Ausgabe 
18.7.1886
 
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fort und fort an das erinnern würde, was er vergessen mußte, er auch ausgeführt; der Boden brannte ihm unter den Füßen, fort, wenn er noch leben wollte. Aber auch hier konnte er nicht bleiben: nur fort von hier, wo die mächtigsten Triebfedern seines Wesens: sein Verhältniß zu Blanche, seine Absicht, sie jetzt in sein Haus sein Stolz, seine Ehre und seine Liebe gebrochen schienen.

einzuführen, die Schmach, die sie ihm angethan, Alles konnte nicht In wenigen Tagen hatte er das Nöthigste gethan, um sich in völlig unbekannt geblieben sein, es würde ihn wie ein Gespenst ver- London frei zu machen, alles Uebrige konnte schriftlich besorgt werden, folgen also fort, so schnell als möglich dahin, wo Niemand meinte er, was kümmerten ihn jetzt etwaige daraus entstehende Ver⸗ etwas von den Ereignissen der letzten Jahre wußte, wo er mit luste! Dann reiste er nach D. ab.

reinem Namen dastand zurück nach D. Dieser Entschluß war(Fortsetzung folgt.)

das Resultat weniger Stunden und schnell, wie er gefaßt, wurde

Mutter und Sohn.

Novellette von Cordelia, deutsch von Konrad Telmann. (Fortsetzung.) IV.

Eines Morgens, als Mario sich erhob, war er höchst überrascht, sein Arbeitszimmer in einen Garten umgewandelt zu finden. Man befand sich am Ende des Februar, und es schien, daß ein vorzeitiger Frühling ge⸗ kommen sei, um ihn in sei⸗ ner Wohnung zu besuchen. In den Ecken des Zimmers, in den Fensternischen be⸗ fanden sich Blumentische voll von grünenden Zweigen und duftenden Blüthen, ein Anblick, der froh stimmen mußte; und es waren nicht allein die Blumen, die da waren, um sein Zimmer zu verschönern, sondern auch noch zwei neue, mit Sticke⸗ reien besetzte Sesselchen, ein wahres Wunder; und als er seine Blicke rundum schweifen ließ, gewahrte er auch noch, daß da auf dem Bücherbrett etliche cher standen, die er vergeb lich bis dahin gesucht hatte und an deren Besitz ihm außerordentlich viel gelegen war. Er war noch halb im Schlafe und glaubte zu träumen, als er einen Blick auf den Kalender warf, der gerade über dem Schreibtische hing.

Nun begreife ich, sagte er,es ist der zwan⸗ zigste Februar, der Jahres⸗ tag meiner Geburt und 8. die Mama hat mir eine Dr. von Gudden. Ueberraschung bereitet; wie 0 gut sie doch ist und wie sie an Alles denkt, meine liebe Mama! Und er bereute es bitter, den Geburtstag von Frau Klara ver gessen und nicht gefeiert zu haben.

1 begab er sich zu seiner Mutter, küßte sie und sagte zu ihr:

Was für eine brave, kleine Mama! Wie Du doch immer an Alles denkst, während ich so vergeßlich bin!

Du bist also eine Zauberin?

Nun wohl, ich bin eine Zauberin; ist Dir's leid? sagte Frau Klara ganz lächelnd und glückselig, wie ein Kiud, das seine erste Belohnung in der Schule erhalten hat.

Ja, ja, erwiderte Ma⸗ rio,Du bist meine gute Fee! Und er wollte wieder gehen.

Mario!

Da bin ich.

Denke auch daran, daß Du Dich beim Mittagessen nicht erwarten lassen darfst, denn ich habe Deine Freunde eingeladen.

Auch das noch? Und Alles, ohne mir ein Wort zu sagen?

Sogar, ohne Dich um Erlaubniß deshalb zu fra gen. Nimmst Du's übel?

Du bist ein Phönix unter den Müttern, warf Mario ein. Und diesmal ging er nun wirklich davon,

Er fühlte sich so leicht und glücklich, wie ein Fink und fühlte das Bedürfniß in sich, spazieren zu gehen, und seiner Freude Luft zu machen.

Daß er, gleich beim Er wachen, sein Arbeitszimmer mit Blumen geschmückt vor⸗ gefunden und das Buch er langt hatte, das er so sehn⸗ g lichst zu besitzen gewünscht, 2 daß er die Stimme seiner

Mutter mit solcher Zärtlich

keit zu sich sprechen hören, das Alles schienen ihm Dinge von guter Vorbedeutung, und obgleich er nicht abergläubisch war, vertraute er doch darauf, daß ihm an diesem, für ihn so herklich begonnenen Tage Alles nach Wunsch gehen müsse; und das war's, weshalb er, als er auf der Straße war, anstatt sich nach rechts zu wenden, nämlich auf dem kürzesten Wege nach dem Markusplatze, wo ihn ein Freund erwartete, sich nach links wandte und so einen mäßigen Umweg machte. Aber er hatte seinen

Du hast so viele Dinge im Kopfe, während ich an nichts zu Grund dafür; als er um die Ecke gebogen war, begann er einen denken habe, als ausschließlich an Dich. Und dann feiert man auch Balkon in Augenschein zu nehmen, und gerade mitten unter etlichen in meinem Alter lieber keine Geburtstage mehr, es ist besser, sie zu Nelkentöpfen und Oleandern sah er ein blondes Köpfchen erscheinen, vergessen. das ganz mit den Blumen beschäftigt war, und sich um die vor⸗

Was Du da redest, Mama! Als ob Du nicht immer jung übergehenden Leute nicht kümmerte. Er stand da und betrachtete wärest! Aber ist dies das Buch, nach dem ich so viel gesucht habe? sie eine gute Weile und näherte sich dann ganz langsam, aber es fand

Und das ich meinestheils gefunden habe, ja, bist Du zufrieden? sich keine Gelegenheit, weshalb das Köpfchen hätte herabschauen sollen;

Ob ich's bin, aber wie hast Du das angefangen? so stand er denn gewissermaßen auf der Lauer und ging mit so Ich hab's gefunden, das genüge Dir; das Uebrige geht Dich lauten Schritten auf und ab, daß man sie hören mußte.

ja nicht an. Endlich schien es ihr, als ob beim Begießen der Pflanzen einige