Ausgabe 
14.2.1886
 
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von Darmstadt wurden Truppen herbeigerufen, da in der Stadt nur

meiner Barrikade gegenüber standen, einem böhmischen Regimente angehörten, das der österreichische General Nobili, welcher den Ober befehl führte, aus Mainz herangezogen.

Nachbar, ein junger Küfer aus Mainz.

Flürsten Lichnowsky in der Stadt verbreitet.. schehniß, das die Wuth der Truppen auf's Aeußerste entflammte

diumpfer rollender Ton an unser Ohr.

zu den

0 Oberhrssischen

Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden.

Uuchrichten.

Ur.

Es war Anfangs September, als ich in der Mainstadt eintraf und im Hötel zum Weidenbusch abstieg. Ueber der Stadt und dem in der Paulskirche tagenden Parlament lag eine dumpfe Schwüle. Der Waffenstillstand von Malmö war zwischen Dänemark und den deutschen Truppen in Schleswig-Holstein abgeschlossen worden und alle Welt betrachtete diesen Waffenstillstand als den ersten Akt zur Ueberlieferung der deutschen Herzogthümer an die Dänen. Der Gedanke, ein deutsches Land, einen deutschen Volksstamm an eine fremde Nation auszuliefern, das Volk der Herzogthümer der Rache Dänemarks zu überliefern, regte auch mich gewaltig auf. Mit athem⸗ loser Spannung folgte ich auf der Tribüne der Paulskirche den Verhandlungen des Parlaments, von da eilte ich in die Volks versammlungen, in denen der Waffenstillstand als ein Verrath an Deutschland und der Sache des Volks mit flammenden Reden ge brandmarkt wurde. Trotzdem geschah das Unerhörte.

Der Waffenstillstand wurde von der Mehrheit des Parlaments genehmigt. Wie ein Wetterstrahl, in eine Pulvermine schlagend, diese entzündet und in die Luft sprengt, so fiel der Beschluß in die erhitzten und glühenden Gemüther der Demokraten Frankfurts und seiner Umgebung.

5 Es war am Morgen des achtzehnten September, an einem Montag. Von auswärts zogen bewaffnete Männer nach Frankfurt. Barrikaden wurden gebaut. Der Kampf entbrannte. Von Mainz,

ein einziges Bataillon lag. Ich nahm ein Gewehr und eilte in die Reihen der Barrikadenkämpfer. Schuß auf Schuß fiel. Deutsche gegen Deutsche. Es war ein schlechter Trost, daß die Soldaten, die

Lauter Böhmaken, die kein Wort Deutsch sprechen, sagte mein Gleich darauf streckte die nieder.Ach Gott, Inzwischen hatte sich Auerswald und des Ein entsetzliches Ge

Kugel eines dieser böhmischen Grenadiere ihn meine Mutter! waren seine letzten Worte. die Kunde von der Ermordung des Generals

und den Barrikadenkämpfern, obwohl diese schuldlos an der grau⸗ samen That, viel Sympathien raubte. Da mitten durch das Geknatter des Gewehrfeuers schlägt ein

Wiir blickten die lange vor uns liegende Straße hinab. Es sind Kanonen von Mainz, die heranrasseln. Die Geschützläufe blitzen,

Gießen, den 14. Februar.

Hein bester Freund. Novelle von Karl Wartenburg. (Fortsetzung⸗)

neben der Artillerie, die aus den Fenstern von Männern und Frauen mit wehenden weißen Tüchern und Willkommenruf begrüßt wird.

Kamerad, es geht schief, ruft mir mein Kampfgefährte zur Linken zu, ein alter graubärtiger Rheinpfälzer.Es geht schief, sage ich.

Er hatte Recht. Noch wenige Salven und wir mußten vor den übermächtig andringenden Sturmkokonnen die Barrikade aufgeben. Feuernd zogen wir uns zurück und gelangten glücklich in's Freie. Aber die Darmstädter Reiter verfolgten uns scharf. Mit Mühe ent⸗ kamen wir ihnen. Mein Kamerad und ich waren durch leichte Streifschüsse verwundet. Nach vielem Umherirren gelang es uns, Wachenheim an der Haardt zu erreichen, wo der Rheinpfälzer einen Bruder hatte, der uns aufnahm und wo wir uns mehrere Wochen verborgen hielten.

Da meine Sendung in Frankfurt am Main bei der Central⸗ gewalt ohnehin erledigt war und ich fürchten mußte, bei meiner Rückkehr dorthin als einer der Barrikadenkämpfer erkannt zu werden, reiste ich sofort von Wachenheim nach meiner Heimath. Bei dieser Rückkehr schon drängte sich mir die Ueberzeugung auf, daß die große Bewegung Deutschlands im Niedergange begriffen, daß die zahllosen Opfer, die dafür gebracht worden, umsonst waren.

Der Schmerz darüber nahm mein Sinnen gefangen und ließ mich gegen meine persönlichen Angelegenheiten gleichgiltig werden. Ich achtete nicht darauf, daß Iduna mich ziemlich kühl und mit der frostigen Scherzfrage empfing, was ich ihr von der Frankfurter Messe mitgebracht habe, und die kalte Zurückhaltung der Eltern fiel mir nicht auf.

Desto mehr litt ich unter den leidenschaftlichen Auftritten, die ich täglich mit meinem Vater und meinen Geschwistern zu bestehen hatte. Er nannte mich einen Undankbaren, denn er verdanke dem Herzog seinen Wohlstand. Meine Schwester und mein Schwager. schalten mich einen Ehrgeizigen, der nach Volksgunst strebe, und mein Bruder meinte, ich sei ein unpraktischer Schwärmer. So oft ich die Schwelle des elterlichen Hauses überschritt, begegnete ich unfreundlichen Blicken, verdrossenen Mienen. Ich war ein Fremd ling in meines Vaters Hause geworden. Nur ein einziges Geschöpf; war es, das mir freudig entgegenkam, wenn ich eintrat, ein kleines junges Thier, jener Hund, den mir gestern der Elende erschlagen hat. Das Thier war als kleines herrenloses Geschöpf auf dem Amthof zugelaufen und ich begegnete eines Tages meinem Bruder, wie er es auf das Feld führte, um es zu erschießen. Das Thier kam auf mich zu, und als ich mich niederbeugte, es zu streicheln, leckte es mir die Hand und sah mich so treuherzig und flehend mit seinen braunen Augen an, als wisse es, was ihm bevorstehe. Ich bat meinen Bruder, den Hund leben zu lassen, und er that mir

hessische Dragoner mit geschwungenen Säbeln sprengen zur Deckung