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zu den
Oberhessischen Machrichten.
Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden
Ur. 8. Gießen, den 21. Februar. 1886.
Sein bester Freund. ö Novelle von Karl Wartenburg. (Fortsetzung.)
Meine gleichzültige Miene, die Behaglichkeit, mit welcher ich Ja sagen. Ein so guter Kaufmann er ist, so wenig wahres Selbst— mein Glas austrank, schienen ihn nicht ganz zu beruhigen. Er hielt gefühl hat er dem Adel gegenüber und es befriedigt seinen Stolz,
es für Maske. wenn seine Tochter Baronin wird. Iduna selbst aber? Als Du 5„Wie soll es ihr gehen,“ antwortete er.„Gut, wie solchen vor Jahr und Tag Dich ihr nahtest, war Deine Sonne im Auf⸗
Naturen immer, so lange der Himmel voller Baßgeigen hängt. steigen. Du warst ein vielgesuchter Anwalt, ein populärer Abge— Sie gehört zu den Mädchen, die einen Dutzendmenschen heirathen ordneter, Dein Name in Aller Munde. Es schmeichelte ihrer Eitel— müssen, einen Kerl, der sich um nichts in der Welt kümmert, als keit, die Braut eines so gefeierten Mannes zu sein. Vielleicht sahen um s Geld verdienen, um damit ein großes Haus zu machen. Höchstens ihre Eltern Dich schon als zukünftigen Minister oder Geheimen muß er noch so viel verstehen, um einen Titel zu ergattern. Aber Hofrath. Und schließlich, Walter, warst Du ein interessanter Mann, für einen Mann wie Du, der noch an etwas darüber hinaus denkt, der wohl auch ein klügeres Persönchen als diese kleine Kokette hätte der nicht die traurige Sucht nach Geld und Titel und Würden, gewinnen können. Jetzt ist Alles anders geworden. Der Herr sondern Ideen im Kopfe hat, für einen Mann von Geist und Herz, Adjutant ist die aufsteigende Sonne.“
da paßt ein Mädchen von dem Schlage der Iduna nicht. Auf⸗ Der Postmeister erhob sich und ging zum Ofen, in welchen er gewachsen in behaglichem Wohlleben und in engen und engherzigen ein paar Scheite Holz legte, denn die Nacht war kalt. Da trieb Anschauungen, nur für ihre eigene, unbedeutende Person schwärmend, der Wind ein schlecht verriegeltes Fenster auf und jagte ein paar von ihren Eltern verhätschelt, hat sie kein Verständniß für eine abgerissene Musiktöne herein in unser kleines Zimmer.„Es ist 0 stolze, freie Männerseele. Wenn diese Art in ihrer Mädchenzeit ihr heute Ball im Casino zur Feier des Geburtstages des Prinzen 1 halb Dutzend Courmacher auf den Casinobällen hat, als die Erste Woldemar,“ sagte der Postmeister, den Fensterflügel rasch schließend. und Schoͤnste gefeiert wird, später als Frau ihre Gesellschaften und Die ganze gute Gesellschaft ist dort und wenn wir eine Tarnkappe Diners geben, in Konzerte und in's Theater und im Sommer in's hätten, so würden wir Fräulein Iduna und den Herrn Adjutanten
g I Bad gehen und endlich als fromme Matrone Sonntags in die Kirche zusammen einen Walzer wirbeln sehen.“ 5 5 8 e einen? N 5 5 5. e e. Der Postmeister brachte noch eine Flasche alten Steinberger Ich merkte, wo er hinaus wollte. Der Postmeister glaubte, daß Gabi der Bruch mit mei früh Verlobt 10. ck Cabinet. 15llt 5 0 5 e 1 11 1 60 1 1 1 öfen.„Wer weiß, wann wir wieder einen so guten Tropfen zusammen⸗ 0 e 0 c 5 9 J„ N E ö 8 2 5 wollte mich durch eine mog ichst grelle Charakterschilderung trösten. trinken, Bruderherz,“ sagte er,„das deutsche Vaterland soll leben!“
Ich bedurfte dieses Trostes nicht. In der Hauptsache mochte er und die Gläser klirrten hell zusaumen. So saßen wir und tranken
und plauderten, die trübe Gegenwart und die dunkle Zukunft ver⸗ gessend, von dem kurzen schönen Völkerfrühling und was wir in ihm
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0 aber mit seiner Schilderung Recht haben. Freilich hatte ich mir
früher auch gesagt, daß die Seele eines jungen Mädchens weich wie 8 a b
N Wachs sei und der Mann ein Schwächling, der sie nicht umformen geträumt und gehofft hatten. . könne. Aber das war nun vorüber. i f. Da krähte hinten im Posthof der Hahn. 1„Du kannst unbesorgt sein, Postmeister,“ beruhigte ich ihn. 5 ift Zeit zu Sc afengeh Walte A age der. 4„Diese Schmerzen habe ich überwunden. Es ist wahr, es gab eine 9 35 11 57 1 7 ne 0 5 115 A 5 8 den 9 a „ Zeit, in der ich leidenschaftlich verliebt in das Mädchen war, aber 1 0 110 e 9 5 1 15 5 1 1 1 ich spreche jetzt mit dem Apostel Paulus: Freien ist gut, aber nicht te 1 115 90 0 1 15 105 8 afen, denn heute wirst Du — I freien noch besser. Doch schriebst Du mir nicht, daß der neue feste,. e ee 8 n 8 u Adjutant des Herzogs Iduna umschwärme; ja, daß man schon von„Wir tranken noch einmal, auf frohes Wiedersehen im geeinigten 1 der Verlobung Beider spreche?“ freien Vaterlande. Die Gläser klirrten aneinander und— wir 5— 114 Er nickte, einen Schluck Wein nehmend. mochten zu stark angestoßen haben— das des Postmeisters zerbrach. *„Es ist der innigste Wunsch der Frau Kommerzienräthin, Idung Der Postmeister wurde blaß. 4* als Frau Baronin zu sehen. Wenn die Alte nur nicht darüber 5„Ein Zeichen der Götter,“ sagte er ernst,„dieses Wiedersehen h verrückt wird.“ findet nicht statt.“ 5.„Und der Vater und Iduna selbst?“ fragte ich. Ich suchte seine trübe Ahnung vergebens wegzuscherzen. 10„Der Vater ist etwas zurückhaltender. Der Herr Baron ist ihm 8„Laß es gut sein, Walter,“ tröstete er sich endlich mit einem 1 ein zu großer Bruder Luft. Er besitzt ihm zu viel Talent, das resignirten Lächeln,„deshalb braucht Gevatter Tod noch lange nicht
0 0 Geld unter die Leute zu bringen. Indessen— zuletzt wird er doch anzuklopfen. Wie die Sachen heute stehen, muß man schon alt wie & FP 5. 2 2 7 TT...* N


