L Dbs, obern. mens
fer zu
nebst
r auch Ueber
bis zur Taille.
zu den
Oberhessischen UMachrichten.
Jeder Nachsruck aus dem Inhalt dieser Zeitschrift wird strafrechtlich verfolgt werden.
Gießen, den 8. August.
Die Erbin. Von Josephine Gräfin Schwerin. (Fortsetzung.)
VII.
Heddenheim hatte sich bei Frau von Hartwitz melden lassen, und als er dann in ihr Zimmer eintrat, erhob sich die Dame steif vom Sopha und begrüßte ihn mit einer altmodischen Verbeugung.
„Ich muß um Entschuldigung wegen meiner Verspätung bitten, gnädige Frau,“ sagte er.
„Ich habe allerdings seit einer halben Stunde auf Sie ge— wartet,“ erwiederte sie, ohne ihn vollenden zu lassen.„Pünktlichkeit ist nur eine gute Eigenschaft alter Leute. Die Jugend geht leicht— sinnig mit der Zeit um, wir wissen, daß wir nicht mehr viel davon übrig haben.“
„Im Allgemeinen glaube ich, diesen Vorwurf nicht zu verdienen,“ versetzte er lächelnd,„heute war es das unerwartete Wiedersehn mit einem Freunde, das mich nicht genau auf die Stunde achten ließ.“
„Lieber, Entschuldigungen hat man immer,“ behauptete Frau von Hartwitz,„doch genug, nehmen Sie Platz.“
Sie wies auf einen Stuhl und setzte sich selbst wieder steif und hoch aufgerichtet aufs Sopha. Sie war eine eigenthümliche Er⸗ scheinung; auf dem breitschultrigen, kräftig gebauten Körper saß ein Kopf mit männlichen Zügen. Das graue Haar legte sich, in eine feste Locke gesteckt, an die Wange und war dann mit einer sehr großen, mit vielen weißen Schleifen versehenen Haube bedeckt. Das Kleid, von einem schweren, schwarzen Stoff, war ohne jede Rücksicht auf die Mode gefertigt, und ein großer Kragen bedeckte es Obgleich Heddenheim Frau von Hartwitz ja schon früher gesehen, so waren seitdem doch mehrere Jahre vergangen, und die eigenthümliche Erscheinung frappirte ihn jetzt.
„Herr Gustav Heddenheim hatte die Güte, mir bisweilen in Geschäftssachen hilfreich zu sein,“ begann sie.„Ich bedurfte nicht viel, ich verstehe mich so ziemlich allein darauf, hier und da hatte ich denn aber doch seinen Beistand nöthig. Ich glaube, Sie bei einer solchen Gelegenheit auch einmal bei Ihrem Onkel gesehen zu haben.“
n Heddenheim verneigte sich zustimmend.
„Ich habe seinen Tod bedauert, er war ein rechtschaffener Mann und ein klarer Kopf, zwei seltene Eigenschaften, am seltensten vereint.“
Ihrem scharfen Auge entging nicht das kaum merkliche Lächeln um Konrads Lippen.„Ja, ja, mein Herr, sehr seltene Eigenschaften,“ wiederholte sie. Dann fuhr sie fort:„Es ist da so ein kleines
Gut an meiner Grenze gelegen, das zu klein ist, um darauf zu leben und zu groß, um darauf zu verhungern. Ein ganz unpraktischer Mensch, ein Herr Berting, hatte sich, ohne irgend etwas von der Landwirthschaft zu verstehen, mit wenig Geld das Ding auf den Hals gekauft, sich dann verheirathet und natürlich in ein paar Jahren Alles verwirthschaftet.
Er hat dann nichts Klügeres zu
thun gewußt, als sich eine Kugel durch den Kopf zu jagen und die arme Frau mit ihrem Kinde hilflos zurückzulassen. Mir würde das kleine Bresden zur Arrondirung meines Ornshagen gerade passen. Ich möchte die Sache schnell besorgen, bevor noch ein abscheulicher Wucherer, der Hauptgläubiger, zugreift, und möchte zu dem Zwecke etwas Kapital flüssig machen. Selbstverständlich darf ich mich selbst dabei nicht unvernünftig schädigen und wünsche deshalb Ihren sach— verständigen Rath wegen des Verkaufs einiger Papiere und der— gleichen. Es wäre das eigentlich Sache eines Rechtanwalts, aber diese Herren Juristen sind mir zuwider, es steckt so etwas von Blutsauger in ihnen allen, ich mag nicht gern mit ihnen zu thun haben. Ich hoffe, auch ohne sie fertig zu werden. Bitte, sehen Sie sich das einmal an.“
Sie reichte Heddenheim ein Blatt mit einigen Notizen, die sie in bündiger und klarer Weise mündlich ergänzte.
Nach einer kurzen Berathung sagte er:„Da sich so schnell ohne beträchtlichen Verlust diese Summe aus Ihrem Vermögen nicht flüssig machen läßt, so erlauben Sie mir den Vorschlag, daß ich Ihnen das Geld vorstrecke auf eine ganz von Ihnen zu be— stimmende Zeit.“.
Frau von Hartwitz sann einige Augenblicke nach.„Ich liebe dergleichen nicht,“ antwortete sie dann,„Schulden haben ist mir verhaßt—“
„Es ist ja ein ganz geschäftlicher Akt, gnädige Frau,“ unter⸗ brach sie Heddenheim,„wie er unzählige Male vorkommt; Sie verzinsen mir das Kapital.“
„Bah, es sind und bleiben immer Schulden; ich will es aber dennoch von Ihnen annehmen, nur um den Kerl zu ärgern, der darauf lauert, das kleine Gut sozusagen für ein Nichts zu über⸗ nehmen. Also abgemacht.“ Sie bot ihm die Hand und drückte die seine kräftig.
„Ich werde morgen sofort das Nöthige aufsetzen lassen und Ihnen dann das Geld übersenden,“ versprach er;„ich darf wohl um Ihre genaue Adresse bitten.“
In diesem Augenblick wurde die Thür aufgerissen und eine junge Dame trat rasch ein.
„Tantchen, ich bin lange geblieben, aber ich habe prächtige Ein— käufe gemacht,“ rief sie, dann Heddenheim bemerkend:„Nun, Gott sei Dank, Du hast noch nicht auf mich gewartet. Herr Heddenheim?“
Frau von Hartwitz nickte bejahend und stellte dann vor:„Fräulein Martina Weiß.“ 0
Heddenheim hatte sich erhoben und sah überrascht auf die reizende Erscheinung. Die große, schlanke Gestalt wurde durch ein einfaches
dunkles Kleid und ein eng anschließendes Tuchjäckchen vortheilhaft


