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hinein und war verschluckt.
Federmesser das Krokodil von innen zu bearbeiten.
wich fast zerdrückt. Rasch entschlossen, ließ
auf das Knie gefallen.
Maße ernst zu bleiben und sodann auch von seinen Kriegsabenteuern zu erzählen, obgleich er, wie Alle wußten, niemals Soldat gewesen war. Kam ein Dummkopf ihm dann mit einer Frage in die
Quer, wie dies und das möglich gewesen sei, so berief sich mein
Onkel Fritz auf den Forstmeister, und Panzow ließ ihn nie im Stich, sondern stimmte ihm bei, indem er sogleich eine ähnliche That aus seinem Leben erfand.
Eines Tages hatte der Forstmeister erzählt, wie er in Rußland einen Bären mit seinem Taschenmesser überwunden habe, wobei er dasselbe vorzeigte.— Sogleich zog mein Onkel Fritz sein Feder⸗ messer aus der Westentasche und bemerkte einem Ungläubigen:„Wie können Sie zweifeln! Was ich mit dieser Waffe ausgeführt habe—“ hier hielt er das Federmesser hoch—„ist nicht weniger staunens⸗ werth und wahr, als unseres Freundes Erlebniß.“——
„Erzählen! erzählen!“ rief man von allen Seiten, während ein Skeptiker meinte, er habe geglaubt, mein Onkel Friß habe Deutschland niemals verlassen.
Dieser warf ihm einen Blick des Mitleids zu, räusperte sich, ohne auf die Bemerkung des Zweiflers zu antworten, und begann: „Als ich vor zwanzig Jahren bei meinem Freunde, dem damaligen Khedive, zum Besuch war, fragte mich dieser eines Tages:„Alter Sohn, hast Du schon einer Krokodiljagd beigewohnt?“
„Was werde ich nicht?“ lautete meine Antwort.
„Dann halte Dich morgen bereit,“ ließ sich mein Freund, der Khedive, vernehmen.
Am folgenden Morgen zogen wir aus. gepanzerten Eidechsen von sieben Meter Länge aufgetrieben. kam uns entgegen und klapperte unheimlich mit ihren Kiefern.
„Alter Sohn!“ rief mir der Khedive zu:„Willst Du es mit dem Burschen allein aufnehmen?“
Sogleich war ich von meinem Dromedar gesprungen und machte dem Fürsten eine tiefe Verbeugung, während ich mein Gewehr bei Seite an eine Sykomore stellte und versetzte:„Ja, ich will dieses Krokodil sogar ohne Schußwaffen mit einem Federmesser allein be— kämpfen.“—„Thu' s!“ sagte der Khedive.
Unterdessen war das ungeschlachte Reptil so nahe gekommen, daß ich den Ausdruck seiner Augen bemerkte; es sah mich an, als wollte es sagen:„Das ist mir ein guter Braten.“ Ich leugne es nicht, daß ich in diesem Augenblicke gern nach meiner Büchse gegriffen hätte; aber das durfte ich aus point d'honneur nicht. Nun schoß das Krokodil auf mich zu, daß selbst die erfahrensten Jäger einen Schrei des Entsetzens ausstießen. Da half kein Be⸗ sinnen, ich unternehme einen wohl an drei Meter hohen Sprung, bei dem ich mich wende. Das Krokodil schießt unter mir fort, ich komme so auf den Rücken des Thieres, daß ich nittlings sitze. Damit hatte ich gewonnenes Spiel; denn jetzt begann ich meine Kunst des Zureitens bei ihm zu versuchen. Vergebens wälzt es sich anfangs in dem heißen Wüstensande— ich saß fest; umsonst schlug es mit dem Schweife um sich— ich zügelte es.
Der Khedive war entzückt, er rief mir zu:„Vortrefflich, alter Kronensohn! Ganz vortrefflich! Ich werde eine Schwadron Krokodil— husaren errichten, deren Oberst Du sein sollst.“ f
Als die Bestle sich in ihr Schicksal gefügt zu haben schien, ließ ich dem Reptil etwas mehr Freiheit, so daß es den Kopf hob und sich umschaute. Du gewahrte es den Nil. Es begann nun einige Liter Krokodilthränen zu vergießen; dann schoß es voll Heimtücke dem Wasser zu, indem es einen eigenthümlichen Ton, der wie das Weinen eines kleinen Kindes klang, ausstieß. 5
In dem Augenblicke erhoben seine Brüder und Vettern ihre
Bald war eine jener Sie
langen Hechtschnauzen über das Wasser und klapperten vor Ver⸗
gnügen mit den Kiefern, als freuten sie sich des ungebratenen Bratens. Das war ein furchtbarer Moment, in dem meinem Freunde, dem Khedive, die Pfeife ausging. Verlor ich die Be⸗ sinnung, so war ich verloren und wurde mit Haut und Haaren verspeist. Ich verlor sie aber nicht, sondern sprang ab. Die ge⸗ panzerte Eidechse glaubte mich nun sicher zu haben, denn ich war Es rieß seine Kiefern auf, daß sein Rachen wie ein Scheunenthor erschien— zu seinem Verderben; ich schoß Der Rhedive schrie auf, hatte jedoch
keine Ursache sich zu ängstigen; denn jetzt begann ich mit meinem
Ich that den
erst itt, da krampfte sich sein Magen zusammen und hätte 5 1 0 ich dem ersten Schnitt
den zweiten folgen und fuhr so fort, bis die personifizirte Heimtücke bis in das Herz getroffen endete und ich aus dem Innern gesund und munter hervorkam.
„Bravo, alter Sohn,“ rief mein Freund und wollte mir eine Million schenken, woran ihn aber sein englisch-französisches Ministerium hinderte. Die Million habe ich deshalb nicht erhalten, aber das Ministerium seine Absetzung. Ich war die Ursache und mein Krokodilsieg.“
Nach diesen Worten stand mein Onkel Fritz auf, nahm seinen Hut und verließ die Gesellschaft, die ihm lebhaft Beifall klatschte. Der Forstmeister Panzow sah ihm aber kopfschüttelnd nach und sagte: „Schade, daß unser Freund sich das Lügen angewöhnt— ich glaube von der ganzen Geschichte kein einziges Wort.“
Lose Blätter.
New⸗York.(Siehe Illustration.) Es giebt große Hafenorte, wie Neapel, Konstantinopel oder Rio de Janeiro, welche die Metropole Nord— amerikas an landschaftlicher oder pittoresker Schönheit überragen mögen, aber keine Stadt der Welt bietet uns beim ersten Anblick ein so über⸗ wältigendes Bild der Machtfülle, des Reichthums, der Blüthe des Landes und der Größe seines Volkes als Newyork. Wenn der Reisende nach langer Fahrt auf dem offenen Meere den Leuchtthurm von Sandy Hook aus den Fluthen emporsteigen sieht, glaubt er, die ganze Küste müsse flach, kahl und öde sein. Allmählich aber läuft das Schiff in die Lower Bay ein und er gewahrt rechts von dem weiten Wasserbecken das flache aber bewaldete Ufer von Long⸗Island, an dem noch die Wogen des Oceans hinaufrollen und links das anmuthige Staten⸗Island. Die letztgenannte Insel erhebt sich in mäßiger Höhe aus dem Wasser, ist gleichfalls bewaldet, aber an seinen Ufern mit zahllosen Villen und prächtigen Gartenanlagen bedeckt. An manchen Landungsstellen drängen sich die Villen so zusammen, daß man ein Städtchen vor sich zu sehen glaubt, auf der Höhe aber flattern Fahnen von den Thürmen und man vermuthet dort einsame Waldschlösser. Der friedliche idyllische Charakter Staten-Islands wird selbst durch die Batterien des Fort Richmond und Fort Tompkins nicht zerstört, welche die Narrows oder„Engen“, das heißt den Eingang zum eigentlichen Hafen Newyorks beschützen. Hat das Schiff diesen wohlbewehrten Hafeneingang passirt, so gelangt es aus der untern in die obere Bucht und in dieser öffnet sich ihm der Blick auf die gewaltige Metropole des Westens. Die kompakte Häusermasse, welche den Kern dieses ungeheuren Hafenplatzes bildet, liegt auf der Manhattan-Insel, welche rechts vom North⸗River, links vom Hudson begrenzt wird. Aber zur Linken wie zur Rechlken setzt sich in den Vororten Brooklyn und Hoboken die ungeheure Stadt fort und bietet dem einlaufenden Seefahrer ein Panorama von überwältigender Größe und Mannigfaltigkeit. Da steigt das hellrothe Fort Lafayette aus den blauen Wassern des weiten Beckens hervor. Da erhebt sich von dem Bedloe-Inselchen das Riesenstandbild der Bartholdi'schen„Freiheit“, deren Rechte eine Fackel trägt, die weithin mit ihrem elektrischen Licht die Nacht durchstrablt und dem Reisenden wie ein wunderbares Gestirn erscheint; da schimmern ihm die ungeheuren Häusermassen von Jersey Hoboken, New⸗ hork, Brooklyn und Williamsburg entgegen; da drängen sich die Ostindien⸗ fahrer, die Oceandampfer und Dampffähren mit ihren Riesenleibern zu den Landungsstellen hin. Bauten, wie Cityhall, die neue Post, der Marmor⸗ palast des„Newyork-Herald“ und Trinity⸗Church, ragen nur wenig über die ungeheure Häusermasse hervor, aber die Pfeiler der Eastriver„Brücke springen über Kuppeln, Dächer und Schiffe heraus, gleich zwei Giganten über ein Heer von Zwergen. Diese Hängebrücke ist ein Wunderbau der Gegenwart und man staunt bei seinem Anblick und fragt sich, ob Menschen dies Baudenkmal des neunzehnten Jahrhunderts errichten konnten. Im Hafen giebt sich überall die lebhafteste Schifffahrtsbewegung kund; da jagen kleine Lootsendampfer, mit fliegendem Adler auf dem Bugspriet, in das offene Meer hinaus, da ziehen traumhaft die Schooner mit sturmzerfetzter Takelage vorüber, da rauschen Ferry-Boote durch die Fluth, welche schwim. menden Monstre-Hötels gleichen, da brausen mächtige Oceandampfer an dem Standbild der„Freiheit“ vorüber und lassen uns die riesigen Pro⸗ portionen dieses Monuments erkennen: Und je mehr wir uns der Stadt nähern, desto gewaltiger wird die Bewegung, desto größer die Fülle der Erscheinungen. Von der Landungebrücke her vernehmen wir bald ein Brausen, das uns an das Rauschen der Meereswogen im Sturm erinnert. Der Lärm der Millionenstadt dringt an unser Ohr und wenn wir die Quais und Hafenstraßen passiren, so müssen wir uns sagen, daß weder London noch Paris, noch irgend eine andere Stadt der Welt, ein ähnliches Gewühl von Menschen, Wagen und Lastfuhren aufzuweisen hat wie New⸗ york. Dieser Riese des Westens wächst in völlig unheimlicher Weise, ohne etwas von seiner strotzenden Kraft und Lebensfülle einzubüßen. R. E.
Unter den Männern von gutem Appetit ragt ein Gärtner Jakob Kahle aus Wittenberg hervor, der im Volke„Freßkahle“ genannt wurde. Schon als dreijähriger Knabe verschlang er Steine, um seinen Hunger zu dämpfen. Als Soldat mußte er bei Einquartirungen für acht Mann ge⸗ rechnet werden. Zum Frühstück verzehrte er ein Spanferkel, zu Mittag einen Hammel sammt den Knochen. Er ließ sich öffentlich sehen— ein Gegenstück zu unseren jetzigen Hungercelebritäten. W. G.


