Ausgabe 
7.3.1886
 
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1 Eines Tages blieb ich aus, ohne dem Jungen vorher etwasNicht im mindesten, gab ich lächelnd zur Antwort. 3 davon zu sagen. Stunde um Stunde stand ich vor meiner StaffeleiSo gebe ich's auf, Du Heide. Vielleicht lehrt Dich der Ex 1 U und skizzirte mit einer Herzenslust, die mich wunderbar erwärmte. folg noch glauben. 1 0 Jeder Pinselstrich schien mir ein Ruderschlag in eine neue, bessereVielleicht. Warm drückten wir uns die Hände zum 1 N Zukunft zu sein. Abschied; inniger hatte ich ihn nie geliebt, als in diesem Augen⸗ ö * Als ich am Abend zu meinem Liebling zurückkehrte, sah er mich blick, trotz seiner urffinnigen Philosophie! 1 9 vorwurfsvoll und traurig an, schloß dann die Augen und sprach(Fortsetzung folgt.) 1 19 kein Wort. 44 0 Was war da zu thun?Der Junge hat Deinen harten Kopf F.

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und will mit Billigkeit und Vernunft behandelt sein, sagte ich mir.

Ich stellte ihm also fest und freundlich vor, daß ich arbeiten müsse und nicht den ganzen Tag mit ihm spielen und spazieren gehen könne, wie seine Mama.

Dafür bin ich ein Mann. Du wirst auch einmal einer werden und es dann ebenso machen.

Das sah er ein, und die Freundschaft war auf's Neue geschlossen, nur mußte ich ihm versprechen, Mittags und Abends bei ihm zu sein.

Seit er völlig genesen ist, haben wir unseren Vertrag ein wenig geändert. Ich ließ ihm ein kleines Pult machen, an dem er, so lange er will, sitzt und Buchstaben malt, während ich arbeite; da⸗ für habe ich das Recht erhandelt, an fünf Abenden auszugehen; denn daß ich außer seiner Gesellschaft noch zuweilen der meiner Freunde bedarf, deren Umgang mir wieder ein liebes Bedürfniß geworden ist, wußte ich dem Schlingel ganz leicht begreiflich zu machen.

Während ich male, darf er mich mit keinem Worte stören. Es ist reizend, wie treu er seinen Kontrakt hält.

Treuer wohl nicht als Du! sagte ich lachend. Trotz aller Sympathie für den Freund hatte der Gedanke, daß der willensstarke Mann sich von so winzigen Kinderhändchen zügeln und gängeln ließ, etwas unendlich Komisches für mich.

Weit wirst Du mit Deiner Erziehungsmethode keinesfalls kommen, konnte ich mich nicht zu bemerken enthalten.Sollte die Natur Deinem Liebling etwas von Deinem trotzigen, hartnäckigen Wollen verleihen, sollte dann das Leben, wie so oft, sich der Er⸗ füllung seiner Wünsche entgegenstemmen, so wird er Dir's vielleicht später nicht danken, daß Du ihm eine Nachgiebigkeit gezeigt hast, die das Schicksal schwerlich nachahmen wird.

Du irrst, Rolf, entgegnete er.Freilich ist das Leben hart und unbeugsam. Aber nur der empfindet's, der heftig und un⸗ gestüm begehrt, der sein Lebensglück trotzig kühn auf einen Wurf setzt, wie ich's gethan habe. Durch Billigkeit und Milde will ich das leidenschaftliche Wollen in dem Knaben dämpfen, will ich jenem Eigensinn die Spitze brechen, der so leicht alles Glück zer stört, und den nur Härte, Widerstand und Gewalt im Menschen groß zieht. Wer, wie ich, eine Kindheit ohne Mutterliebe, voll stoth und Entbehrungen verbringt, und unter Drangsal und Noth den Flügelschlag des Genius in sich spürt, der muß im Kampfe mit Strenge und Engberzigkeit allmälich starr und schroff werden.

Ich habe Stunden durchlebt, in denen entweder weichmüthiges Verzagen oder eiserner Trotz die Oberhand gewinnt. Als ich am Grabe meines Vaters kniete und tausend Stimmen mir zuraunten, daß Groll und Gram über die eigenmächtige Wahl meines Berufes den Alten so früh in den Tod getrieben habe, da erwachte inmitten aller Vorwurfsqual jener Muth im Herzen des sechszehnjährigen Knaben, der rückhaltlos seine Stimme erhob: Es war trotz Allem und Allem recht gethan, daß Du das Vaterhaus verlassen hast, in dem man Dich zu verhaßter Arbeit zwang und den Götterfunken in Deiner Brust ertödtete!

Mit heißen, trockenen Augen schwor ich mir, nun erst recht, mit starker, treuer Beharrlichkeit, dem Genius zu dienen, der mich durch so furchtbare Kämpfe zu seinem Jünger stählte.

Von jener Zeit an scheute ich keinen Widerstand mehr; kühn und keck forderte ich vom Leben und fürchtete seine Feindseligkeiten nicht, da ich nichts mehr zu verlieren und Alles zu gewinnen hatte.

Und in seltsamer Gefügigkeit unterwarf sich mir das Schicksal, bis ich in tollem Uebermuth meine Wünsche zu einem Stern erhob, den ein Sterblicher nicht ungestraft begehren darf; da wurden meine Uebergriffe durch einen Schlag gerächt, der mich zu Boden warf.

Daß ich den Knaben nicht vor Schmerz behüten kann, weiß ich wohl. Aber so lange ich's vermag, will ich jede Ungerechtigkeit von ihm fernhalten; denn sie ist die Wurzel, aus der Trotz und Schroff heit wächst. Und nun, habe ich Dich bekehrt, Rolf?

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Eine Vision Rönig Karls XI. von Schweden. Von G. O. Hilder.

Es ist schon recht lange her, ich war noch ein Kind und saß auf einem Fußschemel dicht am Knie der alten Tante, die aus dem fernen Schweden zum Besuch gekommen war und uns allerlei Geschichten und Begebenheiten aus ihrem Heimathslande erzählte. Ihre Erzählungen galten eigentlich nicht mir, sondern einem Kreise erwachsener Zuhörer, aber ich war doch nun einmal auch da und lauschte ebenso aufmerksam, wenn nicht aufmerksamer, als die Großen. Von allen ihren Erzählungen war es besonders eine, welche meine jugendliche Phantasie auf das Lebhafteste in Erregung versetzte und zugleich eine heillose Verwirrung in meinem armen Denkvermögen anrichtete, da der Inhalt derselben im grellsten Widerspruch stand zu Allem, was mir bis dahin zu glauben und nicht zu glauben gelehrt worden war. In mancher schlaflosen Nacht habe ich damals Wort für Wort jener merkwürdigen Erzählung repetirt, so daß ich heut noch im Stande bin, dieselbe genau, wie die Tante sie vortrug, wiederzugeben.

Vor Jahrhunderten lebte einmal ein König von Schweden, der es mit seinem Volke aufrichtig gut meinte und darum auch der Herrschsucht des die Bürger und Bauern schwer bedrückenden Adels mit starker Faust entgegentrat. Aber der Adel war mächtig und darum so leicht nicht zu bezwingen, und so hatte denn der König mit seinen Räthen bei Tage und bei Nacht unausgesetzt darüber nachzudenken, wie er doch endlich seinen Willen siegreich durchzu⸗ führen im Stande sei. So saß er einst mit drei der ihm meist ergebenen Stadträthen in seinem Gemach im Schloß zu Stockholm; es war, wie gewöhnlich, spät geworden und vom Thurmzu den drei Kronen dröhnte der erste Schlag der Mitternachtsstunde dumpf hernieder. Der König trat ans Fenster, um frische Luft zu schöpfen, ihm war warm geworden bei den wichtigen Berathungen. Da fuhr er erstaunt zurück; in dem gegenüberliegenden Flügel des Schlosses, in dem der Saal für die außerordentlichen Zusammen⸗ künfte der Stände gelegen, schimmerte helles Licht durch die linnenen Fenstervorhänge. Im ersten Augenblick glaubte der König an eine Feuersbrunst, aber dazu leuchtete der Schein zu gleichmäßig, im

Reichstagssaal mußten Kerzen angezündet worden sein. Aber eine Ständesitzung jetzt mitten in der Nacht und, ohne daß der König davon Kenntniß hatte, das war undenkbar oder Hoch⸗

verrath.Was bedeutet das Licht im Reichstagssaal? rief der König vorwurfevoll seinen Räthen zu, welche, überrascht wie dieser, ja erschrocken, keine Antwort zu geben vermochten.Darüber müssen wir Gewißheit haben, fügte der König schnell entschlossen hinzu und begab sich sogleich zu dem alten Bücherschrank, in welchem die Schlüssel zu den Gemächern des Schlosses aufbewahrt wurden. Der Schlüssel zum Reichssaal befand sich unberührt darin und be⸗ zeugte noch durch eine dicke Rostschicht, daß er seit langer Zeit nicht in Gebrauch gewesen.Es existirt nur dieser eine Schlüssel und doch ist der Saal geöffnet worden, sprach der König mehr zu sich selbst, als zu den Räthen, und laut setzte er hinzu:Es begiebt sich etwas Gesetzwidriges, Unstatthaftes, ich bitte Sie, meine Herren, mir zu folgen. Aber die Räthe, eingedenk der Intriguen des regierenden Adels, zauderten, zu gehorchen. Doch mit festen Schritten ging der König furchtlos voran. Da mußten die Räthe folgen; dies geschah, nachdem ein Jeder eine Wachskerze in die Hand genommen. Duupf hallten die Tritte der vier Männer durch die öden Wölbungen der Korridore. Dann mußte Saal nach Saal durchschritten werden, schauerlich knirschten die Schlüssel in den schweren Schlössern und knarrten die sich öffnenden hohen Flügelthüren, bis endlich der König mit seinen Begleitern vor der Thür des Reichstagssaales stand. Noch einmal wagten es die Räthe dem Könige vorzustellen, daß jedenfalls der unzufriedene Adel hier

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