Ausgabe 
18.9.1887
 
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302.

Der Schulze, den er heute mit seiner Gegenwart beehrte, h in der Eile alles gethan, um den strengen Herrn und Gebieter würdig zu empfangen, ihm jeden Wunsch, wenn auch auf Kosten der armen Bergbewohner, zu erfüllen. 8 g

Im Hofe unter schattigen Pisangbäumen war die Gamelan (ein javanisches Orchester) aufgestellt, und ihre klagenden Toͤne zitterten leise durch die heiße Mittagsluft; die Tänzerinnen kauerten in einem kühlen Winkel, geduldig des Befehles harrend, welcher sie zur Ausübung ihrer Künste rufen sollte. Da die Vorliebe Gossro's für die schöne Tänzerin Glasira allgemein bekannt war und man in gewissen Kreisen sogar von einer näheren Verbindung mit ihm munkelte, fehlte diese selbstverständlich nicht. Der schlaue Schulze kannte die Schwäche seines Gebieters.

Durch die Bevorzugung eitel gemacht, beanspruchte Glasira unter ihren Kolleginnen den ersten Rang; in ihrem Innern konnte sie den Augenblick nicht erwarten, welcher sie zur zweiten Mas Adjing machen würde; war sie erst einmal in dem Hause ihres Geliebten, dann wollte sie schon sorgen, daß ihr auch bald der erste Platz eingeräumt würde. Mit verschränkten Armen hatte sie sich gegen einen Pisang⸗

Mit einem tiefen Athemzuge hatte sie geendet und sah jetzt auf den unbeweglich dasitzenden Kiai mit flehenden Blicken nieder; von ihm erwartete sie Linderung und Heilung ihres Herzenskummers. Der Kiai hatte mit niedergeschlagenen Augen und ohne eine Muskel seines faltenreichen Gesichtes zu verziehen, der Erzählung zugehört, nur seine Finger hatten sich in gleichmäßigem Tempo auf und nieder bewegt.

Mit steigender Angst und Ungeduld erwartete die Frau eine Antwort; ihre Lippen zuckten krampfhaft, nur mit Mühe hielt sie ihre Thränen zurück.

Und was verlangt nun Mas Adjing von mir? Ein lauernder Blick aus seinen Augen streifte dieselbe bei dieser Frage.

Kiai! gieb mir meinen Mann wieder! schluchzte die Unglückliche, und ein Strom heißer Thränen brach aus ihren Augen,gieb mir meinen Mann wieder und mein letztes Stück Geschmeide schenke ich Dir! hilf mir Kiai!

Laut wehklagend hatte sie sich bei den letzten Worten auf die Ruhebank geworfen, ihr Gesicht tief in die Hände vergraben, ge⸗

währte es ihr Erleichterung, ihrem Schmerze auf diese Weise Luft zu machen. 0

Lautlos hatte der Kiai Darno sich von seinem Platze erhoben und war durch eine Hinterthür verschwunden. Gleich darauf kehrte er mit einer Schaufel Holzkohlen zurück, brachte dieselben in Brand und streute allerlei Sachen in das langsam glimmende Feuer, welche einen wunderbar angenehmen Duft in der engen Wohnung ver breiteten.

Um seinen Gast bekümmerte sich der Alte augenscheinlich garnicht, derselbe lag noch in derselben Lage auf der Bank; nur das Schluchzen war in ein leises Weinen übergegangen. Die Kohlen waren dem Erlöschen nahe, Kiai Darno murmelte in einem fort arabische Gebete und Koransprüche, zum Schlusse legte er einige Körner gekochten Reis in die Asche. Dann sich an seinen Gast wendend, rief er mit halblauter Stimme:Mas Adjing! Mas Adjing!

Langsam richtete sich die Angerufene in die Höhe und sah den Alten erwartungsvoll an; sie weinte nicht mehr, ein Ausdruck ver⸗ zweifelter Entschlossenheit hatte dem Kummer Platz gemacht.

Ist Rassen Godro Wenoto heute zu Hause?

Sie schüttelte verneinend den Kopf.

Vor morgen Abend kommt er nicht heim, er inspizirt die Kaffee⸗ anpflanzungen.

Der Alte nickte wie befriedigt mit seinem Kopfe.

Morgen früh um sechs Uhr bringe ich Dir die Arznei für Deinen Mann. Du mußt dann Sorge tragen, daß wir ungestört sind mit Allah's mächtiger Hülfe kommt die Sache in Ordnung. Hier, und bei diesen Worten holte er die Reiskörner aus dem Feuer,dies esse, das ist gut gegen Kummer und Schmerz; Allah schütze Dich bis morgen. Mit diesen Worten geleitete der Alte seinen Gast in's Freie.

Die Frau fühlte nach dem Genusse der Reiskörner neues Leben in ihrem Körper alle Traurigkeit war verschwunden, mit frischem Muthe sah sie in die Zukunft. Sie fand ihre Dienerin eingeschlafen; nachdem sie diese geweckt und lächelnd gefragt hatte, ob es sich gut auf den harten Steinen schlafen lasse, stiegen Beide den Berg hinunter.

Die Sonne stand schon tief am Horizonte, als sie ihre Wohnung erreichten.

Während die Mas Adjing bei dem alten Kiai Darno sich Rath und Hilfe gegen die Untreue ihres Mannes holte und in ihrem Herzen Haß und Liebe, Verzweiflung und Hoffnung abwechselnd den Sieg davontrugen, hielt dieser seine Siesta in dem Hause eines Dorfschulzen in einem andern Theile des Gebirges.

Für die niederen Angestellten, mit der Aufsicht der Regierungs- Kaffeeanpflanzung betraut, ist es jedesmal ein Ereigniß, wenn ein höherer europäischer oder javanischer Beamte seine Inspektionsreise hält.

Obgleich Raden Gossro Wenoto nur das Amt eines Distrikte⸗ vorstehers bekleidete, so war er doch seiner Strenge und Härte wegen gefürcktet. Einem alten hochadeligen Geschlechte der Fürstenlande entstammend, kannte er seinen Untergebenen gegenüber nur eine Autorität, und diese war er selbst. Wegen der unzugänglichen Lage seines Distriktes kam selten ein europäischer Beamter bis zu ihm heraus; etwaige Klagen über sein allzu strenges Regiment wußte er geschickt zu unterdrücken.

stamm gelehnt, mitleidig blickte sie auf die andern Tänzerinnen, welche sich die halb zugekniffenen Augen beobachtete sie Bambushütte. Was fehlte dem Herrn, rufen lassen, obgleich er um ihre Anwesenheit wissen mußte?

fortwährend die Thür der

In krampfhafter Ungeduld zerpflückten ihre Finger ein Stückchen. daß die silbernen und goldenen

Pisangblatt, ihre Hände bebten so, Spangen an ihrem Handgelenke klirrten und noch immer kam keine Botschaft, sie zu rufen. Unmuthig wollte sie sich abwenden und ihre schlechte Laune durch Scherzen mit den Gamelangschlägern vertreiben, als ihr Jemand von hinten auf die Schulter klopfte.

Es war der lang ersehnte Bote, und mit einem triumphirenden Blick auf ihre weniger glücklichen Innern der Hütte. 2

Raden Gossro Wenoto hatte es sich bequem gemacht: der gold⸗ durchwirkte Leibgurt, an welchem sein mit Edelsteinen besetzter Kris hing, lag nachlässig auf den Tisch geworfen; den Fingern haltend,

blick ihre Augen schließen, denn das hier herrschende Dämmerlicht stand in zu großem Gegensatze zu dem grellen Sonnenlicht da draußen; es war ihr unmöglich, etwas genau zu unterscheiden. Auf einen Wink Gossro's zogen sich die anwesenden Beamten und Diener zurück; er war mit seiner Geliebten allein. Glasira

nahte sich in gebückter demüthiger Haltung dem Ruhebett und ließ

der Erde nieder. Gossro's Augen funkelten als er diese schöne Frauengestalt in dem sah; doch war er viel zu viel Herr seiner Bewegung zu verrathen. und willst Du meine

sich an den Fußenden auf vor Lust und Begierde, leichten Tanzanzug vor sich selbst, um seine Gefühle durch die geringste

Nun; Glasira, hast Du Dich besonnen,

Bedingungen annehmen? eröffnete er das Gespräch und blies leise

Rauchwölkchen in die Luft. Großer Herr, ich habe mich besonnen und kann die Bedin⸗ gungen nicht annehmen, auch wenn mir Dein Herz zürnen sollte. Demüthig hatte sie bei dieser Antwort die Augen zu Boden geschlagen. Wie ein fernes Wetterleuchten zuckte es über die finster gewor' denen Züge Gossro's, jedoch nur einen Augenblick, dann war er wieder so ruhig wie vorher. g Und weißt Du, daß ich Dich zwingen kann? Wenn Ihr mich tödten wollt, Herr, so zwingt mich. Und wenn ich nun den Loerah rufen, Dich so lange bei mir in's Gefängniß stecke, Ich kann es nicht hindern, Herr, wenn wie mit einem gemeinen Ochsendiebe. a An allen Gliedern bebend sprang Gossto von seiner Lagerstätte auf. So lange er lebte, hatte noch Niemand seinen Wünschen zu widerstreben gewagt, und diese Tandak wagte es, sich ihm zu widersetzen! Ein paar Mal schritt er in dem Gemache auf und nieder, vor Glasira stehen bleibend, fing er von Neuem an: Sage mir was Du wünschest und ich will sehen, Wünsche erfüllen kann. Ich verlange nichts weiter, Herr,

bis Du zahm bist! Ihr mit mir umgeht

als mit Euch zu dem Pr

Zeit mit allerlei Kurzweil vertrieben, nieder. Mit

daß er sie noch nicht hatte

Kolleginnen verschwand sie im

eine Maiszigarette in lag er in halb liegender Stellung auf dem Ruhebett. Einige Loerahs und Diener saßen in ehrerbietiger Ent. fernung auf dem Erdboden, um zu jedem Dienst sofort bereit zu sein.

Als Glasira in diesen kühlen Raum trat, mußte sie einen Augen-

Dich binden lasse und a

dann ob ich Deine

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