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„Ja— sie ist nämlich die Nichte unserer hochverehrten Excellenz von Grumbach.
Erna Calander wurde bleich und roth. Die Komiteédame miß— verstand diesen raschen Farbenwechsel, ermuthigte die kleine Befangene noch einmal, preßte ihr die Liste in die Hand, sagte ihr in aller Geschwindigkeit noch viel Liebenswürdiges, dann für den hochverehrten Herrn Calander viel Verbindliches und endlich durfte Erna in ihren Wagen steigen und ganz confus von dem Wortschwall wegfahren.
Sie befahl dem Kutscher, den nächsten Weg aus der Stadt zu nehmen. a
Ruhe! Sie mußte sich erst besinnen.
(Fortsetzung folgt.)
Lose Blätter.
unstbetrachtungen.(Siehe Illustration) F. Kraus ein Berliner Genremaler, welcher intime Scenen aus dem Familienleben der vornehmen Gesellschaft mit Glück zur e bringt, ist auch der Maler unserer, in die Betrachtung eines plastischen Kunstwerks vertieften Mädchengruppe. Fast scheint es, sich betreffs des Bildwerks, um eine Ueberraschung zu handeln, welche der blühendsten der drei Grazien bereitet wurde, denn jene schaut erfreut und dankbar zu der Marmorgruppe auf. Vielleicht ist der Faun, welcher eine Psyche in seinen Armen hält, dazu bestimmt, das Boudoir einer Verlobten zu schmücken. Kraus hat in jeder der drei jugendschönen Mädchen⸗ alen die Psyche geweckt, möge keine derselben einem Faun in die Arme allen! R. E.
Wunderbare Verkettung der Vorzeit mit den Ereignissen der Folge⸗ zeit. Peter der Große war soeben im Begriff, von Wien aus nach Italien zu reisen, als er durch eine unwillkommene Botschaft schleunigst in sein „heiliges Rußland“ zurückgerufen wurde. Vier unbändige Strelitzenregimenter, usammen 10000 Mann stark, waren von der polnischen Grenze aufgebrochen, 135 25 sich ihrer Führer entledigt, neue erwählt und waren auf Moskau losmarschirt, um den Neuerungen, die vom Czar ausgingen, ein Ende zu machen. Gordon zog den Empörern an der Spitze von 2000 Mann In⸗ fanterie und 600 Reitern entgegen, bemühte sich Anfangs, die Irregeleiteten ur Pflicht zurückzuführen, als aber diese Versuche fruchtlos waren, griff er sie an, brachte sie in Unordnung und nöthigte sie, die Waffen niederzulegen. Heimgekehrt fand Peter die Rebellen bereits in Ketten, sein Eintritt in die Residenz war der Anfang einer strengen Ahndung. Da die Schuldigen weder die Anstifter noch die einzelnen Umstände der Empörung 1 wollten, zögerte man nicht, die schauderhaftesten Martern gegen sie an⸗ zuwenden, bei denen der Czar nie fehlte, vielmehr die Untersuchung persön⸗ lich in die Hand nahm. Sechs Wochen vergingen so schließlich wurden sämmtliche Rebelleu zum Tode verurtheilt. Das Blut floß in Strömen; der Kürze halber bediente man sich langer Balken, über welche die Ver⸗ urtheilten ihren Hals ausstrecken mußten, und so wurden ihnen die Köpfe, der Reihe nach, mit dem Beile abgehauen. Den schauerlichen Hinrichtungen, die man wahre Metzeleien nennen konnte, wohnte Peter der Große in Person bei, ja er legte sogar sammt seinen Ministern und Generalen selbst mit Hand an. Mitunter war der Henkerblock so mit Köpfen bedeckt, daß für neue Opfer kein Platz mehr blieb. Einer der armen Sünder räumte dieselben mit der größten Kaltblütigkeit hinweg. Diese Seelenruhe imponirte dem Czar, der an ihn sofort die Frage richtete, warum er dies thue und die Antwort erhielt:„Um Platz für meinen Kopf zu bekommen.“ Dieser 6 gefiel nun dem Kaiser so sehr, daß er dem unerschrockenen
trelitzen Leben und Freiheit schenkte. Sein Name war Orlof, und er war Großvater jenes Alexei Orlof, der am 14. Juli 1763 im Auftrage oder doch mindestens im Interesse seiner Herrscherin und Gönnerin, Katharina, sich nebst einem Offizier, Tepelof, in das Gemach des entthronten Kaisers, Peter III., begab, unter dem Vorwande, ihm seine baldige Befreiung an⸗ zukündigen. Beide ersuchten den unglücklichen Fürsten sich niederzusetzen, um zu speisen. Nach nordischer Sitte wurden Flaschen mit Branntwein und Gläser auf den Tisch gesetzt; während Tepelof sich mit Peter unter⸗ hielt, füllte Orlof ein Glas und überreichte es dem Fürsten. Dieser leerte es ohne Mißtrauen— doch es enthielt Gift. Als der Favorit Katharina's seinem früheren Herrscher noch das zweite Glas anbot, merkte dieser plötzlich je Tücke. Er sprang auf und rief laut nach Milch. Jetzt packten ihn die beiden Meuchelmörder und rangen mit ibm. Ein junger Fürst Baratioskoy, welcher die Wache befehligte, eilte auf das Geräusch herbei und vereinigte sich mit jenen Beiden— Alexei warf den Hilflosen zu Boden, die andern schlangen ihm ein Tuch um den Hals und erdrosselten den Fürsten, der erst in seinem 34. Jahre stand und nur sechs Monate regiert hatte. Nicht lang darauf hieß es in der Hauptstadt: der Kaiser sei an einem heftigen Anfall von Hämorrhoidalkolik gestorben. Der Leichnam wurde in der Holsteinischen Uniform öffentlich ausgestellt und dann in dem Alexander-Newkskykloster in
der Stille beigesetzt. Th. B.
Der letzte gerichtliche Zweikampf. Im Jahre 1437 hatte der Abt Egloff seines Bündnisses mit Schwiz wegen den Rath von Zürich empört, daß das Gerücht ging, dieser wolle sich der Stadt Wil bemächtigen. Die Züricher Patrizier widerstritten dem und ließen den Jüngling, welcher es verbreitet hatte, festuehmen und verhören. Derselbe erklärte er habe die Mähr von Hans von Laubheim vernommen und trug sich zum Beweise dessen nach dem
Schwabenspiegel zum Zweikampf in geschlossenen Schranken an. Hans von
Laubheim mußte darein willigen, sollte er nicht für schuldig erkannt werden.
Beide mußten darauf por dem Landrichter den Eid ablegen, ohne Verrath zu fechten. Die Stadt Konstanz, wo das Landgericht abgehalten wurde, ließ beiden Kämpfern gleiche Waffen reichen, auch 600 Mann zu ihrer Be⸗ deckung ausziehen, damit sie nicht vom Publikum gestört würden. Man zog auch am Pekin aen Tage nach dem Kampfplatze aus, als der Bischof von Konstanz, Heinrich von Heven, mit einem Trupp wohlgeharnischter Reisige daher gesprengt kam, sich der Beiden bemächtigte und sie auf die Pfalz führte, somit den letzten gerichtlichen Zweikampf er Was den geistlichen Herrn dazu antrieb, findet sich in keiner Geschichte, keiner Chronik. W. G.
Der König von Pvetot. Man hört nicht selten die Frage, wie Beranger dazu gekommen, das kleine Städtchen Mpetot in seinem herrlichen Chanson zum Königreiche zu erheben. In der That ist aber Ypetot ein souveränes Königreich, freilich vom kleinsten Umfange, gewesen. Walter von Yvetot hatte den Zorn Chlotars I., welcher im Jahre 560 starb, erregt, daß er land⸗ flüchtig werden mußte und sich bei dem Papste Agapetus zehn Jahre auf⸗ hielt. Da glaubte er Chlotar versöhnt, doch dieser ließ ihn greifen und hin⸗ richten. Der hierüber erzürnte Papst belegte den König mit dem Banne, der nicht früher gelöst werden solle, bis Chlotar den Sohn und die Nach⸗ kommen des Hingerichteten für ebenso frei erklären würde, wie er, der König, selbst sei. Das geschah.— Ob diese Sage wahr läßt sich nicht beweisen, jedenfalls wurden die Besitzer von Mpetot lange Zeit Könige titulirt.
d. W.
Englische Polizei. Der Friede von Amiens war geschlossen, die Ge⸗ fangenen aber noch nicht ausgeliefert, wie man den Ausbruch der Feind⸗ seligkeiten jeden Augenblick wieder erwartete. Die englische Regierung er⸗ ute daher dem Doktor Brunet über den Kanal zu kommen und seine Landsleute nur unter der Bedingung zu pflegen, daß er sich politischer Be⸗ richte an die französische Regierung enthielte. Trotz seines Wortes kam der Arzt dem nicht nach, sondern berichtete über die britischen Rüstungen. Kurz darauf wurde er auf das auswärtige Ministerium beschieden. Der Unter⸗ staatssekretär warf ihm den Bruch seines Wortes vor. Brunet leugnete. Da zog jener die Originalschreiben des Arztes hervor, welche mit den Journal und Registernummern des französischen Ministeriums versehen waren; am Rande standen die Daten des Empfangs und der Beantwortung. „Sie sehen,“ sagte der Engländer,„daß wir informirt sind. Melden Sie nach Paris, daß wir besser bedient sind, als Ihre Landsleute und obendrein wohlfeiler.“ W. G.
Die vier Grenadiere. Während des Feldzugs in Spanien von 1810 bis 1811, wurden eines Abends vier Nachzügler der französischen Armee durch Mönche eines benachbarten Klosters ermordet. Die Getödteten ge⸗ hörten zu einem Regimente der Division des Generals T. Zufällig besaß das Kloster, dessen Mitglieder den Mord begangen hatten, die schönsten Murillo's in ganz Spanien. General T. liebte seine Soldaten väterlich, aber er war auch nebenbei ein leidenschaftlicher Verehrer schöner Gemälde. — Sobald er von dem Schicksal seiner Grenadiere und ihren Mördern hörte, ließ er den Prior der Kapuziner zu sich rufen.—„Ehrwürdiger Vater,“ sagte er zu ihm,„Ihre Mönche haben mir vier Grenadiere getödtet, sie müssen dafür sterben.“— Der Mann Gottes war nicht wenig verlegen, er konnte die Thatsache aber nicht ableugnen und bat daher um Gnade.— „Wir wollen sehen,“ antwortete der General.„Sie sind mir vier Grenadiere schuldig, geben Sie mir dafür die vier Murillo's, die Ihr Kloster besitzt, und wir sind quitt.“— Die Mönche wurden auch wirklich verschont, die vier Murillo's verschwanden von den Ecken des Hauptaltars, wurden in Kisten eingepackt und glänzten bald in der Gemäldegallerie des Generals. — Nach der Beendigung des Feldzuges kehrte der General nach Frankreich zurück. Bei einer Musterung sah ihn Napoleon. Kaiser ihn an,„Sie besitzen vier der schönsten Murillo's, treten Sie mir die Gemälde ab, Sie sollen dabei nichts verlieren.“— Der General verbeugte sich tief, und schon nach der folgenden Nacht, in der er vom Marschallsstabe geträumt hatte, befanden sich die vier Murillo's im Louvre. Lange wartete der General vergebens auf eine Schadloshaltung für sein Opfer; Napoleons Gedächtniß schien zu schlummern.—„General,“ redete er ihn endlich eines Tages an,„ich habe Ihre Murillo's gesehen, sie sind herrlich. Ich versprach Ihnen, wie Sie sich erinnern, daß Sie nichts verlieren sollten, und ich will Wort halten.“— Der General schwamm in Entzücken, er sah sich schon als Vicekönig in irgend einer neuen Provinz. Napoleon rief Berthier herbei.„Suche die vier schönsten Grenadiere meiner Garde aus,“ sagte er zu diesem,„und laß sie in das Regiment des Generals schreiben.“— Dann wandte er sich lächelnd zu dem General:„Sie sehen, ich bezahle den wahren Preis, Sie verlieren nichts. Vier Grenadiere meiner Garde sind ja wohl ebenso viel werth als jene vier Soldaten, für die Sie die Gemälde als Preis erhielten.“ Damit wandte ihm Napoleon den Rücken. N.
Kosru, König von Persten, unterhielt gewöhnlich 15000 Tonkünstlerinnen, 6000 Palast-⸗ Offiziere, 25 500 Pferde und Maulthiere zum Reiten und 960 Elephanten. Wenn er ausritt, begleiteten ihn 200 Männer mit Räucher⸗ gefäßen, in welchen wohlriechende Essenzen brannten und 1000 Wasserträger besprengten den Weg. 15
Aus Gefälligkeit. Der berühmte Tanzkünstler Vestris war sehr stolz auf seines Sohnes Leichtigkeit in körperlichen Bewegungen.„Wenn mein Sohn Eotrechats macht,“ so äußerte er sich einmal,„würde er wohl gar⸗ nicht aus der Luft auf die Erde kommen, wenn er es seinen Kollegen nicht zu Gefallen thäte!“ Il. S.
„General,“ redete der
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