Ausgabe 
23.5.1886
 
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ihm wieder der junge Herr

Vermögen nach Gutdüren verwalten läßt und nie mit mir darüber spricht, antwortete ste n einem Tone, der Lindner mißfiel. Er ging und wider Zillen drängte sich ihm die Frage auf: des seine Adeline, die ihn so eifersüchtig geliebt hatte, daß Frau nichr gönnte, um Welt, wie sie selbst sich gegangen? Etwas 90 er sagte sich, daß wohl irgend eine Unanney e ung den Empfang verdorben und ihn in seinen Erwartungen scht habe. Seine unruhige, übersprudelnde Adeline konnte unmöglich zu der ruhig kühlen vornehmen Dame geworden sein, die Lindner vor sich ge⸗ sehen; ihr Herz mußte ihm gegenüber aufthauen, wenn nur wieder einmal die Wärme, die zwischen ihm und seinem Kind bestan⸗ den, sie ganz durchdrang. Am nächsten Morgen um elf Uhr erschien er wieder in dem prunk haften Hause. Als er die Treppe hinauf ging, begegnete

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mit der gebräunten Gesichts farbe, den er schon am Tage vorher gesehen. Wieder grüßte jener sehr höflich und verließ das Haus. Diesmal fand Lindner den Lord im Salon; Beide standen sich einen Au genblick gegenüber und dann erst erkannten sie sich gegen seitig.

Das ist ein ganz unver⸗ hofftes Vergnügen, versicherte der Lord mit ausgesuchter Ar tigkeit;welche Ueberraschung für Lady Graham, oder war dieselbe von Ihrem Vorhaben benachrichtigt?

Wir haben uns schon gestern Abend gesehen, erklärte Lind ner und betrachtete den Gatten seiner schönen jugendlichen Tochter, der Alles gethan, was die Kunst vermag, um die Spuren des Verfalls zu über decken.

Benachrichtigen Sie Mi lady von der Ankunft des Herrn Papa's, rief der Lord einem Bedienten zu, und als dieser gegangen war, warf er leicht hin:Der kleine Conte Pec catti wird bei Adeline sein;

ein guter Junge, der hier und da ein wenig lästig wird, den

man aber nicht so ohne Weiteres abschütteln kann.

Lindner glaubte zu verstehen. Wahrscheinlich ein junger un⸗ erfahrener Mensch, den der Spieler brauchen konnte; vielleicht ein Gläubiger, und seine arme Adeline mußte sich in die Lage der Dinge fügen. Der Conte that dem Lord gewiß nicht zu wehe, dessen Erscheinung, dessen verschwommene Augen genug von den durchwachten Nächten erzählten. Nach einigen Augenblicken erschien Adeline in reicher ausgewählter Morgentoilette mit langer Schleppe. Sie warf einen schnellen forschenden Blick auf die beiden Männer, begrüßte ihren Vater und reichte dem Lord ihre Hand, die dieser flüchtig seinen Lippen näherte. Der Diener öffnete die Thür nach dem Speisesaal und die schöne Frau legte den runden weichen Arm in den Arm ihres Vaters und schritt mit ihm durch die Reihe der Zimmer; der Lord folgte. Es war ein prunkvoll servirtes Frühstück, an eine intime Unterhaltung war nicht zu denken, denn die Diener schritten um sie herum. Einmal richtete der Lord eine Frage an seine Frau in italienischer Sprache und sie antwortete in derselben Sprache mit sprühenden Augen und verächtlich zusammen⸗ gezogenem Munde. Lindner schien es, als wäre der NamePeccatti

was ihr doch zukam?

Toby Nosenthal.

vorgekommen. Ueberhaupt machte ihm das eheliche Verhältniß einen peinigenden Eindruck; es herrschte eine gewisse Gereiztheit zwischen Beiden. Als die kleine Gesellschaft nach dem Frühstück wieder in den Salon zurückgekehrt war, schleppte sich die Unterhaltung über nichtssagende Dinge dahin. Lindner blieb, bis der Diener Besuche ankündigte, dann aber stand er auf, verdrießlich, mißgestimmt, seiner Tochter wieder so ferne geblieben zu sein. In Gegenwart des verlebten alten Lords hatte er das trostlose Gefühl, als sei seine Tochter unwiederbringlich für ihn verloren. Man hatte ihn nicht aufgefordert, am Abend wiederzukommen, und so blieb er, allein in dem Zimmer des Gasthofes, doppelt trostlos, da er seine Tochter so nahe wußte.

Am folgenden Tage schlenderte er bei dem frischen hellen Wetter in den Straßen Berlin's um⸗ her; er wollte wenigstens war⸗ ten, bis es zehn Uhr geworden, ehe er zu seiner Tochter ging. Ein Wagen fuhr an ihm vor⸗

darin? hatte derselbe sich nicht eiligst in den Hintergrund zurück gebeugt, als er seines Schwiegervaters ansichtig ge worden?

Desto besser, dann finde ich meine Tochter wenigstens allein, dachte Lindner und kehrte um. Da begegnete er einem seiner Gutsnachbarn; derselbe hatte ihm so viel zu erzählen, warum er in Berlin sei; ganz im Geheimen wollte

er es ihm unter den Linden, wo sie sich gerade befanden, bei einem guten Glase Wein mittheilen: Es handelte sich um eine Heirath des Sohnes und es schien, daß die Er⸗ kundigungen ein befriedigen⸗ des Resultat bringen würden. Lindner ging mit. Als er nach einigen Stunden die Wohnung des Lords betrat, war seine Tochter nicht mehr zu Hause und Abends machte er wieder den Gang verge⸗ bens. Er wurde recht ver⸗ drießlich, es war seine Schuld, daß er sie verfehlt hatte. Am folgenden Morgen aber ganz frühe, es war kaum neun Uhr, ging er eiligst nach der be kannten Straße. Es herrschte eine Grabesstille in der großen Wohnung. Lindner stand im Korri⸗ dor, da trat ein Mann ein mit einem Papier in der Hand, dann noch einer, und so kam ein halbes Dutzend zusammen.

Alles ausgeflogen? fragte der Eine den Andern.

Ich hoffe doch nicht, antwortete ein Anderer und klopfte und rüttelte an allen Thüren.

Wir haben ein bedeutendes Guthaben; es beläuft sich auf Tausende; wir haben Alle in der Nacht kein Auge zugethan, die Geschichte ist schlimm genug, sagte ein junger Mensch aus einer Delikatessen⸗Handlung.

Alles verlieren können wir doch nicht, rief ein Schneider mit dünner, weinerlicher Stimme.Wenn er denn kein Lord ist, 0 8 er doch ein deutscher Graf und muß wohl irgendwo Besitzungen haben. ö

Ja, Besitzungen, krächzte ein Juwelier.Ein verdammter Abenteurer ist er, ein liederlicher Spieler, ein vor zwanzig Jahren gerichtlich verfolgter Fälscher, und so Einer wagt sich unter ehrliche Leute und betrügt dieselben noch einmal gründlich! Wenn Ihr mir Alle Eure Forderungen zur Stunde verkaufen wolltet, ich gäbe Euch noch keinen Pfennig für's Hundert.

über, saß nicht Lord Graham

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