Ausgabe 
5.6.1887
 
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bildet, findet auch auf Kleidern Anwendung.

griff. Ein anderer Schirm aus krausgezogenem,

in beigefarbenem Fond mit schottischen Streifen, in altrosa Grund mit moosgrünen, rothpikotirten Streifen wiederholen. Ferner sieht man eerise⸗ roth, altrosa und strohgelb gemischte Streifen auf céladon⸗, chartreuse⸗ oder nilgrünem Grund orangegelb und schwarzgemischte Streifen auf donau⸗ blauem Grund. Es ist unmöglich, all' die Phantasien in Stoffen und Ar⸗ rangements zu beschreiben.

Aus jenen Kombinationen offenbart sich die Tendenz der Mode, der Geschmack des Tages: das Gemusterte unten, das Einfarbige oben; hier ruft indeß das Leibchen in seinem Ausputz immer das Gewebe des unteren Rockes zurück. Die aus einem einzigen Stoff gefertigten Kostüme werden ebenfalls getragen, aber dieses Ensemble wird dann häufig durch einen abstechenden Einsatztheil unterbrochen: einen Quille aus Spitzen, eine Leiter von Schleifen,

eine Verschlingung von Schnüren oder durch irgend eine andere Originalität.

Die Mode der Bandenden in Form einesSchwalbenschwanzes, welche auf den Hüten einen flatternden, in vielen Farben schimmernden Zierrath Man bereitet Plastrons und Quilles, welche denselben Zweck wie die Schleifenleitern erfüllen.

Im allgemeinen sind zur Garnitur der Sommerkleider drei Arten be⸗ sonders modern: für die Toiletten aus Foulard oder anderer leichter Seide Bänder und Spitzen, zumal der Foulard mit seinen kleinen Musterchen keine schweren Verzierungen vertragen kann, überhaupt deren sehr wenig bedarf.

Man liebt nämlich nach wie vor den Foulard mit Punkten, Erbsen, Ringelchen, winzigen Farrenblättchen, Blümchen ꝛc., weiß oder je nachdem 11 auf otterbraunem, marineblauem, bronzegrünem, goldbraunem, heliotrop ila oder rohgelbem Grunde.

Ich kehre wieder zu den Garnituren zurück. Zu den Kleidern aus Wollenstoffen verwendet man neuerdings viel Soutaches und Wollengalons, Perlenbordüren und Bordürenstreifen, welche letztere aus deml Stoff ge⸗ schnitten. Was nun die Kostüme aus bedruckter Satinette, Elsasser Baum⸗ wollenfoulard, Cretonne, aus Zephyr mit erhabenen Satin-Carreaur, aus gestreifter Baumwollen⸗Faille, aus brochirtem Batist ꝛc. betrifft, so verziert man sie einerseits mit groben, rahmgelben, rohgelben oder ficellefarbenen Spitzen und Spachtelstickereien, andererseits mit einfarbigen Stoff⸗Draperien, besonders rohgelben oder rothen, kurz, in soliden Farben, welche weder durch Wasser und Luft, noch durch die Wäsche leiden. Alles dies ich betone es abermals gilt indeß nur im Allgemeinen, was nicht verhindert, andere Arten von Ausschmückungen zu erfinden oder anzubringen.

Nach meinem Geschmack muß man die Stoffe, welche schön in ihren Farben oder ihrer Qualität sind, nicht durch Garnitur überladen, ebenso wenig wie man in einer Toilette Meter von Stoff zu wahren Packeten von Falten oder Draperien anhäufen darf. Das ist weder einfach noch kleidsam, und die Häuser, aus welchen sehr elegante Kleidungsstücke hervorgehen, wissen diese unumgänglich notk wendigen Regeln des wirklichen Geschmackes zu be⸗ obachten. Eine sehr große Dame wird gut thun, das, was ihre Statur zu viel Emporstrebendes hat, durch weite Draperien abzuschwächen, und eine kleine Gestalt dürfte bei Anwendung des Gegentheils das Richtige treffen.

Man will die mit dem Eisen ausgeschlagenen und ausgezähnten Stoff- garnituren wieder in die Mode bringen. Schon bereitet man Seidenkleider mit ausgeschlagenen Volants, Jaquettes mit ausgezähnten Tuchstreifen, deren man drei übereinandersetzt ꝛc. 5 5

Da ich gerade von dem Jagquette spreche, so möchte ich nochmals darauf aufmerksam machen, daß dessen Ausputz sich immer reicher gestaltet, daß man Passementerien aller Art, Brandebourgs, Patten, Epaulettes, Schnüre mit großen Nestelstiften in Posamentierarbeit, ciselirtem Silber oder anderem Metall dazu verwendet. 3 5 5

Früher habe ich einmal angeführt, daß das Jaquette bei der Frau nicht

u einer geputzten Toilette gehört, wie bei dem jungen Mädchen. Dies schließt aber keineswegs für die sehr elegante Frau die Verbindung des Jagquettes mit einem eleganteren, ja, mit einem werthvollen Kleide aus. s kommt nur darauf an, welche Stelle man demselben in dem Toilettenschatze zudiktirt. Eine Robe aus hübschem Foulard, zum Theil in lebhaften Farben gemustert, zum Theil einfarbig, verträgt sehr gut als Umhüllung ein Jaquette. Hier müßte dasselbe einfach gehalten sein, aber in heller Farbe, von er⸗ quisitem Schnitt, und das eigentliche Cachet würde durch die Qualität der Knöpfe, durch die Stickerei des Kragens und der Manschetten, falls diese von Tuch, bedingt werden, wenn man nicht vorzieht, die beiden letzteren Garniturtheile aus schlichtem Sammet zu wählen. 5 ö

Die seidenen Handschuhe erfreuen sich größerer Beliebtheit als je. Und wir brauchen uns nicht darüber zu beklagen, denn sie sind leichter und an genehmer als diejenigen aus Leder.

Wie im vergangenen Sommer, so stellt man auch für diese Saison die Sonnenschirme in großem Format aus allen möglichen Sommerstoffen her, aus Batist, bedruckter Satinette, brochirter und gestickter Etamine de., noch eleganter aus leichteren und schwereren Seidengeweben: aus bedrucktem Foulard(besonders rohgelber Grund mit großen rothen oder blauen Pastillen), Tussor, Pongee, Brocatelle, Faille, Peking, Moire. Der Schirm aus ge⸗ sticktem Tüll, aus Tüll point d'esprit, aus spanischen Blonden, aus point de Calais, schwarzen Chantillyspitzen, Lyoner Spitzen in sehr feiner und schöner Seide über seidener Unterlage, ist immer in der Mode, elegant und von gutem Geschmack. Und für den praktischen Anzug bleibt der Encas aus Köperseide oder Satin merveilleux, einfarbig, durch weiße Linien ge⸗ gittert, oder weiß und farbig gewürfelt, an der agesordnung. Dies die Haupttypen, deren Varianten unzählbar sind, unmöglich zu zitiren, unnütz zu beschreiben. Ich beschränke mich nur auf ein paar eigenartige Modelle von seltner Eleganz. Der eine dieser Schirme ist aus blaß⸗ rohgelbem, reich gesticktem Tüll über rosaseidener Unterlage; rings um den Rand zieht sich ein gekräuselter Volant aus rohgelbem Tüll point d'esprit, gänzlich überstreift mit Schlingen aus blaßrosa Atlas⸗Kometenband mit Picots, welche wie eine Franse herabfallen. Oben am Schirme befindet sich ein Pompon aus demselben Kometenband. Stock aus einfachem Holz mit ciselirtem Silber⸗ rahmgelbem Creépe lisse

ohne Futter präsentirt oben einen großen, aufgelegten, runden Krepptheil, aber doppelt genommen, so daß also hier eine dreifache Krepplage angebracht, diesen überstreut mit kleinen, seidenen, eingestickten Rosen. Ein entsprechend gestickter, sehr breiter Volant umgiebt den Rand des Bezuges. Der Stock ist ebenfalls aus Naturholz, jedoch mit immenser Kugel aus bemaltem Meißner Porzellan.

Der mit zwei viereckigen Tüchern kreuzweise überlegte Sonnenschirm, welchen man bereits im vergangenen Jahre versucht, wird von neuem als

Phantasie eingeführt.

Lose Blätter.

Das Elend des dreißigjährigen Krieges schildert Gottfried Andreä nach eigener Anschauung.Der elende, betrübte und jämmerliche Zustand in und um Worms, weit und breit kontinuirte, große und unerträgliche Hungers noth, welche dann die eingelagerte Soldateska unglücklich vermehrte; denn die unbarmherzigen Kriegsknechte nahmen alle Nahrung und Lebensmittel. Um das Pferdefleisch haben sich die Menschen gerupft, geschlagen und sogar ermordet. In Summa: es war eine solche Noth, daß auch kein Mensch des andern verschonte, sondern todt schlugen und verzehrten, die Gottesäcker durchsuchten, Gräber aufbrachen, die Hochgerichte 5 70 5 und die Todten zur Speise nahmen: ein Bruder hat die todte Schwester, eine Tochter die todte Mutter ausgeweydet und davon gezehret, also, daß weder die Hiero⸗ solimasche, noch die Saguntinische Hungesnoth baden dieselbe etwas zu rechnen.Im Elsaß, bemerkt das Theatrum Europaeum,schlachtete man die Gefangenen, um sie zu essen. Die Bauern schwärmten, von Haus und Hof vertrieben, in Räuberbanden umher, sahen die Soldaten ohne Unterschied der Partei für ihre gemeinsamen Feinde an und ermordeten ihrer, so viel sie konnten. Im Nassauischen schleppten die Hunde die abgerissenen Menschenglieder auf den Straßen umher ꝛc. W. G.

Wie man in Korea trauert.Es war im Jahre 1883, erzählt der Japanreisende Richard Kunowski:In Folge eines entsetzlichen Sturmes waren wir nach Korea verschlagen worden und mußten an der Ostküste landen. Was mir zuerst in die Augen fiel, war die Tracht sämmtlicher Einwohner, die Beamten mit einbegriffen. Sie waren bis zu den Füßen in graugelbe Sackleinewand gekleidet und hatten hellgelbe, breitkrämpige Hüte auf dem Kopf, an denen Streifen jener Sackleinewand vor den Ge⸗ sichtern herabhingen. Verwundert über die allgemeine Trauerkleidung, fragten wir, wem sie gelte. Da hörten wir, daß dies der Königin wegen geschehe, die ermordet worden sei. Nach einem halben Jahre erschien die Herrscherin jedoch, die sich nur vor der Nachstellung ihres Schwiegerbaters Tai⸗on⸗Knu verborgen gehalten hatte, und so hatte das Volk vergebens getrauert. Wäre sie nicht wieder zum Vorschein gekommen, hätte die Trauer noch sechs Monat dauern müssen. Es ist nämlich Gebrauch, für eine Königin zwölf Monate, für Eltern und nahe Verwandte drei Jahre zu trauern. Während der Trauerzeit darf kein Fest, nicht einmal eine Hochzeit stattfinden. Diese Sitte hat nicht selten im Gefolge, daß Brautschaften zwölf Jahre dauern, und daß auffällig viel Unverheirathete in Korea leben, zumal unter denen, die eine zahlreiche Familie besitzen. In neuester Zeit hat man sich freilich gegen die Trauer geholfen, indem Braut und Bräutigam manche nahe Ver⸗ wandtschaft leugnen, auch die Trauerzeit eigenmächtig verändern. Z. B. Die schöne Braut wird von einer Freundin folgendermaßen interpellirt: Meine Liebe, Sie heirathen morgen, und Ihr Oheim ist vor erst zwei Jahren gestorben.Sie irren, mein Oheim ist vor drei Jahren den Weg alles Fleisches gegangen; denn meine Tante heirathet übermorgen.

a W. G.

Spitzbubenregimenter in Indien. In den Armeen der eingeborenen Fürsten Indiens gab es Regimenter, welche diesen seltsamen Titel führten, in der Landessprache Schodha, welches wörtlich einen Schurken oder Spitz. buben benennt. Diese Regimenter bestanden aus Leuten, die manche Ver⸗ brechen begehen durften, die an anderen mit harten summarischen Strafen geahndet wurden. Für diese Nachsicht bei der Bestrafung mußten sie die gefährlichsten Dinge leisten; sie waren Schanzgräber, bildeten den Vortrab und mußten bei Belagerungen zuerst stürmen, wenn eine Bresche für zweck dienlich angesehen wurde. Wenn sie nicht im Dienste waren, so waren sie völlig Herr ihrer Zeit, konnten gehen, wohin es ihnen beliebte, wobei sie alle Arten von Ausschweifungen verübten, für die sie, große Verbrechen ab⸗ gerechnet, selten zur Rechenschaft gezogen wurden. Da sie wenig oder gar keinen Sold von ihren Fürsten erhielten, bei welchen sie im Dienste standen, so suchten sie auf sede mögliche Weise ihren Unterhalt zu gewinnen, wobei es natürlich an Spitzbübereien und Schurkenstreichen nicht fehlte, für welche sie in einem besser geregelten Zustand anderer Staaten gehängt worden wären. M.

Tugend und Laster. Den Kaiser Napoleon III. bat einst eine Dame, das Tabakrauchen gänzlich zu verbieten, da dieses doch nur ein Laster sei. Ich gebe zu, daß es ein Laster ist sagte Napoleon, der eben seine Zigarre weggelegt hatte,aber dieses Laster bringt Frankreich jährlich hundert Millionen Franks ein. Demungeachtet aber will ich es verbieten, sobald Sie nur die Güte haben wollten, mir eine Tugend zu nennen, welche dem Staate ebensoviel einzubringen verspricht. M.

Treffende Erklärung.Was verstehst Du unter dem Worte: Gesetz? wurde Solon gefragt. Ein Gesetz, war dessen Antwort,ist ein Spinn⸗ gewebe, in welches sich kleine Fließen verfangen, während die großen es

durchbeißen, um wieder davon zu fliegen. M.