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5.6.1887
 
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wenn Du mir ein heißes Eisen in die Brust stießest.

geblieben, hyperromantisch vor ungesunder Idealität und dabei kalt, empfindungslos wie Eis. Es ist nicht wahr, wiederholte er, sich unterbrechend und stieß mit dem Stock zornig auf den Boden,ich habe Dich geliebt!

Sie erröthete vor Unwillen und Scham.Ja, wie ein Schlächter das schutzlose Lamm liebt! Was willst Du von mir? Denke nicht daran, mich einschüchtern oder zu irgend einem Zugeständniß über⸗ reden zu können. Ich verleugne Dich, dessen sei versichert!

Ohne Zweifel, wenngleich es immerhin ein recht fatales Ein⸗ geständniß bleibt, den geschiedenen Ehemann neben sich zu wissen. Wovon lebst Du? rief er plötzlich auffahrend.

Sie sah mit tiefster Verachtung in sein nicht unschönes, aber von wüsten Leidenschaften zeugendes Antlitz und lächelte herbe.Geld willst Du von mir, die Du arm und hülflos zurückließest, nachdem Du meine Mitgift mit Deinen Kreaturen vergeudet hattest? Ich habe kein Geld für Dich, Verbrecher!

Er preßte ihre Hand mit wuthentstellten Zügen.Du solltest das Wort nicht nennen ich könnte mich vergessen! Es ist, als Wenn ich geworden bin, was ich bin, ist's meine Sache. Ich bin jetzt unter einem andern Namen leidlich gut und sorgenfrei, Dein Geld brauche ich nicht. Doch wovon lebst Du?

Eine kinderlose Tante, die Mitleid fühlte mit dem Jammer, welchen Du mir geschaffen, entgegnete sie furchtlos,setzte mich zu ihrer Erbin ein.

Weißt Du, daß ich nach nachdem zwei Jahre in Amerika gewesen bin? fragte er finster.

Nein! Ich habe Deinem weitern Schicksal nicht nachgefragt und werde es auch nie thun. Du bist todt für mich, vielleicht noch schlimmer als todt. Was Du auch unternehmen magst, mir gilt es gleich, und dasselbe Gefühl der Gleichgültigkeit wünsche ich bei Dir mir gegenüber zu sehen. Und damit genug für immer!

(Fortsetzung folgt.)

Verrathener Liebe Ende.

Vorbei war der Liebe wonniger Traum, Zerronnen das Glück wie der sprühende Schaum, Als für des zuckenden Herzens Weh Du suchtest den Frieden in wogender See.

Es trugen Dein letztes verzeihendes Wort Die Winde über die Lande fort.

Verrauscht ist der Sturm und die Wolken flieh'n, Entseelt hat dich Schöne das Meer ausgespien. Der glume gleich, so ruhst Du am Strand, Sein Bild hält umschlossen die todtbleiche Hand. Es raunen die Wogen in grollendem Ton: Weh dem Verräther, ihm wird sein Lohn!

Die Verlenprinzessin. Einem alten indischen Märchen nacherzählt von Ernst Alto.

In uralten Zeiten lag an den Ufern eines großen Flusses im fernen Osten, welcher wegen seiner Größe derStrom der Väter von den Eingeborenen genannt wurde, eine blühende, selbstständige Provinz, Pinontakan genannt.

Dort wohnte vor langen, langen Jahren ein Jaͤgersmann, dessen Name längst verschollen und vergessen ist.

Eines schönen Tages ging dieser mit mehreren Gefährten in den Wald, um zu jagen. In jenen Zeiten war es nämlich Sitte und Gebrauch, daß man gemeinschaftlich jagte, und zwar thaten sich einige Leute zusammen, welche dann eine Jagdgesellschaft bil⸗ deten. Der beste Jager unter ihnen wurde zum Anführer gewählt und die Andern hatten diesem dann unbedingten Gehorsam zu leisten.

Unser Jägersmann wurde seiner Geschicklichkeit wegen stets zum Anführer gewählt.

Eine solche Jagdgesellschaft blieb gewöhnlich lange Zeit aus, manchmal einige Monate, es konnte aber auch wohl ein Jahr

dauern. So blieb auch unser Jager mit seinen Gefährten gewöhn⸗ lich monatelang im Walde.

Als sie einstmals wieder im Walde anlangten, war ihre erste Arbeit, sich einen günstig gelegenen Platz auszusuchen, auf welchem sie ihre Hütte aufschlagen konnten.

Ein passender Platz war bald gefunden und die Hütte schnell aufgebaut.

Nach dem Jagdrechte jener Tage durfte der Anführer für sich das beste und feinste Stück des erlegten Wildes in Anspruch nehmen. Keiner der Andern durfte sich dem widersetzen oder gar damit unzu frieden zeigen. Von diesem Rechte machte auch unser Jäger Ge brauch. Ein jedes Mal, wenn ein Wildschwein, Büffel oder ein Hirsch-Eber erlegt worden war, suchte er für sich denjenigen Theil des Fleisches aus, welcher nach seinem Geschmack der beste war, kochte ihn dann in einem besonderen Topfe und verwahrte ihn an einem verborgenen Platze. Zog die Gesellschaft früh Morgens in den Wald, dann wurde Einer von ihnen ausgewählt, um zurück⸗ zubleiben und in der Hütte die Wache zu halten, damit von ihren Geräthschaften, Kleidern oder gar dem erlegten Wilde nichts ver loren gehe oder entwendet werde. So war es immer Sitte und Gebrauch gewesen. 5

Nun geschah es eines Abends, daß der Jäger wie gewöhnlich gegen Einbruch der Dunkelheit von der Jagd zurückkehrte und das von ihm selbst verborgene Fleisch verzehren wollte. Zu seiner großen Enttäuschung fand er es jedoch nicht mehr vor. Es konnte nur gestohlen sein. Durch wen? Das wußte er natürlich nicht. In seinem Herzen beschuldigte er den Wächter; in dem Glauben, daß dieser das Fleisch genommen habe, sagte er zu ihm: Kein Anderer wie Du hat es genommen!

Der Mann betheuerte seine Unschuld und leugnete hartnäckig, denn er fühlte sich vollständig unschuldig. Trotzdem blieb unser Jäger steif und fest bei seiner Behauptung, der Wächter habe es gestohlen, weil er nicht begriff, wie sonst das Fleisch verschwunden sein könne.

Dreimal hintereinander wurde ihm sein Antheil entwendet, ohne daß er entdecken konnte, wie? Als es dann am vierten Tage wieder geschah, schwur der Wächter in Gegenwart aller seiner Kameraden einen feierlichen Eid, daß er nicht der Dieb sei.

Hierauf entschloß sich unser Jäger, selbst die Wache zu der Hütte zu übernehmen; seine Gefährten schickte er alle in den Wald, um zu jagen. Kaum waren diese fortgezogen, so verbarg er sich in der Nähe der Hütte. Er war noch nicht lange in seinem Ver⸗ steck, als er aus einem in der Nähe gelegenen Bambusstrauch ein junges Mädchen kommen sah, wunderhübsch von Angesicht, welches direkt in die Hütte ging, das Fleisch aus dem Versteck holte und sich hastig damit entfernen wollte.

Unser Jäger hatte kaum die holde Erscheinung bemerkt, als er aus seinem Versteck springen wollte, um sie zu greifen. Ihre Schönheit und Anmuth übte aber einen solchen mächtigen Zauber auf ihn aus, daß er wie festgebannt in seinem Versteck stehen blieb. Als er aus seinem Traum erwachte, war die Erscheinung ver⸗ schwunden.

Seinen Gefährten erzählte er des Abends bei ihrer Rückkehr nichts von seinem Abenteuer. Die ganze Nacht dachte er darüber nach, wer die Diebin wohl sein könne und wie er sie ansprechen möge, ohne sie heftig zu erschrecken. Und anderen Tages schickte er seine Gefährten abermals allein in den Wald. Noch war er nicht mit sich einig, was er thun solle, wenn sie heute zurückkäme, um ihm sein Fleisch nochmals wegzunehmen.

Da er außer einem großen Jäger aber auch ein tüchtiger Musikant war, so nahm er seine Floͤte, setzte sich wieder in sein Versteck und begann zu spielen in der Hoffnung, daß ihm die Musik einen guten Gedanken eingeben würde. bestes Stückchen, als er aus demselben Bambusgebüsch wieder das junge Mädchen hervortreten sah. Aber anstatt in die Hütte zu gehen, blieb es draußen stehen und horchte auf die Töne der Flöte.

Kaum bemerkte unser Jäger, welchen Einfluß seine Musik auf das Mädchen ausübte, so spielte er weiter. Langsam näherte sich die Holde dem Orte, wo der Jäger verborgen war, so daß er nur seine Hand auszustrecken brauchte, um es zu greifen. Jetzt hielt er plötzlich inne mit seiner Musik und trat aus seinem Versteck. Er⸗ schreckt wollte das Mädchen entfliehen, doch er hatte es bereits ge⸗ faßt und fragte:Wer bist Du?

Er blies grade sein

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