Ausgabe 
2.1.1887
 
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ihren pekuniären Angelegenheiten wenden wollte, gemacht hatte! Un⸗ willkürlich schlossen sich ihre Augen, ein sonderbares Gefühl überkam sie und als er sagte:Kommen Sie einmal hier an's Fenster, damit ich Sie besser sehen kann, ließ sie sich widerstandslos von ihm hinführen. Er legte seinen Arm um ihren schlanken Leib: Himmel, wie mager und wie bleich sind Sie geworden! rief er jetzt ernstlich besorgt aus,waren Sie krank!

Ein wenig nichts von Bedeutung die veränderte Kost vielleicht. Aber, ich begreife nicht, warum Frau Krüger noch immer nicht kommt!

Ach, lassen Sie doch Frau Krüger und sprechen wir einmal ernstlich. Es geht Ihnen nicht gut, Marie, ich sehe es Ihnen an, sagen Sie mir Alles! Bin ich doch Ihr Freund! Vor allen Dingen aber müssen Sie Zerstreuung haben; Sie sind hier so ganz allein, Sie sehen keinen Menschen, das geht so nicht weiter, das muß ge⸗ ändert werden. Ich kam her, um Sie zu fragen, ob Sie mit mir und einer sehr lustigen Gesellschaft morgen am Neufahrstag eine

Nein, ich bedaure sehr; wenn das Unternehmen von jenem Klub ausgeht, so kann ich voraussehen, daß ich in eine Gesellschaft kommen werde, in die ich nicht hineinpasse.

Aber, liebes Kind, Sie haben ja mich, Ihren treuen Freund, Sie brauchen sich um die Andern garnicht zu kümmern!

Sie mein treuer Freund? Wirklich? fragte sie leise und zögernd und sah ihm forschend in's Gesicht.

Ja, bei Gott, Marie, ich bin Ihr treuer Freund, dessen größter Wunsch es ist, für Sie etwas thun zu dürfen.

Er zog sie fest an sich.

Marie! sprach er leise und innig,es geht Ihnen nicht gut, leugnen Sie es nicht!

Sie schwieg.

Darf ich nicht etwas für Sie thun? Erlauben Sie mir doch wenigstens, Ihnen ein gemüthlicheres Zimmer zu verschaffen und gleich die Miethe für ein Vierteljahr zu bezahlen!

Dorf im Winter.

Schlittenparthie unternehmen wollen. Außer uns würden etwa zehn junge Paare dabei sein. Am Nachmittag um 2 Uhr fahren wir aus der Stadt ich werde Sie mit Vergnügen abholen und im Grunewald steigen wir in irgend einem Lokal ab, um Kaffee und schwedischen Punsch zu trinken. Abends soupiren wir bei Julitz unter den Linden.

Und dann? fragte Marie, als er eine kleine Pause machte. Na, das Weitere wird sich finden! sagte er heiter, ihr von Neuem seinen Arm um die Taille legend.

Nun, was sagen Sie zu meinem Vorschlag? fragte er.

Dieses Unternehmen geht wohl von dem berühmten Klub aus, demfidelen Pfropfen? fragte sie endlich.

Ja, allerdings, erwiderte er etwas betroffen,was wissen Sie von unserm Klub?

Ganz zufällig habe ich durch eine Kollegin von diesem edlen Verein und der projektirten Schlittenparthie etwas erfahren, ihre Mundwinkel zuckten verächtlich,und ohne zu ahnen, daß Sie Mit⸗ glied dieses Klubs sind, richtete ich die Frage an Sie.

Und Sie fahren doch mit, nicht wahr, Marie? Seine Stimme klang wieder so weich, so bittend sie mußte sich zusammennehmen, um ihm antworten zu können:

*

Hastig und leise antwortete sie, wie zu sich selbst:Nein, nein; ich darf es doch nicht annehmen.

Warum denn nicht, bin ich nicht Ihr Freund, Marie?

Sie hob den Kopf und sah ihm fest in die schwarzen, bestechenden Augen.

Wenn Sie ein wahrer Freund sein wollen, dann lassen Sie mich jetzt los, damit ich die Lampe holen kann.

Marie! rief er jetzt leidenschaftlich,Sie sind grausam gegen mich, will ich doch nur Ihr Freund sein, und Sie behandeln mich so kalt, so gleichgültig!

Die eigenthümliche Art und Weise, in welcher Ihre Freund- schaft sich äußert, macht mich aber ängstlich, Herr Glasow! er⸗ widerte sie und versuchte sich von seiner Umarmung zu befreien.

Marie, stoßen Sie mich nicht von sich, ich will Sie auf den Händen tragen, wenn Sie mich nur ein wenig lieb haben wollen.

Seine Stimme bebte vor Erregung; das junge Mädchen zitterte in seinen Armen.

Lassen Sie mich los! bat sie weinend. Sie mich los, ich will die Lampe holen!

Nein, ich kann nicht, ich kann nicht! sprach er jetzt mit heiserer

Bitte, bitte, lassen

Stimme,und wissen Sie warum?

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