Ausgabe 
21.3.1886
 
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plötzlich, wie von einer Eingebung erfaßt, sich nach mir umdrehte und mich durch einen Wink zu warten bat.

In einer Sekunde war er neben mir.

Noch ein Wort, Rolf! Glaubst Du im Ernst, daß der Junge bei ihr sein kann?

Im vollen Ernst, Liebster.

Wie gespannt ich sein blasses, in der Erregung hinreißend schönes Gesicht beobachtete.

Mit ein paar tiefen Athemzügen beendete er den heißen Kampf seines Innern; aufjauchzend drückte ich seinen Arm, den er in den meinen legte; ich hätte ihn auf offener Straße küssen mögen für das eine Wort, das er seinen bebenden Lippen abzwang:Ich gehe mit Dir, Rolf!.

Ich weiß nicht, ob das, was nun geschah, von dem launi⸗ schen KoboldeZufall zu des reuigen Sünders Verwirrung beschlossen war, oder ob die lichte Seele eines Engels, die in himmlicher Einfalt den einen Bußfertigen über neunundneunzig Gerechte stellt, es zum Lohne unseres Freundes fügte.

Mitten in der großen, lufti⸗ gen Halle, die den Vorraum der freundlichen Fremdenpen⸗ sion bildet, zeigte sich uns ein liebliches, überraschendes Bild: die schöne Gräfin Cornelie, deren Antlitz unter dem breiten Rande ihres dunklen, modischen Federhutes lächelnd und lieblich hervorschaute, stand, von Fritz chen, dem heimathflüchtigen Empörer, und ihrem helllockt gen Kinde umringt, zum Aus⸗ gehen gerüstet.

Nun laß uns los, Nelly, sagte sie, ohne uns zu bemer

ken,Fritzchen muß erst seinem Vater abbitten, daß er so bös und trotzig war.

Dann aber bringst Du ihn wieder, Mütterchen, schmeichelte das Mädchen mit dem lieblichsten Klange seines Stimmchens.

So Gott will! flüsterte die junge Mutter, indem ihr Blick von den beiden Kleinen hinweg, und nun plötzlich zu 4 uns hinüberglitt, die wir stumm und bewundernd in einiger Entfernung standen.

Welches Spiel von Gluth und Blässe nun auf den beiden Ge⸗ sichtern, die in jenem Augenblick, wo die Ueberraschung jede Vor stellung unmöglich machte, das verborgenste Geheimniß der Seelen unverschleiert gegen einander austauschten!

Die Verwirrung der Beiden machte mich zum Helden der Situation; ich war es, der das bestürzte Fritzchen mit hellem, lachendem: Willkommen! begrüßte.

So ist die Zeit doch noch nicht vorbei, wo zarte Frauenhände das Glückskraut am Wege finden, nach dem sich andere Sterbliche matt und müde laufen, sagte ich, gegen die Gräfin gewandt.

Wirklich, so recht am Wege, entgegnete sie, froh, daß der Bann des Schweigens gebrochen war,ich weiß nicht, welcher Seelenzug mich vorhin, als ich mit Nelly nochmals nach dem bo tanischen Garten gehen wollte, im Vorbeigehen in die Allerheiligen kirche trieb. Kennen Sie die Geschichte von dem Reh, das vor dem Blei des Jägers in das Gotteshaus floh? Sie fiel mir

ein, als ich das müdegeweinte Fritzchen auf den Altarstufen sitzen

Kirchmann.

sah, wohin er sich, wie er mir gestand, vor ein paar großen

Straßenbuben gerettet hatte. Er war zu aufgeregt, der arme, kleine Mann, als daß ich ihn gleich zur Heimkehr hätte bewegen können. Auf jeden Fall wollte er erst Nelly's Püppchen taufen; und auch jetzt konnte ich ihn nur zum Mitkommen überreden, indem ich ihn selbst zu führen versprach.

Wie gut, daß diese Liebesthat nicht zur Ausführung kam, dachte ich,Gerhard hätte Dich, seinem festen Vorsatz zufolge, unbarmherzig auf der Schwelle harren lassen, Du liebe, schöne Charitas! Herausfordernd sah ich zu Gerhard hinüber, der müh⸗ sam einige landläufige Dankesworte stammelte. Offenbar brannte ihm der Boden unter den Füßen, und da Fritz mit der kleinen Taufmutter auf die Veranda hinausgeeilt war, wo ein bunter Papagei unaufhörlich sein: Votre bonheur! kreischte, und die Gräfin, um das Vergnügen der Kinder nicht zu stören, uns zum Eintritt

a 8 in ihren Salon aufforderte, so sah Gerhard schier hilfe suchend in mein Gesicht.

Es war klar, daß meine Gegenwart jetzt eine bedeutende Stütze und Erleichterung für ihn war.

Aber ich scheltet mich nur! ich konnte und wollte ihm den Trost nicht gönnen.

keine Rücksicht, der Barbar, der der lieblichen Retterin seines Glückes gegenüber das ganze Weh eines Menschenalters auf dem Antlitz trug.

Zudem habe ich zu wenig Anlage zum Asketen, als daß ich das Mahnen meines leeren Magens um einer menschen⸗

freundlichen Anwandlung willen noch länger überhört hätte.

Mit einem Blick, mit dem einst ein Friedrich Rothbart Kunde von der Treulosigkeit des rebellischen Löwen hätte aufnehmen können, sah mich Gerhard an, als ich die liebens⸗ würdige Frau wegen eines Stelldicheins mit einem Kunst⸗ genossen um Vergebung wegen meines schnellen Auf bruchs bat. a

Obgleich dieses Stelldichein selbstverständlich eine Finte war und ich meinen Nach⸗ mittag in völlig Umherschlendern verbrachte, so war mir doch dabei zu Muthe, als schritte ich einer Christbescheerung voll Lichterglanz und Tannenduft entgegen.

In der Frühe des nächsten Tages klopfte ich an Gerhard's Thür.

Soeben wollte ich Dich aufsuchen. Ich hielt es nicht mehr aus, lieber, lieber Junge, rief er mir entgegen.

So, wolltest Du das in Worte fassen, was mir Deine Blicke gestern beim Abschied sagten? lachte ich..

Ich wollte Dir sagen, wie Recht Du hattest und wie glücklich ich bin.

Ich wußte es, Gerhard, das Du ihr vergeben würdest.

Vergeben? rief er.Vergeben? Nein, Rolf, vergeben hätte ich es ihr niemals, wenn sie meine Liebe verrathen, meine Treue verhöhnt hätte, wie ich es gedacht. Sie hat aber wahrlich nicht weniger gelitten, als ich. Weiß Gott, woher ich die Kühnheit nahm, sie inmitten des mühseligen, gezwungenen Gesprächs, das wir nach Deinem Fortgang führten, rasch entschlossen und unver mittelt zu fragen, ob sie glücklich gewesen sei, seit wir uns nicht gesehn. Ihr Schweigen und Erblassen machte den heißen Wunsch,

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Klarheit und Wahrheit in der dringendsten Frage meines Herzens 1

Er verdiente auch wahrhaftig

ziellosem

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