Ausgabe 
15.5.1887
 
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sich abschüttelnd an die Achse.

159.

gelegen sie, die von der Einzigen, der lieben todten Mutter nur immer Liebes und Gutes gesehen, in dem trauten Stübchen, in dem jetzt die Frau mit dem Hund wohnte. Im Frühjahr war das anders gewesen so ganz anders! Jetzt fiel immerfort der Schnee. Das Kind hob, wenn sie sinnend am Plätttisch stand und das schwere Eisen sorgsam über das Linnen führte, öfters den dunklen Kopf und sah zu dem Fenster hinauf, an dessen Außen⸗ leisten der weiße Schnee in Haufen sich aufschichtete. Der weiße schöne Schnee! Sie mußte zurückdenken an den bitterkalten Tag, an dem sie im anbrechenden Morgengrau den ersten Winterschnee in feuchter Weiße um sich her gefunden. Allerwegen war er haften geblieben; an den Stufen, an den Rädern der Wagen, an der Kleidung der Vorübergehenden, an der Mütze des lieben großen Zeitungsburschen, den die Mutter Arnold gerufen, und der so gut gegen sie war.

Nora's Augen gewannen, wenn sie an diesen Morgen dachte, einen ernsten, fast sehnenden Ausdruck. Es war so lange seit dem Morgen, so lange, seit sie von dem guten Freunde etwas gehört. Es war, als habe das Eisenthor dieses kalten Instituts sich zuge⸗ schlagen hinter ihr, um alsdann alles das zurückzulassen, auszu⸗ sperren, was es in der Vergangenheit Liebes gab.

Sie hatte es im Rettungshause gut. Gewiß sie fühlte das nur tief im Herzen tobte das Sehnen nach denen, die ihre ersten Freunde gewesen, die ihr die ersten guten Worte gesagt, die sie seit dem Frühjahr vernommen.

Seit dem Frühjahr und nun stand man vor Weihnachten.

Wenn die Vesperstunde kam, und die Mädchen in der kleinen Pause sich an die Fenster der großen Nähstube drängten, dann sahen sie die Fuhren mit Tannenbäumen vom Lande hereinkommen. Wie schön sahen sie aus, die übereinander geworfenen, mit Reif be⸗ zogenen Tannen. Nora starrte sie allemal an, wie gute liebe alte Bekannte, und eines Tages geschah es zum stumm unterdrückten Jubel des Kindes, daß eine dieser großen Fuhren mit bereiften Bäumen vor der Hinterpforte der Anstalt Halt machte.

Nora's ganzes Interesse wurde wach. Sie drückte das Näschen eng an die Fensterscheibe und starrte auf den Weg hinaus. Es war ein bitter kalter Tag, selbst die alten Gäule schüttelten unwirsch die Mähnen und stampften hartnäckig auf. Es mußte den Wagen etwas aufgehalten haben. Der Fuhrmann stieg mit steifen Gliedern ungelenk von seinem Sitz und trat stampfend und den Schnee von Er mußte den Schaden entdeckt haben, denn er zog ein grimmiges Gesicht, schimpfte, etwas gegen die alten Gäule gewandt, bärbeißig auf sie ein und warf einen forschenden Blick auf das Haus; alsdann trat er auf die Pforte zu und läutete.

Jetzt kam Jemand, um zu öffnen. Das war der alte Gärtner. Der ging so langsam, als ob ihn das scharfe Geklingel gar nicht interessirte, als ob es nicht ein Ereigniß wäre, wenn Jemand um Einlaß bat, als ob es nicht aufregend wäre, mit der Welt da draußen in Beziehung zu kommen.

Mit der Welt! Nora seufzte tief auf. Wie sehr entbehrte sie das Leben! Trotz aller Leiden gab es da draußen doch Abwechslung, gab es doch Bewegung und andere Luft nicht immer die öde enge Umgebung einer Anstalt mit der gleichen ewig gleichen Miene. Der Gärtner ging so langsan. Ja der war alt dem war das Getreibe der Straßen bekannt und langweilig aber ihr dem kleinen heißblütigen Kinde brachte das kleine Er⸗ eigniß Aufregung und Abwechslung.

Sie stieg nun vollends auf den Stuhl, den sie nur halb er⸗ klommen hatte, und überblickte die weite Landstraße.

Vom fernen Weg kam noch ein Wagen wieder einer mit Bäumen beladen, und auf der Fuhre saßen zwei Leute. Wie das holperte! Einer von ihnen saß rittlings über einem der Stämme, die über dem Vordertheil des Wagens fortragten.

Jetzt kam er näher, immer näher. Nara sah's, wie der Mann, der die Zügel hielt, unfreundlich auf den haltenden Wagen blickte. In solch' kaltem Wetter kam Jeder gern rasch an den Bestimmungsort. Auch war der Weg schlecht; die mit Stricken eingeschnürten Tannen hingen der Länge nach über dem Wagen fort, und bei den Stößen, welche die Fuhre auf dem rauhen Pflaster erfuhr, schwankten die Tannen bedenklich und schoben sich mehr und mehr aus der offenen Rückseite des niedrigen Wagens. Nora's Interesse stieg von Minute

zu Minute. Sie wandte sich einmal besorgt zurück und überblickt den Saal. Sie wurde nicht gestört.

Wie nett, daß sie heute gerade solch lange Vesperpause hatten, und daß die hübschen Fuhren so im Halbdunkel ankamen, so daß sie sie noch sehen konnte. Die Mädchen waren in den Korridoren. Um so besser, da hatte sie die Fenster für sich. Der Wagen, der vor dem Thor hielt, durchkreuzte den Fahrweg und der zweite mußte Halt machen. So, jetzt stand er, und der Kutscher schrie etwas herüber und der auf dem Stamm, der rittlings, der so spähend am Hause entlang sah

Was wer? War's möglich! Der Bursche o Himmel und Erde war er's war es wirklich?

Arnold Arnold! Nora schrie es auf.

Sie mußte vergessen haben, wo sie war und was sie that, das kleine erregte Kind! Ohne zu überlegen, ohne zu fragen, ohne Be sinnung fast, nur blind vor Freude und Aufregung, war sie zum Saal hinausgeflogen, durch den Hofraum an's Gitter, auf die Straße zu ihm!

Gottlob die eingetretene Dunkelheit schützte sie. Die großen Tannenfuhren deckten den kleinen Mädchenkörper, der sich mit un⸗ gestümen Jubelschrei dem Burschen, der vom Ast gesprungen war, entgegen warf.

O Arnold ach ach wie froh ich bin! Arnold!

Sie weinte bei ihrem eigenen Ruf hell auf, und der Knabe faßte, wohl selbst nicht wissend, wie er dazu kam, den kleinen bleichen Mädchenkopf mit seinen beiden Händen und küßte ihn, wie wenn es seine Schwester gewesen wäre.

Kleine Ente kleine Ente sag', wie's Dir geht!

Sie sagte gar nichts. Sie weinte nur, und nickte wieder und wieder lächelnd; sie hielt ihn an den großen breiten Händen fest und rief nur immer wieder, daß sie so froh sei, ihn zu sehen.

(Fortsetzung folgt.)

Lose Blätter.

Jagdschloß Grunewald(siehe Illustration) gehört zu den beliebtesten Ausflugsorten der naturliebenden Bevölkerung Berling. Es ist an einem jener grünlich schillernden Seen gelegen, welche die Thalkessel des Grune⸗ walds ausfüllen. Hochragende Fichten spiegeln sich in der stillen Wasser⸗ fläche, dichtes Schilf umsäumt die Ufer. Das alte Jagdschloß unterscheidet sich wenig von einem größeren Forsthaus und wird auch thatsächlich vom Hofe nur in seltenen Fällen als Absteigequartier bei den Jagden benutzt. Erbaut wurde dies Schlößchen schon im Jahre 1542 und über die Ent⸗ stehung berichten alte Chroniken, Kurfürst Joachim II. habe einst im Grune⸗ wald eine Deputation seines Schwiegervaters, des Königs von Polen, im Freien empfangen müssen und sich dieser gegenüber mit den Worten ent⸗ schuldigt:Mir fehlt in diesen Forsten das Schloß, um so hohe Gäste würdig zu empfangen, aber ich will eins erbauen. Hedwig, die Gattin des Kurfürsten, wies dann auf die Lagerstelle am See und meinte, hier sei der rechte Platz dafür und man könne esZum grünen Wald taufen. Das kleine Jagdschloß wurde von dem Baumeister Kaspar Theiß erbaut und später durch Rochus von Lynar mit einem Thorweg und Anbau ver⸗ sehen. Heute bewohnt ein Förster dasselbe und die im Schatten der Buchen und Fichten rastenden Ausflügler finden hier Speise und Trank. An schönen Sonn⸗ und Feiertagen ist das Seegestade von Touristen reich belebt. Unter den Fichten lagern sich kleine Familien und größere Piknikgesellschaften in Menge. An schönen Sommerabenden erhält der See mit seinen bewaldeten Gestaden viel poetischen Reiz. Die träumerische Ruhe, welche in dem Thale herrscht, die goldigen Reflexe auf der weiten Seefläche, die lauschigen Baum⸗

gruppen, welche das alte Schloß ume eben alles das vereint sich zu einem schönen Bilde, das seine friedliche Stimmung der Seele des die Natur auf⸗ R. E.

suchenden Städters mittheilt.

Unterbrochene Andacht. Ein Farmer in Missouri, welcher mit seiner hübschen Tochter einer Betversammlung beiwohnte, unterbrach plötzlich die Andacht der Gläubigen durch folgende Rede:Ich möchte gern fromm sein und in den Himmel kommen, aber wenn jene Schlingel auf der andern Seite nicht aufhören, meiner Tochter verliebte Gesichter zu 8 5 so wird es erst gehörige Prügel setzen, ehe wir mit dem Beten fortfahren können.

M.

Rechenfehler. Nach einem fröhlichen Souper bei den berühmten Frères Provenceaux, welche die Wiener während der Weltausstellung ebenfalls kennen lernten, wurde die Rechnung gefordert und, selbige überblickend, schüttelte Einer der Gesellschaft den Kopf, dabei bemerkend:Aber es ist doch ganz unmöglich, daß wir zu Vieren so viel getrunken haben sollten! Monsieur hat Recht, erwiderte der Garcon artig;aber Monsieur vergißt die Drei, welche unter dem Tische liegen. M.

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