Ausgabe 
1.5.1887
 
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N und es bringt eine eigenartige Wirkung hervor, wenn die feinen ssen, durch die klaren Stellen desselben hier und da durchschimmern. arretiere aus schwarzem oder farbigem Band hält den Tüll unten

am Kopf fest. Die Krämpe bleibt unverhüllt, wird indeß mit Sammet

gefüttert, manchmal in Weiß oder Rahmgelb, und die Jarretieère erscheint

dann ebenso. Eine beliebte Neuheit bilden ferner kleine, viereckige Spitzen⸗

tücher:»fichus des Vosges, von jener entzückenden, reinseidenen Spitze, deren breit und groß gezeichnete Dessins den seidigen Glanz so recht her⸗ vorschimmern lassen. Diese Spitzentücherchen, welche es in allen Farben, besonders aber in Himmelblau, Altrosa, vieil or, beige, Kupferroth, elek trischem Grau und, last not least, in Schwarz giebt, werden in ein reizendes Chiffonné oder Gewoge auf Stroh-, Tüll⸗ und Spitzenhüten arrangirt, meistentheils in abstechendem Ton, und aus ihren Wogen strahlt dann oft ein grazibses Schleifenbüschel oder ein Blumenstrauß hervor.

Die Blumen! Wie sind sie zart und lieblich, duftig und anmuthig, die auf den Hüten prangen! Allerdings nimmt man es bei ihnen mit der natürlichen Färbung schon ih nicht mehr so genau, und man läßt rothen und lachsrosa Flieder neben solchem in Weiß und Lila erblühen; vieil or und bronze⸗ nüancirte Mohnblumen neben ihren rothen Gefährten, Ver⸗ gißmeinnicht in Heliotrop⸗Schattirungen und in verblaßtem Rosa neben mattblauen, Rosen in Kupfer- und in grauroth changirten Tönen neben hart⸗ und fleischrosa ꝛc. Hingegen strahlt der Geranium in seinem natürlichen, roth abgestuften Colorit, die Akazienblüthe in Gelb und Rosa. Das Maiglöckchen läßt sich an seinem bescheidenen Weiß genügen; die Hya⸗ 10 75 erscheint gern im rahmgelbem Sammetgewande. Und wenn ich noch ie gelben Blüthen verschiedenartiger Gattung, die Eriken und Primeln betrachte, so sehe ich, daß diese Kinder Floras ihre natürliche Farbe vorziehen.

Man windet die Blumen zu diademförmigen Guirlanden, welche die Passe decken und oben oft noch einen Aigrettenstrauß hervorstrahlen lassen, zu ganz schmalen Guirlanden, welche rings den Hut umkränzen, zu Tuffs, am meisten aber zu größeren oder kleineren Aigrettensträußen, welche zwischen zwei Schleifenbüscheln angebracht werden. Dies ist eins der beliebtesten Arrangements auf Kapotehütchen.

Nun mag es mit der Hutmode für heut genug sein, und wenn wir letzt im Bereich der Frühjahrskleider Umschau halten, so werden wir meine Mittheilungen von letzthin bestätigt finden. Freilich ist seitdem in jenem Bereich Neues und auch schon Bekanntes hinzugekommen. So wird man für die elegante Promenadentoilette die mit Rundschnur oder mit Soutache gestickten Wollenkleider wieder aufnehmen, und zwar heben sich diese Stickereien in etwas dunklerem Ton von dem Stoffe ab. Die Sou⸗ tache ist hierbei nicht etwa platt, sondern an dem einen Rande aufgesetzt, so daß sie hoch steht, und die Stickerei en relief erscheint; zuweilen wird sie noch von einem feinen, matten Goldschnürchen oder Goldfaden begleitet. Man bringt heliotroplila wie moosgrüne Arabeskenstickereien auf rahmgelben Kleidern an, dunkel pistaziengrüne auf heller pistaziengrünen Kleidern ꝛc. Meist umgiebt die Schnurstickerei in der Breite von 16 20 Centimetern den Rock, wiederholt sich dann auf der linken Seite als Quille, ferner auf der Brust und auf den Seitentheilen des Rückens, wie um den Stehkragen und die Aermelmanschetten.

Die weißen oder vielmehr die rahmgelben Promenadenkleider werden sehr gesucht sein, aber, wohl verstanden, nicht in luftigem Gewebe wie Mull, Gaze ꝛc., sondern in Kaschmir, Voile, mattem Créepon, Surah, in Phan⸗

tasiestoff mit Seiden⸗ oder Atlasstreifen, mit Brocheblümchen, mit Damen⸗ brett⸗Mustern in Seide, aber immer ganz Weiß oder Creme im Gewebe.

Für junge Mädchen leiht man derartigen Kleidern oftmals etwas Farbe durch breite Sammetmanschetten an den leicht gebauschten Aermeln und durch einen Sammetstehkragen; Moosgrün und russisches Blau sind dazu sehr begünstigt. 5 5 0

Eine Farbenzusammenstellung; welche schon viele Saisons hindurch zu einer beliebten gehort, erscheint wieder: Mohnblumenroth und Marineblau. Obwohl lebhaft in ihrer Wirkung ist sie doch niemals auffallend oder banal. Sie verschönt die Jugend und leiht ihr einen Glanz, der die Einfachheit

nicht überstrahlt. 5 N a Die Einfachheit! In den elegantesten und reichsten Kreisen giebt sich

die Vorliebe hierfür in der Toilette der jungen Mädchen kund. Freilich durch die Uebereinstimmung der verfeinerten

ewinnt dieselbe dannStil ö Einzelheiten. Die Strümpfe, das Schuhwerk, die Handschuhe werden sorg⸗ einer renommirten Modistin,

fältig gewählt, tadellos sein, der Hut von g welche in dem Chiffonns der Stoffgarnitur, dem Arrangement der Schleife, der Anordnung einer Blume ihre kunstgeübte Hand verräth. Zu all diesen mitNebensachen betitelten Toiletten⸗Artikeln, welche aber in der That als unentbehrliche Vervollständigungs⸗Gegenstände zu betrachten sind, wird dann ein Kleid aus Vigogne, Beige, Wo enbatist oder Voile getragen, ein⸗ farbig oder karrirt, ohne weiteren Ausputz als den des Kleiderstoffes, höchstens mit ein bischen Sammet, das aber durch seine Machart und seine wirkliche Harmonie das Gepräge des guten Geschmackes undChic erhält. Und diese Eigenschaften wird auch das Jaquette verrathen, das die Toilette begleitet.

Noch immer viel Plisseéröcke, ebenso wohl für Mädchen wie für Frauen! Das ift ein großer Vortheil für Diejenigen welche gern ein bischen Phantasie in ihre Toilette bringen. Und die Polonaisen unterstützen diese Varianten, welche mit den 2 8 Tunikas unmöglich sind.

Derselbe Plisserock aus Faille, Bengaline, Foulard oder einem Phantasie⸗ stoff wird, wenn er in guter, richtiger Farbe gewählt, die sich mehreren anderen anpaßt, ebensowohl unter einer Polonaise aus Wolle, wie aus Spitzengewebe oder bedrucktem Foulard hübsch aus sehen. ö 0

Da ich vorhin das Weiß betont, darf ich nicht vergessen, daß dasselbe auch in Tuch eine große Rolle spielt, welches in Westen, Jaquettes, kleinen 1 und Mantelets seinen Ausdruck findet. Man fertigt solche Um⸗ hüllungen ferner aus Tuch in pistaziengrüner, dunkel- heliotroplila und milch⸗

kaffeebrauner Farbe.

Lose slätter.

Das Jahr 1880 ist ein Säkularjahr so vieler(mehr oder minder wichtiger) Erfindungen und Entdeckungen, wie wohl kein zweites. Vor nun gerade zweitausend Jahren, nämlich 120 v. Chr. Geburt, erfand der Grieche Ktehibios die Windorgel, die demnach ein uraltes Instrument ist, das jedoch Jahrhunderte lang nur dem Privatvergnügen einzelner reicher Musikfreunde diente und in den Kirchen erst seit der Zeit des Papstes Vitalianus, d. h. seit 660 nach Chr. Geb., Eingang fand. In das Jahr 780 unserer Zeit⸗ rechnung fällt wahrscheinlich die Erfindung der Geige, welche freilich ihre jetzige vervollkommnete Gestalt erst neuntehalb Säkula später, durch Testatori in Mailand erhielt. 1180 wurde in Europa(zu Palermo) der erste Zucker produzirt, und zwar aus dem durch Araber nach Sicilien verpflanzten Zuckerrohr; hundert Jabre später aber in Deutschland das erste Pergament bereitet und von dem Italiener Magaritone die zwar schon zur Zeit des Perikles in Griechenland(später auch in Italien) bekannte und vielfach an⸗ gewandte, unter den Stürmen der Völkerwanderung aber verloren gegangene, Kunst der Stukkatur⸗Arbeit wieder erfunden. 1480 wurde die Mündung des Gariep(jetzt:Orange-River), des größten Stromes im südlichsten Afrika, entdeckt, und von Chiarascuro die Holzschneidekunst in mehreren Farben erfunden; hundert Jahre später, wahrscheinlich in Nürnberg, die Flinte mit dem alten Radschloß, der sogenannteKuhfuß. Auch wurde 1580, und zwar durch einen Mönch in Pisa, der erste Karmin bereitet und durch Brendel in Sachsen zuerst der, zu vielen Geräthen und Kunstsachen ver⸗ wendete Serpentinstein bearbeitet; desgleichen auch Westgrönland von Neuem aufgefunden. In das Jahr 1680 fallen die Erfindung der Repetiruhr durch den Engländer Barlow und des Chronometers durch seinen Lands⸗ mann Graham, sowie die Entdeckung von Kamtschatka. Das Jahr 1780 endlich sah die Erfindung der Kopirmaschine durch den(als Verbesserer der Dampfmaschinen weltberühmt gewordenen) Briten James Watt; desgl. diejenige des Papiers aus. Lederabfällen durch seinen Landsmann Thield und die Einfübrung der Kreissäge durch Gervinus in Deutschland.

Wie die Geige erfunden wurde. Eine ungarische Sage erzählt, wie eine gegen ihren Sohn aufgehetzte Mutter in 5 Erbitterung ihr Kind auf so lange verwünschte, bis es ihm gelungen, aus einem dürren Holz eine Stimme herauszubringen.

Der Sohn verließ seine Mutter und begab sich traurig in einen Tannen⸗ wald. Hier fertigte er aus Tannenholz die erste Geige, versah sie mit Saiten, setzte sich dann an einen Brunnen und spielte.

Die ihre Bethörung erkennende Mutter hört die süßen Töne, geht hin und spricht:Das ist gewiß mein armer Sohn, erkennt ihn und nimmt den Fluch von seinem Haupte. Th. B.

Eine Wandersage. Zu Schiller's unsterblicher Ballade:Der Gang nach dem Eisenhammer diente, wie es heißt, eine Sage des Elsasses als Anregung. Wie es scheint, wußte übrigens der große Dichter nicht, daß von St. Elisabeth von Portugal, Tochter Pedro's J. und Gemahlin des Königs Dionysius von Portugal, Aehnliches berichtet wird, wie von der schönen und sanften Gräfin von Savern(Zabern). Die Portugiesin wurde nämlich bei ihrem Gemahl einer unerlaubten Neigung zu einem ihrer Pagen verdächtigt, worauf dieser befahl, daß jener in einen glühenden Kalkofen geworfen werden solle, welches Loos jedoch durch wunderbare Fügung den Verleumder traf. St Elisabeth ging nach dem Tode ihres Gemahls in ein Franziskanerinnenkloster, wo sie 1338 starb. Die Kirche feiert am 8. Juli ihren Gedächtnißtag. Th. B.

Döring und die Souffleuse. Es war Probe von Lessing'sNathan in der Provinz. Die Schauspieler waren alle versammelt und warteten auf Döring. Endlich kam er und die Probe begann. Nun ist es wohl bekannt, daß der große Mime, obgleich er jede seiner Paraderollen wohl mehr als hundertmal gespielt hat, doch ohne Souffleur nicht fertig wurde. So auch hier. Er begann seine Szene, und entweder fehlte ihm ein Wort oder aus Gewohnheit blickte er in den Kasten, stutzte, fuhr zurück, blickte wieder hin und wandte sich zum Regisseur mit den Worten:Auf diese Frau kann ich nicht spielen, die stirbt bis Abend; sie hat ja das Fieber im höchsten Grade.Bewabre! antwortete der Regisseur,die Frau sieht immer so leidend aus.Ich gebe Ihnen mein Ehrenwort, die Frau stirbt, sie hat das Fieber! Dabei blieb er, und es kostete Mühe, ihn zu bewegen, weiter zu spielen, wobei er immer ängstlich in den Kasten blickte, vielleicht um jeden Augenblick die letzten Seufzer der armen Frau 5 hören. In⸗ dessen ging die Probe noch vor dem Ableben derselben zu Ende, jedoch hatte die Souffleuse erfahren, daß ihr bleiches Gesicht dem Gaste nicht gefiel, und so schminkte sie sich denn Abends knallrothe Backen. Die Vorstellung be⸗ gann, Döring tritt auf, sieht in den Kasten und bemerkt, wie ihm die Souffleuse mit dem rothen Gesicht selbstzufrieden zunickt. Er erschrickt, spielt aber doch meisterlich wie immer. Sobald er aber in die Koulisse kommt, packt er den Regisseur bei den Schultern und ruft:Was hab' ich Ihnen gesagt? Die Frau stirbt, jetzt ist das Fieber zum Ausbruch gekommen, sie glüht ja, wie ein gesottener Krebs! Lachend erklärte der Regisseur ihm den Grund dieses Erröthens und der große Mime rief lachend:Na, ist das ein verrücktes Frauenzimmer!

Uebersetzung. Ein Schauspieler bemerkte auf einer Probe zu seinen Kollegen:Das Wort Souffleur läßt sich doch gar nicht in's Deulsche über⸗ setzen.Ei, warum denn nicht, antwortete rasch der berühmte Komiker Nestroy,statt Souffleur sage man einfach Kasten⸗Geist. M.