Ausgabe 
14.11.1886
 
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war nicht hoch, sogar beträchtlich geringer als ich ihn sonst für meine Werke erzielte, doch ich nahm ihn ohne Zögern an, und erbat mir des Herrn Adresse, um ihm das Bild am folgenden Morgen zustellen zu können.

Als er sich entfernt hatte, legte ich gleich die letzte Hand an das Gemälde. Ich fühlte mich in ganz gehobener Stimmung, und mir war, als ob mein gefaßter Entschluß mich wieder jung gemacht hätte. Ich gedachte ihr Bild für sechshundert Mark zu kaufen und ihr zu sagen, daß sich in ihrer Abwesenheit ein Liebhaber für dasselbe gefunden habe. Wer der Käufer in Wirklichkeit war, das sollte sie niemals erfahren. Ich verließ die Galerie gegen Abend in der glücklichsten Gemüthsstimmung, und malte mir das Wieder sehen mit meiner jungen Freundin das Geld für ihr Bild in meiner Hand in den hellsten Farben.

Der folgende Tag war ein Feiertag und das Arbeiten in der Galerie daher nicht gestattet. Ich konnte den ganzen Tag nichts weiter denken als an sie, und nachdem ich mein Bild im Hause des Käufers hatte abliefern lassen und das Geld dafür erhalten, war es mein Erstes, ihr Bild an jenen Nagel zu Bingen, an dem es sich noch heute befindet.

Am andern Morgen gönnte ich mir kaum Zeit zu frühstücken, so ungeduldig war ich, nach der Galerie zu kommen.

Dort angelangt, eilte ich die breite Treppe hinan, dem Saale zu, in dem das Heyn'sche Bild hing. Heute brauchte ich unsere Staffeleien nicht zurecht zu rücken, unser Werk war vollendet und voll Wehmuth dachte ich daran, daß es vielleicht mein letztes ge wesen sei. Doch es war sehr schwül und dumpf, obgleich noch früh am Morgen, und es mochte diesmal die Ursache dafür sein, daß ich mich so schwach fühlte.

Außer mir befand sich kein Mensch in dem Saal, und ich wartete beinahe eine ganze Stunde, bis sie erschien. Hastig schritt ich ihr entgegen. Sie sah bleicher aus als gewöhnlich und ihre Schritte waren langsamer, schleppender.

Sie sah mich mit offenbarem Erstaunen an.

Ich erwartete, Sie bei der Arbeit zu finden, rief sie;doch ich glaube, ich bin früher als gewöhnlich gekommen, ich sah nicht nach der Uhr, bevor ich von Hause fortging. Ich glaube, ich vergaß alles, ich war so außer mir. Denken Sie und nur mit Mühe ver⸗ mochte sie die Thränen zurückzuhalten gestern Abend erhielt ich einen so grausamen Brief von unserm Wirth, worin er mir erklärte, daß, wenn die Miethe binnen acht Tagen nicht bezahlt wäre, wir die Wohnung zu räumen hätten; und dabei ist mein Jüngstes so krank, und mein armer Alfred und nun muß ich den ganzen Tag von Hause fortbleiben und werde am Ende mein Bild nicht einmal verkaufen können.

Ich sah, wie ihre Lippen bebten und die Thränen sich in ihren Augen sammelten.

Machen Sie sich keine Sorge, erwiderte ich, sie beruhigend, Ihr Bild ist verkauft! In Ihrer Abwesenheit vorgestern fand sich ein Liebhaber dafür, und ich verkaufte es ihm.

Verkauft! rief sie, in ihrer freudigen Aufregung meine Hand ergreifend.Verkauft wirklich verkauft! Aber nein, das kann ja nicht sein; es wäre zu viel Glück!

Und dennoch ist es so, versetzte ich.Ich habe das Geld für Sie in Empfang genommen hier ist es es sind sechs⸗ hundert Mark. Während ich so sprach, nahm ich die Banknoten aus meiner Brieftasche und reichte sie ihr.

Sie sah das Geld einen Augenblick sprachlos an, dann bedeckte sie das Gesicht mit den Händen und schluchzte krampfhaft.

Das kann Sie doch nicht unglücklich machen, sagte ich, sie besänftigend, denn ich fürchtete fast, sie mit ihrem Glück zu plötzlich bekannt gemacht zu haben.

Sie haben Recht, versetzte sie, rasch die Hände von dem Ge sicht zurückziehend und ihre Thränen trocknend.Ich bin sehr thöricht. Sie müssen mir verzeihen. Ich fürchtete, es könnte nur ein Scherz von Ihnen sein.

Nehmen Sie das Geld in die Hand, sprach ich lächelnd, vielleicht überzeugt Sie das davon, daß alles wirklich wahr ist.

Sie nahm die Banknoten und betrachtete sie von allen Seiten.

Dann fragte sie mich, wer das Bild gekauft habe, worauf ich ihr erwiderte, ein Freund und Verehrer der Malkunst, was durch. aus der Wahrheit gemäß, denn das bin ich mit jeder Faser meines Herzens.

Und ich glaubte, es noch lange nicht vollendet zu haben, sagte sie.Ich schulde gewiß alles nur Ihnen, fügte sie plötzlich hinzu; denn Ihr Bild ist so wunderschön so ganz anders als das meine; und wenn Sie es dem Herrn angeboten hätten, würde er natürlich das Ihrige gekauft haben.

Nein, nein, da irren Sie, wehrte ich rasch, während ich mit einem unbeschreiblichen Wonnegefühl ein freudiges Roth in ihren Wangen aufsteigen sah.

Ich glaube, ich werde nie wieder malen, sagte sie.Es könne mir ein zweites Mal nicht wieder so glücken. Auch kann ich meine Kinder so schwer verlassen, und bin nicht sehr kräftig; aber ich bin so sehr, sehr glücklich! wir brauchen nun die Wohnung nicht zu räumen, können die Miethe bezahlen und behalten noch ein hübsches Sümmchen übrig; und wie stolz werde ich sein, wenn Alfred erst wieder gesund heimkommt und ich ihm erzählen kann, daß ich durch meiner Hände Arbeit das Geld verdient und uns unser behagliches, kleines Heim erhalten habe. Denken Sie doch, wie herrlich! Und Sie werde ich nicht vergessen, fügte sie hinzu. Sobald Alfred gesund ist, komme ich mit ihm und den Kindern hierher, um sie mit Ihnen bekannt zu machen. Darf ich?

Als ich ihr erwiderte, daß Sie mich sicher dort finden würde, dachte ich nicht, daß es das letzte Mal gewesen war, daß ich die Galerie betreten hatte; ebensowenig wie ich ernstlich glaubte, mein letztes Bild gemalt zu haben. Draußen auf der Straße trennte ich mich von ihr, und nie werde ich die Glückseligkeit vergessen, die sich auf ihren lieblichen Zügen spiegelte. Ich habe sie seitdem nicht wieder gesehen, doch wird sie in meiner Erinnerung fortleben bis zum Ende meiner Tage; und obgleich ich viel allein bin und sehr schwach, und den Pinsel nicht mehr führen kann, fühle ich mich doch glücklich, wenn ich vor ihrem Bilde sitze und meine Blicke darauf ruhen lasse, denn es ist nicht das Gemälde, das ich sehe, sondern ihr liebes, junges Gesicht, das mir daraus entgegenlächelt wie damals, als wir zum letzten Male von einander schieden.

Lose Blätter.

Der alte Hut. Fritz Beckmann, der bekannte Komiker, hatte zu einer Rolle einen alten Hut nothwendig. In einem Trödelgeschäfte bemerkte er einen solchen, der ganz dem Zwecke entsprach. Er machte den Requisiteur darauf aufmerksam. Dieser begab sich auch nach dem Trödelgeschäfte und fragte nach dem Preise:Fünfzig Kreuzer! war die Antwort.Das ist zu theuer; wer weiß, wie oft das Stück gegeben wird! Vielleicht nur einmal. Wieviel betragen die Leihgebühren?Sagen wir zehn Kreuzer täglich. Gut, ich leihe den Hut. Am Ende des Monats bringen Sie mir die Rechnung. Am Ende des Mongtes stellte sich der Trödler ein und brachte eine Rechnung von zwei Gulden; das Stück war zwanzig Mal ge geben worden.I! ruft ärgerlich der Requisiteur,da hätte ich ja den Hut viermal kaufen können!Allerdings, lautet die Erwiderung, damals! jetzt ist er um das Doppelte im Preis gestiegen. W. G.

Die Zünfte. Bis in's zehnte Jahrhundert wußte in Deutschland Nie⸗ mand etwas von Handwerkern, als einer Art freier Bürger im Staate; erst Kaiser Heinrich V.(von 11061125) erklärte sie für freie Bürger und wehrhaft. Diese Verfügung ging zuerst blos Speyer an, bald aber wußten auch andere Städte sich diesen Vortheil zu verschaffen und dies war der erste Schritt zu den Zünften und Innungen, deren eigentlicher Anfang noch immer in Dunkelheit liegt. Die älteste Erwähnung einer Gilde ist die der Ge wandschneider oder Tuch- und Zeughändler in Magdeburg, die der Erz bischof Wichmann im Jahre 1155 mit besonderen Freiheiten versah. u.

Im sechszehnten Jahrhundert hielt man es für unangemessen, ein Brautpaar in der Kirche zu trauen; es durfte die Trauung nur vor der Kirchthüre geschehn. Selbst Heinrichs II. Tochter, Elisabeth von Frankreich, wurde im Jahre 1559 mit König Philipp II. von Spanien von dem Erzbischof von Paris, Eustache de Bellay, vor der Kirchthüre von Notre Dame getraut. M.

Als das Prinz Eugen ⸗Denkmal in Wien enthüllt wurde, befand sich auch der türkische Gesandte Haidar Effendi gegenwärtig. Darüber wunderte sich der Herzog von Gramont, damaliger ze Botschafter.Und weshalb sollte ich nicht bier sein? fragte der Türke.Sie helfen den Sieger von Zenta, Peterwardein und Belgrad verherrlichen.Keinesweges, erwiderte Haidar,das thun Sie, ich feiere den Helden von Höchstedt und Malplaquek, Turin und Oudenarde. Gramont biß sich auf den Lippen.

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