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Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden.
Gießen, d.
Das Unwetter war unterdessen mit voller Gewalt losgebrochen. Der Sturm sauste heulend daher, er peitschte die Wasserfläche, daß der Gischt haushoch emporspritzte; er wühlte sie auf, daß die Wellen, einmal wie Berge emporsteigend, dann wieder gleich brüllenden Un— geheuern in sich zusammensanken. Das war schrecklich! Der Regen stürzte in Strömen herab und machte den Ausblick auf die See
beinahe zur Unmöglichkeit, und nur die grell leuchtenden Blitze
ließen auf Augenblicke das grausige Bild in seiner ganzen Groß— artigkeit erkennen.
Und gegen die empörte See, gegen das Unwetter sollten schwache Menschenhände, sollte eine Nußschale von Boot siegreich ankämpfen? Und doch, es kämpfte dagegen. Bei dem durch die jagenden Wolken jäh aufzuckenden Feuerschein erblickte man es endlich, wie es muthig
dem Lande zustrebte; aber der Wind war während des Gewitters
nach Westen umgesprungen, und ein jeder Stoß desselben warf das
kleine Fahrzeug, von dem laute, herzerschütternde Hülferufe her— überschallten, immer aufs Neue vom Ufer zurück in die brandenden Wellen.
Ueber Frau Helmich, der die Hütte wenigstens einigen Schutz
gegen Sturm und Regen gewährte, war eine Art starrer Ruhe
gekommen, eine Art dumpfer Todesruhe.„Es ist vorbei,“ dachte sie,„alles vorbei. Hier vor meinen Augen soll ich ihn umkommen sehen, und vielleicht darf ich dann auch sterben.“ Neben ihr am
Boden lag Stinchen auf den Knieen und achtete es nicht, daß der
Wind ihre Haare und Kleider zerzauste, daß der Regen sie durch— näßte. Mit den jungen, scharfen Augen schaute sie in den Aufruhr der Elemente hinaus, um jedes Sichtbarwerden des Schiffes mit einem lauten Hoffnungsrufe zu begrüßen und dann wieder verzweifelt aufzuschreien, wenn Sturm und Wellen es zurückrissen.
An die Hüttenwand gelehnt stand der alte Harms, bemüht, seine fast besinnungslose Tochter zu stützen und zu ermuthigen, und dazwischen murmelte er immer wieder:„Wäre nur Jan bei ihm gewesen! Der versteht's.“
Die weiteren Vorgänge vollzogen sich in größter Hast. Einige Männer waren fortgeeilt nach Tauen, die man dem Boote, wenn es näher kam, zuzuwerfen versuchte, da plötzlich gab es unter den
Zuschauern der grausigen Scene, die trotz des bösen Wetters von Interesse und Mitleid ergriffen unter freiem Himmel aushielten, eine
Bewegung. Die Gestalt eines Mannes durchbrach ihren Kreis und eilte gegen das Ufer zu.
„Jan!“ schrie Christine auf. Einen Augenblick schien sie ihren Sinnen kaum zu trauen, dann flog sie auf ihn zu.„Jan, Jan,
woher kommst Du? Siehst Du das Unglück? Vater wird ertrinken.“
Auch der alte Harms und mehrere der Männer umringten den
1 jungen Fischer. Nur eine Sekunde lang ließ er den Blick über die
zu den
Oberhessischen Nachrichten.
en 24. Juli.
Jan, der Jischer.
Erzählung von Emilie Tegtmeyer. (Schluß.)
sturmgepeitschte See gleiten, wo in der Ferne Peter Geerts Schiff, auf dem Kamm einer Welle emporgehoben, wieder sichtbar wurde.
„Unser Boot!“ Nur der eine Ausruf entfuhr seinen Lippen, dann faßte er das Tau, mit dem einer der Fischer soeben herzueilte, schlang es sich um den Leib, riß sich von Stinchen, die sammernd an seinem Arm hing, los, tappte durch das aufschäumende Wasser, den Steg zu erreichen und sprang von dessen Spitze, daß die Fluth hoch aufspritzend über ihm zusammenschlug, in die See.
Stinchen stand wie betäubt; dann eilte sie wie von Grausen erfaßt zurück in die Hütte zu Frau Helmich, warf sich nieder auf die Knie, drückte ihr Gesicht, als fürchte sie noch irgend etwas sehen oder hören zu müssen, in ihre Hände und gegen die rauhe Stroh— wand.„Ich bin schuld,“ stöhnte sie aufschluchzend.„O, ich bin an allem schuld, und wenn sie umkommen, kann ich nie wieder ruhig werden, dann springe ich auch in's Wasser.“
„Armes Kind,“ sagte Frau Helmich, und strich mit ihrer Hand leise und sanft über des Mädchens Kopf,„auch sie zittert für ihr Liebstes. Gott der Barmherzigkeit, sei mit uns Beiden, und was Du auch über uns beschlossen hast, gieb uns Stärke, es zu tragen.“
Sie zog Stinchen zu sich heran, und diese umklammerte wie hülfesuchend ihre Hand. Die reiche, vornehme Dame und das ein— fache Fischermädchen, sie beide umschlang das Band der näulichen Seelenangst, beider Herzen entrang sich vereinigt das heiße, stumme Flehen um Rettung aus dieser großen Noth.
Ein lautes Halloh vom Strande her schreckte sie empor und ließ sie athemlos aufhorchen.„Wenn Jemand im Stande ist, bis zu dem Boote durchzukommen, so bringt Jan es fertig,“ hatte Vater Harms gesagt, als er den jungen Fischer im Wasser verschwinden sah,„denn er kann schwimmen und untertauchen wie ein Seehund, und Kräfte hat er für zwei.“
Und er kam hindurch. Der laute Zuruf vom Lande begrüßte die Thatsache, daß das Tau in den Händen der Männer straff wurde und Widerstand leistete. Jan mußte das Boot erreicht und es daran befestigt haben.
Von dem Augenblick an verzagte Niemand mehr an der Rettung, wenn es auch noch ein schweres Stück Arbeit blieb, das Fahrzeug dem Sturm und den Wellen entgegen an's Land zu ziehen; aber da griff jeder, der gegenwärtig war, tapfer mit an. Harte, arbeits- gewohnte Hände vereinigt mit den zarteren der Stadtbewohner brachten das schwierige Unternehmen zu Stande. Ein jeder half nach seinen Kräften, und immer banger machte sich nur noch die Frage geltend, ob und in welchem Zustande die Insassen des offenen Schiffchens die Gefahr überstehen würden. Konnten nicht die Sturz⸗ seen den einen oder anderen über Bord gerissen haben?
Die eigenen Angehörigen suchten, als das Boot glücklich heran—


