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gleich vor, Dich einmal ernstlich auf's Korn zu nehmen, ob die Studenten recht gehabt.“ Ehe ich noch Zeit gefunden, auf diese verblüffende Ehrlichkeit
5 zu antworten, fragte sie, ihren nie unterdrückten Eingebungen folgend:
„Findest Du eigentlich Marianne schön?“
Während ich mit etwas gezwungenen Tönen die Wunderlichkeit dieser Frage belachte, wurde ich mir zum ersten Male klar und scharf bewußt, daß Mariannens Antlitz das erste sei, das ich nie auf Formenreinheit und Regelmäßigkeit gemustert, das erste, dessen unendliche Güte und liebliche Schwermuth mich eine strenge Prüfung vom Standpunkte des Künstlers völlig hatten vergessen lassen.
„Für mich ist ihr Gesicht das schönste und liebste der Welt,“ sagte ich heiter und ehrlich.
„Hast Du sie schon gemalt?“ fragte sie weiter.
„Ich habe ja noch lange Zeit dazu!“ entgegnete ich.„Vielleicht gelingt mir einmal ein Muttergottesbild, das ihre Züge trägt.“
„Wie reizend!“ sagte sie gerührt.—„Aber auch mich mußt Du malen; ich werde ganz still sitzen.— Ist Dir noch kein Motiv eingefallen, u dem Du mich als Modell gebrauchen könntest?“
„Ich muß Dich erst noch genauer kennen lernen;— es fällt einem zu viel ein, wenn man Dich sieht. Während Du schliefst, warst Du das leibhaftige Dornröschen!“
„Und wenn ich wach bin?“ forschte sie weiter. 8
„Vielleicht finde ich noch ein Mal, daß Du einer Julia gleichst, vielleicht auch nicht, denn ich glaube, Du bist zu sehr Du selbst, um eine andere darstellen zu können. Das Einzige, woran ich unauf—⸗ hörlich denke, seit ich Dich gesehen, ist das Bild Deiner Mutter.“
„Mein Gott, ist es möglich, gleiche ich ihr?“ fragte sie zitternd, mit aufquellenden Thränen.
„Du wirst ihr vielleicht einmal völlig gleichen, in ein paar Jahren vielleicht,“ sagte ich halblaut, während ich in Gedanken hinzusetzte: wenn eine tiefe, mächtige Liebe, wie die ihre, Deine Züge vergeistigen wird.—
(Fortsetzung folgt)
Lose Blätter.
Ein Duell zur Zeit der großen Revolution.(Siehe Illustration.) In Frankreich vollzog sich gegen Ende des vorigen Jahrhunderts mit der geistigen Revolution jene gewaltige politische Umwälzung, welche Ströme von Blut kostete archischen und mit den Privilegien der höheren Stände wurden viele Miß⸗ bräuche und Vorurtheile aus der Welt geschafft. Die üble Sitte, ernste Streitigkeiten durch Duelle zu schlichten, vermochte aber die große Revolution nicht zu beseitigen. Im Gegentheil! Da die gewaltige politische Bewegung die Leidenschaften der Männer stark entflammte, so fanden während der Dauer der ersten französischen Republick weit mehr Zweikämpfe mit tödt⸗ lichem Ausgange statt, als unter der Regierung Ludwigs XVI., wo sich die Kavaliere von Zeit zu Zeit um galanter Abenteuer willen mit dem Degen 1 0 in pflegken. Der Geuremaler Max Volk hart schildert ein ernstes uell zur Zeit der französischen Republik. Die Duellauten haben am Fuß der Festungswälle Aufsteflung genommen, einer der Gegner feuert sein Pistol ab, während der andere sich bemüht, ein recht schmales Ziel zu bieten. Der Unparteiische auf der Höhe des in der Hand ab. Die Zeugen beobachten gespannt die Wirkung des Schusses. Der Moment der Darstellung ist recht glücklich gewählt. Schneefeld heben sich die kleinen Figuren mit aller Schärfe ab und sehr gelungen ist die Perspektive des Bildes. Die winterliche Natur steht in stimmungsvollem Einklang mit der tragischen Handlung. R. E.
Die erste Post in Deutschland verdankt den Türken ihr Dasein. Das klingt eigenthümlich, und doch ist es der 1 Im Jahre 1522 hatte Suleyman(Soliman) der Große Rhodos erobert, trotzdem der Johanniter⸗ meister Johann Philipp de Villiers(de l'Isle Adam) mit fast unglaublicher Tapferkeit der dreißigfachen Uebermacht Widerstand geleistet hatte. Die Kunde erschreckte das Abendland. Wien wollte mit Regensburg, wo der deutsche Reichstag sich befand, Fühlung haben. So richtete man eine Post⸗ verbindung zwischen den beiden Städten ein. Als der Türkenkrieg Deutsch— land zu 119 0 drohte und eine Reichsarmee 1529 unter dem Kurprinzen Joachim II. in dem Reichstagsabschied von 0 anstalt erklärt und eine Kriegspost eingerichtet. Leonhard Taxis eine reitende Post an, nach Speier ging und von dort nach Italien. Einrichtung durch Geld und ernannte Taxis postmeister.
Im Jahre 1532 legte
Karl V. unterstützte diese zum niederländischen Ober⸗ W. G.
Theaterreklamen aus den Jahren 1730 und 1739. Ein Theaterzettel aus dem ersteren Jahre lautet:„Die schlaue Wittwe oder vier Nationen als Liebhaber, als Spanier, Engländer, Italiener und Franzosen. So
Die republikanische Staatsform trat an Stelle der mon⸗
Walles giebt sein Kommando mit der Uhr
Auf dem weißen
Mir sagt' es: ich verließ die Welt,
von Brandenburg nicht ohne Ruhm in Ungarn focht, wurde Speier das Postwesen für eine Reichspolizei⸗
die pünktlich aus den Niederlanden
wollen wir heute einmal herzlich lachen. Die schlaue Wittib kann heute allen Frauenzimmern viele Lehren geben, wie man bei Heirathen und Ehe— stiftungen verfahren soll. Die Augen der Vernunft muß jedes Frauen⸗ ehr aufthun, wenn es sich von mehr als einem Ambassadeur angegangen jeht. Wie fein weiß Rasaura vier Nebenbuhler zu probiren und ihre Ge— sinnungen auszuforschen! Ihr Schönen wollt uns sämmtlich besuchen; jedoch nicht zu viel von dem Theatro mit nach Hause nehmen; sonst möchte es um Eure schmachtenden Liebhaber geschehen sein.“— Unter dem Zettel von 1739 findet sich folgende Anmerkung:„Madame Gödel wird heute die Rolle der Ophelia präsentiren und zeigen, was die Schauspielkunst für eine große Wirkung vermag, und Mr. Gödel wird durch sein meisterhaftes Spiel als Hamlet ein hochpreisliches Publikum entzücken. Auch werden Kostüme und Dekorationen ganz neu sein, wie auch der Degen, mit dem der große Brockmann als Hamlet excellirt hat, als er neulich zu Wien die Titelrolle prästirt hat. Da der Direkteur als Geist nicht selbst an der Kasse sein kann, bittet er einen hohen Adel, es nicht seiner Gattin entgelten zu lassen, daß man ausländische Münzen ihr als Bezahlung anbietet.“ W. G.
ur Heirathsstatistik. Vor etwa funfzig Jahren hatte ein englischer Statistiker in einem Aufsatze in Frazers Magazine eine nach den Lebens⸗ jahren der Frauen zusammengestellte Uebersicht der Heirathen geliefert, welche sich in den drei vereinigten Königreichen derzeit vollzogen. Bei tausend Heirathen war die neuvermählte Frau in 32 Fällen im Alter von 14—15 Jahren
„ 101 1 U 1 1 1617 1 1 219 1 0 1 + 18—19„ 1 233„„„„ 2021 1 „ 165 1„, 1 22—23„ 1 102 17„ 1 Ä 24—25„ „ 60 17„„„ 26—27 1 1 45„„ 1„ 28—29 + „ 18„ +„„ 30—31„ ö 12 7„„„—32—33„ 1 8 1„ 1 1 34—35 1 1 2„ 1 1 1 36—37„
8839 1 1 0 1 7
Nach diesem Vorgange hat jetzt Adolphe Morin in einem französischen Journal folgende entsprechende Uebersicht geliefert. In Frankreich war bei tausend Heirathen im vorverflossenen Jahre die neuvermählte Frau
in 11 Fällen im Alter von 1 17 Jahren 16—1
1 1 1„ 1 1
1 0
*
0
„ 169 7„ 1„ 18—19 + 1 183 +„ 1„ 20—21 17 „ 144 ö„„„ 22—23„ 1 117 1„„ 1 24—25 1 „ 61 ö 1 +„ 26—27 1 „ 85„„ 0„ 28— 29„ „ 5¹„„ 1„ 30—31„ 8 0 46 1 1„ 1 32—33 ö 1 25„ 1 1„ 24—35„ „ 12 1„„ 1 3637„ 1 9 1„„ 38—39
Die beiden Tabellen sind von hohem Interesse, indem sie, wenn schon verschiedene Länder die Materialien dazu geliefert haben, den Beweis liefern, wie in einem halben Jahrhundert sich die Neigungen heirathslustiger Männer mehr dem reiferen Alter der Frauen zugewendet haben. Sapienti sat.
F. L.
Auflösungen der Räthsel.
Auflösung des Silben-Räthsels in voriger Nummer: Die Karlsschüler — Laura, Schiller. 1. Daniel. 2. Indiana. 3. Epheu. 4. Kondor. 5. Amanda. 6. Ruppius. 7. Languedoc. 8. Salzach. 9. Schanghai. 10. Ueberfall. 11. Leinöl. 12. Eiche. 13. Reinthaler;— des Logo⸗ griphs: Arm, Arme, Armee;— des Räthsels: List;— des Rösselsprungs: Nun sei mir heimlich zart und lieb; Und dir: o ließe mich die Welt, Setz' deinen Fuß auf meinen nun! Und könnt' ich friedlich und allein, Wie deines leichten Fußes jetzt, Um ganz allein auf dir zu ruh'n; So deines Lebens Träger sein!
des Buchstaben⸗ Rätßsele:


