Ausgabe 
27.2.1887
 
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umgiebt den Kopf, und zwei schwarze Jetflügel bilden den Ausputz. Das ist eine gefällige und zugleich praktische Mode. Und die Pelzverbrämung erweist sich so kleidsam für die jugendlichen und frischen Gesichter; man wendet dieselbe vielfach als Umrahmung der Toques an, bald Biber oder Seeotter, bald den amerikanischen Bison oder den erwähnten echten Astrachan wählend. Ich bemerkte eine Toque aus graubräunlichem Tuch, über einer hohen Form chiffonnirt, mit einem Rande aus natürlichem Biber und seit⸗ wärts mit einer Wachtel, welche ihre Flügel ausbreitete. ferner eine Toque aus schwarzem Tuch mit Astrachanrand; Schleifen aus schwarzem Moiréband mit Atlaskehrseite formten sich seitwärts zu einer großen Rosette; dann Toques aus taubengrauem, braunem Tuch ꝛc., immer mit passender Pelz verbrämung und mit einem Eulenkopf oder einer Vogelphantasie auf der linken Seite. Wieder in anderem abstechendem Genre war eine Toque aus bronzegrünem Plüsch hergestellt und vorn mit zwei Hasenohren aus demselben Stoff geziert, hinter welche sich zwei Federphantasien versteckten.

Die Tuchtoques werden im Allgemeinen mit dem übereinstimmenden, so modernen Tuchkostüm getragen, und wenn ein solcher Anzug bei den sehr eleganten Damen, welche für jede Stunde des Tages ihre bestimmte Nüance haben, als Morgentoilette gilt, so dient er für die jungen, anspruchslosen Frauen und für die jungen Mädchen alsgeputzte oder als solide Pro⸗ . welche sich während des Tages den verschiedensten Zwecken anpaßt.

lleber die runden Hüte läßt sich nichts Neueres berichten, als was ich Ihnen zu Anfang der Saison mittheilte. Was indeß die kleinen Ka⸗ poten betrifft, so ist man zu den faltenreichen Passen zurückgekehrt, und man fertigt deren glatte oder solche mit Revers nur noch in den seltensten Fällen. Fast alle Kapotehütchen haben einen gewundenen, rüschenartigen oder bauschigen Sammetrand, welcher von reizendem Effekt für das Gesicht ist. Für eine feine, diskrete Kopfbedeckung gilt immer das Kapotehütchen aus Filz, garnirt mit gleichnüancirtem Sammet, von dem sich dann eine Aigrettenschleife aus Moiréband in demselben Ton oder eine kleine Vogel⸗ phantasie in Rahmgelb wirkungsvoll abhebt.

Man wählt den Schleier stets in Uebereinstimmung mit dem Hut: das ist ein altes Diktat. Und falls diese oder jene Farbe sich zu un⸗ vortheilhaft für Teint oder Haar erweisen sollte, sucht man den Schleier vielleicht mit der anders getönten Garnirung in Einklang zu bringen oder greift zu Weiß, Creme oder Schwarz. Der mit größeren oder kleineren Chenilletüpfeln durchwebte Seidentüll bleibt stets dazu beliebt, wenngleich sich ihm neuerdings die ebenfalls mit Chenilletüpfelchen ausgestattete Seiden⸗ gaze an die Seite stellt, welche den Vorzug größerer Haltbarkeit hat.

Die Schürze ist an der Tagesordnung, und es existirt gegenwärtig kein Trousseau, welchem nicht, außer den Bettschürzen für das Dienstmädchen und den Wirthschaftsschürzen für die junge Frau, wenigstens ein halbes Dutzend Phantasieschürzen für letztere beigelegt wird. Aber besonders sind es die jungen Mädchen, welche auf die Schürze halten. Sie haben ihre Hausschürzen, ihre Empfangeschürzen, ihre Servirschürzen. Man bereitet dieselben aus Pongée, rohgelber soie de Chine, aus Foulard, Surah, Andrinople, Batist und Etamine, welche beiden letzteren Stoffe man be⸗ sonders gern in kräftigem Rahmgelb und in Rohgelb wählt. Denn wie⸗ wohl man auch noch weiße Batistschürzen herstellt, so giebt man doch jenen gelb angehauchten den Vorzug, und wenn man zu Weiß greift, so ist es mehr der Foulard oder der Mull, dessen man sich bedient. Man garnirt die Schürzen je nachdem mit ausgezähnten Rüschen, mit Hohlsäumen, Spitzen, englischen Slickereien und Stickereien Greenaway, diejenigen aus rothem Andrinople vorzugsweise mit robgelber Guipüre. Die Tasche daran darf nicht fehlen und wird oft durch hellfarbige Bandschleifen besonders markirt, wie denn auch solche Schleifen oder Achselbänder aus Band den Latz auf der Brust oder im Rücken befestigen. Neuerdings vertreten zu⸗ weilen Achselbänder aus dem Schürzenstoff mit Spitzen oder Stickereien oder vollständig aus Band die Stelle des Latzes. Neben den geraden, eckigen und krausgezogenen oder gefalteten Schürzen erhalten sich immer noch die eckigen oder abgerundeten Keilschürzen und gelten für beliebt.

Durch die Serviteurs und Chemisets ist den feinen Lingerien eine neue Aera erblüht. Dieser kleine Toilettenzubehör gewinnt mehr und mehr Beifall: was Wunder, daß die Mode ihn, als eine neue Caprice, mit allen Hülfsmitteln, die ihr zu Gebote stehen, ausstattet! Wir haben zu unseren Frühjahrs-Anzügen lange, schmale, zugespitzte und eckige Chemisets, halb⸗ lange und kurze Chemisets, mit Rücken-, Seiten⸗ oder Vorderschluß, weiße Chemisets mit weißen und buntfarbigen Stickereien, weiße Chemisets mit buntgestreiften Stoff⸗Bordüren, weiße Chemisets mit aufgenähter Plastron⸗ Kravatte aus blau- oder rothgrundiger, weiß gemusterter Kretonne(zum Waschen eingerichtet), oder aus gestreiftem oder winzig brochirtem Atlas, himmelblaue Zephyr⸗ und rohgelbe Perkal⸗Chemisets mit Durchbruch und weißgestickten Einsätzen, Chemisets aus querliniirten Perkals ꝛc.

Im Uebrigen immer nach viel die Hals- und Aermel⸗Garni⸗ turen in Form zwei⸗, drei⸗ und vierfacher Passepoils aus rahmgelbem Atlas(die zweifachen mit sehr dicker Schnureinlage), in Form von Blenden aus Atlas und Krepp mit Stickereien in minutiösen Gold⸗ und Silberperlen, von Blenden aus grobem, englischem Krepp, von kleinen duftigen Spitzen⸗ krausen, immer vorzugeweise in Rabmgelb. Denn die Mode will von dem Ungeschmack nichts wissen, der den Stehkragen und die Aermel des Kleides ohne vermittelnden Abschluß an Hals und Arm zur Erscheinung bringt. Also keine Nachahmung des Unfertigen, Häßlichen! N

In den Abendtoiletten der jungen Mädchen hat sich die Mode gegen diejenige des vergangenen Jahres nicht viel geändert, und wenn es nicht gerade ein Ballkleid sein soll, so zieht man dazu unter den leichten Wollenstoffen immer noch den indischen Voile vor. Ferner sind es der Oroisé foulé, die schlichte oder gelockte Etamine, die Wollen⸗Armüre, welche zu Abendanzügen Verwendung finden. Und es giebt auch nichts Hübscheres, Einfach⸗Jugendlicheres als so ein Wollenkleid in Weiß, Creme, Blaßrosa oder Mattblau, verschönt durch etwas Sammet und Sammetbandschleifen,

schwarz, goldbraun, nakarat. Einzelne sehr frische Blondinen wählen das zarte Wassergrün zum Kleide, und brünette Damen, welche zwanzig Frühlinge hinter sich haben, tragen mit vielem Erfolge strohgelbe Seide, verschleiert

mit Gaze, doch nähern sich solche

Lo se

Roben schon mehr der Balltoilette.

8 lätter.

Arthur Schopenhauer pflegte in dem botanischen Garten nach dem Mittagsmahl einen Spaziergang zu machen. Auf diesem hing er seinen Gedanken nach, murmelte vor sich hin und gestikulirte öfters. Das kam einem Wärter, der den großen Philosophen nicht kannte, schier unheimlich vor; er hielt Schopenhauer für verrückt und beschloß sich davon zu über⸗

zeugen. Somit trat er auf jenen zu und schrie ihm zu:Wer sind Sie? Ja, wenn ich das nur selbst wüßte, erwiderte der tiefe Denker, nachdem er den Andern prüfend angeblickt hatte:Ich frage mich selbst darnach

lange vergebens.Es ist richti

g, rief der Wächter:er ist wahnsinnig,

komplet toll, der arme Mensch! Ich hole die Polizei. In der That holte

er einen Beamten herbei, daß er

den Irren verhafte. Kaum hatte dieser

jedoch den Philosophen erblickt, als er ihm eine tiefe Verbeugung machte

und ihn mit Professor anredete. äußerte Schopenhauer.Nicht eines albernen Tropfes. er hat mich nur nicht verstanden.

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Sie kommen mich zu verhaften, doch, Herr Professor die Dummheit Nennen Sie den guten Mann nicht also; Es ist schon Mancher für toll gehalten

worden, der es nicht war. Was die Menschen nicht verstehen, nicht be

greifen, ist ihnen verrückt. Wenn

ich dem Aufseher einen Thaler gebe, wird

er das sehr vernünftig finden und mich nicht mehr für wahnsinnig halten.

Sehen Sie, so bin ich geheilt.

Er reichte dem Wächter das Geldstück,

der nun nicht mehr an der Gesundheit des Philosophen zweifelte.

W. G:

Der Tabackraucher. Sultan Murad IV., der siebzehnte Kaiser im türkischen Reiche, der im Jahre 1693 starb, war ein sonderbarer und launen⸗ voller Fürst, er vereinigte mit seltenen Geistesgaben Grausamkeit und Härte. Die Geschichtschreiber erzählen, es seien durch ihn während seiner sieben⸗

jährigen Regierung vierzehntausen Strang um's Leben gekommen, die

d Menschen durch das Schwert und den jenigen nicht mitgerechnet, welche auf dem

Schlachtfelde fielen. Während seiner Kriege in Persien und bei der Be⸗

lagerung von Bagdad erhielt er anderen hatte dieser Kaiser auch verboten und oft mit eigener Hand

den Beinamen des Tapferen. Unter den Gebrauch des Tabacks und Opiums die Uebertreter dieses Verbotes gestraft.

Ein Türke, leidenschaftlicher Freund des Rauchens, konnte sich der Macht

dieser Gewohnheit nicht entziehen, so ließ er in seinem Garten eine t

und da er doch unbestraft bleiben wollte, iefe Grube graben und solche mit Gezweig

und Blumen überdecken; dann setzte er sich hinein, rauchte seine Pfeife und

entging so für einige Zeit der St Murad, höchst erbittert über diesen

rafe, bis einer seiner Diener ihn verrieth. Trotz, verfügte sich sogleich in den Garten,

überrascht den rauchenden Sünder auf der That und zog das Schwert, um ihm den Kopf abzuschlagen. Der Raucher verlor in diesem kritischen Augen⸗ blick seine Fassung nicht, sondern sagte:Hinweg, Du gekrönter Sohn einer

Sklavin! Du hast zu befehlen ü Diese Kaltblütigkeit überraschte de

ber der Erde, aber nicht unter ihr! n Kaiser um so mehr, da sie eine seltene

Erscheinung für einen Herrscher war, der nur zitternde aber keine freien Männer kannte. Er ließ ihn ungestraft und gab ihm sogar die Erlaubniß, in seinem Hause rauchen zu dürfen. M.

Eine Ballankündigung vom Klassen der Wiener Gesellschaft a Künftigen Sonntag, als den 25

Jahre 1760 zeigt deutlich, wie sich die bgrenzten und absonderten. Sie lautet: .Januarii, wird der erste Ball auf der

Mehlgrube mit oder ohne Verkleidung, jedoch ohne Verlarvung, seinen Anfang nehmen, wobei alle Sorgfalt wird gepflogen werden, daß Niemand als Dikasterial Personen, Wechselstubenverwandte und von solchen dependiret,

Handelstand⸗Familien und jene, bei solchen stehen, wie nicht min

welche als Buchhalter oder Praktikanten der Herrschaftsoffiziere oder was sonsten

distinguirte Personen seind, eingelassen werden. Bei dem Eintritt zahlt man 2 Florin 16 Kreuzer. Der Anfang ist um 6 Uhr. W. G.

Heinrich II. von Frankreich war gestorben, und die Gläubiger der königlichen Kammer belagerten förmlich den Thron, um befriedigt zu werden.

Es war aber kein Geld im Schatz.

In dieser Noth wandte sich die Königin⸗

Mutter, Katharina von Medici, an das mächtige und reiche Geschlecht der Guisen. Die Antwort lautete:Wir helfen, wenn man uns freie Hand läßt.Thun Sie, was Sie wollen, war die Erwiderung. Sogleich

ließen die Guisen vor der Notre⸗ durch die Straßen von Paris aus

dame Kirche einen Galgen errichten und rufen:Jeder, weß Standes er auch sei,

der sich wegen Forderungen an die königliche Kammer in Paris aufhalte, habe Hof und Stadt innerhalb vierundzwanzig Stunden zu verlassen, widrigen⸗ alls er vor der Notre-dame-Kirche gehangen werde. Das Mittel schlug an; binnen vierundzwanzig Stunden befand sich kein Gläubiger des Hofes mehr in der französischen Hauptstadt. W. G.

Ein Soldat wurde wegen seiner Kaltblütigkeit in der Schlacht be⸗

wundert.Wie haben Sie sich die Ich betrachtete mich zu Anfang

selbe erworben? fragte ihn ein Bekannter. schon als einen todten Mann und focht

von dem Moment, als lebte ich nicht mehr. W. G.