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Anton paffte ein paarmal rasch hintereinander. Es war keine sehr feine Nummer, deren brenzlich-süßer Qualm sich dabei mit den Düften einer Partie Knochen und Kuhhäute mischte, welche im Nebenraume aufgespeichert lagen.
„So! Dazu bin ich zu gebrauchen?— Sag' Deiner Herr⸗ schaft“— der Sprecher grinste unangenehm bei den Worten— „sag' ihr, für sie thäte ich keine Handreichung mehr, für s ie nicht. Möchten's dem feinen Sohne danken und sich einen Anderen für ihre Kommissionen suchen.“
Grob- patzig hatte sich der Händler vor seinen Besuch hingepflanzt.
„Niemand verlangt von Dir, daß Du diese umsonst thust,“ sagte Alfred Krohne.
Der Andere lächelte verächtlich.
„Umsonst! Zu verdienen ist ohnehin nicht viel dabei. Mögen Heußners erst mal die Schulden des Herrn Sohnes bezahlen. Und —— nein, und wenn sie's dreimal thäten, einem von der Sipp⸗ schaft erweise ich keinen Dienst. Ueber jeden Pfennig, um den sie gekürzt werden, will ich mich freuen, bis sie meinethalben die Knochen sammeln gehen, die von meinem Tische fallen, bis—“
„Pfui, Anton!“
Die gemeine Rede widerte den Doktor an; er drehte sich halb um.
„Pfui; so ruft Ihr! So ruft alles Pack, und wennss nicht werth wäre, Unsereinem den Schuhriemen zu lösen.— Pfui? Wer hat denn Pfui gerufen, als der Lieutnant sich den Witz machte und ein paar anständige Mädchen beschwatzte, zum Spott seiner Kumpane? Ein paar Tage haben sie darüber gelacht, der Eine oder Andere hat mit der Achsel gezuckt, und die Mädchen sind blamirt für alle⸗ mal.“ Ingrimmig schlug Knopploch mit der Faust auf den rohen Tisch, daß die Katze, welche sich auf der Bank davor hingekauert hatte, eiligst das Weite suchte. Aber es war, als habe sich in dem Schlage seine Wuth entladen. Er hockte auf einem Schemel nieder. Beinahe flüsternd fuhr er fort:„Ich habe Zutrauen zu Dir gehabt, immer— früher auf der Schule, wo Du der Einzige warst, der mit mir umging, ohne mich wie einen Hund zu behandeln, und jetzt auch noch, wenn Du auch da draußen Hausfreund geworden zu sein scheinst. Jettchen Saalfeld war meine Braut.“
Der Doltor, der sich gleichfalls gesetzt hatte, zuckte unwillkürlich in die Höhe.
„Du meinst, Du hättest sie nie an meinem Arm gesehen, Du hältst es für unmöglich, daß der Schatz des Lumpensammlers in Seide über die Straße rauscht? Und doch ist es so. Du weißt, schon auf der Schule besorgte ich manche kleine Kommission für den alten Saalfeld. Sein Vater und mein Großvater waren ja zu⸗ sammen herübergekommen aus dem Sächsischen— als Schnorrer, das Bündel auf dem Rücken. Und als Schnorrer sind ja auch ihre Söhne noch behandelt worden, längst nachdem sie sich hatten taufen lassen, nachdem sie Christinnen geheirathet hatten. Aber Saalkeld war glücklicher in seinen Geschäften als wir, er wurde wohlhabend, zuletzt reich; meinem Vater blieb das Bündel des Lappenknopploch, wie sie meinen Großvater nannten, als Erbe. Schlecht und recht wollte er nicht über seinen Groschenhandel mit altem Kram hinaus. Mit mir erst kam's anders. Bis zur Sekunda hatte ich ja mit Dir in der Klasse gesessen, dann fing ich an, mich im Geschäft umzuthun, und ich habe Knochen zusammengeschachert und altes Flickwerk und alt Eisen und Wolle und Groschen auf Groschen und Thaler auf Thaler und Hunderte auf Hunderte.— Wunderst Dich? Hätt'st nicht gedacht, daß hinter dem Lumpen⸗ anton zuletzt soviel steckt? Die Lumpen allein habens ja auch nicht eingebracht, s gab noch andere Geschäftchen, erst nur mit Saalfeld in Kompagnie, dann ab und zu auf eigene Rechnung, und dadran hing mehr. Und für wen? Für wen habe ich zehn Jahre lang meine Füße wund gelaufen und mich von den feinen Herren, die mein Geld für Champagner oder Pferde, oder sonstige noble Passionen nöthig hatten, einen Halsabschneider heißen lassen? Für Saalfelds Jettchen, die als achtjähriges Kind mich schon, wenn ich in ihres Vaters Haus kam, mit einem Wink ihres kleinen Fingers regierte, der ich anhing wie ein Hund, und die mir zuletzt— 's sind noch nicht drei Monate— versprach——“
Anton Knopploch fuhr einmal langsam mit der Handfläche über die Stirn.„'s mußte wohl noch in der Race liegen, daß sie mich den geschniegelten Bürschchen vorzog, die zuletzt nur ihr Geld ver⸗ langten, und ich wollte ja auch nicht ewig den Handel. da betreiben.“ Er wies mit dem Kopfe auf die Vorräthe im Nebengelaß.„Bis
Neujahr hätte ich genug gehabt, in H. ein kleines Geschäft zu kaufen— zwanzigtausend Thaler. Dann konnte ich dem Alten gegenübertreten, nun— nun mag sie nehmen, wer will. Vielleicht noch ein abgelebter Geck, dem ihre Goldfüchse gut genug sind, seine Schulden damit zu bezahlen, mir ist sie nicht mehr gut genug; denn ich habe meine Ehre, und Jene—“ Knopploch war jählings aufgesprungen,„Gott mag er danken, daß ich ihn nicht mal beim Scherwenzeln erwischte! Und dem—“ seine Brust keuchte, es schien, als wollte seine frühere Heftigkeit wieder hervorbrechen— „dem— denen keinen Heller gegönnt! Kein Glied gerührt für das Ge—“
„Halt ein!“ rief Alfred. Er gedachte der Scene mit Saalfeld, draußen auf der Chaussee. Dort der Vater, hie„Schweres Unrecht ist Dir geschehen. Aber das berechtigt Dich nicht, einen Stein auf Unschuldige zu werfen.— Und wenn ich Dich bäte, Anton, willst Du mir den Gefallen erweisen?— Dein Schade soll's, wie gesagt, nicht sein“, setzte er hinzu, als er sah, daß der Händler zögerte.
„Mein Schade! Sie schulden mir so noch dreihundert Thaler.“
„Nicht sie; der— Lieutenant Heußner ist Dein Schuldner.“
(Schluß folgt.)
Lose Blätter.
Auf den Dächern von Tunis.(Siehe Illustration.) Tunis el Chadra, Tunis, die grüne, nannte die islamitische Welt einst die an der Nordküste Afrikas gelegene Stadt im Gegensatz zum abgestorbenen Carthago, dessen Ruinen 15 Kilometer nordwestlich bei dem Landschlosse El Marsa liegen. Tunis galt lange für die Mohammedaner im Innern Afrikas als der In⸗ begriff aller Herrlichkeit. In diesem Jahrhundert aber ist es durch die traurige Mißwirthschaft seiner Regierungen arg herabgekommen und von der mittelalterlichen Blüthe ist wenig mehr übrig geblieben. Die Stadt, welche etwa 125 000 Bewohner zählt, liegt 45 Kilometer vom Meere und von ihren Dächern blickt man auf das kleine Meer, El Bahirah, eine Salz⸗ lagune, die mit dem Golf durch den Kanal von Goletta verbunden ist. Tunis besitzt fünf große und viele kleine Moscheen und 111 Synagogen, denn die Juden bilden den vierten Theil der ganzen Stadtbevölkerung. Ein Prachtbau im maurischen Stil ist ferner die Kasbah, der Palast des Beis. Vier Kilometer von der Stadt erhebt sich eine von Thürmen flankirte Burg, das ist der Bardo, worin sich der Sitz der Regierung befindet. Die Stadt besitzt viele Bazars und Karavanserais, in denen das bunteste Leben herrscht. Nomaden in ihrem weißen Burnus, halbnackte Neger, Stadt⸗ bewohner in der kleidsamen Dschubba, Jüdinnen in ihren reichen malerischen Gewändern durchwandern hier die schattigen Gewölbe. Die Straßen im Innern der Stadt aber sind eng, krumm und voll Unrath. Es herrscht in Tunis die leidige Sitte, allen Kehricht und Unrath einfach vor die Thüre u werfen. Von Straßenreinigung haben die Bewohner kaum eine Vor⸗ e In Folge dieser sanitätswidrigen Verfassung der Stadt brechen denn auch sehr häufig Epidemien aus, welche einen furchtbaren Charakter annehmen. So brach im Jahre 1866 die Cholera in Tunis aus und im Jahre 1867 auf 68 folgte der Hungertyphus in seiner schrecklichsten Gestalt. In jenen Schreckensjahren sammelte man die Todten Morgens in den Moscheen und Herbergen zu Hunderten, führte sie mit Wagen aus der Stadt und bereikete ihnen vor derselben ein Massengrab. Das Land Tunis besitzt reiche Hülfsquellen und die Stadt könnte wieder ihre alte Blüthe als Handelsstadt erreichen, wenn die Verwaltung eine bessere würde. Das Klima ist vortrefflich und unser berühmter Landsmann Dr. Nachtigal, welcher mit kranken Lungen nach Tunis kam, hat hier seine Gesundheit wieder erlangt. Von hier aus unternahm er später seine große Reise nach Bornu. Am Tage brennt die Sonne heiß auf die Stadt nieder, am Abend aber erhebt sich ein erquickender Wind vom Meere ber. Dann steigen die Bewohner der Stadt auf die flachen Dächer ihrer Häuser, erlaben sich, auf farbigen Decken liegend, an der köstlichen Luft und am Anblick der stolzen Bauten. Wenn der Mond die Wasserfläche des kleinen Meeres bestrahlt sowie die Kuppeln der Moscheen, die schlanken Minarets, die Pforten der Kasbah, dann mag es dem träumerischen Beschauer dünken, als schwebe der Geist der Geschichte über die umnachtete Küste, berühre das Trümmerfeld von Carthago, die gigantischen Reste des Gordianischen Prachtbaues oder des Amphitheaters zu Tysdrus, die Mauerreste der Sarazenenbauten und flüstere: Tunis, Du grüne, Du wirst verwelken und in den Staub sinken, wie jene blühenden Welten der Punier, Römer und Sarazenen versunken sind.
R. E.
Eine junge Frau war verblendet genug, ihren nichts weniger als schönen Gesang für so bestrickend zu halten, daß sie ihrem Mann keine größere Freude bereiten zu können meinte, als wenn sie ihn des Abends durch den Vortrag ihrer Lieder ergötzte. Der geplagte Ehemann ließ Alles geduldig über sich ergehen, und legte sich enöh nie mit Kopfschmerzen zu Bett. Eines Nachts nun hatte sich im Hofe vor seinem Schlafzimmer eine ganze Katzengesell⸗ schaft zusammengefunden, die im Chor ganz entsetzlich heulte.„O Elvira, geliebtes Weibchen, singe das noch einmal,“ flüsterte der Mann wie im Traum und schlief weiter.— Am andern Morgen verkaufte Elvira ihr Klavier und warf die Noten in's Feuer. 0.


