Ausgabe 
30.5.1886
 
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gefügt, das wenige Tage nach Julia's Rückkehr nach Armünde entworfen war, in welchem Ellinor nach ihrer Mutter Tode die Erbin des Vermögens wurde. Weitere Verfügungen sagten, daß ein Großneffe, Otto von Manners, das Gut verwalten solle nach striktester Vorschrift so lange, bis seine Nichte Julia anderweitig darüber verfügen sollte. Der muntere zwanzigjährige Student wurde durch die Forderung seines Großonkels mehr erschreckt als erfreut und konnte erst nach und nach zu einer Einwilligung ge⸗ bracht werden, als Julia ihm freundlich zuredete, den Versuch zu wagen. In einem der geheimen Fächer von des Barons Schreib tisch entdeckte Barthel, als er seines Herrn Verträge und Quittungen ordnen wollte, einen Brief an Julia, welchen er ihr sogleich über brachte. Er war schon vor einiger Zeit geschrieben und lautete unter Anderem so:Du bist sanft und überaus mild, liebe Julia; mit diesen Eigenschaften hält man kein Gut in strammer Ordnung. Otto von Manners, obgleich jetzt noch ein recht dummer Junge, scheint mir die Keime von Energie und Willenskraft in sich zu tragen, die mein Nachfolger haben muß. Probire es mit dem Jungen; ich müßte mich stark irren, wenn in ihm nicht der richtige Mann steckte. Der Rest sind Phantastereien eines alten Mannes. Meine Jugend ist in eine Zeit gefallen, die an den Mann keine andere Forderung stellte wieDreinschlagen; von der Liebe, oder wie Ihr das Zeug nennen möget, habe ich kaum etwas erfahren. Deshalb bin ich wohl auch hier nicht recht orientirt, wenn ich, wie das meine Art von jeher war, jedes Ding und jeden Menschen an seinen richtigen Platz zu setzen mich bestrebte. Otto wird ein wackrer Junge; ich fühle in ihm den Nachfolger, der in mein System hineinwachsen wird, und Ellinor wäre die Frau für ihn. Das ist eine Idee, die mir Freude macht. Verlauten aber darf nichts davon; die Kinder sollen ganz frei in ihrer Wahl sein. Gefallen sie sich nicht gegenseitig, nun so mag das Wetter nicht,

nicht, meine gute Julia, die Kinder sind unabhängig und ich

untersage Dir, Deine Tochter zu beeinflussen. Das Gut und Alles, was ich besitze, gehört nach Dir Deiner Ellinor. Wird sie nicht Otto's Frau, so erhält er eine Entschädigungssumme von 30 000 Thalern, die ihm aus den Kapitalien bezahlt wird; das Gut darf nicht belastet werden.

Julia reichte, schwer aufathmend, Lindner den letzten ihres Onkels. Jener lachte laut, nachdem er gelesen.Nichts Wunderlicheres und Unbegreiflicheres als der Mensch, rief er munter. Der alte Hagestolz, welcher jedem zarten Verhältniß von vornherein den Krieg erklärte, starb mit dem Herzenswunsch, zwei junge Leute, die fast noch Kinder sind, möchten einen Liebesbund schließen.

Wie kann das geschehen? fragte Julia und sah bekümmert in's Thal hinunter.Sie haben wie Geschwister zusammen ge spielt, wenn Otto seine Ferien hier zubrachte, haben sich wie Ge schwister veruneinigt und sind Tage lang bitterböse auf einander gewesen; zwei energische, aufbrausende Naturen, die den Onkel be lustigten, mich aber gar manchmal betrübten. Der Onkel sagt, sie passen zusammen. Das hat mir nie so scheinen wollen.

O laß nur die Zeit walten, Julia, sagte Lindner und schlang den Arm um die zarte Gestalt.Die Gegenwart gehört uns Beiden, wir wollen noch einmal glücklich im Leben sein. Siehst Du sie da drunten im Wiesenthal, die Beiden, die der Onkel für einander be stimmt hat? Siehe nur, wie Otto der Kleinen so gehorsam den Korb trägt, und wie sie nun in laute Freude auszubrechen scheint und mitten in die blumige Wiese kniet und wahrscheinlich Schwämme einsammelt. Ist das nicht schon ein Bild friedlicher, beglückter Häuslichkeit? Nun, sieh mich nicht so betrübt an; wir werden in sieben, acht Jahren wieder einmal von der Sache sprechen.

(Fortsetzung folgt.)

Wunsch

Kleine Frauen-Zeitung.

Die Mode.

Eine Dame, eine treue Abonnentin unserer Zeitung, fragte mich letzthin, wie und wo ich in der gegenwärtigen Zeit immer Stoff für einen monat⸗ lichen Bericht finden könnte.Es giebt keine Mode, sagte sie,denn

Alles ist der Phantasie überlassen und unter zehn eleganten oder einfacheren

Frauen giebt es nicht zwei, welche gleich gekleidet sind. Alles ist in ihren Anzügen verschieden, von der Fußbekleidung bis zur Kopfbedeckung. Wer wird mir sagen, welche Mode mehr Autorität als die andere hat?

derselben ebenfalls manches Mittel zu Gebote.

Unsere liebenswürdige Freundin hatte Recht; und doch konnte ich ihr ant⸗ worten, daß es ungeachtet jener Willkür-Herrschaft leicht wäre, mehr oder weniger hervortretende Tendenzen zu bemerken, welche Einem die Idee geben, was die Mode im Besonderen will.

Nur betreffs der Bauernröcke kann ich nicht in's Klare kommen. Auf der einen Seite sagt man, daß die Mode sie noch gestatte, auf der anderen Seite behauptet man das Gegentheil, indem man das Ende ihrer Herrschaft proklamirt. Die Anhängerinnen rühmen ihre wohlfeile und leichte Machart, welche Jedermann selbst bewerkstelligen kann, indem man die geraden Stoff⸗ bahnen zusammennäht, unten einen Saum, oben krausgezogene Falten aus⸗

führt, die man in zwei, zuweilen sogar bis zu sechs Reihen abnäht, und

das Ganze auf den Fond setzt. So ist der Kleiderrock vollendet. Aber gerade diese Einfachheit in der Ausführung ist es, welche wiederum dem Bauernrock schadet, denn man erkennt nicht mehr die besondere Korrektheit im Schnitt, das besondere Gepräge der Eleganz, und deshalb protestiren die Modisten von Renommée, die vornehmen Damen, gegen diese Mode.

Sie, verehrte Leserinnen, kennen meine Ansicht über dieselbe, und so möchte ich nicht auf deren Unkleidsamkeit zurückkommen. Wie dem nun sein mag: man versucht Varianten mit dem Bauernrock, läßt ihn auf der einen Seite in seinen geraden Falten niederfallen, bringt auf der anderen Seite einen Tunikatheil an und arrangirt ihn im Rücken in leichte Puffen, oder man läßt ihn die Stelle der Tunika oder des oberen Rockes vertreten, in⸗ dem man ihn ein wenig kürzer als den unteren Rock fertigt und ihn nach hinten zu mit Schleifen bauschig aufrafft, oder ihn auf der einen Seite spaltet und den vorderen Theil auf der anderen Seite in Draperien zurück⸗ nimmt ꝛc.; denn die Draperien, welche immer schön und gefällig wirken, erhalten sich auf den Kleiderröcken und sind mit einer gewissen Beharrlich keit wieder erschienen, ebenso und dies führte ich letzthin schon an die plissirten Röcke, welche immer von dem Faltengewoge einer Tunika be⸗ gleitet sind. N

Eine kleine Neuheit in den Kleiderärmeln! Man ziert sie oben auf der Schulter mit einer Bandschleife, welche man auf grazißse Weise chiffonnirt und arrangirt; eine zweite Schleife findet sich unten an der Seite des Aermels wieder, der somit keinen weiteren Ausputz erhält. Man setzt den Aermel immer noch gern in krausen Falten und hoch an die Schulter, und dieses Verfahren wiederholt sich vielfach an den Aermeln der Mantelets.

Das schwarze Spitzenkostüm in Wolle oder in Seide ist als elegante Straßentoilette entschieden angenommen. Man vervollständigt es durch eine kurze Visite aus Perlenstoff mit Spitzengarnituren und durch ein Kapote hütchen aus schwarzem Spitzentüll mit einer Aigrette und einem Vogel aus Jetperlen. Diesesganz Schwarz ist sehr kleidsam und deutet keineswegs Trauer an, zumal es häufig durch den Sonnenschirm belebt wird: den En⸗ toutkas aus schwarzen Spitzen über farbiger Unterlage, oder aus granat rother Faille, oder aus seidener Changeantserge.

Da ich gerade von den seidenen Changeantstoffen spreche, so füge ich gleich hinzu, daß dieselben vielfach als Unterkleider zu den Etamines und den anderen durchbrochenen Geweben verwendet werden. Die Changeant⸗ reflere geben dem Oberstoff unbestimmte Töne, welche von hübschem Effekt sind.

Ich habe also gesagt, daß die schwarzen Toiletten von Neuem begünstigt werden, und sie verdanken ihre stets zunehmenden Erfolge den schwarzen Perlen und den schwarzen Spitzen, welche sie auf eine so elegante Weise verschönen.

Diese Elemente eignen sich auch vortrefflich dazu, um getragene schwarze Besuchs⸗ und Gesellschafts-Kleider, deren Schnitt veraltet, oder deren Aus⸗ sehen hier und da nicht mehr frisch, umzugestalten. Ein mit Perlen ge. stickter Seitentheil(quille) oder ein solches Tablier, oder Einsatztheil aus Spitzen mit Schleifen werden dem älteren Rock eine andere und moderne Physiognomie geben, und die faltenlosen Schnebbenplastrons aus Perlen, oder die leicht bauschigen Schnebbendevants aus schwarzem Seidentüll mit den kleinen auf- und abwogenden Perlengehängen und mit Spitzenrahmen leihen dem Leibchen die gleichen Dienste. Man bringt auch häufig die Aermel in Einklang mit dem Plastron und bereitet sie aus Spitzen oder aus n ein Verfahren, das das Aufarbeiten des Leibchens besonders erleichtert.

Was die rohgelben und rahmgelben Etamines betrifft, welche man im vergangenen Sommer viel getragen, so steht uns für dasNeugestalten

f Einerseits kann man sie, umal bei schöner Qualität, gut reinigen lassen und mit Guipures und 1 Bandschleifen ausschmücken, andererseits sie sorgsam ausplätten und mit dunkelfarbigem Stoff zusammenstellen, was sehr modern ist. Die ma⸗ ronen- und tabakbraunen Nüancen werden gern mit rohgelben Etamines verbunden und geben ihnen etwas Frisches, Neues.

Ueberhaupt sind die tabakbraunen Töne in großer Gunst. Man hat darin entzückende Spitzenstoffe, welche ohne Beimischung eines anderen Ge⸗ webes zu Kleidern verwendet werden. Doch darf ich hierbei nicht die gleich nüancirte Seide vergessen, welche die Unterlage bildet.

Zu den Lieblingsgarnituren auf den wollnen wie den baumwollnen Etaminekleidern gebören die rohgelben Guipures und anderen Spitzenarten, die gestickten Galons, eintönig oder farbig, Genre Kaschmir und die alge⸗ rischen Stickereien, und diesen Zierrathen gesellen sich noch die Streifen in bretagnischer Stickerei zu, welche außerdem an den verschiedenen Kanavas⸗ geweben und den marineblauen Serges Verwendung finden.

Die kleinkarrirten Foulards und die mattbunt-schottischen Surahs liefern uns auch vortheilhafte Mittel, um ältere Kleider der Mode des Tages gemäß umzuwandeln, indem man jene Stoffe mit einfarbigen in Verbindung bringt. Man bedient sich jener karrirten Gewebe zum Rockhesatz oder zum unteren Rock, zum Plastron oder zu den übrigen Garniturtheilen.

Ueberhaupt wird den Foulards, denjenigen mit Batist- wie mit Köper⸗ grund, eine neue Glanzepoche in diesem Sommer bevorstehen. Es giebt kein leichtes Kleid, das von den Pariser Damen in der heißen Saison mehr

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