Ausgabe 
4.9.1887
 
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wolle, sie mußte sich des Tiefgesunkenen erbarmen. [[Eine oder die andere Gewißheit mußte sie haben, denn sie fühlte, daß sie die Kraft nicht besaß, den jetzigen Stand der Dinge noch länger ertragen zu können. Etisst jetzt fiel ihr ein, daß man sie daheim vermissen könne und rasch wollte sie zurück, als sie in ihrer Nähe kommende Schritte und halblaute Stimmen vernahm. [Eine erklärliche Scheu fesselte ihre Schritte. Statt jedoch, wie sie gehofft hatte, vorüberzugehen, kamen die noch unsichtbaren Wan⸗ derer grade auf das Dickicht zu, so daß Hämmermäuschen kaum noch Zeit fand, sich hinter dem Stamm einer mächtigen Pappel zu verbergen. [Es waren zwei Männer; sie hatten sich auf die Bank gesetzt, und zwar so, daß sie dem Mädchen den Rücken zukehrten. Der eine trug einen grauen Militärmantel mit dunkelgrünem Kragen. So, da sitzen wir so sicher, wie in Abrahams Schoß, lachte der Andere, sich umschauend. Hämmermäuschen zuckte zusammen, denn sie hatte Jost's Stimme erkannt. Eine Weile saßen die beiden 8schweigend neben einander; jeder schien seinen eigenen Gedanken nachzuhängen. Plötzlich richtete der im grauen Mantel sich lang⸗ sam auf. 5500 Francs, c'est beaucoup sein viel Geld, nickte er bedenklich in gebrochenem Deutsch dem Schmuggler zu.

Pah! Ihr kriegt auch viel dafür, gab Jost nachlässig zurück. Der Andere hatte wieder wie überlegend den Kopf gesenkt. Et la garantie für Kelingen? fragte er dann wieder. Jost entgegnete erstaunt:Ei, das bin ich.

Ihr? lachte der Brigadier spöttisch. Ja, ich! warf Jost lakonisch zurück,ich selbst mit Haut uͤnd Haar. Wollt Ihr noch mehr? Wie meint Ihr das? forschte der Andere, seinen Schnurrbart um den Finger wickelte. Ganz einfach so: wenn es mißlingt, so habt Ihr mich dafür, und ich werd', denk ich, auch kein so schlechter Fang sein, he? O! Wir auch sein kanz zufrieden mit Sie, tres content mais, der Ander doch noch lieber Glaub's gern, lenkte Jost ärgerlich ab;aber wie steht's mit dem da? Er machte eine bezeichnende Bewegung mit Daumen und Zeigefinger. 5 Aben wir die Vogel, ab' Douanier. Ah so, ah so steht die Karte! lachte Jost gedehnt.Ja, guter Freund, haltet Ihr denn den Jost für so einen Schafskopf? Was ab' Sie kesakt? fragte der Franzose, erstaunt aufschauend. Was ich gesagt hab', Du welscher Habersack! brummte Jost; dann fuhr er laut fort:Was ich Euch heut' Morgen schon erklärt hab': 250 Franken im Voraus und die andern 250, wenn der Sack zugestrippt wird. Verstandewu? C'est impossible, das können nickt gehen, vermeinte be⸗ 9 stimmten Tones der Brigadier.Sie wird zugeben, daß die Garantie von Sie aben nickt viel Werth, setzte er leicht schmunzelnd bei. [und Eure Garantie? fragte Jost schneidend zurück.Wer bürgt denn mir, ob Ihr, wenn Ihr erst den Vogel im Käfig habt, noch Euer Wort halten werdet? Der Rekierung von die Kaiser 4Die Regierung des Kaisers! schnitt Jost kurz ab und er brach in ein herzliches Lachen aus;ist das die ganze Bürgschaft?

und er lachte noch ausgelassener..

Ah, chien maudit! grollte der Franzmann, an den Säbel fahrend.. ö. Jost bemerkte es.Schöne Mod'! rief er eifrig, in seiner Unschuld also den französischenverfluchten Hund verdeutschend warum macht Ihr mich auch so fuchswild und traut mir nicht? Aber Euer Käsemesser laßt in der Scheide, warnte er kaltblütig, sonst wird aus dem ganzen Handel nichts. Ich hätte so wie 5 gute Lust, dem welschen Spitzbub den Schädel einzuklopfen, brummte er noch hintennach [Das also sein letztes über eine Weile wieder ein. Mein allerletztes, Mus jb! 15 den Rest zum Nachtisch, bestätigte Jost un ein Liedchen vor sich hin.

was

indem er lauernd

Sie die 500 Francs, erklärte der

11

Wort von Sie? lenkte der Douanier

250 Franken auf der Stelle und d gleichgültig pfiff er

Eh bien! seufzte der Andere und zog ein Papier und eine Geldrolle aus seiner Manteltasche.Voila! 5 Gierig riß Jost Beides an sich.Das ist also die Auweisung auf die Zollkasse mit 250 Franken, murmelte er, das Papier von

allen Seiten bedächtig betrachtend. Die Siegel von dem Gouvernement sein darauf, wehrte der

Brigadier ab, als er sah, daß Jost Miene machte, die Rolle auf⸗ zubrechen und das Geld zu zählen. a

Na, für diesmal will ich's glauben, meinte er, indem er die Rolle in sein Wams schob.

Beide erhoben sich.

Also Punkt elf Uhr? vergewisserte sich der Franzose.

Punkt elf Uhr, wiederholte Jost, und er wandte sich schon bachaufwärts, als er plötzlich wieder stehen blieb und seine Hand auf des Andern Schulter legte. 5

Noch eine Bedingung! sprach er langsam und der Douanier fühlte, wie die Hand auf seiner Schulter leise zitterte.Macht ihn nicht todt wollt Ihr mir das versprechen? Er heftete sein Auge wie flehend auf den Franzosen. Der zuckte ungewiß die Achsel.

Es war mein bester Kamerad, murmelte Jost.

Der Andere nickte leicht mit dem Kopf.

Ich danke Euch! Jost ergriff hastig des Zöllners Hand, dann wandte er sich um und stürzte in die Büsche, während Jener sinnend, langsam dem Dorfe zuschritt, von dessen Thurme soeben das Abend läuten herüberzitterte wie ein Nachtgruß auf Nimmer-⸗Wiedersehen.

(Schluß folgt.) a

Lose glätter.

Unter Heinrich VIII. von England wurden nicht weniger als 72 000 Menschen hingerichtet, also in jedem Jahre der Regierung dieses Tyrannen durchschnittlich 2000. Der Kanzler Thomas Morus, bekanntlich auch ein Opfer der Willkür Heinrichs, erzählt in seinen nachgelassenen Schriften, daß man oft Galgen gesehen, an denen mehr als zwanzig Menschen aufgehangen gewesen wären. Diesem Monarchen war es auch vorbehalten, den grau⸗ samsten Parlamentsbeschluß zu bestätigen der je gefällt worden ist. Ein gewisser John Roos, Koch des Bischofs von Rochester, vergiftete einen Topf Fleischbrühe, welcher für die Dienerschaft des Bischofs bestimmt war, unter denen der Koch mehrere Feinde hatte. Aber wie der Zufall spielt, gerade dieser Topf wurde von dem Speiseaufträger einer armen Familie zugesteckt, und mehrere Mitglieder derselben starben in Folge des Giftes. Wunderbarer Weise erklärte das Parlament dieses Verbrechen alsHoch⸗ verrath und verurtheilte den Koch und Alle, die sich künftig dieses Ver⸗ brechens schuldig machen würden,zum Tode durch in's Sieden gebrachtes Wasser. Heinrich bestätigte das Urtheil. Der Unglückliche wurde gefesselt und in eine eiserne Badewanne voll kalten Wassers gesetzt. Unter der Wanne wurde ein Feuer gemacht. Als das Wasser, so berichtet ein altes Dokument, nun immer heißer wurde, schrie der Delinquent so sehr, daß sich die Richter, ja selbst der Henker der Thränen nicht enthalten konnten. Ein späteres Parlament hob den grausamen Beschluß wieder auf. p.

Abfertigung. Ein junger Mann bat eine junge Dame, in eine Fenster⸗ scheibe etwas einzuschneiden, was aus dem Herzen komme. Die Dame er⸗ füllte seinen Wunsch und kritzelte in die Fensterscheibe:

Stets bleib' ich Jungfrau; merken Sie das! So lebt sich's gar zu gemächlich.

Er schrieb augenblicklich darunter:

Sie schreiben des Herzens Entschluß hier auf Glas, Zum Zeichen: er sei leicht zerbrechlich.(Figaro.)

Die bösen Buben. Ein Vater schloß stets seine Ermahnungen an seine achtzehnjährige Tochter mit den Worten:Wenn Dich die bösen Buben locken, so folge ihnen nicht!Aber wenn es die guten thun? fragte

unschuldig das Mädchen. M.

Friedrich V. von Dänemark kam nach Amsterdam. Dort überreichte ihm ein vornehmer Bürger einen Stammbaum, um seine Verwandtschaft mit dem König zu beweisen.Hört, Vetter, antwortete der Monarch, ich bin hier incognito; machen Sie es auch so. W. G.

Ein König von Frankreich, welcher, ist nicht einen tapfern, protestantischen Edelmann überzutreten, und versprach ihm, wenn Sire, erwiderte der echte Edelmann,

Bündige Abfertigung. C gesagt, wollte Herrn von Bougier, überreden, zur katholischen Kirche er dies thäte, den Marschallsstab. D könnte ich meinen Golt für einen Marschallsstab verleugnen, so könnte ich wohl auch für einen weit geringern Preis an meinem Könige Verrath üben.

M.