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prüfen. Da stand ihr Sohn wieder neben dem rohen Fischerknecht, von dem er zu ihrem Aerger immer sprach, als wäre er sein bester Freund! O, sie haßte diesen Menschen geradezu. Es entging ihr nicht, daß Jan eigentlich ein gutes Gesicht habe, und hätte sie nicht begreiflich finden müssen, daß er an ihrem muntern, zuthunlichen Knaben, an dessen Vorliebe für seinen Beruf Freude hatte? Hätte sie ihm nicht danken sollen,
daß er sich seiner dienst— 7e Findg Kelt fertig annahm? Nichts* un d. von alledem regte sich in Aer wWonde 8
Frau Helmich's Herzen. Tief in demselben klagte sie vielmehr mit Erbitte⸗ rung den armen Jan der Verführung ihres Soh— nes zu unerlaubten, wage⸗ halsigen Streichen an, und ihre sonst so wohl— wollenden Züge nahmen einen verdrießlichen Aus- druck an. Sie rief Max zu sich heran und gebot dem zögernd gehorchenden Knaben, an ihrer Seite zu bleiben.
Das heutige Unwetter schien übrigens die Luft zu reinigen, denn am nächsten, dem Sonntag⸗ morgen, lachte die Sonne vom wolkenlosen Himmel herab und alle Wetter⸗ gläser stiegen. Die See, noch immer sanft bewegt, plätscherte lieblich gegen den weißen Ufersand, und über sie hin trug ein leichter Ostwind den er— frischenden Hauch des Meeres. Das gab ein frohes, buntes Leben am Strande. Nicht anders, als sei an einem Tauben⸗ schlag das Thürchen ge⸗ öffnet, flatterte die Schaar der Fremden lustig in's Freie hinaus. Die Kin⸗ der gruben und spielten jubelnd im reinlichen, weißen Sande, und wo zwei Bekannte einander begegneten, grüßten sie sich mit einem frohen Blick.
(Fortsetzung folgt.)
Der mitternächlige rden. Erinnerung an einen Berliner Subskriptionsball. Humoreske von Marie Knauff. „Aber, lieber Piefke, was soll ich denn mit dem kohlschwarzen
Zopf anfangen? Ich bin doch keine Andalusierin; ich bin doch blond, wie es sich für eine deutsche Kommerzienräthin geziemt. Wickeln Sie
den spanischen Haarbusch sofort ein, um ihn wieder mitzunehmen. Ich behelfe mich heute Abend mit meinem alten Chignon.“
„Aber zur Nüance des Vorderhaares paßt er vollkommen—“
„Piefke, Sie sind unausstehlich! Ihr Zopf ist ein Rappen⸗ schwanz— fort damit!“ Mit diesen Worten machte die ungeduldige Dame alle weiteren Diskussionen überflüssig, schleuderte das Streit⸗ objekt dem Friseur mit energischer Bewegung hin und schritt zur Tagesordnung über, d. h. sie ließ sich den alten Chignon anstecken,
In Einigkeit und Harmonie. Originalzeichnung von C. Koch.
und fügte dann noch ärgerlich hinzu:„Wir werden zu spät auf den Subskriptionsball kommen und versäumen die Polonaise; es schlägt eben acht Uhr.“
In dem Toilettenzimmer des Hausherrn wurde unterdessen durch die hilfreichen Hände Johanns der Herr Kommerzienrath der weiteren Vervollkommnung seines äußeren Menschen entgegengeführt. Nur der tadellose Frack hing noch an der Bronzeagraffe des Stehspiegels.
„Johann!“ rief der in Hemdsärmeln befindliche Hausherr plötzlich seinem dienstbaren Geist zu,„ver— giß den Orden nicht. Wo ist er?“
Johann sprang zu einem luxuriös ausge- statteten Toilettentisch und nahm von demselben einen in weißes Papier sorgfältig eingewickelten Gegenstand.„Hier, Herr Rath,“ sagte er,„bei der Bartwichse.“ Damit schickte er sich an, aus der Papierhülle ein läng— liches rothes Sammetetui zu lösen..
„Laß!“ rief wieder der Rath, indem er sich hastig umwandte und wie be⸗ schwörend die Rechte er⸗ hob,„nicht mit profanen Händen berühren! Ich will ihn nachher selbst am Frack befestigen. Stell' das Etui wieder hin. Aber fort von der Bartwichse, Du Hottentotte.“
Johann wickelte das Etui wieder in's Papier und stellte es an den alten Platz.
„Wir hätten ihn mit Putzkalk etwas poliren können,“ meinte er dann, „wer weiß, ob solche Din— gerchen echt sind und nicht mit der Zeit rostig werden. Wie heißt eigentlich der Orden?“
„Schafskopf,“ sagte der Hausherr kurz und ärgerlich die Unterredung abbrechend. g
„Na warte!“ murmelte er, und als er in die Küche kam, erzählte er, sein Herr habe den Schafskopforden erhalten.
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Im Salon des Hauses saßen Eva, des Kommerzienraths einziges Töchterlein, und Vetter Franz, Auskultator und heimlicher Anbeter seines liebreizenden Kousinechens, beide in Balltoilette; sie in lichter Tüllrobe— er im tadellosen Frack.
„Ich gebe Dir mein Wort, lieber Franz,“ sagte die Kleine, heimlich und scheu um sich blickend, ob auch Niemand in Sicht sei, „ich mache mir gar nichts aus dem heutigen Subskriptionsball! Bälle sind Heirathsbüreaux; was soll man dort, wenn man sein Theil hat? Ich nehme nur Dich zum Manne, das ist mein Ulti⸗ matum. Punktum!“
„Süße Eva, Du Kodex all' meiner Glückseligkeit!“ sprach der
zaͤrtliche Auskultator,„ich würde das ganze Jus hingeben, und aus
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Johann war beleidigt..
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