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keine angenehmen, und so lenkte Herr von Lornow, sobald er konnte, das Gespräch auf andere Gegenstände.
Nach und nach sprachen er und Maria allein mit einander; Helo und Onno führten ihrerseits ein ebenso lebhaftes Geplauder, waren ihnen aber um eine ganze Strecke voraus und seit langer Zeit hatte Maria nicht so frei, so lebhaft ihre Gedanken entfaltet, als jetzt. Ihr war, als löse Lornows Freimuth und der wohl— thuende Klang seiner Stimme jene erdrückende Beklemmung von ihrer Seele, welche sie nie hatte zum Aufath⸗ men kommen lassen.
Es fand sich, daß er liebte, was ihr gefiel, daß er aussprach, was sie eben sagen wollte, daß sich immer und über⸗ all eine Uebereinstim⸗ mung zwischen ihnen ergab, die Beide zuletzt fröhlich lachen machte. — Das wäre vielleicht früher für Maria nichts besonders Beachtens- werthes gewesen;— jetzt aber hatte sie wochen⸗ lang in der liebeleeren Atmosphäre Gräfin Paula's gelebt, tausend⸗ mal erfahren und fühlen müssen, daß sie mit ihren Anschauungen und Gefühlen eine Fremde in diesem Kreise war und bleiben werde und was noch peinlicher war, daß ihre ungeliebten Verwandten ihre An⸗ wesenheit im Hause wie einen unvermeidlichen Druck empfanden.
O, und heute! Jeder Blick in Lornow's Ge— sicht that ihr wohl; seine Nähe, seine unbefangene Art sich zu geben und sein Geschick, immer den Ansichten Maria's zuzu— stimmen, machten sie zum ersten Male ihrer selbst gewiß, nahmen die schreckliche Unsicherheit von ihr, welche sie letzt hin so sehr gepeinigt hatte.— g
Sie sagte sich dies Alles nicht klar, sondern fühlte nur ein unbe— schreiblich frohes Beha— gen mit dem neuen Be kannten, welches er zu theilen schien.— Viel zu bald hatten sie die Stadt erreicht. Sie geleiteten dann gemeinsam Helo nach Haus und dort empfahl sich auch Lornow, als er bemerkte, daß die Ge— schwister noch weiter gehen wollten. Sie sagten ihm nicht wohin;
Adele.
Maria nicht, aus einer ihr unbewußten Scheu; Onno mit
Absicht sehen!“—
aber als sie sich trennten rief Lornow:„Also auf Wieder (Fortsetzung folgt.) Noch nicht verloren. (Fortsetzung.) Kühle Abendluft strich um Alfred's heiße Stirn und durch das an
den Schläfen allzufrüh etwas gelichtete dunkelblonde Haar, das sie
umgab. Draußen war Alles so ruhig, so feierlich still! Nur ein
Nach dem Gemälde von A. Seifert.
Hund rasselte auf dem Hofe an seiner Kette, und im Stalle horte er die Pferde an ihrer Abendmahlzeit kauen. Zur Rechten, ein wenig unter ihm, blinzelten wie schlaftrunken die Lichter der kleinen Stadt; doch dort... auf der Chaussee kam eines immer näher, er hörte das Rollen eines Wagens... Ah so, die Zehnuhrpost nach der Eisenbahnstation! Alles wie sonst; auch im Fahrplane schien sich wenig geändert zu haben. Der Schwager blies noch sein altes Stückchen:„Schier dreißig Jahre bist Du alt.“ Gerade wie früher. — Der Träumer am Fenster schaute dem Wa⸗ gen nach, bis eine Bie⸗ gung des Weges seinen Blicken den Lichtschein entzog, welchen die La— ternen vor sich hinwar⸗ fen. Er kannte die Rich⸗ tung; die Post fuhr an Schönholz vorbei, der alte Postillon hatte ihn früher manches Mal als blinden Passagier vom Wege aufgelesen und bis Röhrstädt auf dem Bock aufsitzen lassen.
In Gedanken verlo— ren stand er noch lange, bis ihn ein Luftzug zu⸗ sammen fahren ließ. Zu⸗ gleich ein kräftiger Tritt.
„Wußte es ja, daß Du es nicht fertig brachtest, mit den Hüh⸗ nern zu Bett zu gehen, und wollte doch der erste von Deinen alten Freun den sein, Dich zu be⸗ grüßen.“
„Waldemar Heußner!“
„Wie er leibt und lebt!“ rief der Lieute⸗ nant, indem er des alten Schulkameraden Rechte ergriff und kräf— tig schüttelte.„Kennst mich wohl kaum noch, alter— Bücherreiter? Pardon für den Aus⸗ druck! Mir schwebte fast schon ein anderer auf der Zunge.“
„Schrumpel?“ fragte Krohne lächelnd.
„Na ja. Räthst gut! Weißt Du, das Wort ist Einen noch so ge⸗— läufig von der Sekunda her, wo Du mir die Ex⸗ erzitienhefte von meinen grammatischen Schand—⸗ thaten weiß wuschest, ehe der alte Professor Semmler sie unter die rothe Tinte kriegte.— Aber laß Dich mal besehen, Mann; wie siehst Du denn aus?“ Der Offizier drehte den alten Bekannten ein paarmal rundum.„Natürlich militärfrei geworden. Kannst Dir gratuliren. Elendes Dasein, das Kommiß! Langweilig bis zum Ekel, besonders in solchem Krähwinkel, wie dies Röhrstädt! Und was hat man davon? Nichts auf der Welt, höchstens den Namen auf einem Denkmal, mit dem das Vaterland seine Todten bezahlt.“
„Aber einstweilen ist ja gar keine Aussicht auf Krieg!“ warf Krohne beinahe schüchtern ein.
„Keine Aussicht? Ach was, es ist immer Aussicht, und ist keine— um so schlimmer! Da giebt's kein Avancement. Habe mich schon er⸗ kundigt, wo man das beste Hungertuch bezieht, um d' ran zu nagen.“
„Du siehst doch noch nicht aus, als ob Du Anspruch darauf hättest.“
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