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Der Winter 69 auf 70 war ein strenger, lang andauernder
Winter. Die beiden Kinder des Gutsbesitzers lagen schwer krank am Scharlach darnieder. Seit Wochen entfaltete die junge Frau Alles, was an Selbstvergessen und Aufopferung möglich war, Tag und Nacht wanderte sie von einem Kinderbett zum andern, und er⸗ trug die Launen der Kranken mit himmlischer Geduld. Lindner war tief erschüttert und gerührt. Als die eigentliche Gefahr be— seitigt war, umarmte er Julia am Bette Adeliuens und sagte mächtig bewegt:„Aus Deiner Hand empfange ich das wieder⸗ gewonnene Leben der beiden Kinder; sie sind nun Deine Kinder, Du sollst fortan mit Deiner endlosen Liebe über sie wachen, dann weiß ich sie im besten Schutz.“ . Adeline schien eingeschlafen zu sein, sie war noch so matt und kraftlos. Georg war besonders mürrisch während seiner Krankheit gewesen, und doch that sein grobes, finsteres Wesen weniger der jungen Stiefmutter wehe, wie Adelinens verbindliche Gefälligkeit. Georg war mürrisch gegen Jedermann, Adeline dagegen bewies ihrem Papa eine ungetheilte Zärtlichkeit. Georg wurde eher wie ein Schützling behandelt, sie beherrschte ihn ganz und gar.
Das war ein schöner Frühling für Julia, sie durfte ihrem Gatten alle kleinen Dienste leisten, die sonst Adelinens Recht ge— wesen,— sie war nun endlich die Hausfrau! Sie war so schön, so fröhlich belebt in ihrem Wirken und Schaffen, daß Lindner der blühenden unermüdlichen Frau mit Freude zusah. Als Adeline zum ersten Mal das Krankenzimmer verlassen und um vieles gewachsen, aber schmal und bleich die bekannten Räume des Hauses durch- wanderte, blieb sie auf der Schwelle des Zimmers stehen und sah mit starrem Blick, wie Julia ihrem Mann den Kaffee in die Tasse goß, wie sie ihm die lange Pfeife holte, und Alles so freudig, die blauen Augen mit Innigkeit auf ihn gerichtet. Sie sah auch, wie ihr Vater die Hand seiner Frau ergriff und sie herzlich küßte. Adeline wurde todtenbleich, sie trat unbemerkt aus der offenstehenden Thüre zurück und wankte in ihr Schlafzimmer.
„Wir haben keinen Papa mehr, Georg!“ rief sie bebend dem Bruder zu, der im anstoßenden Zimmer saß und las;„er braucht mich nicht mehr, sie hat ihn nun ganz allein für sich genommen!“ f„Als ob mir daran läge!“ antwortete er verdrießlich.„Als 2 der Papa schrieb, er hätte für eine Mama gesorgt, und Du so böse darüber warst, da meintest Du, sie müsse alt sein und eine Haube tragen, wie Frau van Mossel. Wie Du sie nun gesehen hattest und Abends in mein Zimmer kamst, da warst Du schon so gescheit, wie Du heute geworden bist, Du warest sehr ärgerlich und sagtest:„Das soll uns der Papa nicht glauben machen wollen,
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5 zu den 5 Oberhessischen Machrichten. Jeder Nachdruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden. 3 D Ur. 15. i Gießen, den II. April. 1886. Die Stiefmutter. Roman von M. Elton.
(Fortsetzung.)
daß er die für uns geheirathet hat; da hat er ganz gewiß nicht an uns gedacht, wie er die zum ersten Mal gesehen hat.“—
„Ja, und davon bin ich heute ganz sicher überzeugt,“ rief sie und stampfte mit dem kleinen Fuße.
„Was hilft es Dir?“ fragte er höhnend.
„Wäre ich nicht krank geworden, und hätte ich vorher ein wenig Hilfe bei Dir gefunden, dann hätten wir unsern Papa behalten. Nun macht sie den Papa glauben, sie hätte Wunder in unsrer Pflege gewirkt, und sie hat doch nicht mehr gethan wie jede andere Krankenwärterin. Du hättest freundlich und lieb gegen den Papa sein müssen und artig gegen sie, damit die alte van Mossel nicht wieder den Papa gegen uns aufhetzt und am Ende sagt, wir machten der Stiefmutter das Leben schwer; denn nun wird er um so mehr Alles glauben, seit sie mich ganz verdrängt hat.“
„Ich kann nun einmal nicht falsch sein, Adeline, wir lieben die Frau nicht, sie ist uns quer gekommen,— nun, ich bringe es nicht fertig, ihr, wie Du, ein freundliches Gesicht zu machen.“
„O Du, Du bringst es nicht fertig und bist doch der größte Heuchler, den es giebt!“ rief sie mit drohenden, blitzenden Augen. „Ich bin von Natur offen und ehrlich und gehe fast zu Grunde darüber, daß Papa durch seine Wiederverheirathung mich in eine ganz falsche Stellung zwingt; aber Du, Ungeheuer, Du kannst Deine Gedanken verbergen und Dich hinter Deine Grobheit flüchten. Wenn ich dem Papa Alles sagen wollte, was Du und Dein guter Freund im Dorfe, Klas Back, schon Alles angerichtet habt,— ja, da siehst Du mich erschreckt an,— o ich will schweigen,— aber sprich mir nicht von Deiner Offenheit und Ehrlichkeit.“—
Sie war ihm weit überlegen, das fühlte er; er fand kein Wort, sie zu widerlegen, er drückte nur wüthend die Hände zusammen und senkte die finstern Augen.
Adeline wollte nicht mehr geschont sein; sie suchte von nun an der jungen Frau immer zuvor zu kommen und setzte sich mit seltener Ausdauer und Hartnäckigkeit wieder in Besitz ihrer alten Rechte. Wenn der verzehrende Blick des jungen Mädchens forschend Julia zu durchdringen schien und ihr gewissermaßen die Hände lähmte, dann ließ sie hoffnungslos davon ab, der kaum von der schweren Krankheit Genesenen die Liebesdienste zu entziehen, die sie nun einmal mit wahrer Leidenschaft ihrem Vater zu erweisen trachtete.
Die durchdringenden Augen Frau van Mossels durchschauten den Stand der Dinge in Mandsfelt. Bei einem Spaziergang durch den Garten blieb sie an der Seite des Gutsbesitzers und suchte sich so weit wie möglich von den Damen und ihren Söhnen zu entfernen. Es war nicht leicht, Adeline los zu werden, wenn Frau van Mossel gerne ein Wort mit Lindner gesprochen hätte; aber heute blieb sie gerne zurück; der älteste der jungen Herren be—
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