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Wort, um einen liebenswürdißgen Blick.
zu den
Oberhessischen Nachrichten.
Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden.
Nr. 48.
Gießen, den 28. November.
Künstlergewissen.
Novelle von H. Schobert. Gortsetzung.)
„Haben Sie Hartensteins neues Bild gesehen?“
„Wundervoll! Köstlich! Wahrlich ein Künstler von Gottes Gnaden.“
„Lassen Sie mich doch auch einmal sehen! Mein Gott, das Ge— dränge ist abscheulich. Wenn es nicht ein Hartenstein wäre, dächte ich nicht daran, mich so quetschen zu lassen.“
„Da ist er selbst! Da ist er!“
Niemand in dem großen Saal, der sich nicht bei diesen Worten blitzschnell umsah und den Helden des Tages neugierig, bewundernd, neidisch musterte, der langsam und ohne welche Erregung zu ver⸗ rathen, durch den Saal schlenderte, hier und dort mit Jemand plaudernd stehen blieb, lächelte, nickte, grüßte, wie ein Herrscher, der alle Huldigungen leutselig entgegen zu nehmen gewohnt ist.
Professor Brüning kam auf Hartenstein zu und reichte ihm in ehrlicher Anerkennung die Hand.
„Ich erkenne mich für überwunden,“ sagte er lächelnd,„und gratulire Ihnen zu dem schönen Erfolg.“
„Was soll's kosten, theuerster Professor, kein Preis ist mir zu hoch, Sie wissen, ich hab's ja dazu,“ fragte ein Börsenbaron und klopfte wohlgefällig auf die Tasche seines Beinkleides.
Hartenstein sah ihn spöttisch an.
„Das Bild ist mir nicht feil.“
„Na, Sie werden's überlegen, Professorchen, für sich können Sie ja ein anderes malen. Bedenken Sie das schöne Kapital. Jedenfalls bleibt mir aber das erste Anrecht darauf. Eine Venus zum Küssen, sage ich Ihnen.“ 8
Stolzer wie ein Sieger nach gewonnener Schlacht stand Hartenstein da und ließ sich ehrliche und erheuchelte Anerkennung gefallen, auf
der breiten, klaren Stirn, dem estwas sarkastisch verzogenen Mund
lag der Ausdruck des Bewußtseins, daß, was auch die Menge hier sagen mochte, sie doch niemals melsr als dem Werk, dem Meister gerecht werden konnte. All' die hochmsithige Eitelkeit, die der Professor in sich barg, heut hatte sie indißkret den Schleier gelüftet und lugte unverhüllt aus den triumphirenden Augen.
Und man beugte sich vor 112 man bettelte um ein freundliches
Sie nannten ihn den „Göttlichen,“ und fanden kein nde in der Anbetung ihres Götzen, den sie sich selbst erwählt.
Ermüdet und abgespannt hatte Roland Hartenstein endlich einen stillen Winkel aufgesucht, ein Gefühl der Ernüchterung, des Abscheu's fast hatte ihn ergriffen. Wie erbärmlich kamen ihm auf einmal alle Menschen hier vor, die sich f stießen und drängten und laut und leise schwatzten von den Offenbasfrungen der Kunst, die ihnen so fremd war wie dem Blinden die Färbe. Auf einmal trat ein junger, elegant gekleideter Mann 1 ihn zu und lüftete höflich den Hut.
„Gestatten Sie mir eine Frage, Meister. Phantasie oder nach einem Modell gemalt?“
Roland betrachtete ihn hochmüthig.
„Wer sind Sie, mein Herr, und was berechtigt Sie zu dieser Frage?“
„Verzeihung, daß ich das vergaß,“ antwortete der Erste, ohne sich durch den unfreundlichen Ton abschrecken zu lassen.„Mein Name ist Lord Stratton, und wäre Ihre Venus ein Modell, so würde ich mein Leben daran setzen, es zu finden, selbst wenn Sie mir seinen Aufenthaltsort nicht angeben würden.“
Ein feines Lächeln huschte dabei über die Lippen des Engländers, der sich Hartensteins finstre Blicke richtig zu deuten schien.
„Ich würde es vorziehen, auch die erste Frage Ihrem Scharf— sinn zu überlassen, Mylord, der mir gewohnt scheint, derartige Probleme zu lösen,“ entgegnete er schroff.
Lord Stratton lüftete abermals mit vollendeter Höflichkeit den Hut, während Hartenstein sich brüsk abwandte.
„Ganz wie Ihnen beliebt.“
Aber in dem gedrängt vollen Raum hatte der Eine oder der Andere doch die Frage des Engländers gehört und—
„Ist die Venus nach einem Modell oder frei aus der Phantasie geschaffen?“ flüsterte man sich erst hier und da leise, dann lauter und stürmischer zu. Sie umdrängten Hartenstein mit der Frage, die er mit geheimnißvollem Lächeln zu umgehen suchte, ohne eine direkte Antwort zu geben. Es ärgerte ihn gewaltig, daß man sich über eine Nebensache den Kopf zerbrach, anstatt sich mit der Bewunderung des Geschaffenen zufrieden zu geben.
Gegen Gräfin Olivia, die ihn durch einen Fächerschlag und einen lustigen Anruf an ihre Seite zog, beherrschte er seinen Unmuth nicht länger. 5
„Wie undankbar sind die Menschen,“ sagte er mit finster ge— falteter Stiru.„Wie wenig lohnt es der Mühe, ihnen sein Bestes zu geben. Sind sie nicht alle im Stande, den Schöpfer über seinem Geschöpf zu vergessen! Ja, schon über der Frage, ob jenes Geschöpf wirklich in Fleisch und Blut existirt.“
Seine Begleiterin sah ihn prüfend von der Seite an.
„Und das wundert Sie? Kränkt Sie wohl gar? Ich finde es so natürlich, die erhabensten Kunstgebilde sind nichts im Vergleich zu dem athmenden, rasch pulsirenden Leben, das uns in jedem Athem— zug verwandt ist. Oder, Professor, wären Sie im Stande, auf Ihr Modell eifersüchtig zu sein, wenn es Ihnen, d. h. Ihrer Schöpfung, den Rang ablaufen würde?“
Roland Hartenstein lachte auf, aber ein Ton von mißmüthigem Groll klang hindurch.
„Eifersüchtig, Gräfin? Mein Lebelang habe ich mich mit dem
Ist diese Venus
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