Ausgabe 
2.10.1887
 
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2319..

zusagen weiß, ob dieselbe sich Devise oder deutschen Wörtern

Die Mode der Sammet⸗ Winter mit Diamanten bestich geschlagenen Kragen.

Schon sieht man dieselben schwarzem oder dunkelfarbigem des guten Geschmacks gelten soll farbenem Tüll point d'esprit b

Aber, wie gesagt, das sind

an den hohen Stehkragen fest. Verzierung zu kahl und häßlich allerliebste und geschmackvolle jenigen in rahmgelber Farbe di tragen. Neuerdings ist indeß und Aermel⸗Garnituren in die? Taffet und Faille, mit zwei S Zierrathen oder mit Stahlflitt, dann freilich noch Gold⸗ und S auch für die rahmgelben und an meistentheils die doppelte Blen Schnurpicots und mit kleinen und zur einfachen alltäglichen zierliche und frische Garnituree in bunter Mischung, wiederht Die reizenden rabmgelben wie weißen Spitzenkrausen sind kei bei Seite gedrängt; sie zeigen sich immer in anmuthigen Disposit ca. Momentan liebt man dazu die recht klaren und luftigen schmalen Spitzen in Valencienner und Brüsseler Art wie in antiken Mustern. Die gesuchtesten sind nur Centimeter breit und werden meist in dicke Tollfalten gelegt. Auch der Tüll point d'esprit, jener feine Tüll, der über und über mit Punkten bestickt ist, leiht sich, wie wir gesehen haben, zu allerliebsten Krausen. Ich weiß nicht, ob ich Ihnen schon mitgetheilt, daß derselbe überhaupt zu den wiedererstandenen Nouveautés gehört. Man verwendet ihn, gerade gesäumt oder mit Zäckchenrand versehen, zur Ausschmückung der verschieden⸗ artigsten Wäschegegenstände. Besonders gern wählt man ihn zu den eleganten Unterröcken aus weißem Surah oder weißen Waschstoffen, an welchen er um den unteren Saum, in Form eines ungefähr sechs Centimeter hohen ge⸗ kräuselten oder krausgefältelten Volants, das wolkige und wirre Froufrou bildet, das man so liebt. Ein solcher Volant dient als Stütze der anderen Garnirung, welche, sei es nun ein Surahpolant oder ein gestickter Batist⸗ volant, am unteren Rande noch von einem zwei Centimeter breiten, doppelt genommenen Streif aus Tüll point d'esprit begrenzt wird, so daß dieser Rand auf den Tüllvolant fällt und sich mit ihm mischt. Man bereitet auch farbige Surah⸗Unterröcke mit mehreren Volants, deren jeder mit solchem Doppelstreif aus Tüll point d'esprit abschließt.

Aber wie die Mode sich selten damit begnügt, eine neue Erfindung oder Phantasie einem einzigen Zweck dienstbar zu machen, so hat sie das, was zuerst auf Unterröcken angebracht wurde, auch an anderen Gegenständen versucht: an Kleidern aus Satinette und Andrinople, an Matinéen aus rosa, malvenlila, blaßblauem Surah, an Nacht⸗ und Taghemden, an den mit Banddurchzug garnirten Beinkleidern. Selbst in der Ausstattung für kleine neugeborne Kinder führt man den Tüll point d'esprit ein, zu Mützchen, Kapoten, zur Ausschmückung der Pelerinen, der Steckkissen, der Taufkleidchen, wie zu letzteren selbst ꝛc.

In den Kasinos werden von den verheiratheten Damen reizende Toiletten aus einfarbigem Seidencrepon getragen, fast immer creme, lila, rosa, blaß⸗ blau. Das Unterkleid ist dann aus gleichnüancirter Faille, am unteren Rande garnirt mit mehreren kleinen Volants aus ausgezähntem Tüll point d'esprit oder mit einem ziemlich großen Puff aus demselben Tüll.

Als eine Neuheit gilt auch die Robe aus Tüll mit brochirten Erbsen, welche in allen Farben über einem Unterkleide aus gleichgetönter Seide hergestellt wird. Für junge Mädchen ist indeß einer der kleidsamsten und graziösesten Abendanzüge: das weiße Voilekleid, aufgehoben über einem Rock aus Changeanttaffet.

Eine sehr moderne, einfach⸗geschmackvolle Konzert⸗ Theater- oder Besuchs⸗ toilette für eine Frau, jung oder im reiferen Alter, ist folgende: Rock aus schwarzem Seidenstoff, verschleiert durch Plissevolants aus schwarzem Tüll point d'esprit; hierüber fällt eine Polonaise aus Foulard, schwarzer Grund mit indischen Mustern. Die Aermel, zur Hälfte aus Tüll point d'esprit, zur Hälfte aus Foulard, lassen den Oberarm durchschimmern, und eine plissirte Rüsche aus schwarzem Tüll point d'esprit gestattet dem Oberhals

eine freie Bewegung. N b 5 Es war doch gut, daß ich letzthin nicht gar zu diktatorisch das Ende der Picotbänder verkündete. Wie ich es ausgesprochen: die Faillebänder mit schmalen Atlasrändern, die changirten und die einfarbigen Moirébänder sindspezielle Neuheiten, aber trotzdem hält die Mode an den Picotbändern fest, ja, führt solche mit schmalen gemusterten Picoträndern ein. Und neben diesen Bändern sieht man solche, wie wir sie ebenfalls früher hatten: aus Sammet und aus Plüsch mit Atlaskehrseite, ferner in ganz breitem Maaß⸗ stabe aus Atlas mit feingerippter Faillekehrseite. Und wiederum unter die ersten Nouveautés reihen sich die changirten Bänder mit schmalem Gold⸗ schnurrand und nach der Mitte zu mit zwei Moirestreifen, die satinirten Faillebänder, auf der einen Seite mit breiterem, auf der anderen Seite mit schmalem Moireérand. 5 5 17 Das Jersey- oder Tricotleibchen, in der heißen Saison durch gefällige Blousen aus Foulard, Surah, Satin merveilleus ersetzt, scheint die früher ihm gewährte Gunst im Herbst wieder zu erlangen. Dieses für Viele un⸗ entbehrliche Kleidungsstück leistet fast gleiche Dienste wie das Jaquette; man trägt es auf dem Lande und in der Stadt, auf der Keise und im Hause zu allen Arten von Röcken, besonders zu solchen, welche wa aufbrauchen

acher Weise oder mit deutscher

he man oft großen Toilette im rdert selbstverständlich die um⸗

Herbst⸗Kostümen, hier zwar in oelche Kragen als der Ausdruck ies Plisse aus weißem oder ereme · einen solchen Kragen am Halse. rsuche, und man hält immer noch en aber ohne jegliche Abschluß⸗ ig wirken, hat man wiederum ntstehen lassen, unter denen die

n Sieg über alle anderen davon. aue Nüance für jene Hals- und nen, besonders in Krepp, Foulard, zeihen, mit winzigen Stahlperlen⸗ Diese Zuthaten, zu welchen sich und solche Flittern gesellen, gelten

u Einheftstreifen, welche, wie jene, wahren. Die Bänder mit großen iden ebenfalls dazu Verwendung, t man, zumal für junge Mädchen, aschstoffen, einfarbig und bedruckt

will. Aber das Jerseyleibchen kann niemals das geputzte oder bessere Genre in der Toilette vertreten, so viel Eleganz man demselben durch die Aus⸗ stattung zu geben bemüht ist: durch Soutache⸗ und Perlenstickereien, Brande⸗ bourgs, eine helle Weste oder einen hellen Chemisettheil, eine abstechende Passe ꝛc. Wohl sind diese Garniturtheile von hübschem, jugendlichem An⸗ sehen, aber trotzdem können derartig ausgestattete Jerseyleibchen immer nur einen negligeanken Anzug vollenden, welchen man für das Haus oder des Morgens beim Ausgehen wählt. Als neue Form führe ich die Jerseyblouse an aus fingerbreit gestreiftem Tricot: weiß und roth, weiß und blau, weiß und schwarz, welche an eine entsprechende, indeß quergestreifte Passe ge⸗ kräuselt, ferner die Jerseyblouse, bei welcher die gekräuselten Falten nur auf die vordere Mitte reduzirt sind, hier vom Halse bis zur Taillenbiegung den Schluß einrahmend, und schließlich die Blouse aus dunkelblauem Tricot

mit drei glatten Quetschfalten vorn wie im Rücken und mit großem, um

geschlagenem Kragen, der herzförmig geöffnet. Der letztere wie die Aermel⸗ Aufschläge sind aus blauem Foulard mit weißen Erbsen. Ein dunkelblauer e mit Perlmutterschnalle geschlossen, hält eine solche Blouse zusammen.

Schon macht sich der Herbst, wollen wir auch noch nicht in der Natur an ihn glauben, in den verschiedenartigsten Toiletten⸗Gegenständen bemerk⸗ bar, und es läßt sich mit Gewißheit voraussagen, daß die einfarbigen, vielfach in sich gemusterten und gestreiften, wie die in abstechenden Farben gestreiften Wollenstoffe in den Kleidern herrschen werden.

Man gedenkt die Soutache⸗ Stickerei wieder vielfach anzuwenden: als Bordüre oder als Panneau auf Röcken, ferner auf Leibchen, Schößen, Westen, Plastrons, großen Kragen und Revers rc. Die Soutache wird immer hoch⸗ stehend aufgenäht, und derartige Verschnürungen erfordern selbstverständlich nur einfarbige, ungemusterte Stoffe. Das feine, leichte Damentuch will man dazu besonders bevorzugen.

Von einerHerbstsaison in den Mänteln läßt sich eigentlich nicht gut sprechen. Es sind die Frühjahrs⸗Mantelets undJaquettes, die dann ihr Wiedererscheinen feiern, und nur ganz vereinzelt taucht eine Neuheit auf, wie z. B. die langen Herbstmäntel aus hellbräunlich und aus hellgrau ge⸗ streiften Hennen en Auch in den Regenmänteln giebt sich eine Variante kund; dieselbe gipfelt in der über und über soutachirten Pelerine, welche die anschließenden Regenpaletots aus Tuch vervollständigt.

Lose Blätter.

Aus Kindermund. Der kleine Eberhard kommt aus der Schule, wirft Buch und Schiefertafel auf den Tisch und springt auf den Stuhl, auf⸗ merksam durch's Fenster sehend.Nun, Eberhard, ruft die Mutter,was giebt's denn auf der Straße? Willst Du nicht Dein Vesperbrod?Ach, ich möchte gern den Menschenfresser sehen, der heute kommt.Menschen⸗ fresser? Dummes Zeug, Kind; die giebt's nicht hier.O doch, Mutter, behauptet der Kleine.Der Lehrer hat uns gesagt, heute käme der große Judenfresser,(Cremer wurde erwartet) und die Juden sind doch auch Menschen.

Ein anderes Mal bringt der Kleine, dessen Vater, ein Landwirth, gerade sehr besorgt um die Heuernte war, etwas im Hütchen in's Kinderzimmer getragen.Kind, fragt die Mutterwas bringst Du wieder in Deinem Hut?Das Heu aus meinem Garten, liebe Mutter. Unten fressen es mir die Schnecken.

Dem kleinen Eberhard ist als dreijähriges Kind im Winter erzählt worden, wie die Blumen jetzt schlafen und erst im Frühjahr durch die warmen Sonnenstrahlen erweckt würden. Einige Monate später zeigt sich eine herrliche Kaktusblüthe am Stock im Fenster. Die Pracht derselben mag die Erinnerung an das Erzählte wieder zurückgerufen haben. Leise schleicht er an das Fenster, hebt sich auf die Fußspitzen und sich vorsichtig der Blüthe zuneigend fragt er:Blume, hat Dich auch die Sonne geküßt und hat der Engel gerufen: wach auf?

Fritz und Lieschen haben vor wenig Tagen eine Stiefmutter bekommen und sind bei der Trauung in der Kirche zugegen gewesen. Jetzt spielen sie Beide, noch entzückt von der Festlichkeit, mit dem Baukasten Hochzeit.Das ist die Kirche, das der Altar, erklärt Fritz dem jüngeren Schwesterchen.Aber Fritz. fragt die Kleine, in das Spiel vertieft,wo er denn die Eltern? Siehst Du nicht, Lieschen, zeigt Fritz,die Säule ier das ist die Mama, und der größte Klotz, das weißt Du doch, der größte Klotz ist allemal der Papa.

Aber auch ernstere Fragen beschäftigen das Gemüth der Kleinen und mancher ihrer kindlichen Aussprüche kann uns zu denken geben.Tante, bittet mich vor kurzer Zeit meine kleine, siebenjährige Nichte, welche seit ziemlich einem Jahre die Schule besucht,Tante, darf ich Dich etwas fragen, was mich schon lange quält? Und dabei machte das sonst so lustige kleine Ding ein ganz besorgtes Gesichtchen.Frage nur zu, mein Liebling. Tante, ist es wirklich wahr, giebt es eine Hölle und einen Teufel?

M- tz.

Wie und wo der Dünger zu Ehren kommt. Im schwäbischen Welzheim pflegt manim wunderschönen Monat Mai die stattlich ausgeputztenMai⸗ bäume zu Ehren der Tochter oder des Hausmädchens auf den Dünger⸗ haufen zu stecken, wahrscheinlich weil man hier auf die große Wichtigkeit des Düngers Rücksicht nimmt, den man als den eigentlichen Schatz des Bauers betrachten kann.

Man pflegt dort auch soviel Birken als Rinder, und soviel Tannen als Pferde sich 1 dem Hofe befinden, auf den Dünger zu pflanzen, wahr⸗ scheinlich in der Ueberzeugung, daß ein solches Vorgehen dem Vieh wohl bekomme, wie man in Irland am ersten Maiabend jede Kuh über an⸗

gezündetes Stroh oder Reisig springen läßt. Th B.

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