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zu den
Oberhessischen Uachrichten.
Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden.
Ur. 4.
Die Schweftern. 5
Von Frida Schanz.
(Fortsetzung.)
Die kurze Strecke von Bamberg bis Hof legten wir in Gesellschaft einiger bayrischen Reiteroffiziere zurück, die es sich so angelegen sein ließen, meinen lieblichen Schützling mit Pferde-, Hunde- und Tauben⸗ sport zu unterhalten, daß ich Zeit und Muße gewann, dem nahen Wiedersehen mit Mariannen, die uns in Hof mit dem Wagen zu erwarten versprochen, entgegen zu träumen.
Dabei überkam mich zum ersten Mal der Gedanke an die ge— waltige, für Zeit und Ewigkeit bindende Bedeutung des verantwortungs— reichen Eides, der mich in kurzer Zeit an die Geliebte fesseln sollte.
Es war mir, als sei ich nach der Aufregung der letzten acht Wochen zum ersten Mal fähig, ruhig die ganze Tragweite des unverdienten Glückes zu ermessen, dem ich entgegenging. Mitten in dem bunten Lärm, den das Rasseln der Eisenbahnräder, das Plaudern der jungen Leute, das melodische Lachen Käte's und das Aufrauschen eines in der schwülen Wärme der Luft erwachenden Wettersturmes verursachte, stellte ich mir zum ersten Mal aus tief— bewegtem Gemüth die Frage:„Werde auch ich sie glücklich machen können?“
Gleich einer beruhigenden Antwort senkte sich im nächsten Augenblick die Erinnerung an die seligen, gemeinsam durchlebten
Tage, an das schöne, verständnißreiche Lächeln Mariannens und den
treuen Blick ihrer sanften Augen in mein erregtes Herz;— mit dem Bewußtsein, daß ihre hochherzige Liebe mir helfen werde, die Hochfluthen des Lebens in gleichem Maße wie die Schwächen des eigenen Herzens zu besiegen, erwachte mir eine große, heiße, fast andachtvolle Sehnsucht nach ihr.
In das Tosen des Sturms und das Donnergrollen, das sich,
ehe wir Hof erreichten, von Minute zu Minute steigerte, mischte ich,
weit aus dem Fenster gebeugt, leise und ungehört ihren Namen.
Nur in Anbetracht alles dessen vermag ich mir jetzt die große, beklemmende Enttäuschung zu erklären, die ich empfand, als statt des theuren, ersehnten Angesichts nur das behaglich grinsende Antlitz Görgs, des Kutschers, uns in Hof begrüßte. Selbst das Briefchen, das mein Mädchen mir durch den gemüthlichen Boten übersandte und das nebst den herzlichsten Liebesworten die Nachricht enthielt, daß sie leider der vielen eingetroffenen und noch erwarteten Gäste wegen das Haus nicht für einen ganzen Tag verlassen könne, ver— mochte den thörichten Unmuth, der mich mit einem Male übermannte, nicht ganz zu verscheuchen.
Und doch entströmt jenem Brief ein holder, warmer Liebeshauch, der ihn heute noch, da das Rosenroth des Papiers verblaßt und sein Veilchenduft verweht ist, zum rührendsten Ausdruck einer fein— gestimmten Seele macht.
„Während ich schreibe, fahren die Erwarteten in den Hof,“ heißt es am Schluß,„ich könnte ihnen wirklich böse sein,— wenn
es nicht eben Hochzeitsgäste wären, Hochzeitsgäste, deren Dasein mich zwingt, an die Wirklichkeit dessen zu glauben, was mir noch wie ein Traum erscheint. Siehst Du, wie meine Hand zittert?— Ich liebe Dich so sehr und freue mich so unendlich, Dich wieder zu sehen.“—
Wie ich aus so warmen, schönen Worten etwas anderes als Glück herauszulesen vermochte, verstehe ich heute kaum,— und doch muß mein Gesicht deutlich den Stempel einer sorgenvollen Ver— stimmung getragen haben, denn während ich, an einen Pfeiler des Perrons gelehnt, den Brief durchflog, legte sich eine zarte Mädchen— hand auf meinen Arm und eine theilnahmsvolle Stimme sagte:
„Ist Marianne krank, daß Du so traurig aussiehst?“
Jene Worte gaben mich mir selbst wieder.
„Nein, Kätchen, Gott sei Dank, nein,“ gab ich aufathmend Antwort.
„So komm und nimm Dich unserer Koffer an. Görg mag die Pferde nicht so lange einem anderen überlassen,“ bat sie munter.
„Wie ungastlich, daß man uns hier mit Blitz und Donner em— pfängt.— Da ist mein Recipiß, ich werde im Wagen auf Dich warten.“
Als ich fünf Minuten danach in Begleitung eines stämmigen Gepäckträgers die Stufen der Wartehalle hinabschritt, sah ich sie graziös und stolz neben Görg auf dem Kutschersitz thronen und die Zügel der beiden edlen Rappen halten.
„Ich werde kutschiren,“ rief sie mir mit blitzenden Augen zu.
„Aber Käte—“ warf ich zögernd ein.
Du hast Recht, es ist nicht ganz lady- like, zum mindesten müßte es ein Gig sein,“ sagte sie mit reizendem Erröthen, während sie die Zügel dem Alten zuwarf und sich mit einem flinken Sprung von ihrer Höhe herniederschwang.„Aber mein Gott,“ fuhr sie in demselben Athem fort, auf den herankeuchenden Packer deutend, „was ist das für ein Pappsarg, den er unter dem Arm trägt? Gehört er Dir? Wo sollen wir das lange Ungethüm unterbringen?“
„Es verdient den schönsten Platz im Wagen, denn es enthält das reizendste und duftigste Geheimniß,“ sagte ich.
„So legen wir's über den Rücksitz, und Du zeigst mir beim Fahren seinen Inhalt!“
„Schwerlich,“ sagte ich mit leisem Lachen.
„O, sicher wirst Du,“ entgegnete sie mit schelmischem Blitzen ihrer großen Augen.
Unter dem Aufzucken der blauen Blitze, die das Gewölk während unserer Fahrt durchkreuzten und die Käte auch nicht die leiseste Spur von Besorgniß einflößten, mußte ich wirklich einen Theil der Bindfäden von dem„Pappsarg“ lösen, und ihr unter einer auf— gehobenen Ecke des Deckels einen Blick auf das Geheimniß preis
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