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und unbarmherzigen Vaters verließ, über den jedoch bald die Ver— geltung hereinbrechen sollte.
Gertrud flüchtete sich zu dem Geliebten, der sie bei einer Ver⸗ wandten unterbrachte, bis er ihr nach einem Jahre die Hand zum Ehebunde reichte. Er ersuchte damals Peter Goritz um den väter⸗ lichen Konsens und empfing denselben ohne ein versöhnliches Wort, obgleich der alte Hufner seine Heftigkeit und Ungerechtigkeit bereute.
„Gut,“ sagte Ferdinand Rasch zu Gertrud,„gut, daß ich Dir nicht erlaubt habe, den unsinnigen Alten aufzusuchen. Ich glaube, er hätte sich wieder an Dir vergriffen.“
Das war nicht zu befürchten gewesen; hätte die Tochter sich im Gegentheil genaht, so wäre eine aufrichtige Versöhnung erfolgt. Durch Gertrud's Fernbleiben erhielten die älteren Töchter völlige Gewalt über den Vater. Um sich der zu entziehen, glaubte Goritz in einer zweiten Ehe das geeignete Mittel zu finden. Seine Augen fielen auf die fünfundzwanzigjährige Sabine Stein. Er wandte sich an deren Mutter, statt sich mit ihr selbst auszusprechen. Die Mutter sah in der Heirath mit dem reichen Manne ein großes Glück für ihre Tochter. Sabine mußte ihrer Neigung für einen jungen, armen Bewerber entsagen. Mit Grimm und Feindschaft im Herzen reichte sie Peter Goritz die Hand und bestimmte ihn, im Bunde mit ihren Stieftöchtern, bald darauf, obgleich diese noch nicht verheirathet waren, ihnen das Gut zu überlassen. Von dem Augenblick trat eine furchtbare Wandlung ein; aus den Schmeichlerinnen wurden Despotinnen. Die Knechte, die zu ihm hielten, wurden entlassen, neue in Dienst genommen, denen man sogleich auftrug, sich rücksichtslos gegen den„unvernünftigen Alten“, wie die drei Weiber ihn hießen, zu benehmen.
Peter Goritz suchte vergebens das Joch zu brechen; jede Be⸗ mühung führte ihn nur noch in schwerere Sklaverei. Knirschend innerlich, äußerlich sich fügend, sann er Tag und Nacht, sich aus den unwürdigen Banden zu befreien. Endlich vertraute er sich dem Pfarrer, der ihm die Sache zu ordnen versprach, auch wirklich auf dem Hofe erschien. Hier kamen ihm die drei Weiber mit freund⸗ licher Heuchelei entgegen, bestritten die Aussagen des Vaters, der schwach und schon seit Jahren halb irrsinnig sei, wie das auch schon sein Benehmen gegen Gertrud bewiesen habe. Dabei berief sich die eine Schwester auf das Urtheil der andern und Frau Sabine auf das ihrer Stieftöchter, so daß der würdige Geistliche sich un⸗ willig über Goritz entfernte.
Kaum war dies geschehen, so eilten die drei Frauen zu dem Unglücklichen und überhäuften ihn mit Vorwürfen, ja Frau Sabine schlug ihn in das Angesicht und zwang ihn, Abbitte zu thun. Die Mißhandlungen der unnatürlichen Geschöpfe steigerten sich von Tag zu Tag, von Monat zu Monat, von Jahr zu Jahr. Die drei Frauen drohten ihn in das Irrenhaus zu bringen. Da übermannte ihn die Verzweiflung, er entfloh und irrte eine Woche im Walde und auf der Haide umher. Der Gedanke, sein Leben zu enden, bemächtigte sich seiner mit immer größerer Gewalt.
Ja, ich will sterben,“ rief er aus;„aber zuvor will ich Rache. Nichts soll den Schändlichen von ihrem Raube bleiben.“
In einem Wirthshause verfaßte er, da er der Führung der Feder nicht gewohnt war, mit großer Mühe die Schrift, die ihn rechtfertigen und die Seinen anklagen sollte, steckte sie dann in die Brusttasche und schrieb noch einen Brief an die jüngste Tochter, in dem er sie um Verzeihung bat.
„Was habt Ihr da Alles geschrieben!“ fragte der Wirth.
„Eine Bittschrift und eine Anklage,“ lautete seine Antwort. Er bezahlie dann die Zeche und verließ den Krug, um bei einem Seiler einen Strick und bei einem Kaufmann Zündhölzer und Schwefelfäden zu kaufen. Das war gegen Abend um neun Uhr. Seitdem sah Niemand ihn lebend mehr. In drei Stunden mußte er zwei Meilen zurückgelegt und mit der Ausführung seines Rache⸗ planes nicht gezögert haben.
Mit den Räumlichkeiten des Hofes wohlbekannt und von den Hunden nicht verrathen, wurde es ihm leicht, Feuer zu legen. Nur in das Wohnhaus hatte er sich nicht gewagt. Als die Flamme aufschlug, legte er sich die Schlinge um den Hals, um im Anschauen seines untergehenden Eigenthums zu sterben.
Als die Schrift in dem Dorfe bekannt wurde, ergrimmte die Bauernschaft der Umgegend gegen Sabine und die Töchter, deren Nichtswürdigkeit Gertrud aus dem Hause getrieben und des eignen Vaters Tod verschuldet hatte. Von Verwünschungen verfolgt, ver⸗
mochten sich die drei Frauen vor dem allgemeinen Zorne nur durch die Flucht zu retten. Man sah sie in der Gegend nicht wieder. Das Feld verwilderte, bis Gertrud und ihr Gatte es in Besitz nahmen und so dem allgemeinen Drängen nachkamen. Man schoß ihnen auch das Geld zum Wiederaufbau des Gehöftes vor, was sie bald in die besten Verhältnisse brachte.
Auf dem Kirchhofe des Dorfes erhebt sich aber die Grabstätte des Hufners Peter Goritz, ein einfaches Sandsteinmonument, auf dem die Worte stehen: f
„Dem Lear des Dorfes von den Nachtschwärmern.“
Die Inschrift rührt von dem Braumeister Gebhard Knaus her.
Lose Blätter.
Allein in der Welt.(Siehe Illustration.) Der königsberger Genre⸗ maler Knorr sucht in der kleinen Personengruppe, welche den nahenden Eisenbahnzug erwartet, die Wehmuth und das Leid Heimathloser zum Aus⸗ druck zu bringen. Das junge, schwarzgekleidete Mädchen wird wahrscheinlich durch den Tod der Eltern aus einem warmen behaglichen Nest getrieben. Die Blumen in ihrer Hand sind vielleicht auf Gräbern gepflückt oder be⸗ deuten ein letztes Liebespfand von treuen Freunden. Ihr thränenschwerer Blick ruht so traurig auf der Schienenstraße, als wolle sie sagen:„Bald trägt mich der brausende Zug fort von dem einzigen Orte der Welt, an dem ich glücklich war. Wohin mich mein Schicksal auch führt, nirgends wird mir ein Glück erblühen, wie es die schönen Tage der Kindheit im Elternhause gebracht!“ Das schlanke Mädchen im Trauergewand ist wohl zum ersten Mal im Leben genöthigt, unter fremden Menschen sein Brod zu suchen, und da schleicht sich jetzt schon jenes tiefe Weh in ihr Herz, für welches der Deutsche den bezeichnenden Ausdruck„Heimweh“ gefunden hat. Ihr zur Seite aber hält ein alter Jude aus den Ostseeprovinzen mit seinem Töchterchen und beide starren so trübe in die Welt, daß mau wohl errathen kann, sie lassen keine schöne Heimath hinter sich. Als Wandervögel ziehen sie über die Erde und suchen das Glück. Sie scheiden vielleicht ohne Be⸗ dauern, aber wie ein Schatten breitet sich der Gedanke über ihre Seele: „Was bringt uns die nächste Zukunft?“— Wohl dem, der eine schöne Heimath hat, der nicht allein durch die Welt zu jagen braucht im heißen Kampfe ums Dasein.
Mag die Fremde dem Auge viel Schönes und Neues bringen, das Herz des Menschen wurzelt in der Heimath, und ewig wahr bleibt der nordische Spruch:
Besser ist's, im Heimathland
Wasser aus dem Schuh zu trinken,
Als in einem fremden Land
Honigseim aus goldner Schaale. K. E.
Die Granate. Die Einnahme von Schweidnitz durch Friedrich II. am 9. Oktober 1762, wodurch sich das ganze Schicksal dieses letzten Feldzuges des siebenjährigen Krieges entschied, wurde durch einen ganz unbedeutenden Zufall herbeigeführt resp. gefördert. Ein junger, zur preußischen Armee be⸗ rufener Feuerwerker, der eine siebenpfündige Haubitze in der zweiten Pa⸗ rallele bediente, bemerkte, daß auf der einen Seite eines angegriffenen Forts laborirt wurde. Diese Arbeit verrichteten die feindlichen Artilleristen, die bei offener Thür einer den Pulvervorrath enthaltenden Kasematte Kanonen⸗ Kartuschen verfertigten, während die Besatzung des Forts sich, des starken Regens wegen, in die daran stoßenden Kasematten zurückgezogen hatte.— Er richtete daher sein Geschütz nach diesem Punkte, und hatte das Glück, daß die Granate gerade innerhalb des Wallganges vor der Kasematte nieder⸗ fiel, beim Krepieren das Pulver anzündete, und so die ganze Seite mit der Besatzung in die Luft sprengte. Die Festung ergab sich gleich darauf.
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Heldenmüthige Weiber. Im Jahre 1812 nahm der spanische General Goyenochi die im Freistaate Buenos⸗Ayres gelegene Stadt Coshabamber mit Sturm. Dem blutdürstigen Tilly in Magdeburg gleich, wütheten er und seine mordsüchtigen Soldaten drei Tage in der unglücklichen Stadt. Eine Anzahl Frauen und Mädchen waren auf den Wällen mit den Waffen in der Hand gefallen.— Um das Gedächtniß dieser Heldinnen zu ehren, wurden noch bis in letzter Zeit bei den Regimentern, in deren Mitte sie gefochten, bei jedem Appell ihre Namen verlesen, und die Hauptleute der Kompagnien antworteten dann mit gesenktem Degen:„Gefallen auf dem Bette der Ehre für Freiheit und Vaterland!“ II.
Allgemein wurde eine schöne Gegend von einer Reisegesellschaft be— wundert. Ein Mitglied derselben setzte sich zuletzt auf einen Stein, zog sein Frühstück hervor und begann zu essen.„Wie kann man bei einem so entzückenden Schauspiele an das Essen denken,“ rief eine Dame. Die Er⸗ widerung des Essenden lautete:„Mein guter Appetit beweist mir, daß ich mich an diesem Schauspiele nicht s attsehen kann.“ W. G.


