Ausgabe 
12.9.1886
 
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Sie haben mir ja so oft gesagt und gezeigt, daß Sie mir Ihre Freundschast geschenkt; mehr verlange ich für jetzt nicht, wollen Sie nicht dem Freunde Ihre Zukunft, Ihr Leben anvertrauen, sich von ihm schützen und behüten lassen? Es ist kein glänzendes Loos, das ich Ihnen zu bieten habe, aber ein gesichertes, bescheidenes Heim und eine treue, feste Liebe für Sie und unsern Willy. Ach Anne⸗ liese, ich würde unsäglich glücklich sein, wenn Sie meine liebe Frau werden wollten.

Sie hob das thränenüberströmte Antlitz zu ihm empor.O wie gut Sie sind, wie soll ich Ihnen danken für alles das Liebe, Schöne, das Sie mir gesagt haben. Aber Sie brauchen eine andere Frau, Ihr froher Sinn, Ihr junges Herz dürfen sich nicht an Eine ketten, die schon zu viel Thränen vergossen, über der die Schatten tiefen Unglücks liegen, nein, nein, Sie müssen ein thaufrisches, junges Leben neben sich haben, das Ihnen sein erstes Lieben bringt und sein erstes Glück dankt. Diese Stunde aber werde ich nie vergessen, Sie lieber, bester Freund.

Er lachte hell und glücklich auf.Wenn Sie keinen andern

Grund haben, Anneliese, dann lasse ich mich so nicht fortschicken,

ich will keine Andere als eben Sie, wie Sie da sind, die ich von ganzem Herzen lieb habe und deren liebes, stilles Lächeln mich tausend Mal glücklicher macht, als das laute Lachen irgend eines jungen Dinges. Und mein Frohsinn wird auch die Schatten da von Ihrer Stirn verjagen, gewiß, Anneliese, es soll mir schon ge⸗ lingen. Und rechnen Sie das Glück denn für garnichts, das sie mir mit Willy in's Haus bringen, Sie wissen doch, daß der Junge mein Herzblatt ist.

O Lieber, soll's denn wahr sein, daß mir noch einmal ein so großes Glück beschieden, mir, die ich nichts mehr hoffte, o, es macht mich schwindlig, ich meine zu träumen! sagte Anneliese, ihm nun

beide Hände entgegenstreckend.

Er zog sie an seine Lippen.Also nun mein? Von ganzem Herzen, Sie Bester aller Männer. Willy, der es nicht begreifen konnte, daß der Onkel ihm noch

immer nicht, wie er es doch versprochen, die Peitsche zurecht gemacht,

sich auch die ganze Zeit nicht um ihn gekümmert hatte, kam eben ungeduldig herzugelaufen. 0

Onkel Hans, höre einmal, mein Pferd

Halt, mein Junge, rief Weber, ihn auf seinen Arm nehmend, mit dem Onkel ist es nun vorbei, von heute ab heißt es Papa, was meinst Du dazu?

Papa Hans, das klingt hübsch, lachte der Knabe und zauste vergnügt an Webers Bart. N

Hurrah, rief dieser, ihn hoch in die Luft hebend,wir wollen lustig zusammen sein, bis auch die Mama es wird, nicht wahr?

Willy jauchzte laut auf und rief zum zweiten Mal vergnügt: Papa Hans!

Weber küßte den Knaben zärtlich und sagte dann feuchten Auges, den Arm um Anneliesens Schultern legend:Unser Kind, Liebste!

Heddenheim hatte ängstlich jede Berührung dessen, was mit Ornshagen in Verbindung stand, auch in seinem Verkehr mit Weber vermieden, er wußte also direkt nichts von dessen Beziehungen zu Frau Anneliese. Dennoch hatte ihm ein instinktives Gefühl gesagt, daß sich zwischen Beiden eine Verlobung vorbereitete. So über raschte es ihn kaum, als Weber mit den Worten bei ihm eintrat: Sieh' mich einmal an, alter Junge, so sieht ein Bräutigam aus!

Er drückte ihm warm die Hand.Ich gratulire Dir von ganzem Herzen, Hans. Frau Anneliese ist natürlich Deine Verlobte?

Weber nickte.Du hast's also gemerkt? Nun, ich verstehe es eben nicht, meine Gefühle zu verbergen. Ich bin kein Schwärmer, Konrad, kein Poet, ich rühme sie Dir also nicht als Engel oder Göttin; Du kennst sie ja auch. Ich sage Dir nur: ich habe sie sehr lieb und bin glücklich, daß es in meine Hand gelegt sein wird, sie vergessen zu machen, was das Schicksal bisher an ihr gesündigt hat. Ich hoffe, es soll mir gelingen.

Gewiß wird es das, alter Freund, meinte Heddenheim lächelnd, Du bist ganz der Mann, um eine Frau zu beglücken. Frau Anne liese wird ein beneidenswerthes Loos an Deiner Seite haben.

Fange nicht an, mir Schmeicheleien zu sagen, ich werde sonst schamroth wie ein junges Mädchen, scherzte Weber.Weißt Du, Konrad, es wird Einem seltsam warm um's Herz, wenn man weiß, daß man für zwei geliebte Wesen das A und O für alle Zukunft

sein wird. Ja, für Zwei, Konrad, ach, unser Willy ist ein Pracht⸗ junge, er soll ganz mein Sohn sein, wahrhaftig nicht weniger, wenn ich erst ein eigenes Kind im Arme halte. Ach, Konrad, diese Welt ist doch wahrhaftig sehr schön. Er fuhr sich mit der Hand übe die Augen, die bedenklich feucht geworden waren. 9 Heddenheim unterdrückte einen Seufzer und sagte dann:Grüße Deine Braut von mir und sage ihr, daß ich ihr von Herzen Glück wünsche. 5 8 8 Hm, lautete Webers Erwiderung, er sah mit einem zweifelnden Blick zu dem Freunde hinüber.Möchtest Du ihr das nicht lieber selbst sagen? Sie würde sich freuen, Dich 11 Verlange das nicht von mir, lieber Junge, unterbrach ihn Heddenheim,ich kann nicht nach Ornshagen. a* Weber sah gedankenvoll vor sich hin.Hm, hi, hm. schwieg ein paar Augenblicke, dann begann er wieder:Es zient sich unter Männern nicht, über Dinge zu schwatzen, die abgethan 9 sind. Dennoch sieh' einmal, Konrad, wenn man selbst so von Herzen glücklich ist, wie ich jetzt eben, dann möchte man's den besten Freunde ebenso gut gönnen. Martina und Du, Ihr liebt. Euch, das ist klar, liebt Euch trotz alle dem Schnickschnack, der zwischen Euch liegen mag, also fasse Dir ein Herz, ein kühner Griff und das Alles ist beseitigt, Martina fliezt in Deine Arme und Ihr seid Beide glücklich. Muth, Muth, my boy, und ein Entschluß. f N 1 Du irrst, Hans, selbst wenn ich die Kluft überspringen wollte, die mich von ihr trennt, und ich will Dir's ehrlich sagen, ich habe in der letzten Zeit gedacht, daß ich, was mir zuerst unmöglich dünkte, jetzt könnte, weil die Liebe zu Martina das stärkste Ge⸗ fühl, die mächtigste Triebfeder in mir ist; also, wenn ich's ver⸗ suchte, mein Wille würde jetzt an Martina's scheitern, ich habe sie zu tief beleidigt. e 2 Nun, das käme doch auf den Versuch an, behauptete Weber. Heddenheim schüttelte den Kopf.Sie hat es mir selbst gesagt, daß sie mich nimmermehr sehen will, sie haßt mich. 1 Bah, der Haß ist häufig nur der Deckmantel für die Liebe, mein Sohn, das solltest Du, denke ich, wissen. i 1 Nicht hier, nicht bei Martina, sie hat vielleicht Grund, u zu hassen und ich bin zu stolz, um mich noch einmal von ihr zurüg 9 weisen zu lassen wie ein Bube! f Re Weber zuckte die Achseln.Nun, Du mußt ja wissen, was

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Du thust. Lebe wohl, mein Alter. Sie schieden mit einem Händedruck. 5(Fortsetzung folgt.) Lose Blätter. 1

Südafrikanische Ruinenstädte. Afrika bürgt noch viele, im Laufe der geit vielleicht der Entschleierung entgegengehende Räthsel, unter denen die südafrikanischen Ruinenstädte nicht wenig interessant sind. Die Portugiesen erhielten von A bereits Ende des 16. Jahrhunderts Kunde. Der Dominikaner⸗Mönch Joao dos Santos, der 1587 nach Sofola reiste be⸗ richtet von einem Königreiche Monomotapa, das reich an Gold sei und wo man die Ruinen steinerner Gebäude finde. Die Wiederentdeckung dieser zu-. geographischen Mythe gewordenen Ruinen ist das Werk Mauchs. Sie liegen unter 200 140 Südl. Br., 300 Kilometer landeinwärts von der portugiesischen Küstenstadt Sofola. Nach Mauchs Beschreibung lassen sich die Ruinen von Zimbaos in zwei Abtheilungen bringen. Die eine liegt auf einem etwa 120 Meter hohen Granitkopf, die andere, durch ein flaches Thal getrennt, auf einer etwas erhabenen Terrasse. Die Ruinen auf dem Granitkopfe sind wahrscheinlich Reste einer Felsenfestung. Alle Mauern ohne Ausnahme sind aus behauenen Granitsteinen ohne Mörtel aufgeführt. Sie sind vonn verschiedener Dicke, am sichtbaren Fuße 3, am eingefallenen oberen Ende 2 bis Meter. In einer Art abgesondertem Außenwerke findet ch ein noch ganz gut erhaltener Thurm von etwa 10 Meter Höhe. Er ist ebenfalls aus behauenen Granitblöcken bis zu 3 Meter Höhe cylindrisch, dann bis zur Spitze konisch erbaut; der Durchwesser am Fuße ist 5, an der Spitze 5 Meter; nirgends zeigt sich eine Spur von einem Eingange. Die Hypothese, daß die den Ruinen benachbarten Goldfelder das Ophir der Bibel und die Ruinen selbst ein ehemaliger fester Platz zu ihrer Behauptung seien, wird sich wohl sehr schwer oder nie sicher erweisen lassen. Immerhin bleiben diese Ruinen als Denkmäler der Arbeit eines vor der jetzigen Be- völkerung hier seßhaft gewesenen Kulturvolks von hohem Werthe.. Dr. A. 35

Merkwürdige Unterrichts Anstalt.Unweit Santiago, in der Nähe des Dorfes Vinara in Süd-Amerika trafen wir, so erzählt der Reisende Andrews,auf einen ungeheuren Feigenbaum, an dessen Fuße sich uns eigenthümliches Schauspiel bot. Die Aeste des großen Baumes bildeten ein weites Laubdach, welches einen runden Raum wie ein Gewölbe beschattete.