Ausgabe 
12.12.1886
 
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ringer Bedeutung.

Von seinem Freunde Donzi mit warmen Empfehlungsschreiben versehen, wandten sich die beiden Weber's zuerst nach Mannheim. Gottfried Weber, sowie dessen Schwager Alexander von Dusch aus Heidelberg, kamen ihnen freundschaftlich entgegen, und bald hatte Weber einen Kreis heiterer Freunde um sich versammelt. Zwei Konzerte, die er am 9. März und 2. April veranstaltete, und in denen er seine erste Sinfonie, die Musik zumErsten Ton, Dichtung von Rochlitz, sowie ein Klavierquartett vortrug, hatten den günstigsten Erfolg und verbreiteten schnell seinen Ruf über Mittel- und Süddeutschland. Dennoch hielt Weber es für zweck mäßig, von Mannheim nach Darmstadt überzusiedeln, woselbst sich auch sein ehemaliger Lehrer Vogler niedergelassen hatte. Obgleich er nun auch hier in Vogler, dem jungen Meyerbeer und in dem ihm von früher her bekannten Gänsbacher gleichgesinnte Umgangs genossen fand, klagt der lebenslustige junge Mann in einem Briefe an seinen Freund Gottfried Weber doch über ent setzliche Langeweile.

Von Darmstadt aus unternahm Weber eine Reihe Kunst- und Konzert reisen, die seinen emporblühenden Ruhm bald über ganz Deutschland verbreiteten und ihm auch pekuniär bedeutenden Ge winn eintrugen. Benutzte er doch sei nen Aufenthalt in größeren Städten gleichzeitig dazu, seine verschiedenen Partituren, besonders die zu Silvana, an die dortigen Theaterdirektoren zu verkaufen.

In München verband sich Weber zu ferneren Konzertreisen mit dem Kla rinettenvirtuosen Bärmann, für wel chen er das Klarinettenkonzert in Es komponirt hatte. Dies Konzert erregte das Wohlgefallen des Königs Max Joseph in solchem Grade, daß er zwei weitere Konzerte für Klarinette bei Weber bestellte. Auch dessen Oper Silvana wurde hier angenommen und ging mit gutem Erfolg in Szene.

Nachdem Weber nun mehrere Jahre hindurch in Mannheim, Heidelberg, Frankfurt, Prag, München, Leipzig, Berlin wo er im Hause Meyer beer's gastliche Aufnahme fand mit außerordentlichem Glück und Beifall konzertirt hatte, auch an den meisten

hier entstanden, und die künstlerische Ausbeute dieser Jahre von ge-

Johannes Scherr.

Nach dreiwöchentlichem Krankenlager endlich genesen, widmete sich Weber mit erneutem Eifer seinen Kapellmeisterpflichten. Seine Zeit und Thätigkeit war auf das Aeußerste in Anspruch genommen. Da einen Tag um den andern Oper war, gab es viele Proben ab⸗ zuhalten, Stücke zu inszeniren, Geschäftskorrespondenz in Menge zu erledigen, nebenbei noch Konzerte zu dirigiren und was der auf reibenden Beschäftigungen noch mehr waren. So konnte er zu eigenem Schaffen nur selten kommen. Dabei zog ihn sein Herz mehr und mehr zu Karoline Brandt, der Darstellerin seiner Silvana, hin, mit welcher er sich denn auch nach längerer Zeit des Hangens und Bangens verlobte.

Weber's Verhältniß zur Direktion in Prag gestaltete sich indeß immer unliebsamer. Seine wirklich große körperliche und geistige Anstrengung fand keine Anerkennung, und so reichte er Ostern 1816 seine Kündigung ein.

Die Hoffnung, in Berlin, wo Weber beim Hofe wie beim Publikum stets günstige Aufnahme fand, und seine Konzerte außerordent lichen Beifall errangen, durch seinen Gönner, Graf Brühl, eine Anstellung als Kapellmeister zu erhalten, war ge scheitert. Als er jedoch von dort aus sich gemeinschaftlich mit seinem Freunde

lernte er daselbst den Intendanten des Dresdner Hoftheaters, Graf Heinrich Vitzthum, kennen. Dieser fand viel Gefallen an dem genialen Meister. Nach Dresden zurückgekehrt, betrieb Vitzthum mit Energie und günstigem Erfolge die Ernennung Weber's zum Kapellmeister der deutschen Oper in der sächsischen Hauptstadt, und bereits am 13. Januar 1817 traf Weber in Dresden ein.

und Frieden erfreuen. Unzählige Hin⸗ dernisse, die seinen eifrigen Bestrebun⸗ gen in den Weg gelegt wurden, Zu rücksetzungen, die er Morlachi, dem Ka pellmeister der italienischen Oper, gegen über zu erdulden hatte, trübten die ersten Jahre seines Aufenthaltes. Gern hätte er noch im ersten Jahre seiner Anstellung seine Stelle mit dem durch den Tod des Kapellmeisters Gürlich in Berlin erledigten Posten vertauscht und hatte auch bereits die Zusage des

der größten Theater, wie z. B. in Berlin, trotz aller Hindernisse Grafen Brühl in Händen. Allein das Berliner Theater brannte am

die Aufführung seiner Oper Silvana durchgesetzt hatte, wurde ihm endlich im Frühjahr 1813 die Kapellmeisterstelle in Prag angeboten. Nicht ohne inneren Kampf, denn er sah sich genöthigt, deshalb eine projektirte Reise nach Italien, dem Lande seiner Sehnsucht, auf zugeben, nahm Weber die angebotene Stellung an und lenkte damit in eine ruhigere Lebensbahn ein. Uebrigens hatte Weber, trotz der unruhvollen, anstrengenden Konzertreisen, eine ansehnliche Menge herrlicher Kompositionen geschaffen. So z. B. seineOuverture zum Beherrscher der Geister, seine drei Klarinettenkonzerte, die Hymne: In seiner Ordnung schafft der Herr und eine beträchtliche Anzahl Lieder, Sonaten dc.

In Prag trat Weber am 1. April 1813 die Kapellmeisterstelle an, und in der ersten Zeit machte ihm die Neugestaltung der Oper viel zu schaffen. Die erste Sängerin, welche um Engagement bei der Direktion anhielt, war die talentvolle Karoline Brandt, welche der junge Kapellmeister schon in früheren Jahren, gelegentlich der Aufführung seiner Oper Silvana in Frankfurt, als Vertreterin der Titelrolle kennen gelernt hatte. Weber zögerte keinen Augenblick,

die begabte Sängerin für die Prager Oper zu gewinnen und begab

sich dann, behufs weiterer Engagements, nach Wien. Hier, wo er mit Vogler und Meyerbeer zusammentraf, erkrankte er jedoch an

31. Juli 1817 nieder, und die Kapellmeisterstelle, welche Gürlich inne gehabt, blieb unbesetzt. Da galt es denn, sich in Dresden einzurichten, was ihm nach mancherlei Kämpfen auch gelang. Und als ihm die Zu sage lebenslänglicher Anstellung geworden, feierte er am 4. Novbr. 1817 seine Hochzeit mit Karoline Brandt, mit welcher er sein ferneres Leben hindurch in glücklichster Ehe lebte. Wenn die anstrengende Winterszeit vorüber, bezog das junge Paar ein Häuschen in dem anmuthig an der Elbe gelegenen Hosterwitz, und hier war es, wo Weber den größten Theil jener Meisterwerke komponirte, welche ihm dauernden Ruhm und Anerkennung verschaffen sollten. Der Be kanntschaft mit dem Dichter Friedrich Kind hatte er den Text zu seinemFreischütz zu verdanken, aber bevor er denselben vollendet, hatte er schon die Musik zu dem Wolff schen SchauspielePreciosa geschrieben.

Dem ihm noch immer befreundeten Grafen Brühl hatte Weber es zu verdanken, daß sowohlPreciosa, am 15. März 1821, als auch derFreischütz, am 18. Juni desselben Jahres, in Berlin zum ersten Male über die Bretter gingen. Beide Werke, unter Leitung des Komponisten aufgeführt, errangen einen solch un⸗ eingeschränkten Erfolg, daß Weber auch hier in Berlin, dem Ein flusse Spontini's entgegen, als Schöpfer der deutschen Oper an

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Beer nach Karlsbad zur Kur begab, ü

Aber selbst hier konnte er sich im An⸗ 1 fange seiner Stellung nicht in Ruhe

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einem heftigen Gallenfieber und mußte schleunigst die Rückkehr nach Prag antreten.

zusehen ist. So bereitwillig nun auch Berlin den Verdiensten Weber's Anerkennung widerfahren ließ, in Dresden hatte er noch manchen