Ausgabe 
20.3.1887
 
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lub. in

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S 95 W.

haben mochten, vor der Thatsache dieser Verlobung verschwand über haupt jedes andere Interesse.

Man lehre mich doch die Welt nicht kennen! sagte Tante Luise und gab Erich einen Kuß.

In all diesen Trubel hinein langte ein Bote von Schloß Froys⸗ berg an, die Exzellenzen und die gnädigen Fräulein seien da, auch Herr und Frau Pastor Willdorn.

Mit Angst und Herzensqual waren sie gekommen, um nun die höchste Freude ihres Lieblings zu finden.

Dennoch war Erich sehr still.

Ich muß mich erst gewöhnen. Neid der Götter! sagte er.

Na das nenn ich einen Philosophen! All die Qual und die Tücken des Schicksals achtet er für nichts! lachte Diringer.

Dem war nun freilich nicht so, aber vor dem Glück der Liebe verblaßte jede Erinnerung an die Leiden und Erich hatte in dieser Zeit der Prüfungen erkennen gelernt, daß das wahre Glück verdient

Mir wird ganz bang vor dem

sein will. Sie hatten ihn zu einem ernsten Mann gemacht und ihn schnell gereift.

Eigentlich hast Du mir Dein Glück zu verdanken, behauptete Graf Kyburg und fand es ganz in der Ordnung, daß Erich ihm eines Tages anbot, seine Schulden zu bezahlen, war aber doch so ergriffen von der Noblesse des lieben Jungen, daß er sich willig in eine Familienkuratel fügte, die ihm in schonendster Weise von dem General und seiner liebenswürdigen Gattin vorgeschlagen wurde.

Theodora und Diringer machten einige Wochen darauf Hochzeit und fast zu derselben Zeit, als Erich und Erna sich vermählten,

verlobte Emmy sich mit einem russischen Diplomaten.

Erich von Willwarth und seine liebenswürdige Gemahlin bilden den Mittelpunkt eines Kreises, der jetzt willig und mit Freuden die Nachsicht anerkennt, mit welcher der Baron denen verzieh, die

an ihm zweifelten. Nur Graf Ritberg und einige von Erna's ehemaligen Bewerbern

wollten und konnten diese Wendung in dem Geschick ihres glücklichen Nebenbuhlers nicht ertragen. Der Graf ließ sich versetzen; die Andern mieden das gastliche Heim, in welchem der Herr des Hauses jetzt mit fester Hand und festem Sinn die Leitung führt und in vollster Weise den Pflichten des Lebens gerecht wird.

Lose Blätter.

Eine Land bildende Pflanze. Daß sich die Gestalt unseres Festlandes wie auch die der Inseln fortwährend mehr oder weniger ändert, ist eine längst erwiesene Thatsache. Es geschieht diese fortwährende Aenderung, abgesehen von der säkularen Hebung und Senkung gewisser Kontinente, durch vulkanische Eruptionen, durch die Thätigkeit des Meeres und der von Hochgebirgen herabstürzenden Ströme und Flüsse und durch Land bildende Pflanzen. Was die letztere Art der Gestaltveränderung der Länder betrifft, so hat man in den unter deutschem Schutz stehenden Gebieten, wie an der Küste des Kamerunlandes, im Mündungsbereiche ostafrikanischer Flüsse und außerdem in Westindien und Südamerika, besonders aber an der Nordküste von Java beobachtet, daß die Mangrovebäume besonders geeignet sind, Küstenländereien zu vergrößern, also Land zu bilden.

Die Mangrove- oder Manglebäume(Rhizophoraceae) gehören zu den myrthenblüthigen Gewächsen. Während die Blüthe dieser Bäume an die der Myrthen erinnert, ist ihre Frucht durch ein langes, aus ihr hervor⸗ ragendes Wurzelchen des einblättrigen Keimblattes gekennzeichnet. Sie sind in der heißen Zone Südamerikas, Afrika's und Asiens besonders an den Meeresküsten, aber auch landeinwärts, und hier zwar so weit verbreitet, als der Salzgehalt des Meeres in den Strömen und Flüssen reicht. Sie bilden beispielsweise im ganzen Kamerunlande, im Mündungsgebiete ostafrikanischer und indischer Flüsse die Küstenvegetation in solcher Mächtigkeit, daß diese von Menschen kaum zu durchdringen sind. Diese ungefähr 16 Meter hohen Bäume entwickeln nämlich eine Menge knotiger, vielbeugiger Aeste, die ihrerseits wieder zahlreiche Luftwurzeln abwärts senden. Die Luftwurzeln der Mangrovebäume sind von denen der tropischen Orchideen wesentlich dadurch verschieden, daß sie nicht, wie die der letzteren lediglich in die Luft herabhängen, um sich vom Winde hin⸗ und herschaukeln zu lassen, sondern den Boden erreichen, in demselben Wurzel schlagen sich dann kräftiger, und zwar wie zu Nutzen des Baumes, entwickeln und mit ihrem Stammbaume eine ganze Baumgruppe bilden. Daher nennt man den ge⸗ meinen Mangle- oder Mangrovebaum(Rhizophora Mangle L.) auch Leuchter⸗ oder Stelzenbaum. Von den am Ufer stehenden Bäumen ragen große Aeste hinaus ins Merr oder in den Strom. Auch diese Aeste senden Luftwurzeln in das Wasser, die den Boden zu fassen suchen und die Blätter und andere auf den Wellen treibende Körper aufhalten. Da nun an solchen Stellen der Schlamm leicht sitzen bleibt, so entsteht hier nach und nach Land, wie dies in großem Maßstabe im Kamerungebiete geschehen ist und noch geschieht.

Diese so gewonnenen Sumpfküsten enthalten zahlreiche Fäulnißstoffe und daher ist der Aufenthalt an ihnen der menschlichen Gesundheit wenig zu⸗ träglich. Europäer helfen sich in diesen Gegenden durch Tabakrauchen. Nicht selten schlingen sich die Luftwurzeln der Bäume beider Ufer eines Flusses so in einander, daß sie Natur rücken für Fußgänger bilden. Die oft viele Meilen im Umfange messenden Mangrovewälder werden von den Eingeborenen gern aufgesucht, da sich in ihnen viele Wasservögel, Krebse, Austern und andere Thiere aufhalten. Die Austern setzen sich an die vom Meerwasser bespülten Luftwurzeln der Bäume fest.

Besonders interessant ist die Art der Vermehrung dieses Baumes, er pflanzt sich selbst. Die lederartige Frucht des Mangrovebaumes ist fingerdick, ungefähr 50 Zentimeter lang, vom stehen gebliebenen Kelchsaume gekrönt und durch Fehlschlagen einsamig. An der Spitze derselben hängt das Wurzelende des Keimlings heraus. Durch diesen Umstand aber wird der untere Theil der Frucht schwerer als der obere. Die abgefallene Frucht sinkt im Wasser unter und stößt ihre schwerere Spitze mit der Keimlings⸗ wurzel in den Schlamm. Die Früchte werden von den Eingeborenen gern gegessen, auch wird durch Gährung ein leichter Wein daraus bereitet. Das dauerhafte und feste Holz des Baumes kommt als Mangroveholz, Manga robeira oder Mongue sapateiro aus Westindien nach Europa.

H Z.

Die mißlungene Geisterbeschwörung. Der Herzog Georg II. von Gotha hegte eine große Neigung zu allem Geheimnißvollen, mit der edlen Absicht, durch die Klarstellun derartiger Vorkommnisse seine Mitmenschen aufzuklären. Zu diesem Zwecke wurde er auch Mitglied des Illuminaten⸗ ordens, doch bald trat er von dieser Verbindung wieder zurück, weil er sich in seinen Erwartungen sehr getäuscht sah. Der berüchtigte Schröpfer machte in Leipzig auch einen Versuch, den Fürsten zu gewinnen. Ein Zweig seiner Loge hielt ihre Versammlungen in Leipzig unker der Leitung eines gewissen Dübos. Dieser machte dem Fürsten das lügenhafte Ver⸗ sprechen, ihn zu lehren, wie er Geister citiren könne. Der Herzog trug jedoch aus Vorsicht einem seiner Vertrauten auf, sich zuvor einweihen zu lassen, um von ihm zu erfahren, ob bei der Sache keine Gaukeleien und Betrügereien zu befürchten wären. Dübos machte nun vor diesem Vertrauten des Herzogs seine Spiegelfechtereien, seine Formeln und heuchlerischen Gebete; und als er glaubte, er habe dadurch des Neuaufgenommenen Auf⸗ merksamkeit gehörig gefesselt, fragte er ihn:Sehen Sie nichts!Nein! war die bestimmte Antwort.Fühlen Sie nichts? fuhr jetzt Dübos fort. Von Furcht kann nicht die Rede sein, war die Antwort des Entschlossenen, wer ein geladenes Pistol bei sich trägt, braucht sich nicht zu fürchten. Im höchsten Grade erschrocken erwiderte der Geistercitirer kleinlaut:Ich bin heute nicht im Stande, Ihnen zu dienen. Kommen Sie gütigst ein anderes Mal wieder. Hiermit hatte die Sache ein Ende und der Herzog wußte, woran er war. M.

Ein großes Hirschgeweih. Das Alter des Hirsches wird nach den Enden des Geweihes geschätzt und auch der Werth des Geweihes selbst wird nach der Anzahl derselben taxirt. Ein ausgezeichneter Hirsch hat meist 12 18 Enden am Geweih. Das bedeutendste Hirschgeweih, das im Laufe vieler Jahrhunderte gesehen wurde, trug ein großer Hirsch, den Friedrich J. von Preußen bei Fürstenwalde im Jahre 1696 erlegte, es hatte 66 Enden, nämlich neben den großen Enden eine Menge kleiner. Der Hirsch selbst wog 535 Pfund. Friedrich I. schenkte dieses merkwürdigste aller Hirschgeweihe dem Kurfürsten August dem Starken von Sachsen, der es in der Moritzburg bei Dresden aufstellte. An der Stelle aber, an welcher der Hirsch sein Leben aushauchte, ließ Friedrich ein steinernes Denkmal in einer Höhe von 12 Fuß errichten. H. Z.

Zachariä, der Dichter des Renommisten, lebte in sehr guten Verhältnissen, die er stets zu Tage trug. So hatte er sich eine Equipage angeschafft, auf deren Schlage ein großes goldenes und reichverziertes Z. prangte. Eines Tages trafen Lessing und andere Schöngeister auf die Equipage, in der sich Zachariä befand, und begannen zu glossiren.Wer kann mir sagen rief Mylius,was das Z bedeuten soll?Daß hinter ihm sich nichts be⸗ findet, antwortete Lessing sogleich. W. G.

Die Familie Holbein in Ravensburg(Schwaben) konnte sich der Er⸗ findung des Papiers aus Leinen rühmen. Diese wurde 1301 gemacht, und zeigen die Bogen einen Ochsenkopf als Wasserzeichen, das Wappen der Holbeins. Man begegnet diesem Papier in alten Urkunden und bei den ersten Drucken. Am Flatterbache stand die erste Papiermühle, die einen Theil ihres Verdienstes dem Siechenhause in Ravensburg überließ. Der Familie der Erfinder gehörten auch die beiden MalerHolbein an.

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Der Tuschkasten. Die Damen des Lesekränzchens unternahmen einen gemeinsamen Ausflug per Eisenbahn und besetzten zwei Koupes. Im zweiten Koupé war noch ein Platz frei, der denn auch auf der nächsten Station einem jungen reisenden Kaufmanne vom Schaffner zugewiesen wurde. Als der Commis voyageur in das Koupé trat und die Mädchen in den ver⸗ schiedenfarbigen Sommerkleidern erblickte, rief er dreist aus:Ah, wie bunt, das ist ja der reine Tuschkasten!Gewiß, antwortete entschlossen eines

der Mädchen,und jetzt ist er erst vollständig, da nun auch der Pinsel nicht fehlt! a K 2

FAE