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geschätzt ist, als das aus jenem weichen, schmiegsamen und kühlenden Seiden— stoff, der so einfach und doch zugleich elegant aussieht. Man hat die Foulards in allen Farben, allen Dispositionen; winzige Erbsen, seltsame Arabesken, kleine geometrische Figuren, große Blumen in reizendem Kolorit sind über den Fond gestreut;— jeder Geschmack findet seine Rechnung. Für sehr beliebt gelten rothe und heliotroplila Foulards mit minutiösen weißen Farrenblättern, Champignons ꝛc. Trotzdem herrscht aber eine Genre vor: Das ist der marineblaue Foulard mit kleinen weißen Erbsen, anderen kleinen weißen Musterchen oder mit weißen Streifen.
Dieser wird das Sommerkleid pax excellence abgeben; dazu ein duftiges, schwarzes Mantelet, von Perlen rieselnd, und ein hübsches Kapotehütchen aus grobem Paillasson mit Blumenbüschel.
Man prophezeit indeß, daß die Zusammenstellung von Roth und Blau in den Kleidern nicht minder gesucht sein wird, wie von Marineblau und Weiß. Ich habe ein Kostüm gesehen aus einfarbig blauem Foulard und solchem in rother Farbe mit strohgelben Musterchen.
Der bescheidene Geschmack wird sich freilich den Baumwollenstoffen zu— wenden, unter welchen längst Bekanntes sich in neuen reizenden Auflagen vorführt. Da haben wir zuerst den baumwollnen Foulard, glatt und ge— köpert, mit kleinen Streudessins: Blümchen, Erbsen, Kaffeebohnen, Ringen ꝛc., genau wie die seidenen Foulards. Und derselbe Geschmack wiederholt sich in den Elsasser Cretonnes und den Satinettes, welche vor— e mit marineblauem, rohgelbem und beigefarbenem Grunde, letzterer
on in verschiedenen Abstufungen, erscheinen. Von Rohgelb und Beige heben sich oftmals dunkelblaue oder rothe Musterchen ab. Aus diesen Stoffen wird man anmuthige und praktische Sommeranzüge bereiten, welche unentbehrlich sind, um die Vergnügungen der Villagiatura zu kosten, ohne die Gewissensbisse, ein zu kostbares Kleid zu verderben. Die Mode wird so einsichtsvoll, so vernünftig, indem sie die verschiedenartigsten Dinge in der Toilette gestattet, daß ihre Widersacher, anstatt sie zu schmähen, ja, zu verleumden, bald genöthigt sein werden, ihr Lobeshymnen anzustimmen.
Was die männlichen Widersacher in der gegenwärtigen Mode mit einer gewissen Bitterkeit kritisiren— denn sie verzeihen uns allenfalls noch die hohen Hüte, sind sie nicht gar zu übertrieben— ist die Tournüre. Und mit Recht! Und doch haben wir Alle sie leider annehmen müssen und können uns nicht ganz von ihr lossagen. Aber wann ist denn eine Mode lächerlich, verletzend? Wenn sie im Uebermaaß angewendet wird! Also, meine Damen, ich kann es nicht oft genug wiederholen: lassen Sie uns die Tournüre nur andeuten, um die Kleider⸗Falten oder Wogen zu stützen. Aber hüten wir uns vor jedem Zuviel!—
Milchweiß ist ein neuer Name, einer Farbe zudiktirt, welche weder creme noch weiß. Es ist ein mattes Weiß mit ein wenig bläulichem Hauch, aber nur ganz wenig, welches die Mitte hält zwischen jenen Beiden. Man kleidet darein die Kinder; und die jungen Mädchen, ja, gewiß auch die jungen Frauen dürften es für ihre Sommertoilette zu ländlichen Festlich— keiten, in den Casinos und, je nach dem Stoff, auch zur Promenade am Strande annehmen.
Man gedenkt, milchweiße Wollenkleider mit Hals- und Aermelgarnituren aus Goldetamine auszustatten, welche in zwei Blendenfalten geordnet sind und ungefähr 1 Cent. breit vorsehen. Ueberhaupt findet die Farbe in der⸗ artigen Garnituren wieder Anklang, trotzdem viele Damen Weiß und Créme darin vorziehen. Zu tabakbraunen und marineblauen Kleidern trägt man Hals- und Aermel-Garnituren aus maisgelbem Krepp, zu bronze- und moos— grünen Kleidern granatbraune oder himmelblaue Kreppblenden; letztere harmoniren übrigens fast mit allen Farben.
Großen Beifalls erfreut sich das Gelb; es durchspielt alle Stufen vom Schwefel-, Stroh-, Mais- und Kanarienvogel-Gelb bis zum Goldgelb und Mandarinengelb. Das Gelb kleidet vorzüglich oder es kleidet gar nicht. Man verbot es früher den Blondinen und doch findet man, seit einige Maler von Renommse auf ihren Gemälden die blonden Schönheiten mit Gelb umgaben, daß dasselbe, besonders das Maisgelb, vortheilhaft für sie sein kann:—„sein kann,“ aber nicht immer ist. Man muß die Nüance versuchen, ehe man sie trägt und, bei blondem Haar, sie nicht unter dem Vorwande zurückweisen, daß sie nur den Brünetten steht.
Es ist, vornehmlich zu Genre- oder zu runden Hüten, wieder sehr modern geworden, eine Krapatte zu tragen, aus tulle point d'esprit oder aus schlichtem, seidenen Malinestüll, weiß, ereme, mohublumenroth, gold⸗ gelb vor Allem. Derartige Kravatten werden in fünf Blendenfalten ge⸗
u nter einer genähten Schleife mit Haken und Oesen geschlossen. recht duftig und wolkig, besteht auf der einen Seite aus zwei pufften Schlingen, auf der anderen Seite aus einer solchen
Schlinge und einem Ende, alles durch einen bauschigen Knoten verbunden.
2 vorrückenden Jahreszeit erscheinen auch die hellen Sommer— schirm ad sehr groß, immer in der Entoutcasform, und mit langem Stock versehen, damit sie die hohen Hüte bedecken können, ohne die Arme zu ermüden. Man hat diese Schirme aus beigefarbener oder aus rohgelber Seide, s umkräuselt von einer sehr breiten, leichten Guipüre in derselben
Nüance; 15 Stock ist aus Naturholz, geziert mit einer Schleife in lebhafter Farbe. Andere Schirme sind ganz in Spitzentüll plissirt, aber auch hier herrscht der rohgelbe Ton vor. Dann giebt es Schirme, welche in der Farbe strenge Uebereinstimmung mit der Toilette halten; diese zeigen sich in Seide, gänzlich verschleiet mit Gaze oder Spitzen.
1 Lose Blätter.
Frauen ⸗Sendungen. Die englischen Kolonisten in Amerika, namentlich in Virginien, hatten Mangel an Frauen, weil sie sich nicht mit den Amerikanern vermählen wollten. Endlich faßte man den Entschluß, hundert unge Engländerinnen von achtbarem Charakter nach Amerika zu verpflanzen, f
um sie mit jungen Kolonisten zu vermählen. Neunzig wurden sogleich ab⸗ gesandt, und das Unternehmen hatte sich so vortheilhaft bewiesen, daß man schon im nächsten Jahre abermals sechszig junge Damen übersiedeln konnte, welche unter die jungen Pflanzer vertheilt wurden. Eine Frau wurde anfangs auf 120, später auf 150 Pfund Tabak geschätzt, den man damals mit einem Thaler das Pfund bezahlte. Die jungen Frauen wurden nicht nur mit großer Begierde aufgekauft, sondern mit solcher Innigkeit empfangen und so liebevoll behandelt, daß sie bald Andere einluden, ihrem Beispiele zu folgen. Auf diese Weise dauerten die Frauensendungen mehrere Jahre fort, während welcher Zeit die anscheinende Unanständigkeit dieses interessanten Handels durch die ängstliche Sorgfalt gemildert wurde, mit der man sich über den moralischen Charakter jedes Mädchens erkundigte, welches sich zur Ueberfahrt meldete. 5 M.
Die Liebeslocke. Unter der Regierung Jakobs I. von England wurde es Mode, daß das schöne Geschlecht eine Locke vom Haupte an der linken Schläfe herabhängen ließ. Mau nannte diese Locke die Liebeslocke. Der zelotische Dr. Prynne eiferte gewaltig gegen diese Mode, nicht nur in seinen Kanzelreden, sondern er schrieb auch einen dicken Quartanten darüber unter dem Titel:„Die Unliebenswürdigkeit der Liebeslocke.“ Aber sein Eifer blieb ohne Erfolg. Erst unter Karl J. kam diese Art, das Haar zu tragen, aus der Mode. 1 M.
Eine wohlfeile Kapelle hatte der Landgraf von Hessen, Philipp der Großmüthige. Er zahlte an einen Organisten, einen Vorsänger, einen Chorknaben, sieben Trompeter, einen Thurmbläser und einen Trommel⸗ schläger zusammen 284 Gulden jährlich. Dagegen hatte zu gleicher Zeit der Graf Ernst von Schaumburg die theuerste Kapelle. Hier gab es zwei Kapellmeister, jeder mit 1200 Thaler Gehalt. Die Musiker bekamen jeder 1000 bis 1200 Thaler, und zwar in seidenen Beuteln zum Verfalltermine ins Haus geschickt. Zugleich hatten sie im Dienste eine kostbare, sammetne galonnirte Uniform, eine goldene Kette um den Hals und weiße Federn auf den Hüten— Alles fuͤr Rechnung des verschwenderischen Gef
Das Toleranz-Diner. Die Kaiserin Katharina II. gab sämamtlichen Geistlichen ihrer Hauptstadt einen jährlichen Schmaus, den sie das Tolerauz⸗ Diner nannte. Der Erzbischof Gabriel repräsentirte den Wirth und machte die Honneurs, der Beichtvater der Kaiserin, der Pope Pamphilief, führte die Bedienung an. Bei diesem Bankett, dessen Speisen und Getränke that⸗ sächlich kostbar und zahlreich waren, mußten Einigkeit und Scherz herrschen. Katharina pflegte zu sagen:„Mein Toleranz⸗Diner soll zeigen, wie es in der christlichen Kirche zugehen sollte.“ 8
Napoleon I. und der Uhrenfabrikant. Es war im Jahre 1809, Na⸗ poleon war siegreich in Wien eingezogen, und sollte am 15. August sein Geburtstag gefeiert werden. Eine allgemeine Illumination war anbefohlen worden. Niemand durfte sich ausschließen, doch nur mit Unwillen wurde gehorcht. Am deutlichsten zeigte das der Uhrenfabrikant Kaspar von Abegg, auf dessen Transparent las man mit großer Schrift ZW AN G. Natürlich schäumten die Franzosen, Abegg wurde vorgefordert, daß er seiner Strafe entgegen gehe. Abegg verlor jedoch die Ruhe nicht, sondern erklärte, sein Transparent bedeute Zur Weihe An Napoleons Geburtstage. W. G.
Der Erste, welcher gegen die barbarischen Todesstrafen des Mittelalters öffentlich auftrat, war der Henker von Nürnberg selbst, Meister Dipold mit Namen. Er erschien vor dem Magistrat und schilderte diesem die Seelen— angst der Opfer. Er bekannte frei, daß er Keinen mehr pfählen werde, da es ihm selbst fürchterliche Qualen bereite, wenn er den Pfahl dem Ver⸗ urtheilten durch den Leib treibe. Dieses Auftreten geschah im Jahre 1513. Zwanzig Jahre später sprach er ebenfalls muthvoll gegen das Kueipen mit glühenden Zangen und 1543 gegen die Tortur, die falsche Geständnisse erpresse. W. G.
Wallenstein in Groß-Meseritsch. Es war i. J. 1623. Der kaiserliche Generalissimus Albrecht von Wallenstein befand sich unter kriegerischen Vor⸗ bereitungen zu dem Feldzug gegen die Dänen in Groß-Meseritsch(Mähren). Wie in vielen Nächten stand er einst einsam am Fenster des großen Schloß⸗ saales und beobachtete die Sterne. Die Frage, ob er den Feldzug siegreich enden würde, ging durch seinen Geist. Plötzlich erhielt er einen starken Schlag in den Rücken.„War das eine Antwort auf meine Frage?“ sagte er leise und wagte sich Anfangs nicht umzuwenden. Als er dies doch end⸗ lich that, sah er Niemand. Jetzt befiehl ihn die Geisterfurcht, er fühlte sich krank und ließ seinen Hauskaplan rufen. Ihm vertraute er, was ihm begegnet sei. Der Geistliche wollte von einer natürlichen Erklärung sprechen, aber Wallenstein wollte zitternd davon nicht hören. Am folgenden Tage ließ der Geistliche die Dienerschaft auffordern, ihm mitzutheilen, ob Jemand einen Scherz mit dem gewaltigen Kriegsfürsten sich erlaubt habe. Da trat ein junger Kämmerling zu ihm und bekannte, er habe den Herzog von Friedland für einen Kollegen gehalten. Als er den Schlag gethan, sei er erst gewahr geworden, wen derselbe getroffen. Da sei er auf den Fußspitzen fortgeschlichen. Der Geistliche ging nun zu Wallenstein und theilte ihm mit, was er von dem jungen Manne vernommen habe. Der General war geheilt, aber entsetzlich über den Kämmerling aufgebracht. „Des Todes schuldig!“ lautete sein Wort. Der Unglückliche wurde auch wirklich zum Schaffot geführt. Vergebens hatte man Wallenstein beschworen, ihn zu begnadigen. Erst als der Delinquent die Leiter zum Galgen er⸗ stiegen hatte, befahl der Gewaltige einzuhalten.„Du hast mir Höllen— qualen bereitet,“ sagte er:„ich Dir gleichfalls. Jetzt hast Du genug ge— büßt. Das Leben ist Dir geschenkt.“ W. G.
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