empor.

Ist das Mädchen toll? Ist es wahnsinnig?

Nichts weniger als das. Sie hat meinem Manne auf sein Drängen mit heißen Thränen, wenn auch nur indirekt, gestanden, daß sie einen Andern liebe

Wen denn? Wen! kreischte Lätitia.

Das will sie nicht sagen; wir vermuthen Lornow

Das alte Fräulein stieß einen Schrei aus, der so voll Wuth war, daß Gräfin Paula ganz betreten wurde. a f

Und das ist noch nicht Alles, fuhr sie rasch fort,Onno, Ihr liebenswürdiger Günstling, hat sich in unser Haus geschlichen, um 3

Mit glühenden Augen starrte Lätitia ihre jetzt ebenso zorn⸗ bebende Freundin an. f

Helo? keuchte diese.

Ah, Sie haben es gewußt? O, schön! schön! Aber denken Sie nur nicht, daß auch wir, wie Sie, ein Auge zuzudrücken geneigt sind. Helo ist ein Kind! Onno hat sich abscheulich benommen, sie seit Wochen zu der Heimlichkeit verleitet, und Maria ist im Bunde gewesen. Und jetzt mein Mann hat ihn schon in erster Morgenfrühe holen lassen jetzt haben sie Beide vor ihm auf den Knien gelegen und geschworen, sie wollen nun und nimmer von einander lassen! Sie hassen uns ja, Lätitia, Sie wünschen diese Heirath ebenso wenig, wie wir. f

Ha ha ha ha! lachte gellend das alte Fräulein auf.Das wäre ja ein Meisterstreich, Frau Paula, wenn er Ihnen gelänge!

Meisterstreich? wiederholte die Gräfin völlig verständnißlos.

Thun Sie nur nicht, wie ein Lamm! Wir kennen uns, Paula! Aber das soll Ihnen doch nicht gelingen, meine Schönste! Ei, ja, das wäre ein Coup für Sie! Den Baron Totzenbach und Maria auseinander gebracht und dann Elma an Maria's Stelle gesetzt! Mit einem betrogenen Liebhaber macht eine kluge Mutter Alles, das kennt man! Und für das grüne Ding. Ihre Helo meinen Onno gefangen! meinen dereinstigen Erben! O, vortrefflich!

Gräfin Paula hatte sich erhoben.

Ich sehe leider, Lätitia, daß Sie unverändert dieselbe geblieben sind. Weitere Worte wären jetzt zwischen uns unnütz! Ich hoffte auf Ihren Einfluß bei den Geschwistern; ich habe mich geirrt; Sie können weder vernünftig zuhören, noch vernünftig denken, nur beschimpfen.

Und damit war die Gräfin an der Thür.

Warten Sie doch noch eine Minute, damit ich Ihnen sage, was Sie wissen müssen! rief Lätitia, indem sie dabei heftig an der Glocke zog.

Der Notar Helbig soll sofort mit meinem Testament kommen! schrie sie den Diener in wilder Aufregung an.

Hören Sie das, Gräfin? fuhr sie dann, dicht und drohend vor diese hintretend, fort:Hören Sie? Enterbt wird er, wenn er Ihre Helo nimmt, keinen Groschen bekommt er! Und nun freuen Sie sich, meine schöne Paula, über die Partie, die Sie für Ihre Helo angestiftet haben! O, wie angenehm Ihnen das wäre, mein ganzes Geld, mein ganzes Geld!

Sie irren sich, Lätitia, aber wozu noch Worte? Lassen Sie mich gehen! a

Gräfin Paula war und blieb in dieser abscheulichen Scene immer die vornehme Dame. Mit tieferem Widerwillen verließ sie ihre erbitterte Feindin, und doch war sie wirklich keineswegs so erzürnt gewesen, wie sie sich den Anschein gegeben.

Manne erklärt, sie könne selbst

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7. 3 Zur Meipeter sagte sie draußen im Vorbeigeken:Achten S auf Ihre Herrin, Fräulein! Sie hat eine sonderba esichtsfarbe! Kaum war sie zehn Minuten fort, als ein gellendes Kreise der Meipeter und ein ungestümes Reißen an der Klingel d das leere Haus tönte und die Köchin heraufrief. 3 Fräulein Lätitia lag mitten im Zimmer bewußtlos zusammen⸗ gebrochen. Die Meireter benahm sich ruhig und vernünftig,

ihre Herrin mit Hilfe der Köchin auf das Bett und gab sich alle Mühe, den Zustand ihrer grausamen Quälerin zu erleichtern. Als

der Diener vom Notar zurückkam, schickte man ihn eiligst zum

und als eine Stunde später der Doktor Helbig mit dem trat ihm der Hausarzt des alten Fräuleins es sei jetzt seine Anwesenheit gänzlich

Arzte, Testament anlangte, entgegen und erklärte ihm, zwecklos, denn Fräulein von der ihr schon lange gedroht.

Mit dem Notar langte Onno von Hooglander, noch ganz ahnungs⸗ los und in heftiger Aufregung über Graf Bolko's erbitterte Vor⸗ würfe, an. Er war gekommen, der Tante Alles zu beichten und ihrem Zorn zu trotzen. Von der Meipeter erfuhr er Gräfin Paula's Anwesenheit, sie schilderte die furchtbare Aufregung Lätitia's, sagte, Gräfin Paula sei offenbar auch erregt, aber ungleich ruhiger als ihre Herrin gewesen, und beschrieb dann die letzten Minuten vor dem Anfall. Die jetzt bewußtlos daliegende Lätitia hatte in ihrem unerbittlichen Haß immer laut vor sich hin gesagt:Stiehlt ihn mir nur, wendet ihn nur ab von mir, es wird sich finden, ob der arme Schlucker für Euch so werthvoll ist, wie der Erbe Lätitia's Euch schien!

Goostädt sei vom Schlagfluß betroffen,,

Nun lag sie da und kein Mensch wußte, ob sie noch wieder

zur Besinnung kommen würde. Onno saß ganz zerschmettert an ihrem Bette.

Habe ich dies verschuldet? fragte er in seiner Erschütterung fürchtet:

den Arzt, dem die Meipeter schon die Sachlage berichtet.

Nein, Herr von Hooglander, beruhigte dieser,ich diesen Schlagfluß längst, aber ich habe Ihre Tante, wie Sie sa auch wissen, immer vergeblich zu einer vernünftigen Diät ermahnt.

Ein grober Diätfehler liegt auch heute vor, die Aufregung kommt f

nur hinzu. (Fortsetzung folgt.)

Kleine Frauen-Zeitung.

Die Mode.

Alles ist Veränderung in dem Wesen der Mode, welche fort⸗ fährt, uns in ihrem Sie herrscht selbst über die geringfügigsten Dinge, sie nach ja, mehrere Saisons erhebend, oder ste bald fallen lassend, und 1 der gusen Ratbschläge, welche ihr zuweilen die Vernunft eingiebt, sich doch von ihren Capricen leiten.

Ist es nun auch Caprice, daß sie, sie sich bewegt, von einer Beharrlichkeit für etwas ergriffen wird, es nie losläßt und nicht müde wird, ihm die von ihr gewünschte Verbreitung zu verschaffen!.

Sie werden sich vielleicht erinnern, daß vor ein paar Jahren die Changeantgewebe, vornehmlich die Changeanttaffete von der Allbeherrscherin eingeführt wurden. Indeß wo sah man sie! In einigen unserer ton · angebenden Magazine. Aber sah man sie tragen? Man schaute sich ver · geblich in Gesellschaften und im Theater darnach um. In einigen sehr fashionablen Badeorten, wie Ostende und Scheveningen, begegnete ich ihnen, und sie nahmen sich wirklich ganz reizend aus. Ueberdies hatten, wie man

uns aus Paris schrieb, die Französinnen und Amerikanerinnen jene Ta

aßt se

inmitten all des Wechsels, in wel em 1,

Bann zu halten und uns ihre 9 055 ee N illkür für 5

ffete zu ihren Lieblingstoiletten gewählt; sie trugen dieselben zu Hochzeiten, 98 Gesellschaften, zu den Wettrennen, Besuchen, im Theater. Und trotzdem drang die Mode desChangeant nicht bei uns durch. Jedoch was giebt es nun in dieser Saison bei uns Modern eres als jenes schillernde Farbenspiel in der Toilette? Wir haben Sammet, Plüsch, Moire, Faille, Peau de soie(ein weicher, mattglänzender Seidenstoff, der ue seine winzig in sich gemusterte oder verschnürte Webart an die Ser Arm erinnert und nicht mit dem früberen Poult de saie zu verwechseln ist Ta Surah, ferner Moiré- und Faillebänder im Changeant⸗Geschmack, der in Hüten, eleganten Theater und Ball- Mantelets, in Kleidern kundgieb Ja, selbst die jungen Mädchen tragen zu ihren eleganten Gesellschafts⸗

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zu Balltoiletten den Changeanttaffet, je nachdem, als bauschiges Pl. 3

und als andere Garniturtheile oder zu Unterkleidern, die Changean

als Schleifen auf derartigen Anzügen. Und die alten. Damen versch

die schillernden. ebenfalls nicht, dieselben freilich ihrem anpassend. Da giebt es für sie das Gemisch von Oliven⸗ oder Moosgrü mit Maronenbraun, von Taubengrau mit canaque(jenem bar e röth . Braun), von hellem oder dunklem Heliotrop mit eiden- o

esedagrün ꝛc.