Ausgabe 
21.11.1886
 
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ankleidete, seufzend in die Worte ausbrach:O, hätt' ich das gewußt, dann hätt ich mich auf die Schullauferei gar nicht fangelassen a e Spielschule scheint eine liebevolle Pflegerin der Jugend vorzustehen und hoffentlich wird der scheue Krauskopf den ersten Schritt in's Leben nicht zu bereuen haben. R E.

Die Oelpalme(Elais guineensis) ist in ganz Central⸗Afrika sehr zahl reich vorhanden; sie scheint an der Westküste bis San Pälo de Loando . ehen, an der Ostküste bis zum Nyassa⸗See. Sie bildet oft mit der stache 10 Dattelpalme(Phoenix spinosa) zusammen ausgedehnte Wald⸗ bestände, so daß diese beiden Arten an der Westküste Afrika's durch In⸗ dividuenmenge die zahlreichen Arten von Palmen an der gegenüberliegenden Küste Brasiliens reichlich ersetzen. Auf Fernando Po macht die Oelpalme ein Viertel aller Waldbäume aus und bedeckt stellenweise den Boden ganz allein; sie steigt dort sogar über 900 Meter hoch hinauf, wahrscheinlich zu der höchsten Höhe, in welcher man überhaupt in Afrika Palmen trifft, da die übrigen meist im Küstendistrikt leben, und beispielsweise die Nadelpalme ebendaselbst nur 200 Meter über das Niveau des Meeres sich erhebt. Die Oelpalme erreicht eine Stammhöhe von 1020, selten 30 Meter. Ihre Blätter sind wie bei der Kokospalme gefiedert und bleiben bei sich selbst überlassenen Exemplaren abgestorben am Stamm sehr lange haften. Bei den in Westafrika unter der Pflege des Menschen stehenden Bäumen werden die trockenen Blätter, welche das Besteigen des Baumes hindern würden, vollständig entfernt. Im Monbuttu-Lande schneidet man indeß die Blatt⸗ stiele etwa 30 Centimeter über dem Grunde ab und diese Gewohnheit der Eingeborenen bleibt, wie Schweinfurth sagt, nicht ohne Einfluß auf den Vegetationscharakter der Landschaft, ja auf die Flora selbst, da sich dieser hierdurch an den Stämmen der Oelpalme eine Anzahl höchst erwünschter Anhaltspunkte darbietet, um Sämlinge groß zu ziehen oder an der zackigen Außenfläche der Stämme Schlinggewächse in großer Anzahl emporklimmen zu lassen. So sieht man denn in der That diese Oelpalmenstämme mit einer Vegetation von unbeschreiblicher Ueppigkeit, Frische und Grazie be⸗ hangen und überladen, als wären es künstliche Pfosten eines europäischen wohl arrangirten Orchideen⸗ und Farnhauses. Aus jeder Blattachsel sproßt eine ganze Kolonie der zierlichsten Farne hervor, oft aus jeder eine ver schiedene Art, dann wieder strauchartige Feigenarten und Alles mit ein⸗ ander verflochten und verwoben von einem dichten Netzwerk kletternder lang⸗ schüssiger Farnarten oder schmarotzirender Orchideen. Stellenweise nehmen sogar Winden und Yams Theil an der guirlandenartigen Stammbekleidung der Palme, während allerhand gewöhnliche Sträucher und Bäume aus den in den Blattscheiden dargebotenen, den Regen auffangenden Reservoirs her vorzusprossen streben, was ihnen aber nur bis zu einem gewissen Alter ge lingt, denn schließlich faulen diese vergänglichen Konsolen unter der Last der sich anhäufenden Schmarotzer weg, und der ganze üppige Schmuck, seines Stützpunktes beraubt, verfällt dem Untergange. Die Blüthen der Oelpalme sind, wie bei der Mehrzahl der Palmen, getrennten Geschlechts, doch finden sich männliche und weibliche Blüthen nicht wie bei der Dattel⸗ palme und wie bei der Dumpalme auf verschiedenen Väumen, sondern in getrennten Gruppen in der Krone derselben Palme, während bei der Kokos nuß beide Geschlechter in demselben Blüthenstande vertreten sind. Die kätzchenartig gedrängten männlichen Blüthen bilden längliche, die weiblichen kugelrunde Büschel. Letzterer trägt die Palme jährlich drei bis vier; die sich aus ihnen entwickelnden Fruchtstände wiegen 20 30, selten 4050 Kilo. Die Verzweigungen des Blüthenstandes sind über die Früchte hinaus in Form sehr steifer und scharfer Dornen verlängert. Die länglichen Früchte stehen so dichtgedrängt, daß sie sich gegenseitig abplatten. Sie bestehen aus einer fleischigen, brangerothen Hülle und einem steinharten Kern, dessen dicke Schale den kleinen Stein und das große, weiße Sameneiweiß ein⸗ schließt. Nach Th. Vogel trägt die Oelpalme bereits Früchte, wenn ste erst mannshoch ist und noch kein Blatt verloren hat. Das meiste und beste Oel, von ebenfalls hellzinnoberrother Farbe und dicker, breiiger Con⸗ sistenz, wird aus dem Fruchffleische gewonnen, welches 72 pCt. davon ent⸗ hält; indeß auch das Sameneiweiß liefert(wie das der Kokosnuß, die be⸗ kannte Copra) gegen 48 pCt. eines Fettes von noch festerer, butterartiger Consistenz. Die Darstellung des Oels aus der fleischigen Hülle wird von den Negern in sehr roher Weise bewerkstelligt. Nach Thonning läßt man an der Goldküste die Früchte liegen, bis sie anfangen zu faulen, und stampft sie sodann mit hölzernen Keulen in einer kleinen, mit flachen Steinen aus⸗ gelegten Grube, wobei sich das Oel größtentheils in derselben ansammelt. Der Teig wird dann noch mit den Händen ausgepreßt und zuletzt ausgekocht. Die Bassa von Benus begnügen sich, wie Rohlfs mittheilt. damit, das Fruchtfleisch in Gruben unter öfterem Zugießen von warmem Wasser faulen zu lassen und das oben schwimmende Oel abzuschöpfen. Das Oel wird allgemein zu Speisen benutzt; frisch hat es einen angenehmen, veilchen⸗ ähnlichen Geruch und ist nach Schweinfurth sehr wohlschmeckend. Rohlfs nennt es widerlich süß, doch hat sich Lenz bald an den süßen Geschmack ewöhnt. Nach einigen Tagen nimmt das Oel indessen einen ranzigen Ge⸗ schmac an. Die Frucht bildet eine sehr angenehme Zuspeise, welche die appetitreizende Bitterkeit der Olive(die ja ihr Oel ebenfalls in dem Frucht⸗ fleische enthält) besitzt, und von Schweinfurth sogar der Frucht des Oel⸗ baumes vorgezogen wird. Die Kerne wurden früher vielfach unbenutzt weg⸗ geworfen. Neuerdings bilden die von der Steinschale befreiten Samen (Palm-Kernels) an der Westküste einen wichtigen Exportartikel. Sie werden in Europa ausgepreßt und der Rückstand als Viehfutter benutzt. Eine wirkliche Kultur der Pflanze scheint in Westafrika nicht stattzufinden. Die Thätigkeit des Menschen für die Pflege des Baumes beschränkt sich auf das Abschneiden der Wedel, welche das Besteigen des Baumes hindern würden; indeß stimmen alle Reisenden darin überein, daß die Palme am besten in der Nähe der menschlichen Ansiedlungen gedeiht, um welche sich allmählich Haine von Oelpalmen bilden. Es if allgemein bekannt, daß der Palmöl⸗

handel den Bewohnern Guineas reichlich den Verlust ersetzt hat, welchen sie durch Unterdrückung des Handelsin lebendigem Ebenholz, wie man mit durchsichtigem Euphemismus den Sklavenhandel bezeichnete, erlitten; im Jahre 1876 führte das deutsche Reich 207 000 Zentner Oel, im Werthe von 7 450 000 Mark und 565 000 Zentner Palmkerne im Werthe von 678 000 Mark ein und 1884 betrug die Einfuhr in den freien Verkehr des deutschen Reiches bezw. 135 100 und 1392 192 Zentner. A. B.

Das Pfeifergericht auf der Messe zu Frankfurt am Main. Es ist noch keine neunzig Jahre her; aber es klingt wie eine Sage aus alter, alter Zeit, wenn man vom Pfeifergericht spricht. Noch bis zu Ende des vorigen Jahrhunderts, ja noch einige Jahre darüber hinaus, bis das todt⸗ kranke, morsche römische Reich deutscher Nation zusammenbrach, fand in jeder Herbstmesse zu Frankfurt am Main ein Gerichtstag statt, der durch die reichsstädtischen Ceremonien Jung und Alt ergötzte. Der Schultheiß und vierzig Schöppen fällten ihr Urtheil mit der Würde der Wolken⸗ perrücken und der steifleinenen Grandezza. Während dieses Geschäftes er schallten plötzlich Posaunen, Oboen und Pfeifen; ein Abgesandter der freien Reichsstadt Worms nahte sich mit großem Geleit. Er brachte ein weißes Gefäß, in dem sich ein Pfund Pfeffer als Symbol des Materialhandels befand, ein Paar Handschuhe, Symbol für den Fabrikhandel, einen Räderalbus, einen Weißpfennig von 8 bis 9 Pfennige an Werth, und ein weißes Stäbchen, Symbol des freien Gerichtes. Die Münze wurde zur Ausgleichung für einen Biberhut erlegt, den Worms vor vielen Jahren in natura zu geben hatte. Wenn der Zug sichtbar wurde, hielt der Aktuarius im Verlesen des Urtheils ein. Auch die Pfeifer verstummten, als der Wormser Abgesandte vor dem Gericht stand und seine lange Rede begann, in der er für seine Stadt sich Zollfreiheit erbat. Hierauf ließ sich der Stadtschultheiß die Vollmacht zeigen und dem Gesandten die Versicherung geben, daß er kein unwahres Wort spreche, worauf die Sache ad protocollum genommen wurde. Kaum hatten sich die Wormser entfernt, so fuhr das Gericht in seinen Funktionen fort; plötzlich jedoch erschallte dieselbe Melodie wie vor⸗ hin. Dieses Mal war es Bamberg, das seine Abgeordneten sandte. Die⸗ selbe Antwort. Die Bamberger entfernten sich, und das Gericht fährt zu tagen fort, bis sich mit denselben Pfeiferweisen Nürnberg naht. Bis zum Jahre 1552 hatte jede der drei Städte ihre eigenen Pfeifer gehalten, dann übernahm es Nürnberg, sie gegen Vergütigung zu stellen. Trotzdem waren die anderen Kosten nicht klein. Man wurde also beim Bürgermeister, Rath u. s. w. vorstellig, daß man die Ceremonien fallen ließe. Der Frank⸗ furter Senat lehnte die Vorstellung ab, als hinge von dem Unwesentlichen das Wohl und Wehe der freien Reichsstadt ab. Nun fragten die Nürn⸗ berger an, ob man sich nicht bei dem Pfeifergericht der Frankfurter Stadt⸗ pfeifer bedienen könne. Wieder Ablehnung von Seiten des Rathes mit Einschärfung, daß die Pfeifer sich nicht neumodischer Musikweisen bedienen möchten. So blieb das Pfeifergericht, bis Frankreich mit dem alten Plunder aufräumte. W. G.

Zweimal dem Tode verfallen. Ein Geistlicher, mit Namen Kaspar Aquila, war in seiner Jugend der Armee Kaiser Karls V. als Feldprediger nach den Niederlanden gefolgt. Die Soldaten verlangten in ihrer sitten⸗ losen Rohheit von ihm, er solle eine Kanonenkugel taufen. Er weigerte sich dessen standhaft. Da ergriffen sie ihn, und luden ihn in einen Feuermörser, um ihn in die Luft zu schießen. Aber das Pulver wollte nicht zünden, und so entkam er glücklich der Gefahr. Später wurde er Pfarrer zu Saalfeld. Er war der Lehre Luthers eifrig ergeben, und als der Kaiser das Interim erließ, äußerte er sich darüber in sehr derben Worten. Der Kaiser erfuhr dies, und höchst erbittert darüber, setzte er einen Preis von 5000 Gulden auf seinen Kopf. Da wandten sich die Einwohner von Saalfeld an Gräfin Katharina von Schwarzburg, eine geborene Fürstin von Naumburg, und baten sie, den Kaspar Aquila in ihren Schutz zu nehmen. Sie ließ den Pfarrer heimlich auf ihr Schloß bringen, hielt ihn dort sehr lange Zeit verborgen und pflegte ihn mit der edelsten Menschen liebe, bis er sich ohne Lebensgefahr wieder sehen lassen konnte. M.

Unter Ludwig XIV. wurde bei einem frohen Ereigniß ganz Paris erleuchtet. Der General-Kontroleur der Finanzen, Abbé Terray, fuhr am Abend umher, um diese Illumination in Augenschein zu nehmen. Unter vielen Sinnbildern und Inschriften fiel ihm eine ganz besonders auf. In einem Kranz von Lilien las man die transparenten Worte:Vier Millionen habe ich für meinen König! Der Abbe merkte sich dies Haus, und am andern Morgen verabsäumte er nicht, sich sogleich zu dem Bewohner des Zimmers zu verfügen, an dessen Fenster diese sonderbare Devise hervor leuchtete. Beim Eintritt in die ärmliche Stube sagte er:Mein Herr! Ich bin der General-Kontroleur der Finanzen, die patriotischen Gesinnungen, die Sie durch Ihre gestrige Illumination äußerten, gereichen Ihnen zur größten Ehre. Ich freue mich, Ihre persönliche Bekanntschaft zu machen, und zweifle nicht, daß Sie das erfüllen werden und können, was an Ihrem Fenster zu lesen war.Das ist schon erfüllt, erwiderte Jener.Wieso? Dann müßt ich davon doch auch etwas wissen.Sie wohl nicht, aber vielleicht der Herr Kriegsminister. Ich heiße Million, und habe vier Söhne, welche sich in Seiner Majestät Diensten befinden. Der Abbe empfahl sich und verließ das Zimmer.

Arzt zu einem Geldmann:Theurer Freund, ich bin sehr in Verlegen⸗ heit. Leihen Sie mir tausend Mark. Geldmann betroffen:Wie? Ihnen? Sie, der gesuchteste Arzt! Arzt:Sprechen Sie nicht also; in der ganzen Umgegend wüthet eine Gesundheitsepidemie.

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