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. lichen Religionskriege, alljährlich gefeiert wurden.
mit abstechender Krämpe oder abstechender Unterkrämpe, ferner Felbelhüte, Hüte aus geflochtenen Filzstreifen, welche das Paillasson des Sommers nachahmen, Hüte aus Sammet, glatt überspannt oder faltenreich drapirt, Perlen, Straußfedern und noch mehr als diese Vogelphantasten, Schleifen
aus Pikotbändern. Und dann wird man reizende Toques sehen, graziös
chiffonnirt aus schwarzem Grosgrain oder Ottoman mit perlenfunkelndem Sammetrand und einer schwarzen Federphantasie, nicht minder anmuthig chiffonnirte und arrangirte Toques aus Sammet mit Federpompons ꝛc. 2c. Es ist ein zu großer Bereich, als daß eine flüchtige Umschau in demselben genügte, und so muß ich denn sagen:„bis auf das nächste Mal!“
Lose Blätter.
Volksfest im 16. Jahrhundert.(Siehe Illustration.) Paula Monjs, eine der begabtesten deutschen Malerinnen, welche sich auf der Düsseldorfer Akademie zur Bildnißmalerin ausbildete, trat im Jahre 1884 auf der akade⸗ mischen Ausstellung zu Berlin mit einem größeren Gemälde hervor, welches um des kulturhistorischen Vorwurfs willen Interesse erregte, und das in Bezug auf Komposition und Farbentechnik viel Anerkennung fand. Die Malerin schilderte eines jener fröhlichen Volksfeste aus dem 16. Jahrhundert, wie sie in den blühenden deutschen Städten, kurz vor Ausbruch der schreck— Während der Adel in Deutschland sich zu Turnieren und Schwertleiten und später zum Ringel⸗ reiten zusammen fand, feierten die Bürger ihre Messen und Kirchweihen, ihre großen Innungs⸗ und Schützenfeste. Der architektonische Rahmen, welcher die fröhlich zechende und schmausende Volksmenge umgiebt, läßt uns eine jener Städte erkennen, welcher die Gothik ihr besonderes Gepräge gegeben hat. Auf der Gartenterrasse erquicken sich die Spielleute an Speise und Trank— vermuthlich fahrendes Volk, das von Ort zu Ort zieht und
überall da zu finden ist, wo Messen, Kirchenweihen oder Hochzeiten ab⸗
gehalten werden. Und solch' ein lustiger Musikant, der auf stolzen Burgen und Schlössern, in niedern Dorfschenken und den Festsälen der Patrizier einkehrt, weiß tausend Schnurren und Späße. Mit einem Spaß aber scheinen
Jene dem munteren hübschen Bürgermädchen aufzuwarten, das in reicher,
kleidsamer Festtracht auf der Treppe anhält und erst über den Scherz lacht, bevor es zur Volksmenge niedersteigt. Bei der Treppe, im Schatten der Bäume, liegen auch die aus dem Keller hervorgerollten Weinfässer, aus denen die durstigen Kehlen getränkt werden. Leben und Bewegung herrscht auf der von Linden und Nußbäumen umschatteten Treppe und eine fröhliche Volksmenge füllt den freien Platz in der Tiefe. Nur die alten Bürger⸗ häuser mit den kleinen Erkern und Thürmchen schauen so ernst auf das fröhliche Treiben, als wären sie eher geschaffen Kriegsstürmen zu begegnen, als lustigen Volksfesten. Paula Monjé hat nicht nur in den Figuren und Trachten, sowie dem architektonischen Rahmen die Zeit trefflich charakterisirt, sondern auch die ausgelassene Stimmung der Volksfeste zum Ausdruck gebracht. 5 R. E.
Die Halleschen Studenten scheinen es, wie die anderer Universitäten, zu Ende des 17. und zu Anfang des 18. Jahrhunderts ziemlich arg ge⸗ trieben zu haben. Der größte Unfug, Händel untereinander und mit den Bürgern, selbst Verwundungen derselben, wüste Gelage, Zweikämpfe de. waren an der Tagesordnung, so daß sich der Senat u. A. am 3. Sep⸗ tember 1703 veranlaßt sah, folgendes„Patent“ anschlagen zu lassen: Wir Pro⸗Rector und Professores der Kgl. Preuß. Friedrichs⸗Universität allhier fügen jeder männiglich, absonderlich aber unsern Civibus Academicis all⸗ hier zu wissen:„Ob wir wohl bis anhero dahin getrachtet, daß, wie durch Göttliche Gnade diese Universität an der Anzahl derer hierselbst studirenden von hohem Stande und anderer vornehmer Eltern Söhne, vor andern zugenommen, also dieselbe auch in einem ehrbaren honeten und Gott⸗ wohlgefälligen Leben der Studirenden von andern Universitaeten hervor⸗ leuchten möchte; So hat doch die Erfahrung bisher bezeuget, wie unter⸗ schiedene von denselben den Zweck, warumb sie hierher gesandt, außer Augen gesetzet und durch allerhand unanständiges Vornehmen, in Sauffen, Schwermen, Schreyen und tumultuiren, dieser Universität eine nicht geringe blame ver⸗ ursachet, allermassen einige so wohl auff den Gassen als auch auff den Stuben gantze Nächte mik Sauffen und Schreyen unter dem Lärmen der Trompeten und Paucken zuzubringen sich unterstanden woran nicht allein viele vornehme Durchreisende sich sehr geärgert, sondern auch, bey denen Einwohnern die nächtliche Ruhe gestöhret, und gantze Gassen in Verdruß und alteration gesetzet, auch denen Patienten und Schwachen daher nicht
eringe Lebens⸗Gefahr zugezogen worden, deshalb auch unterschiedene Klagen bei dem officio Kcademico eingekommen. Wann dann aber solches nächt⸗ liche tumultuiren und schreyen sowohl in legibus Academiae, Lege XIV. sub poena casceries durioris ausdrücklich verbothen, als auch denen offen⸗ bahren Göttlichen und natürlichen Gesetzen zuwider, wie nicht weniger unsere Universität durch solche Unordnungen bey Auswärtigen in üblen credit gesetzet und das fernere Auffnehmen gehindert wird; Als hat man bey versammelten Concilio auff Mittel und Wege gedacht, diesem Uebel sich auff alle Weise zu widersetzen: Und wird daher allen und jeden Civibus Academiae ernstlich anbefohlen, sich dergleichen Unordnungen allerdings zu enthalten, von allem Geschrey, so wohl auff den Gassen, als auff den Stuben abzustehen, und auch auff den Stuben insonderheit des Nachts, und zwar im Winter nach 9 Uhr, im Sommer aber nach 10 Uhr, alle starcke Musiquen, es sey mit Waldhörnern, Trompeten und Paucken oder Hautbois oder Posthörnern und dergleichen, einzustellen, oder. zu seyn, daß wider die Uebertreter mit der poena carderts. durioris e wohl wider die Halsstarrigen mit der poena relegationis unaus 5 lich verfahren werden solle. Wornach sich jedermänniglich zu achten und vor
Schaden zu hüten. Uhrkundl. mit dem Universitäts Insiegel bedrucket. So geschehen Halle den 3. September 1703“.— Diese und ähnliche Ver⸗ warnungen fruchteten jedoch wenig, und namentlich auch die unbefugte Theil— nahme an Bürgerhochzeiten blieb im Schwange; in Menge drangen die Studenten in die Waage, verdrängten die geladenen Gäste vom Tanzplatze, forderten mit Ungestüm Bier und Wein und gaben zu Lärm und Streit Veranlassung. Ein großer Tumult entstand bei der Hochzeit des Waage⸗ meister Kellner am 19. September 1704; als der Rathsmeister Ochel einen der Lärmenden aus der Thür geworfen hatte, rotteten sich die übrigen zu⸗ sammen, stürmten Waage und Rathhaus, schlugen den Rathsmeister die Fenster ein und konnten nur mit Mühe zur Ruhe gebracht werden. Schon um 6 Uhr begann der Tumult, zwischen 8 und 9 Uhr wurde die Bürger⸗ glocke fünfmal geläutet, die Trommel gerührt, doch kein Bürger erschien. Endlich wurden sie mit Gewalt vom Rathskeller geholt und mit Gewehr, Spießen, Stangen und Prügeln ausgerüstet, erwarteten sie den Ausgang. Inzwischen gingen die Studenten nach Hause und die Bürger thaten um 12 Uhr Nachts, bis wohin sie vor dem Rathhause gestanden, dasselbe. Eine besondere Kommission ward zur Untersuchung der Sache eingesetzt. H. S.
Das Königreich und die Spinne. König Robert Bruce, ler regierte zu Anfang des 14. Jahrhunderts) durch die Engländer aus seinem Reiche vertrieben, hatte schon oft List und Tapferkeit aufgeboten, sich wieder seines Thrones zu bemächtigen, jedoch immer vergeblich; schon verlor er den Muth zu neuen Unternehmungen und entschloß sich nach dem heiligen Lande zu ziehen. Ueber sein Schicksal nachdenkend sah er nach der Decke empor und bemerkte daselbst eine Spinne, welche sich vermittelst ihres Fadens von einem Balken des Daches zum andern schwingen wollte; aber es mißglückte ihr immer. Sechs Mal, zählte Bruce, verfehlte sie das Ziel. Jetzt fiel ihm ein, daß auch er sechs Schlachten gegen die Engländer verloren habe.— „So soll das Schicksal der Spinne mein Leitstern ein,“ beschloß er.„Wenn sie noch einen Versuch macht, ihren Faden anzuheften, und es glückt ihr, so will auch ich zum siebenten Male es wagen. Gelingt es ihr nicht, so will ich nach Palästina ziehen, und nie wieder in mein Vaterland zurück⸗ kehren.“ Die Spinne machte sich auf's Neue mit aller Kraftanstrengung an ihr Werk und befestigte glücklich den Faden. Da erwachte auch Bruce's Muth, und wie er vorher jedesmal sein Ziel verfehlt hatte, so traf ihn nunmehr kein Unfall von Bedeutung. Er gewann sich Schottlands Krone auf's Neue und ward einer der bedeutendsten Könige des Landes. Es giebt Viele in Schottland, die niemals eine Spinne tödten würden, weil sie sich erinnern, welch' Beispiel von Ausdauer, und welch' glückliche Prophezeiung von diesem fleißigen Insekt ausgegangen ist.
Der erste regierende Fürst, welcher einen Luftballon bestieg, war, soweit es bekannt ist, der gelehrte Herzog Friedrich August von Braun⸗ schweig⸗Oels(geb. 1740, gest. 1805), der zweite der 1 Herzog Karl von Braunschweig(geb. 1804, gest. 1873). Schon vorher hatte sich ein Mitglied des braunschweig'schen Hauses, die Prinzessin Elisabeth Christine, geboren am 28. August 1690 zu Wolfenbüttel, seit 1708 Gemahlin Kaiser Karl's VI., sehr für die Luftschifffahrt interessirt und den portugiesischen Franziskanermönch Bartolomeo de Guyman während ihres ben in Barcelona unterstützt. Derselbe war der Erfinder eines„fliegenden Schiffs“ und stellte mit demselben im Jahre 1709 erfolgreiche Flugversuche an.
H. S.
Ueber die Ursachen der Ausbreitung des Islams. Unleugbar ist es wohl, daß Muhammed wenigstens in der ersten Zeit an seine göttliche Sen⸗ dung glaubte; doch hätte dies nur im kleinen Kreise wirken können. Mit größerem Rechte findet man die schnelle Ausbreitung seiner Lehre in dem Mittelpunkte und der Einfachheit seines Satzes:„Es ist nur ein Gott und
Muhammed sein größter Prophet;“ doch würden ohne die glühende Sinnlich-
keit, die der Koran athmet, sich wohl nur wenige Orientalen zu ihm be⸗ kannt haben. Den Hauptstoß, um den Osten für den Islam zu gewinnen, that das damalige Christenthum selber. Die christliche Kirche war durch Spaltungen geschwächt. Die Sekten zankten sich mit blödem Eifer um trinitarisch-christologische Geheimnisse, als wären die Mysterien der Kern der Lehre Jesu Christi. Die mönchische Askese, die von den indischen Büßern stammte, der an Abgötterei grenzende Heiligen- und Reliquiendienst, die sich gern als das Wesen des Christenthums geltend machten, scheuchten jedes frische Gemüth, das die Erde nicht als Jammerthal betrachtete, zurück und lähmte die Widerstandskraft, als Muhammed seine begeisterten, todes⸗ muthigen Anhänger um die Fahne sammelte, die den Erdengenuß und ein schimmerndes Paradies vertheidigte. Daß der Islam sich nicht die ganze Erde eroberte, war nur die Folge der unter Alis Herrschaft ausbrechenden politischen und religibsen Streitigkeiten. Sie allein retteten die Menschheit vor der absoluten Herrschaft des Islam. W. G.
Rodney. Als Rodney, der große Seeheld, in der Schlacht bei Finisterre 1747 den„Adler“ kommandirte, brachte er ein französisches Schiff zum Streichen, und als er an Bord desselben sprang, vom feind⸗ lichen Kapitän den Degen in Empfang zu nehmen, trat ihm dieser mit den Worten entgegen:„Ich wollte lieber, der Adler wäre zu einer Taube geworden und mit dem Oelzweig zu mir gekommen!“ M.
Asmi Achmet Effendi, der zu Ende des vorigen Jahrhunderts lange türkischer Gesandter in Berlin war, wurde eines Tages von einer Dame gefragt, ob er mehr als eine Frau besitze.„Ich habe nur ein Herz und eine Liebe,“ lautete seine Antwort;„ist die Frau gut, so ist eine genug— ist sie böse, so ist eine schon zu viel.“ W. G.


