Ausgabe 
13.3.1887
 
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Pflaumen, eine starke Metze voll, hinein und gab sie mir zum Abendbrode nach Hause mit.

So sehr ich nun damals, wie besonders späterhin, die edlen griechischen und römischen Klassiker schätzte, den anziehenden Raupach wußte ich mir doch sofort aus einer Leihbibliothek zu verschaffen. Ich las und studirte ihn fleißg, lernte mit der Zeit auch Shake speare, Calderon, Schiller und Goethe kennen; und so ging es nachher, als ich das große städtische Gymnasium durchgemacht hatte, mit Zustimmung meiner lieben Eltern alsbald im Sturmschritt auf die herrliche Bühne los. Das hatte ich jener Prügelei und dem fidelen Arreste zu verdanken.

Lo se Blätter

Hero und Leander in Hinterpommern. Der Neustettiner Kreis in Hinterpommern zeichnet sich durch eine große Anzahl sogenannter Bur g⸗ wälle aus, die, höchst wahrscheinlich einer prähistorischen Periode angehörig, gewöhnlich entfernt von den Dörfern in einsamen Wäldern liegen, an Seen und in Morästen, häufig auf den Grenzen mehrerer Feldmarken. Undenkbar ist, daß diese Wälle in früheren Tagen Schlösser wendischer Pane und Suppane waren dafür ist ihre Zahl zu groß, oft liegen sie auch nur in Zwischenräumen von einem Kilometer und noch kürzerer Entfernung auseinander. Obendrein, was von besonderer Wichtigkeit, ist ein solcher Burgberg gewöhnlich ein runder Hügel, welcher aber die Spuren eines Walles trägt und von Wasser umflossen war; selten findet man Gemäuer, Brandstellen oder andere Zeichen einer Bewohnung durch Menschen höchst wahrscheinlich ist es, daß sie der Zufluchtsort der Bewohner einer vor⸗ historischen Niederlassung bei räuberischen Invasionen fremder Völker waren. So erklärt es sich auch, daß sie fast immer an abgelegenen Orten zu finden sind und da sie nur selten bewohnt wurden, auch keine Spur einer menschlichen Wohnung tragen. Auf die interessantesten Burgwälle stößt man jedenfalls bei Grumsdorf und Sassenburg im Neustetkiner Kreise. Der Eine Wurthsberg genannt, liegt an dem Wurchow'schen See bei Sassenburg, der andere auf einer Insel mitten im See. Den ersten, dessen Höhe be⸗ trächtlich, schmücken himmelanstrebende Buchen von großer Schönheit. Wie seltsam, daß bier der Schauplatz einer Volksüberlieferung, welche eigentlich dem schönen Hellas angehört und lebhaft an das traurige Schicksal von Hero und Leander erinnert!

Ein Fürst so erzählt das Volk war der Herr des Schlosses im See, eine Prinzessin residirte auf dem hohen Wurthsberg, der eine bin⸗ reißend schöne Aussicht darbietet. Vom Schlosse zum Berg führte eine seichte, hin und wieder mit Tiefen durchschnittene Furth. Allnächtlich ritt der Fürst auf einem weißen Rosse zu dem sehnsüchtig seiner harrenden Liebchen; eine Lampe, welche die Prinzessin in ihrem Fenster aufstellte, be⸗ zeichnete ihm den einzuschlagenden Weg, um nach langem Schwimmen durch die tiefen Stellen wiederum festen Grund zu finden, wo sein Roß ausruhen konnte. Unglücklicher Weise besaß die Prinzessin eine böse Stiefmutter, der das Glück der Liebenden ein Dorn im Auge war, die vor keinem noch so teuflischen Mittel zurückschreckte, um die verhaßte Verbindung unmöglich zu machen. Als einst ihre Stieftochter das leitende Lämpchen wieder ausgestellt hatte, errieth sie dessen Zweck, löschte es heimlich aus, als der Prinz unter⸗ wegs und bewirkte so, daß nach dem Verschwinden des Leitsterns der Fürst die seichten Ruhestellen verfehlte und mit seinem ermüdeten Roß in die bodenlose Tiefe versank. Vergebens harrte die Braut während der ganzen Nacht. Am nächsten Morgen spülten die aufgeregten Fluthen des Sees den Leichnam des Geliebten und seines treuen Rosses unweit des Wurtheberges an's Land. Da stürzte sich die Heroine des Pommerlandes in den See, weil sie den Geliebten nicht überleben wollte! Seit jener Zeit ist stets ein weißer Streifen in dem blauen Wasser sichtbar, welcher die beiden Burgen ver⸗ bindet. Er soll, wie das Volk erzählt, das alle Naturerscheinungen in seiner Weise zu deuten versteht, den Weg bezeichnen, welchen der Fürst einschlug. Hervorgehoben wird auch gern von den Bewohnern der Umgegend, daß die erwähnte Stelle selten zufriert, und daß, wenn sich dies einmal ereignet, sogleich ein mächtiger Spalt entsteht, an dem man denPrinzenweg sofort een kann. Th. B.

Automatische Kunstwerke. Zu einem der ersten Meisterwerke der Mechanik gehörte die merkwürdige Wasseruhr, welche der Khalif Harun al Raschid Karl dem Großen schenkte. Auf dem Zifferblatte befanden sich zwölf kleine Fenster, welche der Stundenbezeichnung entsprachen. Die Stunden wurden durch das Oeffnen dieser Fenster angezeigt, in dem kleine metallene Kugeln durch das Auffallen auf eine messingne Glocke die Stundenzahl schlugen. Diese Thüren oder Fenster blieben geöffnet, bis es zwölf schlug, in welchem Augenblicke zwölf kleine Ritter zu Pferde herauskamen, um das Zifferblatt herumzogen, dann in ihre Gemächer zurückkehrten und die Fenster schlossen.

Die nächsten Automaten, von denen sich genaue Berichte erhalten haben, sind die des berühmten Johann Müller oder Regiomontanus, welche von Kircher, Baptista Porta, Gassendi, Lana und Bischof Wilkens erwähnt werden. Müller soll einen künstlichen Adler verfertigt haben, der dem Kaiser Mapimilian bei dessen Einzuge in Nürnberg am 7. Juni 1470 entgegen⸗

og. Nachdem der Adler sch hoch in die Luft geschwungen hatte, soll er in einiger Entfernung von der Stadt auf den Kaiser zugeflogen, dann um⸗ gekehrt sein und sich auf das Stadtthor gesetzt und ihn dort erwartet haben. Als der Kaiser an das Thor gelangte, breitete der Adler die Flügel aus

eiserne Fliege verfertigt haben, welche durch ein Räderwerk in Bewegung gesetzt wurde, herumflog und sich auf den Tisch setzte. Bei einem Feste, welches er einigen Freunden gab, flog die Fliege ihm von der Hand, im Zimmer umher, und kehrte endlich wieder auf die Hand ihres Meisters zurück.

Das nächste mechanische Stück, das unsere Aufmerksamkeit verdient, ist jenes, welches von Camus zur Unterhaltung des jungen Ludwig XI V. ver⸗ fertigt wurde. Es bestand in einer kleinen Kutsche mit zwei Pferden in welcher eine Dame saß, hinter welcher ein Bedienter und ein Page standen. Wurde diese Maschine an das eine Ende einer gehörig großen Tafel ge⸗ stellt, so knallte der Kutscher mit der Peitsche, die Pferde fingen an zu laufen, bewegten die Füße ganz natürlich und zogen die Kutsche nach sich. Erreichte diese die entgegengesetzte Ecke der Tafel, so lenkte sie in einem rechten Winkel ein und bewegte sich seitwärts weiter fort. Sobald das Gefährt zu der Stelle kam, wo der König saß, hielt es an, der Page stieg ab und öffnete den Schlag, die Dame stieg heraus, verneigte sich und über⸗ reichte dem Könige eine Bittschrift. Nachdem sie eine Zeitlang gewartet hatte, verneigte sie sich von Neuem und stieg wieder in den Wagen. Der Page machte den Kutschenschlag zu, stieg hinten auf, der Kutscher knallte mit der Peitsche und der Wagen fuhr wieder fort. Der Bediente, welcher zuvor abgestiegen war, lief der Kutsche nach und sprang hinten auf.

Kaiser Karl V. ließ sich nach seiner Abdankung mit Vorliebe von großen Automaten die Zeit vertreiben. Der Künstler, der um ihn war, hieß Turrianus und stammte aus Cremona. Nach beendeter Mahlzeit pflegte er Figuren, als bewaffnete Krieger und Pferde auf die Tafel zu bringen. Einige der⸗ selben schlugen die Trommel, andere bliesen auf der Flöte, während noch andere einander mit Speeren augriffen. Bisweilen ließ er hölzerne Sper⸗ linge fliegen, welche zu ihren Nestern zurückkehrten. Auch zeigte er eine so kleine Kornmühle, welche in einem Tage nur für acht Personen mahlen konnte.

Nicht zufrieden, die Bewegungen der Thiere nachzuahmen, suchte das mechanische Genie im 17. und 18. Jahrhundert, durch Räder ꝛc. sogar die Funktionen des Lebens nachzumachen. So sagt Lobat, daß General Degennes, ein französischer Offizier, welcher die Kolonie St. Christoph gegen die Eng⸗ länder vertheidigte, einen Pfau verfertigt, der gehen, Getreidekörner vom Boden aufpicken, sie verdauen, als wären sie durch den Magen gegangen, und sie verändert wieder von sich geben konnte. Degennes soll überhaupt verschiedene, bei der Schifffahrt und Artillerie höchst nützliche Maschinen erfunden und Uhren gebaut haben, die weder Gewicht noch Feder hatten und doch gingen. M.

Wehrstand, Lehrstand, Nährstand. Ein großer Verehrer des schönen Geschlechts stellte einst folgende Behauptung auf:Der Wehrstand so seine Wortesind die Jungfrauen, diese wehren sich, bevor sie uns mit ihrer Hand beglücken. Den Nährstand bilden die Frauen; diese müssen wir ja ernähren. Zum Lehrstand gehören die Wittwen, die es trefflich verstehn, uns gute Lehren zu geben. Th. B.

Keine Blaustrümpfe in Persien. In Persien sind grundsätzlich die Frauen von jeder literarischen Thätigkeit ausgeschlossen. Speziell ist ihnen verboten Verse zu machen. Die Perser sagen, daß man der Henne, die krähen will, die Kehle abschneiden muß. 1

Ein sinnreicher Vergleich. Der Kardinal von Polignac befand sich einst in dem Salon der Herzogin von Maine als man ihn fragte, welches der Unterschied zwischen der Herzogin und einer Pendule sei. Rasch entgegnete er:

Die Uhr bewirkt, daß wir die Zeit beobachten, die Herzogin aber sorgt dafür, daß wir sie vergessen. Tb. B.

Die Frauenwelt Londons. Ein witziger Tourist erzählte einst in be⸗ treff seines Aufenthalts in London:Befand ich mich in einer Gesellschaft von Damen, so war mir nicht anders zu Muthe, als wandelte ich in einer Bildergallerie, welche nur Portraits schöner Frauen enthielt, welchen die Maler wohl verschiedene Stellungen, jedoch keine Sprache gegeben hatte.

Tu. B.

Im Jahre 1630 wollten sich die Jesuiten des adeligen Fräuleinstiftes bei Minden bemächtigen. Der kaiserliche Kommissar erschien an ihrer Spitze, da griffen die tapfern Fräulein zu Nadeln und warfen ihn wie die Herren Patres jämmerlich zerstochen aus dem Kloster. W. G.

Sir H. Walton, unter Jakob I. englischer Gesandter in Venedig pflegte zu sagen:Ein Gesandter ist ein ehrlicher Mann, den man in das Ausland schickt, daß er zum Vortheil seines Vaterlandes lüge W. G.

John Denis, der schärfste Kritiker zu Pope's Zeit, suchte jedes auf⸗ strebende Talent zu unterdrücken. Er wurde krank.Was fehlt ihm? fragte man den Arzt.Die Kritik ist bei ihm nicht zum Ausbruch gekommen, erwiderte rasch Pope, der zugegen war:dadurch hat er sich selbst vergiftet.

W. G.

Addison fragte den Schriftsteller Garth, welche Religion er bekenne. Die der Weisen, lautete die Antwort.Und welche ist das?Die Weisen schweigen, antwortete Garth. W. G.

und grüßte ihn durch Neigung seines Körpers. Müller soll ferner eine