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ihres Vaters zurückzukehren.
zu gehen und als Eure zweite Frau in Eurem Hause zu leben; ich
habe 115 5 5 gesagt und bleibe dabei.“
„Und glau u, daß meine Frau dies gefallen li eine Raden Adjing und Du—“ 15.
„Eine Tandak,“ ergänzte sie den Satz, als er stockte.„Gerade deswegen, weil ich nur eine Tandak bin, will ich in das Haus des Raden Gossro Wenoto als rechtmäßige Gemahlin eintreten— oder gar nicht.“
Gossro biß die Lippen aufeinander.
Diesem energisch ausgesprochenen Willen mußte er sich entweder fügen oder verzichten; Gewalt anzuwenden, wagte er nicht; Glasira hatte zu viel Verehrer auch außerhalb seines Distriktes— ein ge— waltthätiges Einschreiten könnte möglicherweise üble Folgen für ihn haben. Der Resident ließ ihn doch schon seit längerer Zeit schärfer auf die Finger sehen, als ihm lieb war— er mußte jedenfalls sehr vorsichtig zu Werke gehen.
„Giebt es keinen andern Ausweg?“ fing er das Gespräch wieder an.„Der Mas Adjing machte ich gestern bereits Andeutungen; aber sie scheint sich lieber scheiden lassen zu wollen, als Dich anzuerkennen.“
„Einen anderen Ausweg giebt es nicht. Mit der Mas Adjing fertig zu werden, ist Eure Sache, Herr, nicht die meine.“
Gossro's Begierden wurden durch die Zurückhaltung immer wilder und aufgeregter— wäre die Mas Adjing diesen Augenblick in der Nähe gewesen, er hätte sie mit kaltem Blute morden können, um von ihr befreit zu sein. Er war fest entschlossen, Glasira um jeden Preis zu besitzen, mußte er auch seine rechtmäßige Gattin opfern.
„Gut, Glasira,“ schloß er nach einigem Nachdenken,„ich will mir Deinen Wunsch noch einmal überlegen. Ich bleibe heute Abend hier, gehe Du jetzt nach Hause, in einigen Tagen werde ich Dir Nachricht senden.“
Es war ein Glück für Gossro, daß er den Blick nicht auffing, welchen ihm Glasira unter ihren Augenwimpern zuwarf, halb spöttisch, halb triumphirend— jetzt war sie sicher, ihren Willen zu erreichen, mochte auch die Mas Adjing zu Grunde gehen..
Den nächsten Augenblick war sie aus der Thüre verschwunden, vergebens suchten ihre Kolleginnen sie bei dem nun folgenden Feste, sie war nirgends zu finden. Als lange nach Mitternacht die letzten Töne der Gamelang verklungen waren, lag Gossro in tiefem Schlafe auf dem bal bal; noch nie in seinem Leben hatte er so viel Cognac getrunken wie an diesem Abend.
Mit zitternden Fingern packte Mas Adjing einige Kleidungs⸗ stücke zusaammen. Allah wußte es, wie schwer es ihr wurde, dies Haus zu verlassen; seitdem aber selbst die Künste und Mittel des alten Kiai Darno nichts genutzt hatten und dieser ihr ganz ver⸗ zweifelt erklärt hatte, die Tandak müsse einen Zauberer zur Ver⸗ fügung haben, welcher klüger und schlauer wie er— da hatte sie selbst an Allah's Güte und Liebe gezweifelt.
Diesen Augenblick stand ihr Mann, der stolze Raden Gossro Wenoto vor dem Sanghoela, um sich mit einer Tandak zu verbinden — noch heute sollte diese Tandak als Herrin in das Haus ziehen — keine Thräne linderte ihren Schmerz. Ihre Augen waren trocken und brannten wie Feuer in ihren Höhlen; nur der eine Gedanke, fort, fort aus diesem Hause so schnell wie möglich, hielt sie aufrecht.
Noch hatte sie ihre Arbeit nicht beendet, als ihr die rauschenden Töne der Musikbande verkündeten, daß das neue Ehepaar sich nähere und sie von diesem Augenblicke an ihre Herrschaft im Hause theilen müsse, um dieselbe höchst wahrscheinlich über kurz oder lang ganz abzugeben.
Ihrer Gedanken nicht mehr mächtig, raffte sie ein paar Schmuck⸗ sachen, welche ihr gerade zur Hand lagen, in ein Taschentuch zu⸗
sammen und entfloh aus einer Hinterthür; kein Mensch war da, der
die Unglückliche aufhielt, keine mitleidige Seele, die sich ihrer er⸗ barmte; alles huldigte der neuen Frau und Gebieterin, einer Tandak.
Wie ihr die lustigen Töne der Gamelang jetzt durch die Seele schnitten!— fort! fort!—
Sie kam erst wieder zu sich, als ihr der Athem ausging.
Als sie um sich blickte, um sich zu orientiren, glaubte sie den Weg zur Hütte des alten Kiai zu erkennen.— Allah im Innern dankend, welcher sie diesen Weg geleitet, wollte sie versuchen, bei dem Alten Herberge für eine Nacht zu finden, um morgen nach dem Hause
Voll neuer Hoffnung setzte sie ihren Weg fort; warum hatte sie nicht früher den Entschluß gefaßt, zu ihrem Vater zurückzukehren? Sie begriff es selbst nicht; es ging ihr, wie es so Vielen ergeht; auf den einfachsten Gedanken kam sie erst dann, als es zu spät war.
So schnell es ihre Kräfte erlaubten, setzte sie ihren Weg fort; es ging nur langsam vorwärts, denn die großen Steine hielten sie auf und ihre Füße schmerzten. Schon sah sie das kleine Gehölz, welches die Hütte des alten Kiai verbarg, vor sich— noch einige hundert Schritte und sie hatte das schützende Obdach erreicht.
Da glaubte sie Stimmen hinter sich zu hören— nein! es war
keine Täuschung— sie hörte ganz deutlich ihren Namen rufen, man Einen Augenblick blieb sie stehen; jetzt erkannte sie
verfolgte sie. ganz deutlich die Schreiber und Bedienten ihres Mannes; wie ein gehetztes Wild flog sie vorwärts, die auf ihrem Wege liegenden Hindernisse nicht achtend; wenn sie fiel, raffte sie sich wieder in die Höhe— mit einem lauten Schrei, Kiai, hilf mir! sank sie leblos vor der Hütte des Alten nieder.
Der Mond war schon lange aufgegangen und beleuchtete mit seinem bleichen Lichte die lustige Menge, welche sich zu Ehren der Vermählung Raden Gossro Wenoto's in der Amts wohnung ver⸗ sammelt hatte. Lustig erschallten die Weisen der Musikanten und den Liedern der Tandaks wurde laut Beifall geklatscht— am lustigsten war Gossro.
Oben im Gebirge in einer dunklen Hütte, wohin kein Strahl des Mondes dringen konnte, drückte Kiai Darno einer Sterbenden die Augen zu. In lautlosem Gebete kniete er neben einer Leiche, nur murmelte er zuweilen: Allah, Du bist groß und gerecht— Deine Strafe möge die Schuldigen erreichen.
Lose n slätter.
Er kommt!(siehe Illustration) war eines der letzten Gemälde, welches Meister Rudolf Jordan in seiner Vaterstadt Berlin und zwar im Jahre 1883 im Polytechnikum ausstellte. Die glücklich charakterisirte Strandscene ist leicht verständlich. Jene junge Frau, welche inmitten der Invaliden des Meeres einem einlaufenden Schiffe entgegenschaut, hat lange und sehnsuchts⸗ voll auf die Rückkehr des Gatten gewartet. Nun ist sein Schiff in Sicht und der Ruf: Er kommt! klingt ihr wie Engelsbotschaft ins Ohr. Mit ruhiger gefaßter Haltung, aber frohleuchtendem Antlitz sieht sie auf's Meer und wie das Schiff mit fliegendem Segel die Fluth durcheilt, so durch⸗ schweift ihre Seele im Fluge eine Welt der Wonne und Entzückungen, denn mit dem langvermißten Gatten kehrt ihr das Glück zurück. Mit der jugendfrischen hoffnungsfrohen Frauengestalt hat der verstorbene Meister die knorrigen verwitterken Seewölfe in einen wirksamen Gegensatz gebracht.
R. E.
Im Jahre 1606, als der berühmte Galilei zum zweiten Male als Professor in Padua angestellt war, hatten seine Vorträge einen solchen Ruf erlangt, daß sein Hörsaal die Zuhörermenge nicht faßte, und selbst als er diesen mit dem großen Auditorium in der medizinischen Schule vertauschte, in welches über 1000 Menschen gingen, sah er sich wegen des großen An⸗ dranges oft genöthigt, im Freien zu lehren. M.
Eine merkwürdige Sage. Südöstlich von dem Dorfe Fischbach in Schlesien liegt der Rittenberg, über welchen die merkwürdige Sage schwebt, daß sich in seinem Inneren ein goldener Esel befinde. Wenn dieser einstens aufgefunden wird, soll das Dorf Fischbach eine Stadt und der glückliche Finder des Esels erster Bürgermeister derselben werden. Deshalb wird
dieser sagenhafte Esel noch heute von Manchem wirklichen eifrigst gesucht.
P.
Kreolen⸗Sprüchwörter. Der Wurm hat vor dem Hahn immer Unrecht.— Die Schuhe allein wissen, ob die Strümpfe Löcher haben.— Worte müssen sterben, damit die Menschen leben.— Hinter dem Hunde heißt's„du Hund“, vor dem Hunde„Herr Hund“.— Die Geduld des Armen geht vor das Almosen des Reichen.— Die Sorgen sind uns näher als das Glück.— Der Geiz hilft aufladen, aber nicht tragen.— Es giebt mehr Hunde als Knochen.— 5 Wer nichts erfahren hat, der kann auch nichts erfinden.— R. F.
Im Bürgerverein einer kleinen Residenzstadt ist Stiftungsball. Die biederen Bürger sind ganz glücklich, daß der neue Oberbürgermeister an dem Feste theilnimmt, und so folgt denn während der Tafel Trinkspruch auf Trinkspruch. Als jedoch einer der Redner bereits das sechste Mal in weit⸗ schweifigen und nichtssagenden Sätzen scine Stimme vernehmen läßt, wird von einem Mitgliede wiederholt gepfiffen. Höchst erbittert erhebt sich einer der Vorsteher und fragt mit weithin vernehmbarer und vor Aufregung zitternder Stimme:„Welcher Schafknecht hat denn gepfiffen?“ 2.
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