Ausgabe 
26.12.1886
 
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Meine kleine Else? rief Fritz heiter, und im nächsten Moment umfaßten mich seine lieben Arme; da barg ich mein glühendes Ge sicht an seiner Brust und weinte vor Aerger, Freude und Verwirrung, als ob das Herz mir brechen wollte.

Wie ich den Kopf wieder hob, waren der Major und seine Tante verschwunden, Fritz' gutmüthiger Spott und das freundliche Zureden der liebenswürdigen Frau Seltenau hatten mich bald über das Geschehene getröstet.

Ende gut alles gut! Es ist wohl unnöthig noch zu erwähnen, wie Tante Arabella und Großmama, und Richard, Fritz und ich, wir alle große Freunde wurden und noch viel über meinen fatalen Irrthum lachten; aber es war wohl ganz unnöthig, daß Richard nach Monaten, als er mir einen kleinen Goldreif an den Finger steckte und mich um einen Kuß bat, neckend meinte:Du brauchst gar nicht zu thun, als ob Du ihn mir nicht gern gäbest, hast Du doch vor langer Zeit gesagt, es sei köstlich!

Kleine Irauen-Zeitung.

Die Mode verfolgt die Richtung zum Einfachen; das ist eine unläugbare Thatsache. Aber sie schreitet auch weiter auf dem Wege luxuriöser Eleganz und verschmäht selbst nicht die goldene Mittelstraße. Wenn ich meiner persönlichen Neigung nachgeben darf, ist letzteres der Punkt, an dem ich am liebsten Rast mache. Aber ich muß jedem Geschmack Rechnung tragen, kann nicht engherzig an dem Einen festhalten und das Andere außer Acht lassen. Der Luxus gehört zu unserer Existenz; er fördert die Industrie und kultivirt und veredelt in gewissem Sinne den Geschmack, wenngleich er ihn anderer seits auch wieder auf Abwege führen kann. Würde nur immer Dasjenige erzeugt werden, was Jeder als Nothwendigkeit braucht, so träte bald eine Nivellirung in's Gewöhnliche ein, welche mit dem Begriff des Schönen in Konflikt geriethe. Tadeln wir deshalb nicht den Luxus im Reiche der Mode! Es giebt Kreise genug, die ihn beschützen können; nur muß Jeder wissen, wie weit er für sich die Grenze zu ziehen hat.

Nachdem nun die Promenaden⸗Kostüme der Wintersaison fertig gestellt, beschäftigt man sich mit den Gesellschafts- und anderen Abend-⸗Toiletten. Für diese hat man, mit Ausnahme der für den Tanz bestimmten Kleider, die Schleppe wieder aufgenommen. Nicht etwa, daß sie obligatorisch ge⸗ worden, nein, man bereitet für die gleichen Gelegenheiten ebensowohl die runden Roben. Aber die Schleppe erweist sich so kleidsam; sie hat ein so vornehmes Aussehen und giebt dem Ensemble der Toilette eine große Eleganz, 10 deshalb sieht man sie mit gewisser Befriedigung in den Salons wieder erscheinen.

Es giebt drei Arten, die Schleppe herzustellen, erstens: diejenige, bei welcher der Rock mit der nach unten abgerundeten Schleppe in eins ge⸗ schnitten; zweitens: diejenige, bei welcher die Schleppe, die sogenannte Hof schleppe, für sich allein angefertigt und um die Taille über den Rock ge⸗ gürtet wird. Dieselbe, ringsum garnirt, ist die stattlichste und prächtigste von allen, aber auch die schwerste, zur richtigen Entfaltung zu bringen. Die Dame, welche solche Schleppe annimmt, muß die Haltung und das Talent haben, sie zu tragen; sie darf nicht etwa zeigen, daß sie ihr lästig und un⸗ bequem, darf sich nicht unaufhörlich damit beschäftigen, wie sie sich legt, wie sie fällt. Auch erfordert eine derartige Schleppe große, nicht zu über⸗ füllte Räume. Wir kommen nun auf das dritte Genre, welches sich am besten für mittlere Verhältnisse eignet, für praktische Frauen, die jedoch eine einfache Eleganz lieben; es offenbart sich in der Schleppe, welche man den Seiten- unb Rückenbahnen des Kleides unter einer beliebigen Garnirung aufknöpft, so daß das Kleid mit oder ohne Schleppe getragen werden und ebensowohl für Konzerte und Theater, wie für kleinere oder größere Ge sellschaften dienen kann.

Der sogenannte Fond des Rockes hat gegenwärtig eine Weite von 2 Metern 30 oder 2 Metern 40 Centimetern. Er wird, ist er aus Wolle, bei den aus Wolle gefertigten oder den aus Wolle und Seide gemischten Anzügen stets mit einem Streif des Kleiderstoffes besetzt, bei den seidenen Kleidern mit einem diesen entsprechenden Plisse umgeben. Aber die Toiletten aus luftigen Geweben wie Krepp, Tüll, Spitzen, Gaze, Etamine ꝛc. bedürfen am unteren Rande einer Stütze, und so bringt man auf dem Fond, der hier meist aus Seide, ein paar Reihen kleiner gekräuselter und ausgeschlagener Volants aus derselben Seide an, oder diese abwechselnd mit solchen aus Tüll, Gaze oder Spitzen. Man wählt entweder zwei oder vier Volants, etwas voll und tuffig, aber trotzdem leicht, zusammen in der Höhe von 15, höchstens 20 Centimetern.

Ebenso wie an unseren Straßen ⸗Kostümen erhält sich die Mischung der Stoffe an den Gesellschaftskleidern, deren leichte den verschiedenartig plissirten Rock, deren schwere den vague niederfallenden oder den keilförmig geschnittenen Rock zeigen. Plüsch und Sammet sind in hoher Gunst, aber der Atlas verliert nichts von seinen Rechten; er ist ohne Aufhören da, und seine spiegelnden Reflexe verbinden sich auf das glücklichste mit allen anderen Arten von Stoffen. Die so schön und vornehm wirkende Moire findet immer nur vereinzelt Liebhaberinnen; 15 können sich der Ottoman mit seinen groben Rippen und noch mehr die weiche französische Faille der

rößten Erfolge rühmen. Und wenn ich nun noch die verschiedenartigen ammet⸗, plüsch⸗ und brokatgestreiften Seidenpekings ein⸗ mehr⸗ und bunt⸗ farbig und im Genre Jardinsere, die Damaste und Brokate, die Pompadour⸗ stoffe mit ihren kleinen und ihren großen ausgestreuten Blumenmustern nenne, so denke ich, den pompösen Seidenstoffen der diesjährigen Salonmode Genüge gethan zu haben.

Aber der weniger luxuriöse Geschmack, so denk' ich, will ebenfalls zu seinen Rechten kommen! Er wird an den schmiegsamen Seiden-Bengalines, den kleinkarrirten und schmalgestreiften Taffeten, welche auch für junge Mädchen zu empfehlen sind, den Louisines in Grisailletönen und den schon letzthin erwähnten feinen und weichen Wollengeweben Gefallen finden.

Das Gelb und das Weiß sind von der Mode zu besonderen Lieblingen ausersehen worden, erstere in seinen mannigfachen Nüancen wie safran⸗, schwefel⸗, gold⸗, strohgelb, letzteres milchweiß, elfenbeingelb, cremefarben, dieses neuerdings etwas kräftig und sich fast dem Rohgelb(Ecru) nähernd. Wenn ich indeß die verschiedenen Abstufungen hier als hochbegünstigt be zeichne, so schließt dies nicht aus, daß nicht auch noch viele andere Farben beliebt und modern seien. Ich erinnere Sie an die Heliotrop- und Amethyst⸗ Töne, welchen man jetzt den NamenOphelia beigelegt, an die schönen, warmen kupferrothen und braunrothen Nüancen, an Lachsrosa, das in einzelnen Wandlungen alsboréalé, alsaurore boréale erscheint ꝛc. ꝛc.

Was die Leibchen an den Staats-⸗Toiletten betrifft, so werden sie, herz förmig geöffnet oder ausgeschnitten, immer mit langer oder kürzerer Schnebbe und mit sehr kurzem, über den Hüften geschweiftem Schooß versehen. Breite Schärpen aus weicher Seide oder aus Krepp legen sich oft nicht um die Taille, sondern um den unteren Rand des Leibchens, diesen verbergend, und schlingen sich seitwärts ineinander. Dieselben sind besonders bei den jungen, sehr schlanken Frauen und den jungen Mädchen gesucht, und hierzu tragen sie das Leibchen geöffnet über einem Chemisetdébardeur aus grobgefurchter Seidengaze, aus Krepp, Crepe de Chine, Surah, creme oder zartfarbig, das am Halse gekräuselt und vorn herunter von Spitzengewinden umwogt ist und unten bauschig über die erwähnte Schärpe fällt. Zu den eren geöffneten Leibchen, welche man mit entzückenden Fichüs aus perlenfunkelndem Tüll, aus gestickter Spinnwebgaze, aus Spitzen ꝛc. ausfüllt oder mit solchen Draperien umrahmt, bereitet man vielfach die Aermel aus übereinstimmend luftigen Geweben, welche den Arm durchschimmern lassen. Andere Aermel, gleichfalls abstechend vom Leibchen gehalten, sind wiederum gänzlich mit Seiden⸗ oder Perlenstickereien bedeckt, und denselben entspricht dann das herz- oder westenförmige Plastron.

Es ist ein bemerkenswerther Zug der Mode, daß sie sich in dieser Saison den um die Hüften knapp anliegenden und schlanken Kleidern wieder zu⸗ wendet, nur sehr wenig Bauschendes gelten läßt. In diesem Genre arbeiten die Pariser tonangebenden Häuser und unsere ersten Modisten, und wenn sie Paniers anbringen, so sind es nur kleine, leichte Draperien, welche fast die Formen der Hüften zeichnen und dieselben keineswegs breiter oder stärker machen. Der größte Faltenreichthum entfaltet sich auf der Rückenbahn, die entweder in tiefen Hohlfalten niederwallt oder sich wogend aufbauscht.

Der Kopfputz ist wieder erschienen und findet Beifall. Man trägt ihn zu Diners und anderen Abend⸗Gesellschaften, im Theater und in Concerten. Freilich hat man für letztere Orte wieder besondere Hütchen, aber dieselben sind nur den Auserwählten gestattet, welche nebenbei noch viele andere Coif füren zur Disposition haben, und wenn es denn einmal einAufsatz sein soll, so greift die Mehrzahl der Damen lieber zu einem solchen, der sich ver schiedenen Zwecken dienstbar machen läßt.

Obenan für ältere Damen und für Damen, die nicht mehr ganz jung sind, steht ein ganz winziges Häubchen nein, das ist nicht das richtige Wort dafür ein winziges Ding von Spitzen, das die Miniaturform der Haube wohl zurückruft, denn auf beiden Seiten geht je ein halbrunder Theil aus gekräuselten Spitzen nieder: alte Points, Brügger Spitzen, gestickte Spitzen, weiß oder rahmgelb, oder Chantillyspitzen, diese nur in Schwarz gekrönt von einer sich anmuthig neigenden Straußfederspitze oder gehalten von einem koketten Schleifchen, das wie hingeflogen scheint. Federn wie Schleifen liebt man zu jenen Spitzen besonders in Maisgelb, Heliotrop, Moosgrün, Lachs⸗ rosa, Blaßrosa und Mattblau. Dann giebt es das gekräuselte oder chiffon⸗ nirte Spitzenrund eine Art Deckelchen, durchsteckt mit einer werthvollen Schmuckagraffe, einer Bijouterie oder einer Phantasienadel, den Strauß⸗ federpuff mit Reiheraigrette, umflattert von ein paar einzelnen Schleifen, für die Jugend: verschiedenartig gestaltete Schleifen aus 5 6 Cmt. breitem oder aus schmalerem Picotbande mit Perlenagraffe, Perlenzweig ꝛc. Und alsletzte Neuheit präsentiren sich die reizenden und duftigen Seidentüll⸗Rosetten: kleine Nester, umgaukelt von ein paar durchsichtigen Irisschmetterlingen, die oft noch mit Gold gefleckt, oder aus welchen Rosetten Goldzweige mit Wachs⸗ perlen aigrettenartig hervorstrahlen, Blumen herabhängen oder stolz empor⸗ streben. Wie grazibs erscheinen die gelben Tüllrosetten mit ihrem Strahlen⸗ büschel goldenen Hafers, auf welchem sich Schmetterlinge wiegen, die olive Rosetten mit aurorenrosa Heckenrosen und rosa Wachsperlen, die heliotrop farbenen Rosetten mit gleichnüancirtem Flieder, die malvenlila mit roth und gelb panachirten Nelken! Man sieht, es ist Farben-Uebereinstimmung und Farben⸗Contrast in diesen kleinen Coiffüren.

Selten wohl fand eine Kopfhülle eine größere Verbreitung und Beliebt⸗ heit als diebulgarische Capote, welche, indem sie dem Antlitz einen maleri schen, phantastischen Reiz leiht, den Kopf behaglich schützt, ohne die Haar⸗ frisur zu gefährden, und sich dann schmeichelnd um den Hals legt. Die Mehrzahl meiner Leserinnen wird wissen, daß eine derartige Capote aus einem steifen, bandeauartigen Käppchen besteht, überdeckt mit einem fichü ähnlichen Stofftheil, der sich ringsum drapirt und an den Seiten in lange, zugespitzte Enden ausläuft. Man stellt die bulgarischen Capoten aus allen möglichen Geweben her und garnirt sie auf mannigfaltige Weise. Die einen sind aus Surab oder Satin merveilleux oder aus Plüsch, olive, rahmgelb, mohnblumenroth, braunroth, schwarz, dunkelblau, geziert auf dem Käppchen mit einem Netzwerk kleiner und großer Perlen, mit 1 0 Perlenstickereien, Schleifen, einer Vogelphantasie, die anderen aus feinem, leichtem Flanell oder Tricotstoff, das Käppchen hierbei mit Sammet bekleidet und mit Gold oder Silber bestickt oder mit gleichartig bestickten Etamine-Bordüren über legt. Wieder andere Bulgaren-Capoten präsentiren sich in den schönen, matt⸗ glänzenden und großgemusterten spanischen Seidenspitzen, geschmückt mit einer anmuthigen Aigrettenschleife aus Sammetband.