Ausgabe 
26.9.1886
 
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Oberhessischen Uachrichten.

Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden.

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Gießen, den 26. September.

Die Erbin.

Von Josephine Gräfin Schwerin. (Schluß.)

XVII.

rau von Hartwitz stieg, ohne die sie neugierig betrachtenden Kinder zu beachten, die Treppen hinab und schlug nachdenklich den Heimweg ein. Sie fühlte sich von einem tiefen Widerwillen gegen den Abgrund menschlicher Schuld und menschlichen Elends erfüllt, in den sie eben hineingeschaut. Sie hätte es Martina gern erspart, ihr zu sagen: Diese Frau ist Deine Mutter; und dennoch war ihr zuvor so fester Entschluß, ihr diese Begegnung zu verheimlichen, wankend geworden. Die Frau war zum mindesten keine Mörderin, und gerade diese Vorstellung war es, die Martina hauptsächlich ge quält hatte; nur ließ sich nicht Eines sagen und das Andere ver schweigen; welchen Eindruck würde es auf sie machen, wenn sie von ihr das ganze, aus Schuld und Elend zusammengesetzte Lebensbild entrollte, und sie wußte: die so gelebt, ist Deine Mutter.

Als sie ihre Wohnung erreicht, war sie noch nicht klar in sich geworden, was sie zu thun habe, und sie fühlte sich jetzt auch da⸗ durch in die übelste Stimmung versetzt; ihr energischer Charakter ließ sie sonst stets schnell und sicher den Weg finden, den sie für den richtigen hielt, so machte dieser Zustand des Schwankens sie ärgerlich auf sich selbst. Sie ging mit noch stärkeren Schritten als sonst die Treppe hinauf und durch den Korridor und öffnete mit festem Griff die Thür des Zimmers. Kaum daß sie den Fuß über die Schwelle gesetzt hatte, als Martina auch schon vor ihr stand.

Da bist Du endlich, Tante, rief Martina, während ihr Auge mit ängstlicher Spannung an Frau von Hartwitz' Zügen hing.Du bleibst so lange fort, unmöglich kannst Du diese ganze Zeit nur bei dem Bankier gewesen sein. Du verhehlst mir etwas, ich merkte es Dir an, als Du fortgingst, auch jetzt, Du siehst erregt und zornig aus, Du kannst Dich nicht verstellen, Tante, sage mir, um was es sich handelt.

Als Frau von Hartwitz in Martina's erregtes Gesicht, in diese ernsten, fragenden Augen sah, war plötzlich jeder Zweifel gelöst. Sie hatte die Empfindung, daß sie ihr das eben Gehörte nicht verschweigen dürfe, nicht das Recht habe, ihr vorzuenthalten, daß ihre Mutter lebte und in ihrer Nähe war; sie selbst mochte dann über ihr Verhalten entscheiden. 0

Mein Kind, ich habe Dir etwas zu sagen, begann sie, Martina neben sich auf das Sopha ziehend.Ich komme von der Frau, welche uns gestern bis hierher gefolgt war sie fühlte Martina's Hand in der ihren zuckensie hatte mir geschrieben. Sie zögerte einen Augenblick und sah fest in die Augen des jungen Mädchens, von dessen Lippen es jetzt bebend kam:Was ist's mit ihr, sprich.

Sei ruhig, besonnen, Martina: sie ist Deine Mutter.

Ein leiser Aufschrei, sie schlug beide Hände vor das Gesicht und sank in sich zusammen.

Frau von Hartwitz ließ ihr einige Minuten Zeit, sich an den neu und gewaltsam auf sie einstürmenden Gedanken zu gewöhnen, dann fuhr sie fort:Du wußtest, daß Deine Mutter Dir kein Gefühl von Liebe und Achtung einflößen konnte, sie hat dadurch, daß sie Dich früh, noch ehe Du sie eigentlich kanntest, verlassen, auch das Band der Natur, das Euch verknüpfte, zerrissen, Dir ist also jetzt keine Illusion zerstört, mein Kind, dagegen bist Du von einem schmerzlichen Druck befreit Deine Mutter ist nicht die Mörderin jenes Mannes.

Martina fuhr auf.Nicht nicht? Tante, ist es wahr?

Ja, ich habe die Ueberzeugung, denn sie hat sich sonst in ihren Mittheilungen nicht geschont. Du sollst Alles erfahren, willst Du vernünftig sein?

Martina nickte und Frau von Hartwitz erzählte ihr nun kurz und gedrängt, mit Umgehung alles dessen, was nicht unbedingt zur Klarlegung der Thatsachen gehörte, das, was sie eben aus Blanche's Munde erfahren hatte.

Martina's starre Züge waren allmählich weicher geworden, und dann war Thräne auf Thräne über ihre Wange gerollt. Als Frau von Hartwitz geendet, schluchzte sie:Also sie ist keine Mörderin! Ach Tante, wie das wohlthut! Zu denken: an der Hand meiner Mutter klebte Blut, sie hat ein Menschenleben geopfert ihren Mann getödtet, o mein Gott, wie habe ich es nur tragen können! Das Andere ach, es wird so Vieles klar, nun ich weiß, wie sie gelebt hat, ohne Elternhaus, ohne Heimath, ohne Erziehung o, es war von meinem Vater nicht recht gethan, auch er trägt Schuld!

Sie hatte sich erhoben und war, schwer athmend, mit fest in einander gefalteten Händen auf und ab gegangen, plötzlich blieb sie vor Frau von Hartwitz stehen.Tante, lieben kann ich sie nicht, es ist nichts in meinem Herzen, was für sie, als meine Mutter, spricht, aber ich fühle ein tiefes Mitleid mit ihr, sie ist unglücklich, sehr unglücklich es ist meine Pflicht ich möchte zu ihr sie sehen wenn Du mich begleiten willst!

Frau von Hartwitz nickte.Das ist brav von Dir, mein Kind, es soll geschehen.

O Tante, liebe Tante, ich bin so dankbar, trotz alledem, ein schwerer, entsetzlicher Druck ist von meiner Seele genommen nicht das Kind einer Mörderin! Sie sank vor ihr auf die Kniee und während sie ihre Hände mit Küssen bedeckte, brach ein neuer Thränen strom aus ihren Augen.

Es war am Nachmittag desselben Tages, als Frau von Hartwitz und Martina zusammen vor Blanche's Thüre standen. Die Geld summe, welche die Erstere heute Morgen zurückgelassen, hatte auch